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Test zu Lichtspeer: Double Speer Edition - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Lichtspeer: Double Speer Edition
  • USA USA: Lichtspeer: Double Speer Edition
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
07.09.2017
Vertrieb
Crunching Koalas
Entwickler
Crunching Koalas
Genre
Action, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 2 - Online: 0
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Die etwas andere Speerwurf-Simulation

Von Roman Dichter ()
Warnung: Dies ist ein relativ seriöser Text über ein relativ abgedrehtes Spiel. Wer der Meinung ist, dass sich der Wahnsinn eines Spiels auch auf den Spieletest übertragen sollte, darf gerne den Mut aufbringen, den folgenden Link anzuklicken.

Hier geht es zum Spieletest für die Crazy Germonauts Hans und Helga – Evil Lichtgott-Edition!

Das Spiel hinter dem Wahnsinn



Wer sich den Trailer zu Lichtspeer angesehen hat, der weiß, dass sein abgedrehter Humor sofort heraussticht. Wir betreten eine altgermanische Welt in einer Zukunft, in der Lichtgötter herrschen und den Protagonisten des Abenteuers – wahlweise Hans oder Helga – einen Lichtspeer in die Hand drücken, auf dass sie zu ihren Ehren und zu ihrer Belustigung Gegnerhorden töten und selbst (immer mal wieder) sterben. Wo die Story ansetzt, legen die Gegner noch eine Schippe an Verrücktheit drauf: Wurst Zombies, Evil Stormdwarfs oder Penguin Vikings haben es auf euch abgesehen. Es scheint, als hätte das zweiköpfige Entwickler-Team aus Polen, bestehend aus Rafal Zaremba and Bartek Pieczonka, alles daran gesetzt, ihre denkbar verrücktesten Ideen umzusetzen.

Das Skater Walrus schleicht sich langsam zur Rusche.

Offensichtlich werden sich an dieser Stelle bereits die Geister scheiden. Wer sich nicht auf solche Albernheiten einlassen möchte, findet bestimmt seriösere Alternativen. Andere werden von diesem kreativen Humor magisch angezogen und werden ohne große Nachfragen den Nintendo eShop aufsuchen, weil sie dieses Meisterwerk ohne Frage besitzen müssen. Dann wäre da aber noch eine dritte Spieler-Gruppe, die sich fragt: „Alles schön und gut – aber was zum Wurst Zombie muss man da überhaupt machen?“ Schauen wir uns also das Gameplay genauer an und überlegen, ob Lichtspeer: Double Speer Edition jenseits der schrillen Präsentation überzeugen kann.

Die Spielmechanik ist sehr einfach gestaltet. Euer Speerwerfer wird auf einem 2D-Screen an den Rand gestellt und kann dort auch nicht die Position wechseln. Ihr steht also wie festgenagelt auf der Stelle und seht unterschiedliche Gegnertypen auf euch zukommen. In einigen späteren Abschnitten steht ihr übrigens auch mittig und müsst Gegner von beiden Seiten abwehren. Schaffen sie es, euch zu erreichen, dann hat das euren sofortigen Bildschirmtod zur Folge. In diesem Fall wird der letzte Abschnitt von vorn begonnen. Um das eigene Ableben zu verhindern, werft ihr – ihr ahnt es – Lichtspeere auf die Gegner. Diese tödlichen Waffen stehen euch in unbegrenzter Anzahl zur Verfügung. Besiegt ihr alle Gegner, schreitet ihr in den nächsten Abschnitt voran und trefft auf die nächsten Herausforderer. Im Groben ist damit bereits das wesentliche Spielprinzip erklärt. Es ist somit nicht sonderlich komplex, aber trotzdem gelungen, weil es wirklich fordernd ist, ohne aber zu frustrieren. Ich war beim Spielen immer wieder motiviert, es erneut zu versuchen, selbst wenn ich einen Abschnitt zehnmal, zwanzigmal oder öfter wiederholen musste.

Die Kunst des Speerwerfens

Werfen wir noch einen näheren Speer, ähm, ich meine Blick auf das Spielgeschehen. Man könnte vermuten, dass das Ganze in einer hirnlosen Baller-Orgie ausartet. Dies ist aber tatsächlich nicht der Fall. Im Gegensatz zu typischen Pistolen-Ballerspielen feuert diese Waffe nicht blitzschnell und auch nicht kerzengerade in Richtung der eigenen Gegner. Zunächst gibt es die Ausholbewegung, die durch einen einfachen Knopfdruck initiiert wird, gefolgt vom Abwurf, wenn ihr den Knopf loslasst. Eine aus kleinen Pfeilen bestehende Linie zeigt euch beim Ausholen die Wurfrichtung an, was dafür sorgt, dass ihr ziemlich präzise zielen könnt und nicht einfach blind durch die Gegend werft. Diese Wurflinie baut sich während des Ausholens auf, sodass ihr bei einem kurzen Knopfdruck auch nur ein kleines Stück weit werft, während ihr den Speer bei länger gedrückt gehaltenem Knopf deutlich weiter schleudern könnt.

Immer wieder stellen sich euch abwechslungsreiche Bossgegner in den Weg.

Damit kommt auch ein weiterer Faktor ins Spiel: die Zeit. Obwohl euch teilweise sehr viele Gegner zugleich das Leben schwermachen, ballert ihr sie nicht wie mit einem Maschinengewehr im Zehntelsekundentakt über den Haufen. Zunächst braucht ihr etwas Zeit für das Ausholen, und dann fliegt auch der Speer – verglichen mit einer Pistolenkugel – langsam über den Bildschirm. Bei weiten Würfen vergeht zwischen Abwurf und Ankunft des Lichtspeers so viel Zeit, dass sich die anvisierten Gegner in der Zwischenzeit ein Stück fortbewegen, was ihr beim Zielen natürlich einberechnen müsst. Zudem muss erwähnt werden, dass der Speer den Gesetzen der Gravitation gehorcht. Er fliegt damit in einem Bogen voran und nicht einfach geradeaus. Wenn sich der Protagonist nicht auf einer Geraden, sondern auf einer schrägen Fläche befindet, hat dies durch die Flugphysik auch Einfluss auf euer Wurfverhalten. Damit ist der Prozess des Zielens zwar keine Wissenschaft, aber doch erfrischend anspruchsvoll. Wie erwähnt sind sehr präzise Würfe möglich. Die Herausforderung besteht darin, diese unter Zeitdruck zu tätigen und den verschiedenen Gegnertypen anzupassen.

Diese sind nämlich nicht nur optisch variantenreich gestaltet, sondern sie haben unterschiedliche Charakteristika, die beim Speerwurf beachtet werden müssen. Da wären beispielsweise die Wurst Zombies, die (wie die meisten Gegner) durch einen einzigen Treffer besiegt werden können, die sich aber auch schnell fortbewegen. Vergleichsweise langsam sind dagegen die Hipster Ice Giants, die eine große Trefferfläche bieten, aber auch erst beim zweiten Speer zu Boden gehen, es sei denn ihr landet einen Kopftreffer. So gibt es also kleine, schwerer zu treffende Gegner, größere Gegner, die teilweise wie ein Schutzschild vor anderen Bösewichten laufen, fliegende Gegner, die euch immer wieder zum Anpassen der Wurfrichtung zwingen, und Gegner in Schutzkleidung, die nur an bestimmten Punkten verwundet werden können. Schließlich gibt es noch Gegner mit außergewöhnlichen Angriffsmustern, wie das Skater Walrus, das erst langsam einer Rutsche entgegenrobbt und scheinbar ungefährlich ist, dann aber durch die Rutsche beschleunigt und pfeilschnell auf euch zugeflogen kommt. Die immer wieder unterschiedlichen Zusammensetzungen der Gegner, die zeitglich auf euch losgelassen werden, fordern euch somit immer wieder aufs Neue heraus. Die Blitzschnelle Entscheidung, welcher Angreifer zuerst anvisiert werden soll, entscheidet häufig über Leben und Tod.

Wirf nicht daneben!

Das Verschieben der Ziellinie geschieht mithilfe des Analog-Sticks. Sie bewegt sich nicht hektisch oder blitzschnell, sondern die Ausrichtung kostet auch immer etwas Zeit. Das mag einigen Spielern störend vorkommen, die am liebsten ihre Ziele in wenigen Millisekunden im Visier haben möchten. Aber in Lichtspeer: Double Speer Edition gehört genau diese Zielmechanik zu den Herausforderungen an den Spieler. Das grundsätzlich einfach strukturierte Gameplay erhält durch weitere Elemente noch etwas mehr Tiefe. Ziellose Speerverschwendung ist nicht zielführend, denn sie wird schnell bestraft. Werft ihr zu oft in Leere, sinkt die Trefferquote und der Lichtgott lässt ein erzürntes „NEIN“ erschallen. Daraufhin dürft ihr kurzzeitig keine neuen Speere werfen, was natürlich fatal ist, wenn sich einige Gegner schon direkt vor eurer Nase befinden.

Seit ntower 2.0 wissen wir, dass Pinguine programmieren können. Aber sie können auch fliegen!

In solchen Notsituationen helfen euch noch spezielle Angriffs- und Verteidigungs-Fähigkeiten, die ihr in einem spielinternen Shop erwerben könnt. Dafür ist kein Geld erforderlich, sondern durch das Spielen verdiente Punkte dienen als Währung. Beispielsweise gibt es den Angriff „Dreispeer“, der den Speer in der Luft teilt, sodass ein Wurf mehrere Ziele treffen kann. Auch Upgrades können gekauft werden, durch die ihr die Fähigkeiten öfter nutzen könnt (sie müssen nach dem Einsatz eine Zeit lang regenerieren) oder durch die sie noch effektiver werden (z.B. wird aus dem Dreispeer ein Fünfspeer). Insgesamt drei Arten von Fähigkeiten könnt ihr zugleich ausrüsten: Angriffe, die sich auf den Speer beziehen (wie erwähnter Dreispeer), andere Angriffe (z.B. ein Lichtstrahl, der Gegner beseitigt, die es nah an euch heran geschafft haben) und Verteidigungsfähigkeiten (wie ein Schutzschild oder die Superzeit, in der die Gegner langsam werden und ihr mehr Zeit zu reagieren habt).

Während die meisten Level zwar abwechslungsreich präsentiert werden, aber im Grunde doch immer gleich ablaufen, sorgen verschiedene Endgegner für willkommene Abwechslung. Sie sind natürlich nicht mit einem Treffer zu besiegen, was man von euch aber auch an dieser Stelle nicht behaupten kann. Herausfordernd sind sie auf jeden Fall, vor allem stellen sie euch aber vor die Aufgabe, ihre Schwachstellen zu finden, indem ihr ihre Verhaltensweisen und Angriffsmuster durchschaut – also genau das, was man von einem guten Endgegner erwarten darf. Im Kampf müsst ihr übrigens auf eure Upgrades wie Dreispeer oder Schild verzichten.

Doppelter Spaß mit zwei Spielern

Wer zusätzliche Motivation sucht, wird mit Highscores und Statistiken gefüttert, sobald ein Level beendet ist. Auch verschiedene Einsatzziele („Verfehle dein Ziel weniger als 25 Mal“, „Nicht mehr als 5 Tode pro Stufe“, „Spieße das Walross auf, bevor es rutscht“) sorgen für erhöhten Wiederspielwert. Zudem gibt es weitere Modi wie den Rage Quit-Modus und Neues Spiel+, bei denen ihr die Stages mit neuen Herausforderungen wiederholen könnt. Apropos neue Herausforderungen: Einen ganz neuen Modus dürfen wir exklusiv auf der Nintendo Switch willkommen heißen, der der „Double Speer Edition" ihren Namen verleiht. Im kooperativen Zweispielermodus schnappt sich einfach jeder Speerwerfer einen Joy-Con und schon ist die gemeinsame Jagdsaison auf Pegahund Zombies und Skater Walruses eröffnet. Der zweite Spieler übernimmt dabei – ganz im Sinne des durchgeknallten Spiels – die Rolle eines fliegenden Hundes, kann aber genau wie Spieler 1 Speere abfeuern. Dieser Modus ist äußerst unterhaltsam und gelungen, was uns den ntower Mehrspieler-Hit wert ist.

Der zweite Spieler steuert einen fliegenden Wunderhund

Dabei trefft ihr nicht nur auf insgesamt mehr Gegner (sonst wäre es ja einfach nur viel leichter als das Spiel ohne Partner), sondern werdet auch mit einigen weiteren Anpassungen konfrontiert. Beispielsweise ist es ein taktischer Unterschied, ob man als Mensch auf dem Boden oder als Hund in der Luft befindlich ist, weil die verschiedenen Gegner je nach Position unterschiedlich gut getroffen werden können. Ihr befindet euch also im kommunikativen Austausch über eure Taktiken, wer welche Aufgaben übernimmt. Bei manchen Abschnitten werden auch die Positionen getauscht, sodass der Hund weiter unten fliegt, während der Mensch eine Schräge heraufläuft. Auch bei Endgegnern hat man es zu zweit nicht nur leichter. Einer lässt beispielsweise immer wieder kleinere Gegner auf euch los, die allein ganz normal zu beseitigen sind. Im Zweispielermodus dagegen werden sie von einem Schutzschild umgeben, dessen Farbe anzeigt, welcher Spieler ihn zerstören kann. Am Ende jedes Levels seht ihr dann auch eure Highscores im Vergleich und erfreut euch so neben der Kooperation auch an einem mitschwingenden Wettbewerbscharakter. Insgesamt ist das Spiel zu zweit nicht nur eine nette Ergänzung, sondern eine klare Aufwertung von Lichtspeer: Double Speer Edition.

Die technische Seite des Spiels läuft sauber, aber unspektakulär über den Bildschirm. Dass ein Zwei-Mann-Team keine ungekannten Grafik-Sensationen erschaffen kann, ist verständlich. Immerhin wird die basale Präsentation durch die kreativen Ideen aufgewertet, die sich auch ins Design der Charaktere und teilweise auch der Umgebung erstrecken. Auf musikalischer Seite erschallen elektronische Klänge aus den Lautsprechern, die meinen Geschmack nicht unbedingt treffen, aber anderen sicher gefallen werden und bei dem abgedreht futuristischen Setting auch nicht unbedingt unpassend sind. (Aber was wäre bei einem solch verrückten Spiel schon unpassend?) Jedenfalls bringen weder Grafik noch Sound Komplexität oder Bombast mit sich, mit denen Lichtspeer: Double Speer Edition punkten könnte.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu Lichtspeer: Double Speer Edition

Meinung von Roman Dichter
Lichtspeer: Double Speer Edition ist nicht nur ein völlig abgedrehtes Spiel rund um Wurst Zombies und Evil Spacedwarfs, sondern auch ein sehr unterhaltsames. Präzises Werfen eurer Lichtspeere in Richtung von tödlichen Gegnerhorden, die gnadenlos auf euch zuströmen, artet nicht in willkürliches Knopf-Hämmern aus, sondern erfordert Geschick, Präzision und Timing. Das packende Gameplay tröstet somit über die eintönige, wenn auch mit kreativen Ideen gestaltete Grafik und den netten, aber nicht begeisternden Elektro-Sound hinweg. Eure Aufgabe, das Werfen von Speeren, ist nicht sonderlich vielseitig, aber angenehm herausfordernd und durch die kreativen und verrückten Ideen nie langweilig. Besonders der kooperative Zweispielermodus, der neu für die Nintendo Switch-Version erschaffen wurde, bringt reichlich Stimmung in die Bude. Unterm Strich sollten sich alle, die sich nicht von dem abgedrehten Stil, der einfachen Grafik oder dem einseitigen Gameplay abschrecken lassen, einen Speer schnappen und den bösen Lichtgöttern dienen.
Mein persönliches Highlight: Das Meistern von schweren Abschnitten, auch im zehnten oder zwanzigsten Versuch!

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