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Test zu The Bridge - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: The Bridge
  • USA USA: The Bridge
  • Japan Japan: The Bridge
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
07.09.2017
Vertrieb
The Quantum Astrophysicists Guild
Entwickler
The Quantum Astrophysicists Guild
Genre
Puzzle
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Von Gravitation und unmöglichen Figuren

Von Roman Dichter ()
Es ist Nacht. Ich sitze allein unter dem deutlich sichtbaren Sternenzelt – beeindruckt von der Demut erweckenden Unendlichkeit des Universums – und denke nach. Meine Gedanken schweifen von dem, was wir zu wissen glauben, über das, was wir nie verstehen werden, bis hin zu dem, was beides vereinen kann: Videospiele. Wann immer ich im Internet über das Puzzlespiel The Bridge gelesen habe, begegneten mir zwei Namen: Isaac Newton und M. C. Escher. Newton, eine Legende unter den Naturwissenschaftlern, dem man nachsagt, er sei durch einen auf seinen Kopf fallenden Apfel auf die Entdeckung des Gravitationsgesetzes gekommen, steht für außergewöhnliche Erscheinungsformen der Schwerkraft im Spiel. Escher war ein Künstler, der unmögliche Figuren erschuf – also Formen, die sich zwar gezeichnet wunderbar darstellen, aber niemals in der dreidimensionalen Realität umsetzen lassen. Solche Bilder werden in The Bridge zum Leben erweckt. Das Nachdenken macht müde. Ich schlafe ein.

Alles beginnt mit einem Apfel – Newton lässt grüßen!

Autsch! Geweckt werde ich von einem dumpfen Schmerz. Das gibt eine Beule! Auf dem Boden liegt ein Apfel, der allerdings weit entfernt vom knackigen Grün oder saftigen Rot seiner Artgenossen ist. Überhaupt wirkt die Umgebung farblos. Die Welt um mich herum ist Schwarz-Weiß, wirkt wie gezeichnet. Ich selbst sehe aus wie in den Notizblock eines anderen gekritzelt. Die Welt mag nicht bunt erscheinen, aber doch irgendwie schön. Sie hebt sich ab vom tristen Einerlei, das ich sonst tagtäglich vor die Augen bekomme. Aus der Ferne beschallen mich ruhige, fast mystische Klänge, die mir intuitiv mitteilen, dass ich nicht ohne Grund an diesen Ort gelangt bin. Ich habe eine Aufgabe! Ich muss voranschreiten. Ich muss die Tür erreichen. Ich muss den Weg finden!

Bei näherer Betrachtung ist diese Aufgabe schwieriger als gedacht. Der Architekt dieses Ortes scheint gewaltig zu schielen. Oder sind es meine Augen, die mir einen Streich spielen? Die Anordnung der Säulen, die ich sehe, die Richtung der Treppen, die Position der Tür – an der Decke? Wie kann das, was auf der linken Seite vor mir ist, etwas weiter rechts und noch auf derselben Ebene zugleich hinter mir sein? Offensichtlich bin ich in einem Escher-Bild gefangen. Das erklärt zumindest, warum das Universum plötzlich zweidimensional ist und ich mich nur von links nach rechts bewegen kann. Überhaupt bin ich heute nicht sehr beweglich. Über Nacht muss ich ziemlich gealtert sein, denn springen, rennen, klettern und alle weiteren dynamisch-sportlichen Fähigkeiten meiner weit in die Ferne gerückten Jugend scheinen mir von magischen Kräften genommen worden zu sein.

Die Aufgabe: Durchschreitet den Level-Ausgang. Doch auf welchem Weg können die Tür und ihr Schlüssel erreicht werden?

Doch wie komme ich hier heraus? Ist dies etwa ein Gefängnis, das mich heimlich verspottet, indem es mir einen unerreichbaren Ausgang vor die Nase hält? Nein, das kann ich nicht glauben! Vor Wut könnte ich die grausamen Säulen einreißen! Ich spüre die in mir brodelnde Entschlossenheit, diesen Zustand nicht zu akzeptieren! Ich spüre… ein Erdbeben? Was passiert hier? Bin ich das? Ja! Es muss sich um einen Tausch handeln. Wer braucht schon ein paar sportliche Fähigkeiten, wenn er sie abgeben kann und dafür eine viel größere Macht erhält? Ich kann die gesamte Welt bewegen! Es ist so einfach wie ein Knopfdruck: Ganz nach meinem Willen rotiert die Umgebung nach links oder rechts. Steile Wände muss ich nicht mühsam erklimmen – ich verwandle sie einfach zu einem waagerechten Untergrund.

Ausgestattet mit dieser Macht ist es mir ein Leichtes, den Ausgang zu erreichen. Doch was erwartet mich hinter der Tür? Ich hatte es schon befürchtet: Die Reise ist noch lange nicht beendet. Zahlreiche weitere Türen kündigen zusätzliche vergleichbare Aufgaben an, allerdings vermute ich, dass sie nicht immer vergleichbar einfach zu lösen sind. Doch wozu sich Gedanken machen? Ich breche lieber auf in Manier eines Abenteurers, der lachend auf das Ungewisse zu läuft. Schließlich muss ich gestehen: Es macht mir Spaß! Das Leben muss man nicht in seinen Einzelheiten verstehen, um es genießen zu können. Im Gegenteil: Wenn wir es akzeptieren und einer Aufgabe nachgehen, dann bietet das die wahre Erfüllung. Also sehe ich die Bürde meiner Situation als Herausforderung, auch den letzten Ausgang zu durchschreiten.

Willkommen in der Traumwelt

Viele Türen erreiche ich ohne größere Probleme. Als die anfängliche Begeisterung über die packende Atmosphäre und die einzigartige Architektur nachlässt, macht sich fast schon etwas Ernüchterung breit. Etwas ausgeprägter hätte ich die Herausforderung meines Geistes erhofft, doch meine eingeschränkten Fähigkeiten, die mich nur in zwei Richtungen laufen und die Landschaft drehen lassen, offerieren mir ohnehin nicht viele Handlungsoptionen. Ein langes Nachdenken über das aktuelle Puzzle schiebe ich deshalb schnell beiseite und rufe die Devise „Probieren geht über Studieren“ aus. Ich frage mich, ob das im Sinne der großen Geister hinter dieser Traumwelt ist… Doch schließlich gelangen derartige Überlegungen ins Stocken. Ein höherer Schwierigkeitsgrad durch zusätzliche Elemente erreicht mich an einer Stelle, an der bereits zahlreiche Türen geöffnet, aber trotzdem noch viele verschlossene vor mir liegen.

Wie in einem Traum: In The Bridge werden unmögliche Figuren und Umgebungen zum Setting für Puzzle-Aufgaben, die ihr lösen müsst.

Immer neue Aspekte gibt es zu bedenken. Zunächst sind es verschlossene Türen, deren Schlüssel ich besorgen muss. Dies ist aber nicht einfach nur ein weiterer Weg, dem Erreichen einer Tür vergleichbar. Vielmehr gilt es zu bedenken, dass ein Schlüssel, der frei auf dem Boden liegt, den nicht immer ganz normalen Gesetzen der Schwerkraft unterliegt. Sobald ich also meine Umgebung drehe, damit ich mich ihm nähern kann, verwandle ich damit auch seinen Boden in eine Wand, von der er herabstürzt. Es ist beinahe, als würde er so vor mir weglaufen und mir immer einen Schritt voraus sein. Auch große, ebenfalls bewegliche Kugeln, deren Kontakt mein sofortiges Ableben zur Folge hat, machen mir die Suche nach dem richtigen Pfad zunehmend schwerer. Glücklicherweise kann ich fatale Fehler schnell rückgängig machen, indem ich eine beliebige Strecke in der Zeit zurückreise.

So schreite ich voran durch verschiedene Puzzles und begegne weiteren Merkwürdigkeiten wie mysteriösen Schaltern, die die Schwerkraft für bestimmte Objekte und mich selbst verändern, während andere Gegenstände, wie gesuchte Schlüssel, noch aus der ursprünglichen Richtung angezogen werden. Wenn mich dann zugleich zwei tödliche Kugeln, die zwei verschiedenen Gravitationskräften gehorchen, am einfachen Abschreiten des Weges hindern, dann wandelt sich meine Wahrnehmung der vermeintlich leichten Aufgaben in die Befürchtung, kläglich beim Versuch zu scheitern. Viel Geduld, einige zusätzliche Anläufe und ja, auch gezieltes Nachdenken bringen mich dann doch auf die Lösung meiner Probleme. Schließlich ist die letzte Tür geöffnet und meine Reise neigt sich dem Ende zu. Sie war unterhaltsam, außergewöhnlich, abwechslungsreich – und dauerte doch nur eine Nacht. Eine Nacht allerdings, die ich nie vergessen werde. Ich lege mich gemütlich unter einen Baum, beiße in meinen Apfel und lasse im Kopf Revue passieren, was ich gerade erlebt habe. Dabei schlummere ich zufrieden ein.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu The Bridge

Meinung von Roman Dichter
Zurückgekehrt aus der surrealen Spielewelt von The Bridge erscheint mir das Erlebte wie ein Traum. Ich erblickte die einzigartige Atmosphäre von unmöglichen Figuren M. C. Eschers, auf denen ich spazieren konnte, als ob man sie doch in der realen Welt erschaffen könnte. Allein dieses Setting machte die Reise durch die Puzzle-Landschaften für mich lohnenswert. Nach und nach hinzukommende Elemente wie die Manipulation der Schwerkraft oder gefährliche Hindernisse bereicherten das Spiel-Erlebnis deutlich. Was mich noch von der restlosen Begeisterung trennt, sind eine Gameplay-Mechanik, die häufig eher zum gedankenlosen Probieren als zum cleveren Tüfteln einlädt, sowie daraus folgend, ein unausgewogener Schwierigkeitsgrad, der in vielen Levels als bedeutungslos einfach oder Ratlosigkeit erzeugend schwierig beschrieben werden kann. Zudem ist der Umfang überschaubar, wobei die konkrete Spielzeit natürlich sehr davon abhängt, wie lange man an den schwierigeren Levels zu tüfteln hat. Mit der richtigen Idee ist ein Level in einer Minute gemeistert. Das sollte allerdings nicht zu abschreckend wirken, denn wenn ich lächelnd auf den beginnenden Sonnenaufgang blicke, dann weiß ich, dass sich eine Nacht mit The Bridge für mich zweifellos gelohnt hat.

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