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Test zu Unepic - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Unepic
  • USA USA: Unepic
  • Japan Japan: Unepic
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
15.12.2017
Vertrieb
unepic fran
Entwickler
unepic fran
Genre
Adventure, Action, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Wenn ein Pen & Paper real wird

Von Pascal Hartmann ()
Ich wollte schon immer einmal eine Runde Dungeons & Dragons oder irgendein anderes Pen & Paper-Rollenspiel spielen. Vor ca. einem Jahr erfüllte ich mir diesen kleinen Traum und nahm an einem P&P-Treffen in München teil. Ich hatte viel Spaß, aber ein zweites Mal habe ich es bisher nicht dorthin geschafft. Darum saß ich zuerst etwas neidisch vor meinem Fernseher, denn Unepic beginnt mit eben solch einer Runde Pen & Paper. Dieser Einblick in die Welten der RPGs mit Würfeln, Stiften und Zetteln währt aber nur kurz, denn Daniel muss aufs Klo. Während er Wasser lässt, wird es plötzlich dunkel. Angepisst (sicherlich durchaus zweideutig zu verstehen, wenn so plötzlich das Licht ausgeht...) verlässt Daniel das Bad, nur um sich in einem alten Gemäuer wiederzufinden.

Diese Ritter hauen mächtig rein. Fernkampf wäre hier eine gute Idee.

Ab dieser Stelle übernehmt ihr die Kontrolle über Daniel. Genauso ratlos wie er bewegt ihr euch durch die ersten Gänge des Schlosses, das ihr im Laufe des Abenteuers erkundet, bis ihr einem seltsamen Wesen begegnet, das sofort Besitz von euch ergreifen möchte. Nur blöd, dass Daniel irgendwie immun gegen den mysteriösen Schatten ist, der von nun an im Körper des Sterblichen gefangen ist und damit zum Hauptgesprächspartner wird. Allerdings solltet ihr euch vor ihm hüten, denn er wünscht sich nichts sehnlicher als Daniels Tod, um seinem Gefängnis entfliehen zu können. Es liegt dann immer wieder an euch, ob ihr den Tipps des Schattens Glauben schenken wollt. Nach einer Weile kommt heraus, dass ihr nicht ohne Grund in dieser fremden Welt gelandet seid: Ihr sollt den bösen Herrscher des Schlosses töten.

Es versteht sich von selbst, dass im Laufe des Abenteuers Zweifel an eurem Auftrag aufkommen. Welchen Wirrungen und Irrungen Daniel auf dem Weg durch das verzweigte Schloss ausgesetzt wird, verrate ich euch aber natürlich nicht. Die Geschichte wird zum größten Teil in Gesprächen mit dem Schatten erzählt, der euch unfreiwillig die ganze Zeit über begleitet, oder ihr erfahrt neue Infos von gefangen gehaltenen Geistern. Dabei wirft euch Unepic aber immer nur Brocken hin, sodass ihr selbst miträtseln dürft, was denn wirklich Sache ist.

Abgerundet wird die Erzählweise durch haufenweise Witze. Findet ihr es zum Beispiel witzig, dass einfach so ohne Grund General Ackbar aus Star Wars vor einer Bodenplatte steht und sagt „Das ist eine Falle!“ („It's a trap!“)? Oder dass Daniel nach dem Anzünden einer Kerze meint, dass doch hoffentlich Simon Belmont nicht vorbeikommt? Am lustigsten fand ich eine andere Begegnung, die völlig aus dem Konzept gerissen war und außer der Tatsache, dass sie eben passierte, keinerlei Grund hatte. So landet ihr irgendwann in der Kanalisation des Schlosses. An einem bestimmten Punkt bleibt das Spiel plötzlich stehen, es läuft eine aus einer beliebten Zeichentrickserie bekannte Figur an euch vorbei und als sie verschwunden ist, geht es ganz normal weiter, als wäre nichts geschehen (findet selber heraus, um wen es sich handelt!).

Wenn ihr diese Beispiele belustigend fandet, habt ihr meinen Humor. Solltet ihr mit solchen Witzen nicht viel anfangen können, könnten sie euch aber durchaus irgendwann aus der Nase hängen. Doch wir sollten nicht vergessen, dass hinter den Gags immer noch ein RPG auf euch wartet, gespielt zu werden. Dabei sticht insbesondere die individuelle Charakterverbesserung hervor. Steigt Daniel nämlich ein Level auf, dürft ihr eine gewisse Menge an Punkten in diverse Fähigkeiten verteilen. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto mehr Punkte gibt es. So könnt ihr Daniels Lebenspunkte vermehren, seine Rüstungsklasse erhöhen (um stärkere Rüstungen tragen zu können) oder dafür sorgen, dass ihr bessere Tränke braut. Sinnvoll ist es auch, eine der unterschiedlichen Waffen- (damit ihr bessere Schwerter etc. ausrüsten könnt) und die eine oder andere Zauberfertigkeit (um stärkere Zauber lernen zu können) zu verbessern.

So viel Individualisierung heiße ich an sich gut, allerdings fand ich es etwas nervig, dass man die verschiedenen Arten der Zauber wie Feuer, Eis oder Heilung erst nach und nach findet und lernt. Es kann also passieren, dass ihr die Punkte nach einem Levelaufstieg vergebt und kurz danach Zugriff auf die Heilzauber erhaltet. Wer nun keine Fertigkeitspunkte angespart hat (ihr müsst sie nicht direkt „ausgeben“), muss bis zum nächsten Level-Up warten. Immerhin gibt es ein Item, das alle Punkte zurücksetzt, sodass ihr sie erneut verteilen könnt. Ihr solltet euch aber trotzdem angewöhnen, nicht alles sofort in die Fähigkeiten zu stecken. Ob ihr euch dann auf wenige Fertigkeiten spezialisiert oder ein "All-Rounder" werdet, bleibt euch überlassen. Für die Spezialisierung spricht, dass ihr Zugriff auf besonders mächtige Zauber erhaltet und mit euren bevorzugten Waffen jede Menge Schaden anrichtet.

Daniel trägt einen Hammer. Die Skelette dürften nun nichts mehr zu lachen haben.

Der All-Rounder ist aber auch nicht zu verachten, denn insgesamt betrachtet dürfte er weniger Probleme bekommen, wenn es um die reine Quantität dieser geht. Die Gegner sind nämlich besonders anfällig bzw. immun gegen bestimmte Waffen und Zauber. So richten Pfeile gegen Skelette so gut wie gar nichts aus, dafür haut der Knüppel so richtig rein. Feuerspuckende Köpfe solltet ihr mit Eiszaubern bekämpfen. Mit ein bisschen Geduld lassen sich aber alle Feinde mit allen Waffen niederringen. Besonders hilfreich erwiesen sich mir die "Pets". Da ich die Frost-Magie nämlich eher links liegen gelassen hatte, musste mein kleiner Eis-Geist ran, wenn Kälte gefragt war. Er schoss dann selbstständig kleine Eiszauber, während Daniel mit seiner Axt loslegte. Der Baby-Drache verschießt Feuer, ein schwebendes Bäumchen kann euch heilen und so weiter. Sehr praktisch.

Doch eines gemein haben alle Feinde, ganz egal, gegen was sie empfindlich sind: Sobald ihr einen neuen Bereich betretet, werden sie deutlich stärker. Ich habe selten ein Spiel erlebt, in dem die Gegner einen derartigen Stärkeanstieg erfahren. Aber wirklich ankreiden kann man es Unepic dann doch wieder nicht, denn das Spiel will euch herausfordern. Diese Herausforderung wird gegen Ende allerdings zeitweise recht unfair, mit den richtigen Hilfsmitteln kann man aber jede Situation meistern. Nur muss man erst einmal herausfinden, welche das sind. Und auch das macht Unepic aus: Das Betreten eines Bosskampfes, um völlig überrumpelt zu werden und sich für den nächsten Versuch eine neue Strategie zu überlegen. Das vorsichtige Herantasten an einen unbekannten Feind. Irgendwann automatisch die Hinweise auf lauernde Fallen zu erkennen. Sich über neue Waffen zu freuen, nur um festzustellen, dass der Level in der Waffenkategorie nicht hoch genug ist, um sie direkt einsetzen zu können.

Und ihr werdet viele Waffen finden. Euer Inventar wird schon recht schnell gut gefüllt sein. Da es lediglich aus vielen kleinen Feldern besteht und ihr nicht zwischen Kategorien oder ähnlichem wechseln könnt, wird es auch sehr unübersichtlich. Immerhin lassen sich bis zu zwölf Gegenstände festlegen, auf die ihr mithilfe der Schultertasten besonders schnell zugreift. Spielt ihr im TV-Modus, werden diese Items jederzeit am unteren Bildschirmrand angezeigt. So könnt ihr auch im Handheld-Modus spielen, allerdings wird der eigentliche Spielbildschirm dann recht klein. Daher empfehle ich, in diesem Fall den "Handheld Mode" in den Optionen einzustellen, dann verschwinden die zusätzlichen Anzeigen. Außerdem reicht so ein kurzer Tipper auf den Bildschirm, um ein Schnell-Inventar aufzurufen. In diesem seht ihr dann nicht nur, welche Gegenstände ihr auf die Schnell-Auswahl gelegt habt, sondern könnt auch noch weitere Dinge in zusätzliche Felder stecken. Ganze 18 zusätzliche Felder stellt euch Unepic zur Verfügung. Insbesondere das Rufen und Wegschicken der Pets ist dank Touchscreen sehr komfortabel.

Ihr könnt das Geschehen jederzeit heran- und hinauszoomen, um zwischen einer näheren Ansicht – hilfreich bei Sprüngen – und der normalen, weiter entfernten Kamera zu wählen. In der näheren Ansicht könnt ihr dann auch die detailverliebten Hintergründe und Grafiken allgemein bewundern. Allerdings wirken viele Räume in den verschiedenen Bereichen des Schlosses, die von der erwähnten Kanalisation bis zu Türmen und den Gärten reichen, ziemlich gleich. Trotzdem verfiel ich dem Charme von Unepic immer wieder. Was auch der Musik zu verschulden ist, denn selbst wenn sich einiges wiederholt, war ich doch immer recht angetan.

Endgegner wie dieser Drache sind riesig. Ihr solltet euch gute Strategien überlegen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So überrennen euch die Feinde gerne mal mit einer Überzahl, sodass ihr nur noch euer Heil in der Flucht suchen könnt. Kämpfe mit Nahkampfwaffen bestehen aus simplem Draufkloppen, Blocken oder Ausweichen könnt ihr nicht. Außerdem hat die deutsche Übersetzung viele Fehler vorzuweisen. Hätten sie mal lieber einen ntower-Lektor drüberlesen lassen! Doch am meisten enttäuschten mich die Aufgabenstellungen. Alle Hauptaufgaben laufen im Grunde darauf hinaus, Dinge einzusammeln bzw. zu finden. Auch die Nebenaufgaben basieren zumeist auf dem „Suche-Finde-Sammel-Bring-hin“-Prinzip. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Die zusätzlichen Aufgaben, die ihr in zerstörbaren Wänden findet (einfach in jeder Sackgasse gegen die Wand schlagen), in denen ihr beispielsweise fallenden Steinen ausweichen müsst, sind nett, aber teilweise unglaublich schwer. Manchmal könnt ihr sie auch erst in einem zweiten Spieldurchgang angehen.

Hauptantriebsmotor ist aber sowieso der Drang, das Schloss bis in die hinterste Ecke zu erkunden und alle Geheimnisse zu lüften. Aber auch die Endgegner motivieren. Und welche Zauber erhalte ich wohl vom nächsten Geist? Welche coole Waffe steckt in der Truhe da hinten? Mit welchem Gastauftritt oder "Meme" werde ich als nächstes überrascht? Und was ist denn eigentlich der wahre Grund meines Aufenthaltes im Schloss?

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu Unepic

Meinung von Pascal Hartmann
Unepic ist, vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, ein harter Brocken. Ungeplantes Durchrennen ist nicht, stattdessen müsst ihr euch gut überlegen, wie ihr euren Charakter entwickelt. Dazu kommt der Humor, der hier übrigens deutlich entschärft wurde. Auf dem PC geht es oftmals um Sex und andere Zotigkeiten, weswegen ich die Dialoge aus dem Unepic für Nintendo-Konsolen insgesamt sogar als besser empfinde. Ich habe nichts gegen pubertäre Späßchen, aber bitte in Maßen. Oder eben gar nicht und dafür ein Humor, der völlig random ist. Schade ist allerdings, dass der Mehrspieler-Modus fehlt. Zusammen mit dem großen Schloss, das sich über mehr als 200 Bildschirme erstreckt, steht und fällt der Spaß mit Unepic mehr als bei vielen anderen Spielen daher mit euren eigenen Präferenzen. Das Grundprinzip des „Findet es selbst heraus“ zieht sich durch fast das gesamte Spiel und macht ebenfalls einen großen Reiz aus. Insgesamt ist Unepic, vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich hierbei um ein 1-Mann-Spiel handelt (!), ein gelungenes Spiel, das euch nicht an die Hand nimmt, euch Wahlfreiheiten lässt, sehr fordernd ist und je nach eigenem Humorverständnis eben auch sehr witzig. Es kommt also allen entgegen, die sich selbst als Hardcore-Zocker bezeichnen.
Mein persönliches Highlight: Der Humor, auch wenn ich nicht alle Referenzen verstehe.

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