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Test zu Tiny Metal - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Tiny Metal
  • USA USA: Tiny Metal
  • Japan Japan: Tiny Metal
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
21.12.2017
Vertrieb
Unties
Entwickler
Area35
Genre
Strategie
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Lieber gut kopiert, als schlecht erfunden

Von Dirk Apitz ()
Damals auf meinem Game Boy Advance war Advance Wars wohl mein absolutes Lieblingsspiel. Als jemand, der schon immer Strategiespiele mochte, war diese Art von Spiel ein Segen für mich. Rundenbasierte Strategiespiele sind eigentlich perfekt für einen Handheld. Deswegen verstehe ich bis heute nicht, warum es kaum Spiele für das Smartphone gibt, die eine ähnliche Kerbe einschlagen. Dazu lässt ein neuer Ableger von Advance Wars ganz schön auf sich warten. Nun erscheint ein Klon für die Nintendo Switch und verpasst dem Genre einen modernen Anstrich. Klon? Tatsächlich haben sogenannte TBS (turn-based strategy)-Spiele in Japan Tradition. Der Kniff von Advance Wars war es aber, dass die Mechaniken sehr einfach gehalten wurden, ohne die nötige Tiefe zu vermissen. Tiny Metal geht einen ähnlichen Weg und macht, wie sein Vorbild, trotz kleinerer Schwächen, verdammt süchtig!

Krieg der Pixel

Krieg! Wieder einmal greifen die Menschen zu ihren Waffen und erschüttern die fiktive Welt von Tiny Metal. Wir spielen den Artemisianer Lieutenant Nathan Gries und kommandieren seine Einheiten zum Sieg gegen die feige Nation von Zipang! Denn Zipang hat einen Angriff gestartet und den Oberbefehlshaber, wie auch die Kriegslegende Dante Carver, abgeschossen. Nathan untersucht die Lage und findet auch schon bald diesen Dante Carver. Zwischenzeitlich schließt sich Wolfram, eine Söldnerin, mit Nathan zusammen. Doch auch sie verfolgt eigene Pläne und ihre Motivation bleibt lange unklar. Immer mehr fragen wir uns zudem, warum Zipang diesen feigen Anschlag plante, passt es doch gar nicht zu ihrem Kodex. Vielleicht ist es der Waffenhändler Orzio, der dahinter steckt, um noch mehr Profit zu erwirtschaften. So oder so steht wieder einmal die Welt vor einem brutalen Krieg...

Die Geschichte wird in schön gezeichneten Bildern vorangetrieben.

Dieses Spiel möchte die japanischen Strategiespiele abfeiern und allein die Geschichte bildet es gut ab. Mit viel Witz und Charme wird diese Geschichte vorangetrieben, die gar nicht so fiktiv wirkt und das aktuelle Zeitgeschehen neu interpretiert oder vermischt. Dadurch wird die Geschichte nicht nur komplex, mit all seinen Verstrickungen und Wendungen, sondern auch sehr kritisch. So ist zum Beispiel die Kultur von Zipang im Grunde nichts weiter als eine Mischung der Kulturen aus Nordkorea und Japan. Ich war wirklich erstaunt darüber, dass diese Geschichte ganz schön spannend und aktuell ist. Dies ist wohl, neben der Grafik, der größte Unterschied zu Advance Wars. Dort war die Geschichte eher ein nettes Beiwerk, wenn auch unterhaltsam. Doch hier sollte man sich zusätzlich auf lange Dialoge einstellen, die nur mit gezeichneten Avataren vorangetrieben werden, mit einer japanischen Sprachausgabe.

Besonders toll dabei ist, dass wir wirklich viel von der Welt mitbekommen. Im Spiel selbst gibt es zudem eine Metalpedia, wo alle Charaktere, Einheiten, Nationen und Fraktionen abgebildet sind und mit der ihr tief in die Welt eintauchen könnt. Auch die Geschichten der jeweiligen Nationen werden hier aufgelistet. Unwichtig ist es nicht, da das Spiel zwar am Anfang die Ausgangslage etwas erklärt, aber um die jeweiligen Wendungen zu verstehen, sollte man tatsächlich ein wenig Hintergrundwissen über diese Welt haben. Zusätzlich kann man in der Kampagne auch Tagebücher und Einträge finden und dieses Wiki damit erweitern. Damit erhöht es auch noch den Wiederspielwert und macht ein komplett neues Universum verdammt riesig. Die Charaktere selbst sind natürlich, für Japan üblich, sehr einfach und gut gezeichnet, besitzen aber verdammt viel Charme.

Die Entwickler geben an, dass ihr in die Kampagne rund 20 Stunden investieren könnt. Auch wenn ich die Kampagne ehrlich gesagt nicht komplett durchgespielt habe, so könnte diese Angabe locker passen. Besonders in den Missionen, wo ihr und die Gegner neue Einheiten produzieren könnt, kann sich so eine "kleine" Runde ganz schön in die Länge ziehen. Oft wirkt dadurch eine Niederlage natürlich auch sehr übel. Allgemein sollte man festhalten, dass die Kampagne sehr anspruchsvoll sein kann. Zusätzlich gibt es für jede Aktion in Tiny Metal Punkte und damit auch einen Highscore für jede Mission. Wie auch schon bei seinem geistigen Vorbild, könnt ihr für jede Mission Medaillen erwerben. Wer also wirklich die 100% haben will, kann ruhig ein paar Stunden mehr einplanen. Ihr könnt im Übrigen auch im Kampf das Spiel abspeichern und eine Pause einlegen. Das ist für die Nintendo Switch natürlich ein Segen, wenn wir von der Standby-Funktion einmal absehen. So könnt ihr in Ruhe, und ohne Zeitdruck eure Züge planen, während ihr gerade im Zug sitzt, damit ihr Zuhause dann an der Stelle wieder ins Spiel einsteigt. Ein kleiner aber lästiger Fehler ist im Übrigen der Dialog vor jeder Mission. Nicht der Dialog selbst, eher die Tatsache, dass ihr diesen nicht wirklich skippen könnt. Zwar könnt ihr diesen beschleunigen, aber wenn ihr Pech habt, ist dieser noch immer sehr lang. Falls ihr eine Mission mehrmals machen wollt oder müsst, dann kann das schon frustrierend wirken. Zudem ist die Karte, bei der ihr die Missionen auswählt, auch ziemlich schwammig zu steuern und wenn ihr nicht richtig handelt, fangt ihr sofort eine Mission an und könnt diese nicht einmal schnell abbrechen, da ihr wieder warten müsst, bis der Dialog fertig ist. Nein, das Spiel wird dadurch nicht zerstört, es ist aber eine Kinderkrankheit, von der es noch einige im Spiel geben wird.

Kann Krieg süchtig machen?

Als Pazifist muss ich sagen, leider JA! Durch die sehr simple Mechanik und dem typischen Stein-Schere-Papier-Prinzip können wir im Grunde sofort starten, ohne große Erklärungen. Ganz schnell haben wir verstanden, wie dieses Spiel funktioniert und was genau die Einheiten bewirken. Die Karte seht ihr aus der Vogelperspektive und könnt euch mit dem linken Stick umsehen und mit der A-Taste die Einheiten auswählen. Mit der B-Taste könnt ihr sehen, wie viele Felder eure Einheiten vorrücken können. Zusätzlich bekommt ihr durch die Boxen noch Informationen zu Gesundheit oder Schusskraft. Habt ihr die Einheit zu einem Punkt befohlen, könnt ihr dann noch eine Aktion ausführen. Platziert ihr die Einheit zum Beispiel neben einer gegnerischen, könnt ihr die Einheit attackieren, wobei euch der geschätzte Schaden angezeigt wird. Solltet ihr die Einheit nicht auf einmal ausschalten, können sie in dieser Runde ebenfalls feuern und euch Schaden zufügen, daher ist der Angreifer fast immer im Vorteil. Wälder, Städte oder Berge geben euch natürlich, jedenfalls in den meisten Fällen, einen Bonus. Ihr könnt euch dort aber nicht so weit bewegen. Natürlich kann eure Einheit auch einfach warten, allerdings könnt ihr bestimmen, in welche Richtung diese Einheit ausgerichtet ist. Das mag banal klingen, ist aber tatsächlich nicht ganz unwichtig. Denn die Richtung, in der diese Einheit sieht, wird etwas mehr aufgedeckt. Bedenkt, die Karte besteht auch aus dem sogenannten Nebel des Krieges und zu wissen, was sich dahinter verbirgt oder wo die Gegner stehen, wird über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Am Anfang werdet ihr ein wenig an die Hand genommen, aber die meiste Zeit findet ihr alles selbst heraus.

Doch natürlich war das noch nicht alles! Infanterie-Einheiten können nämlich auch noch Gebäude einnehmen. Ihr solltet wissen, dass die einzige Ressource in diesem Spiel Geld ist und Krieg ist verdammt teuer! Habt ihr eine Stadt eingenommen, bekommt ihr pro Spielzug für jede Stadt 100 Credits. Ansonsten könnt ihr noch Fabriken einnehmen, bei der ihr Infanterie und Panzer erstellen könnt, oder Airports für Lufteinheiten. Wassereinheiten, wie in Advance Wars, gibt es leider nicht. Ihr nehmt diese Gebäude ein, indem ihr die Einheit einfach auf dieses Feld bewegt und dann die Einheit wieder anwählt und auf "Gebäude kapern" drückt. Normale Infanterie-Einheiten, bei voller Gesundheit, brauchen dafür zwei Züge, alle anderen etwas länger. Ansonsten gibt es noch das Labor, was ihr nur besuchen müsst und ihr bekommt einmalig Standortinformationen des Gegners oder ihr könnt über den "Kommander Link" einen Helden bzw. eine stärkere Einheit frei auf der Karte platzieren. Diese Bonusgebäude geben euch einen enormen Vorteil in der Schlacht und sind nicht zu unterschätzen. Ansonsten gibt es noch das Hauptgebäude. Ist dies eingenommen, bei voller Gesundheit und normaler Infanterie dauert es hier drei Züge, habt ihr die Schlacht gewonnen oder, falls es mehrere Fraktionen gibt, habt die Kontrolle über diese Fraktion. Infanterie-Einheiten können sich auch in Städten noch heilen, wenn man dies wünscht.

Das war jetzt aber noch lange nicht alles! In Advance Wars hatte jede Fraktion eine Sonderfähigkeit und dadurch haben sich die eigentlich identischen Armeen ein wenig unterschieden. Dies fällt in Tiny Metal komplett weg. Also jeder Spieler hat die gleichen Vorraussetzungen. Dafür hat dieses Spiel mit dem fokussierten Beschuss eine andere, interessante Mechanik. Hier können zwei Einheiten, oder auch mehr, zeitgleich den Gegner attackieren. Dazu wählt ihr anstelle von Angriff den Punkt "Zielerfassung" und die nächste Einheit, die ihr daneben setzt, kann das Ziel entweder auch erfassen oder ihr wählt "Kreuzfeuer" aus, damit der Gegner dann unter Beschuss genommen wird. Neben dem Vorteil, dass die Angriffe stärker sind, könnt ihr damit fast immer die gegnerische Einheit mit einem Mal ausschalten und bekommt so keinen Schaden für den Angriff. Maximaler Schaden, keine Verluste! Ich möchte auch "Ansturm" nicht vergessen. Hier verzichtet ihr auf den ersten Schuss, könnt aber die gegnerische Einheit von ihrer Position verdrängen, damit dort Platz ist.

Die Balance muss verteidigt werden!

Das Wichtigste in einem Strategiespiel ist wohl die Balance. Da hier die Armeen gleich sind, ist hier jedenfalls nichts zu befürchten. Doch wie sieht es mit den Einheiten aus. Gibt es Einheiten, auf die man auch verzichten kann? Nein, alle Einheiten sind nützlich und wichtig für den Sieg. Sollte eure Armee keine Vielfalt haben, habt ihr eigentlich immer einen Nachteil oder Schwachpunkt. Zusätzlich seid ihr in euren Möglichkeiten eingegrenzt. So sind einfache Infanterie-Einheiten vielleicht im Kampf nicht so nützlich wie Grenadiere, die besonders mächtig gegen Panzer sind, aber sie können weitere Strecken zurücklegen und schneller Gebäude einnehmen. Zudem sind diese auch die günstigste Einheit und ideal, um Gebäude oder Wege zu blockieren und sich dafür zu opfern. Die sogenannten SpecOps sind im Grunde dieselben Einheiten, nur stärker, aber dafür auch verdammt teuer, hier überlegt man sich zweimal, ob man diese opfert. Grenadiere sind gut gegen Panzer und ebenfalls relativ billig, halten dafür deutlich weniger aus, als so ein Panzer selbst. Auch gibt es Einheiten wie den Späher, der kaum Panzerung hat und auch nur gut gegen leicht gepanzerte Einheiten ist, dafür aber eine enorme Reichweite hat und die Karte etwas besser aufdeckt.

Städte sind enorm wichtig, damit ihr Geld bekommt und weitere Einheiten bauen könnt.

Es gibt auch Einheiten für Fernkämpfe wie den Sniper, der aus sicherer Entfernung den Gegner ausschalten kann. Weiterhin kann dieser auch die schweren Geschütze malträtieren, die ganze Panzer ausschalten, bevor sie überhaupt Schaden anrichten können. Auch das Radar-Fahrzeug ist nicht so unwichtig, wie man glauben könnte. Dieses richtet zwar keinen Schaden an, kann aber extrem viel von der Karte aufdecken und markiert feindliche Einheiten im Nebel des Krieges. Sollte der Gegner diese Einheit einsetzen und ihr nicht, könnt ihr eigentlich direkt aufgeben. Nicht zu vergessen die Flugeinheiten. Der Helikopter kann Luft- und Landeinheiten attackieren, über diese hinwegfliegen und richtet jede Menge Schaden an, ist aber kostspielig und schlecht gepanzert. Normale "Kämpfer" dagegen sind nur dazu da, um Lufteinheiten zu zerstören, können aber keine Bodeneinheiten attackieren, von diesen aber auch nicht getroffen werden. Zusätzlich haben diese ebenfalls einen sehr hohen Bewegungsradius und können auch viel von der Karte enthüllen. Oder der AWAC, der dieselbe Funktion hat wie das Radar-Fahrzeug, allerdings mehr geschützt ist, gleichzeitig aber deutlich teurer. Jede Einheit ist eine wichtige Stütze eurer Armee. Insgesamt gibt es 14 unterschiedliche Einheiten, was nicht viele sind, aber den Vorteil hat, dass das Ganze sehr übersichtlich ist und für Einsteiger sofort zugänglich.

Nicht ganz so zugänglich ist dagegen die Anzeige selbst. Okay, hat man zwei Runden schon gespielt, merkt man schnell, dass es nur so überladen aussieht, aber auch ganz einfach ist. Oben links habt ihr die Information, wie hoch euer Punktestand ist, wie hoch euer Geldkonto ist und wie viel ihr aktuell pro Runde verdienen könnt. Oben rechts steht die Rundenanzahl und unten rechts die Informationen zur ausgewählten Einheit. Im Gegensatz zu Advance Wars habt ihr keine Pixel-Optik und die Karte ist nicht komplett von oben, sondern etwas schräg aus der Vogelperspektive. Gerade größere Karten sind in Sachen Übersicht dort etwas schwierig. Dennoch ist meine größte Sorge, die Übersicht selbst, nicht ganz so schlimm wie befürchtet und ihr behaltet stets den Überblick, auch wenn ihr euch manchmal etwas konzentrieren müsst. Zusätzlich könnt ihr mit den Tasten ZR oder ZL auch immer die Ansicht etwas ändern. So seht ihr mit ZR die gesamte Karte von oben und mit ZL wieder etwas schräg. Konzentration ist aber so oder so wichtig, denn ein Fehler kann das Spiel ganz schnell wenden. Da reicht es schon, wenn man die falsche Einheit produziert hat oder auch zu gierig war und anstelle der Infanterie eine andere Einheit beseitigt, die ein Gebäude einnehmen will. Gerade weil sich diese Spiele so ziehen können, ist es später enorm wichtig, den Überblick zu behalten und zu wissen, was genau der Plan ist. Blind einfach irgendwelche Einheiten zu kaufen oder nur die stärksten Einheiten zu nutzen, wird nicht zum Sieg führen.

Insgesamt wirkt alles taktisch begrenzt und natürlich ist es auch sehr einfach gehalten und für Einsteiger geeignet. Aber auch Profis werden viel Spaß haben, da hier genug taktische Tiefe geboten wird und das Spiel ganz schön komplex wird, wenn der Spieler sich näher damit beschäftigt. Nach und nach bekommt ihr ein gewisses Gefühl dafür, wofür manche Optionen überhaupt wichtig sind oder warum eine Einheit gar nicht so unnütz ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Wer zieht mit in die Schlacht?

NIEMAND! So! Da habt ihr es! Die größte Überraschung dieses Spieles, gleichzeitig auch eine negative, ist das Fehlen von einem Multiplayer-Modus. In Advance Wars war es einfach mega cool, mit seinem Kumpel eine Partie zu spielen. Das habe ich auch bei Tiny Metal erwartet und wurde ganz schön enttäuscht. Mehrspieler geht nicht, auch nicht lokal. Doch bevor ihr eure Soldaten zum Entwickler AREA35 schickt, kann ich euch beruhigen. Dieser Status wird nicht für immer so bleiben. Tatsächlich findet ihr im Menü einen Punkt, der nennt sich "Mehrspieler" und darunter der Hinweis "In Kürze". Ob dieser dann auch online geht, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Doch auch der lokale Modus wird für viel Spaß sorgen. Sobald dieses Update kommt, werden wir euch darauf hinweisen und ich werde diesen Test bearbeiten.

Solche spannenden Situationen könnt ihr derzeit nur alleine ausfechten.

War es das schon? Natürlich nicht! So gibt es noch den Modus "Gefecht". Hier spielt ihr auf ausgewählten Karten gegen einen oder mehrere Computer-Gegner und könnt auch hier den Highscore jagen. Leider könnt ihr hier nichts weiter einstellen oder frei auswählen. Dies ist daher eher mit einem Herausforderungsmodus zu vergleichen und tatsächlich gibt es hier ganz schön viele Karten. Auch hier könnt ihr also viele Stunden verbringen und der Umfang kommt nicht zu kurz. Was fehlt noch? Ein Karteneditor wäre noch eine tolle Sache gewesen, aber gut.

In den Einstellungen seid ihr allerdings ganz schön eingeschränkt. Ihr könnt das Spieltempo einstellen oder die Zwischensequenzen deaktivieren. Auch ein Raster könnt ihr euch anzeigen lassen, was ich euch wirklich empfehle, für die genauere Orientierung. Ansonsten könnt ihr noch die Sprachausgabe einstellen. Allerdings gilt dies nicht für die Zwischensequenzen, die bleiben japanisch. Eine Einstellung für die Empfindlichkeit oder den Schwierigkeitsgrad wäre noch wünschenswert gewesen. So steigert das Spiel sich einfach und gut ist. Auch die Textgröße ist nicht immer optimal, besonders auf dem Fernseher.

Keine Pixel! Naja fast...

Was ich bisher etwas verschwiegen habe, da diese Vorgehensweise etwas umstritten ist in der Community, das Spiel wurde durch Kickstarter finanziert. Ja, da guckt ihr wieder! Allerdings ist dieses Spiel wirklich ein gutes Beispiel dafür, wie so ein Finanzierungsmodell funktionieren kann. Alles was versprochen wurde, konnte am Ende auch eingehalten werden und sollte der Mehrspieler-Modus bald kommen, dann bekommen wir sogar noch mehr als gewünscht.

Grafisch ist der Mix aus ansprechender Optik und einigen Effekten gelungen.

Ein Versprechen war, ein Spiel wie Advance Wars in die Moderne zu übertragen. Unfassbar, aber es ist gelungen! Ich habe mich schon mehrmals gefragt, wie Nintendo dieses Spiel mit moderner Grafik entwickeln würde und wie es aussehen sollte, ohne den Charme zu verlieren. Denn gerade die Pixeloptik machte damals Advance Wars so charmant, teilweise knuffig. Tiny Metal liefert die Antwort! Denn die Pixel sind nicht völlig verschwunden, nur eben in mehreren Dimensionen vorhanden. Schon beim Intro-Video könnt ihr erkennen, dass die Details der Figuren aus Pixeln bestehen. Oder auch der Schatten des Krieges wird einfach mit schwarzen Würfeln dargestellt. Dazu auch eine tolle Cartoon-Optik, die, wie eben auch in Advance Wars, eher harmlos wirkt. Ich könnte jetzt darüber diskutieren, ob damit das Thema Krieg nicht etwas verweichlicht wird oder gar verherrlicht, aber dies ist natürlich eine ganz andere Frage. Als Kriegsdienstverweigerer kann jedenfalls sagen, dass mich das nicht stört und ich diesen Artstyle sehr begrüße, auch weil eben nicht alles so ernst ist und ich gut abschalten kann.

Die Performance selbst ist dagegen natürlich etwas limitiert, was am Budget liegen wird. Trotzdem kann sich das Spiel wirklich sehen lassen und hat auch reichlich viele Effekte und Spielereien. So verschwindet der Nebel des Krieges nicht einfach, sondern die Würfel werden kleiner oder wenn der letzte Soldat eurer Einheit stirbt, dann geschieht das etwas tragischer und ein kleiner Schmunzler ist unvermeidbar. Ja, die Präsentation sieht nicht nur gut aus, sie ist auch liebevoll gestaltet und die Animationen der Kämpfe detailliert, auch wenn sie immer gleich aussehen. Dabei läuft das Spiel immer flüssig und rund, auch auf im Handheld-Modus. Der einzige Kritikpunkt ist dabei, dass die Kampfanimationen etwas verschwommen aussehen auf dem Fernseher und dies hoffentlich durch einen Patch etwas mehr an Schärfe gewinnt. Auch die Ladezeiten sind recht kurz. Nur das Intro, was allerdings ruckelt, ist im Grunde ein versteckter und langer Ladebildschirm.

Mögt ihr eigentlich den Soundtrack von "I am Setsuna" oder "Soul Calibur V"? Coole Sache, denn Tomoki Miyoshi ist auch hier dabei und hat einen "upbeat-Soundtrack" beigesteuert. Dieser stört nicht und passt super zum Spiel. Allerdings ist kein Ohrwurm dabei und soll es wohl auch nicht, da dieses Spiel eher die Atmosphäre einfangen will. Denn durch die ganze Knuddel-Optik vergisst man ja sehr schnell, dass wir hier im Krieg sind! Doch damit nicht genug! Das Spiel liefert zudem eine Sprachausgabe und die ist echt gelungen. Wie bereits erwähnt, sind die Story-Szenen nur auf Japanisch, während die Sprachausgabe im Spiel zwischen Japanisch oder Englisch anwählbar ist. Auch das ist natürlich ein weiterer Grundstein dafür, dass ein altes Genre in die Moderne übertragen wird. Liebe Japaner, besonders Nintendo, so könnten diese Strategiespiele nicht nur aussehen, sondern auch klingen! Auch die Soundeffekte haben einen ganz schönen, ich nenne es jetzt mal so, "Bumms" dahinter. Wenn aus einem Kanonenrohr ein krachender Sound ertönt, ahnt man die Schusskraft. Insgesamt ist das Spiel auch technisch gelungen und braucht sich vor den großen Titeln nicht zu verstecken!

Doch zum Ende, da dies ja auch ständig im Spiel passiert, eine kleine Wende, ja gar eine kleine Überraschung! Tiny Metal wird von Sony vertrieben! Da gucken jetzt aber die Nintendo-Fans, oder? Das Label Unties von Sony hat sich auf Indie-Spiele spezialisiert und vertreibt diese auch außerhalb der PlayStation. Zum Glück! Denn eine mobile Plattform wie die Nintendo Switch ist perfekt für so ein Spiel geeignet. Auch spiele ich noch sehr gern eine Runde im Bett, und da die Entwickler mitgedacht haben, kann ich auch jederzeit eine Partie unterbrechen und wieder einsteigen. Wenn Sony solchen Entwicklern weiterhin eine Chance gibt und so eine gute Qualität dabei herauskommt, dann immer her damit!

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu Tiny Metal

Meinung von Dirk Apitz
Ich bin großer Strategie-Fan! Besonders rundenbasierte Strategie hat es mir schon immer etwas angetan und deshalb wundert es auch niemanden, dass ich schon sehnsüchtig auf so ein Spiel wie Tiny Metal wartete und tatsächlich war ich voller Vorfreude, aber auch skeptisch. Bleibt es übersichtlich? Ist es auch einfach zu erlernen, aber schwierig zu meistern? Gibt es taktische Vielfalt? Hat es Charme? Ja und verdammt nochmal JA! Schon die ersten Minuten haben jede Skepsis verfliegen lassen und für alle Genre-Fans ist dies definitiv ein guter Ersatz. Jetzt bin ich auf den Mehrspieler-Modus gespannt. Da Nintendo nicht aus dem Knick kommt, fehlt nur noch der angekündigte Mehrspieler-Modus, um Advance Wars überflüssig zu machen. Die kleineren Mängel trüben nicht den Spielspaß und ich habe endlich das Strategiespiel, was ich mir für die Nintendo Switch wünschte.
Mein persönliches Highlight: Das Gefühl, dass es das perfekte Spiel für mich ist.

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