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Test zu Mujo - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Mujo
  • USA USA: Mujo
  • Japan Japan: Mujo
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
30.11.2017
Vertrieb
Oink Games
Entwickler
Oink Games
Genre
Puzzle, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Ein Puzzlespiel und drei Phasen der Verliebtheit

Von Roman Dichter ()
Redakteure bei ntower sind im Grunde so etwas wie Psychologen. Immer wieder kommen gequälte Spielerseelen zu uns, um sich behandeln zu lassen und später in der Gaming-Welt besser zurecht zu kommen. Das häufigste Problem: Liebeskummer. Erst neulich fragte mich eine „Patientin“, warum sie sich immer wieder in die falschen Spiele verliebt. Aktuell war sie Feuer und Flamme für den Nintendo eShop-Titel Mujo. Zum Glück konnte ich ihr helfen, indem ich ihr verdeutlicht habe, dass Verliebtheit in drei Phasen abläuft – auch bei Spielen.

Phase 1: Interesse entsteht

Am Anfang ist alles noch ganz harmlos. Während wir manche Spiele auf den ersten Blick aussortieren, erwecken andere unser Interesse. Häufig liegt das im Genre begründet und sagt noch nicht viel über die Qualität aus. Mujo ist ein Puzzlespiel, das auf den ersten Blick in Richtung der durch Tetris inspirierten Spiele geht. Allerdings ist das Gameplay nicht direkt mit dem Urvater des Genres zu vergleichen, wenngleich es Parallelen gibt. Auch bei Mujo findet das Spiel in einer Art zweidimensionalem Behälter statt, der mit Puzzleteilen gefüllt wird. Die Form dieser Teile spielt keine Rolle, es sind alles quadratische Kacheln.

Wenn sich drei oder mehr Kacheln berühren, könnt ihr sie auflösen.

Ebenfalls nicht fatal ist es, wenn die Kacheln bis zum oberen Bildschirmrand gestapelt werden. Das Spielfeld ist immer gut gefüllt und wenn Kacheln aufgelöst werden, fällt direkt Nachschub von oben herab. Der Grundgedanke des Gameplays hat also wenig mit Tetris zu tun. Die größte Gemeinsamkeit ist das Ziel, die Puzzleteile aufzulösen. Das funktioniert bei Mujo so, dass ihr mehrere Kacheln, die dieselben Farben und Symbole tragen, direkt nebeneinander platzieren müsst. Befinden sich drei oder mehr Kacheln in direktem Kontakt, so könnt ihr sie mit einem Knopfdruck oder wahlweise per Berührung des Touchscreens verschwinden lassen. Aktiv und frei platzieren dürft ihr die Kacheln jedoch nicht. Die Zusammensetzung der Puzzleteile ändert sich immer dadurch, dass ihr eine Gruppe von Teilen auflöst und die darüber befindlichen Kacheln herunterfallen, um die entstandene Lücke zu füllen. Im besten Fall ergeben sich so neue Möglichkeiten, Kachelgruppen aufzulösen.

Warum ich immer wieder neue Puzzlespiele mit Tetris vergleiche? Nun, das ist auch ein bekanntes Muster bei der Partner… ich meine bei der Spielesuche. Wenn man noch nichts über einen Titel weiß, zieht man Vergleiche zu Spielen, die in der Vergangenheit schon viel Spaß gemacht haben. Das gibt eine grobe Orientierung bei der Frage, ob das persönliche Interesse geweckt wird und es sich lohnt, tiefer in die Materie einzutauchen. Bisher klingt das Gameplay doch ganz interessant, oder? Allerdings muss es da noch einen Clou geben, etwas Besonderes, das die Spieler mit einem Feuerwerk der Emotionen in die zweite Phase schießt.

Phase 2: Explosion der Emotionen

Wirklich packend wird Mujo durch das Prinzip, in jeder Runde einen Gegner zu bekämpfen. Wie erwähnt, geht es schließlich nicht darum den Bildschirm schnell von Kacheln zu befreien. Über dem Spielfeld lauert ein Gegner, der eine bestimmte Anzahl an Lebenspunkten aufweist. Wenn ihr die roten Kacheln mit dem Schwert-Symbol auflöst, leitet das automatisch eine Attacke auf euren Gegner ein. So werden seine Punkte reduziert, und wenn sie bei null angelangt sind, habt ihr gewonnen.

Über dem Spielfeld sind eure Gegner, darunter Gottheiten, die euch helfen.

Allerdings werdet ihr merken, dass schon bald Gegner auftauchen, bei denen es nicht ganz so einfach ist. Einige Gegner haben derart viele Lebenspunkte, dass dieses einfache Vorgehen Ewigkeiten in Anspruch nehmen würde. Andere Feinde regenerieren ihre Lebenskraft nach jeder Runde, was eure Bemühungen zum sprichwörtlichen Kampf gegen Windmühlen verkommen lässt. Die Lösung des Problems: Wenn ihr auf eine Gruppe von Kacheln nicht nur kurz, sondern länger drückt, dann versammeln sie sich in einem Punkt und bündeln dort ihre Kraft. Ihr findet jetzt also nur noch eine Kachel vor, die aber mit einer Zahl versehen ist. Die Zahl zeigt den Schaden an, den sie beim Gegner bei Auflösung der Kachel verursacht. So lassen sich immer mehr Kacheln miteinander kombinieren, bis man schließlich eine gewaltige Angriffskraft zusammengespart hat. Die Kombination der Kacheln sorgt nämlich nicht einfach nur für eine Addition der Punktzahlen, sondern für einen deutlich größeren Anstieg der Zahlenwerte.

Unterstützt werdet ihr durch griechische Gottheiten, die ihr aus Schatztruhen befreien könnt, welche ebenfalls in Kachelform auftauchen. Bis zu drei Helfer gleichzeitig stehen euch zur Verfügung. Sie können im Level aufsteigen, wenn ihr andere Kacheln, die nicht für den Angriff des Gegners gedacht sind, auflöst. Befreit ihr eine vierte Gottheit, könnt ihr sie wahlweise verwerfen oder ins Team aufnehmen, dafür aber einen anderen Helfer aussortieren. Ihre Eigenschaften erhöhen zum Beispiel eure Angriffskraft und sind somit nützlich im Kampf gegen eure Feinde. Dieses Prinzip des Kämpfens durch puzzeln ist für eine Weile ziemlich packend und kann in bester Tetris-Manier für Stunden vor dem Bildschirm fesseln. Tja, da haben wir sie, die gute alte Verliebtheit. Leider wissen viele von uns aus eigener Erfahrung: Von Wolke 7 aus fällt man tief.

Phase 3: Rückkehr in die Realität

Der emotionale Höhenflug hat immer irgendwann ein Ende. Dann stellt sich die Frage, ob das gewählte Spiel auch wirklich die Substanz hat, uns in einer längerfristigen Beziehung zu begleiten, oder ob wir nur von unserer anfänglichen Begeisterung geblendet waren. Also weiter im Text: Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wie man bei Mujo überhaupt verlieren kann. Nein, direkt verlieren kann man tatsächlich nicht. Aber ihr könnt in euren Bemühungen zurückgeworfen werden. Der Weg zum Erfolg ist es im Grunde, Angriffskacheln mit sehr hohen Werten zu erzeugen. Eine solche Kachel ist wie euer persönlicher Schatz, denn je größer die Zahl darauf ist, desto mehr Mühe habt ihr bereits in diese hinein investiert. Sie ist allerdings nicht sicher, und sie zu verlieren ist ein großes Ärgernis, weil ihr dann praktisch von vorn beginnen müsst.

Eine sehr wertvolle Kachel ist ganz oben am Rand des Spielfeldes – verliert sie nicht!

Zum einen werden Kacheln durch Bomben bedroht, die sich ebenfalls zwischen den Puzzleteilen befinden. Werden diese aus dem Bildschirm geschoben, explodieren sie und pulverisieren die gesamte Reihe und die Spalte, in der sie sich befinden. Auch Kettenreaktionen sind möglich, wenn sich in so einer Reihe bzw. Spalte eine weitere Bombe befindet. Das kann sogar hilfreich sein, wenn die aktuelle Zusammensetzung der Puzzleteile euch nicht weiterbringt und die Explosion somit für frischen Wind sorgt. Werden dabei allerdings Kacheln mit hohen Zahlenwerten zerstört, dann kann schon mal ein Tränchen fließen. Die zweite Bedrohung für Kacheln kommt durch den Spieler selbst. Per Knopfdruck könnt ihr eine Kachelreihe von unten ins Spielfeld hineinschieben, wodurch dann gleichzeitig die oberste Reihe hinausgeschoben wird. Sammelt eure wichtigen Puzzleteile also besser unten, sonst verschwinden sie oben und sind verloren. Manchmal ist es nämlich notwendig, auf diese Weise zu schieben, wenn sich einfach keine Kombination aus drei oder mehr Kacheln mehr finden lässt und man sonst feststeckt.

Eine sehr willkommene Hilfe gibt es aber, eine Art Joker: Mit Blitzen könnt ihr gezielt einzelne Kacheln zerstören, was euch in der Not wirklich retten kann! Allerdings sind diese nur begrenzt verfügbar und schnell steht ihr ohne Blitze da. Und jetzt kommt der Hammer (nicht der von Thor): Wollt ihr einen Blitz aktivieren, obwohl ihr keinen mehr habt, öffnet der Knopfdruck stattdessen direkt den Nintendo eShop! Für Blitze erneut zu zahlen mag ja noch für eine Gratis-Smartphone-Version akzeptabel sein, aber nicht für ein Spiel, das man bereits für knapp 9 Euro gekauft hat. Wer aber nicht zahlt, wird in späteren Leveln immer wieder wertvolle Kacheln verlieren, ohne sie einsetzen zu können. Packende Lust weicht enttäuschtem Frust. Wenn die Verliebtheit dann verflogen ist, fallen auch andere kleine Kritikpunkte ins Auge. Warum gibt es keinen Zweispieler-Modus? Und hätte man sich bei der Portierung nicht etwas mehr Mühe geben können? Klar, das Spiel läuft flüssig und ohne Bugs (was bei einer derart einfachen Grafik kein Wunder ist), allerdings findet alles auf einem schmalen Streifen in der Mitte statt, als hätten wir ein Smartphone vor uns. Man hätte Götter und Gegner auch links und rechts vom Spielfeld platzieren können oder in der mobilen Version integrieren können, dass man die Nintendo Switch hochkant hält.

Also, was lernen wir daraus? Wir alle sind nicht sicher davor, uns in die falschen Spiele zu verlieben. Manche Titel blenden uns mit attraktiven Features, erweisen sich auf Dauer dann aber doch als Langweiler oder Mogelpackung. Meine Empfehlung: Schaut regelmäßig bei ntower vorbei. Wir durchleuchten eure potenziellen „Liebhaber“, bevor sie sich lachend mit eurem Geld aus dem Staub machen.

Redaktionswertung

5

Für Genre-Fans

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Unser Fazit zu Mujo

Meinung von Roman Dichter
Mujo ist ein interessantes Puzzlespiel, das gute Ansätze liefert und für eine gewisse Zeit wirklich packend sein kann. Es sieht nicht sehr spektakulär aus und wurde ohne große Liebe vom Smartphone portiert. Aber dafür weiß das Prinzip zu gefallen, dass man Puzzleteile nach und nach kombiniert und stärker macht, um damit schließlich Gegner zu attackieren und zu besiegen. Das kann den Spieler so lange fesseln, bis in späteren Leveln die zwar nicht absolut notwendigen, aber doch sehr wichtigen Blitze aufgebraucht wurden und dann gegen Geld im Nintendo eShop nachgekauft werden können. Wer trotz des Kaufpreises von knapp 9 Euro erneut Geld investieren möchte, wird sicher länger Spaß haben als Spieler, die sich dem verweigern wollen und frustriert immer häufiger feststellen müssen, dass sie im Kampf gegen die Feinde nicht mehr wirklich vorankommen. Wer das Genre mag und sich nicht davon abschrecken lässt, darf Mujo gern eine Chance geben. Den anderen sei gesagt: Lasst euch nicht auf jedes Spiel ein, das euch schöne Augen macht und sucht lieber nach einer langfristigen Beziehung mit ehrlichen Lebensabschnittsgefährten wie Puyo Puyo Tetris & Co.
Mein persönliches Highlight: Als sich mitten im Spiel der Nintendo eShop öffnete und ich in diesem Moment meine Beziehung mit Mujo für beendet erklärt habe!

Kommentare 3

  • CptnPrtn Turmritter - 29.12.2017 - 11:06

    Meiner Meinung nach müsste das Spiel aufgrund der wirklich frechen Mikrotransaktionen deutlich stärker abgewertet werden. Wir haben ja schon einnige Portierungen von F2P Spielen auf die Switch, aber normalerweise haben die Entwickler dann einfach alles wofür man am Smartphone zahlen muss mit ins Spiel gepackt und so den Preis gerechtfertigt. Bei Muju zahlt man aber erst mal für das Spiel und wird dann genauso wie in der F2P-Variante auch während dem Spielen zur Kasse gebeten.
  • Cyd Turmbaron - 29.12.2017 - 11:29

    Kostenloses Smartphonespiel, das hier für 9 Euro angeboten wird und zum Ende hin nochmals zur Kasse bittet? Nein danke.
  • Mr Flow Turmritter - 30.12.2017 - 11:05

    Dein Test klang sehr interessant und vielversprechend und ich war schon kurz davor, mir als nächstes die Switch zu greifen. Aber dann kamen die "Lootblitze". Joa, dann halt nicht... :thumbdown: