Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Test zu Ittle Dew 2+ - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Ittle Dew 2+
  • USA USA: Ittle Dew 2+
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
14.11.2017
Vertrieb
Nicalis
Entwickler
Nicalis
Genre
Adventure, Action, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
Besitzt du dieses Spiel?
Anmelden
Magst du dieses Spiel?
Jetzt kaufen und ntower unterstützen
eBay

Der ultimative Intelligenztest

Von David Pettau ()
Alles, was ich im Vorfeld zu Ittle Dew 2 wusste, war, dass es stark an die Zelda-Reihe angelehnt sei. An die klassischen 2D-Ableger, wohlgemerkt – und ja, das Spiel macht daraus auch kein allzu großes Geheimnis. Dies stimmte mich als großen Fan der traditionellen Zelda-Titel natürlich sehr Kritisch gegenüber Ittle Dew 2. Die Frage, mit der ich diesen Spieletest angegangen bin, war folgende: Will Ittle Dew einfach nur ein Zelda-Klon sein, oder ist es sich dieser Tatsache vielleicht sogar bewusst, um spezifisch mit der Erwartungshaltung eines Zelda-Fans zu spielen und einen gänzlich eigenen Charakter zu entwickeln? Hier direkt die vorgegriffene Antwort: Ja!

Der eigene Charakter und der damit einhergehende Charme beginnen schon bei dem Humor des Spiels, der sich über die ganze Präsentation hinweg erstreckt. Optisch hat das Spiel nicht nur einen sehr äußerst ansehnlichen Comic-Look, der die skurrilen Örtlichkeiten der großen Insel, die ihr in Ittle Dew 2 erkundet, wunderbar einfängt. Vor allem das Charakterdesign sticht dabei allerdings hervor – alle Figuren, insbesondere Protagonistin Ittle und ihr treuer Flatterhund Tippsie, sehen einfach wunderbar schräg aus. Auch die musikalische Untermalung im Spielgeschehen hat meist einen “schrägen“ Touch, der schwierig in Worte zu fassen ist – doch zur Musik später mehr. Am skurrilsten ist wohl die Handlung des Spiels bzw. das Ziel, das Ittle und Tippsie vorantreibt.

Hier ein simples Beispiel eines der Rätsel: Einer der Eisblöcke, die stets bis zur nächstgelegenen Wand rutschen, muss auf einen der beiden Schalter.

Zu Beginn des Spiels wird deren Floß zerstört, mit dem sie gemütlich auf einem Teich umher geschippert sind. Dieses Floß bestand aus acht stinknormalen Holzbalken. Was, wenn ich euch nun sage, dass es in Ittle Dew 2 eure Hauptmission ist, acht Dungeons in Zelda-Manier zu besuchen? Richtig erkannt: Während eures aufregenden Abenteuers kämpft ihr euch durch acht Dungeons, um den jeweiligen Holzbalken, der am Ende eines Verlieses auf euch wartet, zu ergattern. Da erstarren selbst Spiele, die euch die Rettung einer holden Prinzessin als Ziel vorsetzen, in Ehrfurcht.

Mit diesem Ziel entlässt euch Ittle Dew 2 in seine Spielwelt, deren Größe wohl in etwa dem Hyrule von The Legend of Zelda: A Link To The Past entspricht. Die Insel, die ihr erkundet, ist dabei in acht unterschiedliche Bereiche aufgeteilt – jeder Bereich beherbergt einen Dungeon, zahlreiche kleine Höhlen, verschiedene Gegnerarten und vor allem eine individuelle Ästhetik, womit sich all die Bereiche in ihrer Stimmung deutlich voneinander unterscheiden. All die verschiedenen Settings der diversen Areale haben dabei dieselbe “schräge“ Grundstimmung, wie die Handlung des Spiels selbst. Was die Spielstruktur von Ittle Dew dabei insbesondere auszeichnet, ist die Freiheit, die ihr beim Erkunden der Spielwelt und ihrer Dungeons habt – zwar gibt es eine empfohlene Reihenfolge, in der ihr die Gebiete und deren Dungeons abschließen könnt, doch bleibt dies letztlich eure Entscheidung. Abgesehen vom letzten Dungeon könnt ihr das Spiel in jeder beliebigen Reihenfolge bestreiten, doch seid gewarnt: Während Ittle Dew innerhalb der ersten Spielstunde auf der empfohlenen Route einem Spaziergang gleicht, zieht der Schwierigkeitsgrad im weiteren Verlauf rasch an. Dies bezieht sich dabei nicht nur auf die simplen Kämpfe des Spiels, die insgesamt nur eine kleine Rolle spielen und zur Auflockerung dienen, sondern vor allem auf die Kernessenz von Ittle Dew 2: die Rätsel.

Am Ende jedes Dungeons bekommt ihr es mit einem Boss zu tun, deren Moveset ihr unbedingt genau lernen solltet.

Ittle Dew 2 versteht sich allen voran als Rätselspiel. Egal, ob auf der Oberwelt, in den unzähligen Höhlen oder selbstverständlich in den immer komplexeren Dungeons, überall wartet das Spiel mit diversen Rätseln auf, deren Abschluss meist mit einer kleinen Belohnung winkt. Im regulären Spiel basieren diese Rätsel dabei immer auf denselben Prinzipien, die allerdings sehr kreativ und abwechslungsreich eingesetzt werden. Meist verschiebt ihr entweder Blöcke, um mehrere Bodenschalter auf einmal zu aktivieren oder ihr betätigt mehrere Kristallschalter durch beispielsweise einen Schlag, wofür ihr nach der Aktivierung des ersten nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung habt. Wenn ihr fleißig die Dungeons des Spiels absolviert, so erhaltet ihr nach und nach diverse Hilfsmittel, die eure Palette an Möglichkeiten in diesen Rätseln um ein Vielfaches erweitern. Jeder Dungeon beinhaltet, ähnlich wie in der Zelda-Reihe, einen neuen Gegenstand oder eine Erweiterung für eine bereits erlernte Fähigkeit, die ihr im Kampf und vor allem in den Rätseln nutzen könnt. Das Schöne ist hierbei, dass diese wertvollen Hilfsmittel in keinem der Oberwelt- und Höhlen-Rätsel zwingend benötigt werden – bei vielen Kopfzerbrechern werdet ihr sie allerdings lieben lernen. In Dungeons dienen diese Gegenstände, die ihr übrigens auch alle in Höhlen der Oberwelt finden könnt, meist dazu, Abkürzungen frühzeitig zu öffnen – abgesehen von Universal-Schlüsseln, die oftmals eine Belohnung für Rätsel der Oberwelt darstellen und eine Tür in jedem beliebigen Dungeon öffnen können, braucht man zu keinem Zeitpunkt einen Gegenstand von außerhalb, um einen Dungeon zu lösen, womit die beliebige Reihenfolge ermöglicht wird. Lediglich der Gegenstand des Dungeons selbst spielt in dessen Rätseln eine elementare Rolle und lehrt euch die verschiedenen Möglichkeiten, die das entsprechende Goodie eröffnet, auf gekonnte Art und Weise.

Falls ihr euch übrigens fragt, um welche Art von Gegenständen es sich handelt, so will ich euch auf keinen Fall etwas vorwegnehmen, da dies eure Denkweise über die frühen Rätsel des Spiels sehr beeinflussen könnte. Lasst mich euch nur so viel sagen: Alle Gegenstände kommen mit mehr spielerischen Möglichkeiten daher, als es zunächst den Anschein hat. Dazu kommt, dass sich diverse Funktionen verschiedener Hilfsmittel kombinieren lassen, was vor allem zum Ende des Spiels hin sogar gefordert wird. Zusätzlich gibt es noch zahlreiche Bonus-Dungeons zu bewältigen, die meist auf einem der Gegenstände basieren und euch ordentlich etwas abverlangen. Ich muss zugeben, dass ich im Rahmen dieses Tests nur einen dieser Dungeons absolviert habe. Dieser hatte mir ziemlich alles abverlangt, was der entsprechende Gegenstand zu bieten hat, und gehört zu den größten Kopfnüssen, die ich bisher in einem Videospiel erleben durfte. Durch den kreativen Einsatz und das Kombinieren von diversen Mechaniken, für deren Einführung sich der Dungeon zu Beginn die nötige Zeit nimmt, ist der schlussendliche Abschluss dieser Herausforderung allerdings umso befriedigender.

In solchen Passagen bietet es sich an, auf das Steuerkreuz bzw. die Richtungstasten zu wechseln.

Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Kritikpunkt, den ich am Ittle Dew 2 anbringen muss. Zunächst einmal wäre dort die teils überempfindliche Steuerung. Ihr manövriert Ittle mittels des linken Sticks oder des Steuerkreuzes durch die diversen Areale – unter Verwendung des Sticks werden eure Richtungseingaben dabei analog übertragen, was Kämpfen sehr zugute kommt, in einigen Rätseln allerdings hinderlich ist, da vor allem in späteren Rätseln die exakt diagonale Ausrichtung von Ittle oftmals eine wichtige Rolle spielt. Das Ausrichten an Ort und Stelle gestaltet sich dabei als schwierig, da lediglich eure Richtungseingaben analog ins Spiel übertragen werden. Egal, wir stark ihr den Stick neigt, Ittle saust sofort in einem Affenzahn los, was die Präzision oftmals zur Qual macht.

Dies fällt vor allem dann störend ins Gewicht, wenn ihr bereits ein wenig gereizt seid, wozu der Soundtrack nur allzu gerne seinen Teil beiträgt. Versteht mich nicht falsch – die meiste Zeit über werden die verschiedenen Areale passend und klangvoll von der Musik untermalt, einige Tracks sind auf Dauer aber sehr nervtötend und aufdringlich. So kam es einige Male vor, dass ich den Ton kurzerhand ausgestellt habe, während ich an einem schwierigen Rätsel saß, da dieser aktiv seinen Teil dazu beitrug, dass ich mich nicht auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Vor allem bei Höhlenrätseln verstehen es auch die Ladezeiten des Spiels wunderbar, euch ein wenig zu reizen. Beim Erkunden der Oberwelt kommt es lediglich zu einer kurzen Ladezeit, wenn ihr das Areal wechselt, Dungeons könnt ihr sogar komplett fließend erkunden. Wenn ihr allerdings einer Höhle oder einem Haus von der Oberwelt aus einen Besuch abstattet, so kommt es jedes Mal zu einer kurzen Ladezeit, die beim wiederholten Verlassen und Betreten einer Höhle aber mehr als nerven kann – und dies ist in einigen Rätseln vonnöten, um einen neuen Versuch zu starten, beispielsweise wenn ihr einen Block falsch verschoben habt.

Diese kleineren Schwächen können mich allerdings nicht davon abhalten, eine volle Empfehlung für Ittle Dew 2 auszusprechen, solltet ihr Rätsel- oder Zelda-Fan sein. Mit schrägem, eigenem Charme, kreativen, teils echten Kopfnüssen von Rätseln und einer insgesamt gelungenen audiovisuellen Gestaltung braucht sich Ittle Dew 2 vor keiner seiner Inspirationsquellen zu verstecken und stellt einen weiteren der kleinen Geheimtipps dar, von denen es auf der Nintendo Switch bereits so einige gibt.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu Ittle Dew 2+

Meinung von David Pettau
Nach über 30 Jahren Zelda-Geschichte hat es schon lange kein Schieberätsel mehr geschafft, uns etwas abzuverlangen – und erst recht nicht, uns zu überraschen. Lange dachte man, man hätte alles gesehen, doch dann kommt Ittle Dew 2 ohne Vorwarnung um die Ecke. Zwar mag dieser Vergleich unfair sein, da Ittle Dew 2 im Gegensatz zu Nintendos beliebter Reihe einen deutlichen Fokus auf ausgefallene Rätsel setzt, doch schaffte man es, in der Zelda-Reihe längst angestaubte Mechaniken wieder frisch und vor allem ordentlich fordernd zu gestalten. Dies gilt nicht nur für einige der Zelda-inspirierten Rätsel, sondern beispielsweise auch den Einsatz von Gegenständen: Während diese in Zelda meist simpel gestrickt sind, zumindest was das Absolvieren von Rätseln angeht (“Dort ist ein Auge? Triff es mit einem Pfeil!“), geht Ittle Dew 2 einige Schritte weiter und lässt euch all eure Hilfsmittel auf kreative Art und Weise einsetzen und kombinieren, um Probleme zu bewältigen. Hier hat man nicht etwa versucht, ein Spiel abzuliefern, das Zelda in allem gleicht, jedoch nichts wirklich besser als sein Vorbild macht, stattdessen hat man sich auf einen großen Aspekt konzentriert, der in Zelda ohnehin gerne einmal schwächelt – das Resultat ist ein Spiel, das sich nicht nur keinesfalls vor seinem Vorbild verstecken muss, sondern eines, das so einige Fans dieses Vorbilds spielen sollten, um zu sehen, wie Rätsel mit der klassischen Zelda-Formel aussehen können. Dass Ittle Dew 2 dabei anderen, nicht weniger wichtigen Aspekten der Zelda-Reihe hinterherhinkt, dürfte klar sein – die Steuerung könnte präziser sein, die Musik hin und wieder subtiler und Ladezeiten besser retuschiert. Den Rätselspaß kann das allerdings nicht trüben – zumindest dann nicht, wenn ihr an wirklich forderndem Rätselfutter interessiert seid.
Mein persönliches Highlight: Als ich mir nach purer Verzweiflung bei Kollegen des ntower-Teams schlaue Hilfe holen wollte, und diese beim entsprechenden Rätsel ebenfalls lange auf keinen grünen Zweig kamen. Reinste Genugtuung.

Kommentare 11