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Test zu Ambition of the Slimes - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Ambition of the Slimes
  • USA USA: Ambition of the Slimes
  • Japan Japan: Suraimu no Yabou
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
18.01.2018
Vertrieb
Flyhigh Works
Entwickler
Flyhigh Works, Altair Works
Genre
Strategie, RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Jetzt wird taktisch vollgeschleimt

Von Patrick Gawor ()
Wie oft in meinem Leben habe ich bereits süße, kleine Schleimwesen in Videospielen bekämpft? Seien es nun die blauen Schleime aus Dragon Quest, die mich mit ihrem breiten Grinsen nur so verzaubern oder aber die vielen bunten, wibbernden Wesen aus der The Legend of Zelda-Serie, die mir immer frohlockend einen schönen Schleim-Gelee fallengelassen haben, als ich sie entzwei schlug. Allesamt waren sie aber auch immer schon leichtes Futter für meine Klinge, denn immerhin hatten sie immer nette Items oder gaben zumindest eine angenehme Handvoll an Erfahrung. Nun allerdings scheint es so, als würde sich all diese zähflüssige Masse rächen und beweisen wollen, dass mehr hinter der klebrigen Substanz steckt, als uns alle bisherigen Videospiele weismachen wollten!

Die Kampfanimationen sind schön detailliert und besitzen somit einen gewissen Charme.

Denn in Ambition of the Slimes stehen die allseits bekannten Schleimwesen im Vordergrund und repräsentieren damit die Hauptprotagonisten. Ein fairer Deal, wie mir scheint, nach all den Jahren der Unterdrückung darf nun auch endlich mal das Gesindel zeigen, was sie eigentlich wirklich auf dem Kasten haben. So in etwa auch die Story, denn in einer eigentlich friedvollen Welt, in der die Schleime glücklich und zufrieden ihrem schleimigen Alltag nachgehen, trafen eines Tages die Scheußlichkeiten ein, welche sich Menschen nennen. Diese fällten die Wälder, verschmutzten das Gewässer und den Himmel, während einzig und alleine Gewalt im Vordergrund dieser Abscheulichkeiten stand. Selbstverständlich erhoben sich die Schleime gegen dieses Vergehen und erkannten, dass all diese Qualen und das Leid, welches sie erleiden mussten, ein Ende finden muss. Was wie eine neu einhergehende Revolution klingt, ist im Grunde genommen die Rahmenhandlung für Ambition of the Slimes. Dabei geht diese zwar nie sonderlich weiter ins Detail, schafft aber einen netten roten Faden, an dem sich das Spiel durch das weitere Voranschreiten entlang hangelt. Somit also ein gepflegter Einstieg in den Kernaspekt des Spiels.

Denn so simpel und drollig die Geschichte auch klingen mag, das eigentliche Gameplay ist umso tiefgreifender und komplexer, schafft es aber trotzdem zugänglich und verständlich zu bleiben. Doch was ist Ambition of the Slimes eigentlich? Wenn euch Spiele wie Final Fantasy Tactics oder auch die Fire Emblem-Serie auch nur im entferntesten ein Begriff sein sollten, dann wisst ihr, auf was ihr euch in Ambition of the Slimes einlasst: Ein klassisches Strategie-Rollenspiel. Diese sind zwar meist für ihre inhaltsreichen Storys bekannt, aber wie ihr bereits schon feststellen durftet, wird dies hier jedenfalls nicht in dem Maße erfüllt, wie man es sich eventuell wünschen würde. Dafür bekommt ihr allerdings eine Ladung feinster taktischer Raffinessen präsentiert, welche das Spiel euch bereits schon innerhalb des Tutorials vorführt. Somit bewegt ihr eure Schleime in einer isometrischen Perspektive rundenbasiert inmitten eines Rasters fort, immer in Richtung der Gegner. Immerhin herrscht hier Krieg zwischen den Menschen und den dickflüssigen Wesen, womit das grundlegende Ziel der einzelnen Missionen ist: Besiege alle Gegner auf dem Feld.

Ein unglaublich interessantes Konzept...

Die Menschen als solches nehmen allerdings noch einen deutlich größeren Faktor ein, als das pure Bekämpfen dieser. Denn wie wir alle wissen, sind Schleime bekanntermaßen keine sonderlich starken Gesellen oder auch nur irgendwie wirklich in der Lage anzugreifen. Weshalb ihr also ein bisschen kreativer sein müsst, um euren Feinden wirklich Kontra geben zu können. Womit eine Mechanik eingeführt wird, welche das Spiel von anderen Vertretern des Genres deutlich absetzt und damit seine ganz eigene Note mit einbringt. Dadurch, dass ihr nicht wirklich eure Gegner angreifen könnt, müsst ihr euch anders behilflich sein und warum nicht damit, einfach in eure Feinde hineinzuklettern und sie zu übernehmen? Immerhin seid ihr plastische Masse. Genau das ist die essentiell taktische Komponente, die es dauerhaft innerhalb des Spiels zu beachten gibt.

Das erste Mal einen Gegner zu übernehmen ist wahnsinnig befriedigend.

Denn mit der Fähigkeit „Beanspruchen“ könnt ihr in die jeweiligen Körper eurer Gegner hineinschlüpfen und deren Waffen nun gegen sie verwenden. Dabei sei dazu gesagt, dass es natürlich nicht bei jedem Gegnertyp so einfach ist, diesen auch zu einer 100%igen Wahrscheinlichkeit zu übernehmen. Manchmal braucht es auch ein wenig Schwächung durch spezielle Fertigkeiten, die sich von Schleim zu Schleim unterscheiden. Wenngleich auch die Schleime wirklich unglaublich einfallsreiche Namen besitzen wie „Speed Slime“, „Warp Slime“ oder aber auch „Little Slime“, erfüllen diese Namen schnell und zugänglich ihren Zweck und beschreiben euch sofort die jeweilige Fähigkeit, die ein bestimmter Schleim besitzt und womit ihr euren Gegner gegebenenfalls schwächen könnt. Erst dann kann die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, wirklich mächtige Einheiten wie beispielsweise einen voll gepanzerten Ritter zu übernehmen.

Und Fertigkeiten ist ein gutes Stichwort, denn jeder Feind und jeder Schleim besitzt ein anderes Element. Ganz klassisch nach dem Schere, Stein, Papier-Prinzip, kann eine Einheit Typ „Grass“, „Feuer“ oder „Wasser“ sein. Somit ist es also von Vorteil, wenn eine Wasser-Einheit, eine mit Feuer angreift oder eine Grass-Einheit, eine mit Wasser, diesen Vorteil auch wirklich auszuspielen. Diese Vor- und Nachteile geben eine weitere taktische Möglichkeit frei, welche sogar nochmals erweitert wird, indem ihr Bonus-Statuserhöhungen bekommt, solltet ihr einen Feind übernehmen, welcher die gleiche Fähigkeit besitzt wie ihr selbst. Dies bedeutet also, das Grundgerüst des Spiels bietet euch vielerlei taktische Möglichkeiten, ohne dabei allzu übertrieben und komplex zu werden. Alles, was das Spiel als grundlegende Regeln festlegt, wird euch in den ersten drei Tutorial-Levels wunderbar und verständlich erklärt, wodurch es letztendlich an euch liegt, wie ihr diese zu eurem Vorteil auslegen könnt. Dadurch, dass die einzelnen Missionen und Level relativ kompakt und damit klein ausfallen, ist auch der Frustfaktor bei den teils knackigen Herausforderungen nicht allzu groß, sofern ihr mal eine Mission nicht beim ersten Versuch schaffen solltet. Weshalb das Spiel sehr gut auf den mobilen Aspekt der Nintendo Switch ausgerichtet ist und auch mal kurzweilige Runden für zwischendurch ermöglicht. Allerdings auch kein Wunder, bei der ursprünglich "smarten" Herkunft des Spiels.

...wird eingeschränkt durch ein misslungenes Missionsdesign

Doch auch wenn das Spiel zu Beginn Missionen so einsteigerfreundlich wie möglich präsentiert, ist das eigentliche Missionsdesign gerade im späteren Spielverlauf stark frustrierend und entpuppt sich mehr und mehr zu einer kläglichen Ausprobierorgie. Die Karten sind nur so "zugemüllt" mit zig Gegnern, die auf den kleinen Gebieten alle keinen Platz finden und somit dicht aneinander platziert werden mussten. Das Problem daran ist, dass die Karten nicht groß genug sind, damit sich Gegner sorgfältig verteilen können. Während es meistens dazu kommt, dass man einen Schleim voranschickt, stirbt dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit, nur um dann irgendwie zu versuchen die Gegner mit den restlichen Schleimen einzeln zu ködern und zu besiegen. Damit entsteht eine Situation, in der ihr zahlenmäßig unterlegen seid, und welche es euch unmöglich macht zu entkommen. Aufgrund dessen, dass immer ein Schleim auf alle Fälle sterben wird, bekommt dieser auch weniger Erfahrungspunkte und fällt irgendwann komplett hinten runter. Dann müsst ihr versuchen euch in bereits geschafften Missionen wieder hochzuleveln. Damit stockt leider der eigentlich schöne Flow zu einem eintönigen Grindfest und zögert das Spiel nur unnötig hinaus.

Leider platzt diese Karte förmlich vor Gegnern

Ebenfalls in die Kategorie: Schöne Idee aber schlecht umgesetzt, reiht sich das Freischalten von neuen Einheiten nach einer erfolgreichen Mission ein. Ihr besitzt zwar die Möglichkeit eine Einheit bei einer geschafften Mission freizuschalten – eine Prozentanzeige gibt euch an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, den jeweiligen Schleim freizuschalten, wodurch wieder eine Menge "Grinden" entstehen kann –, allerdings ist dieser grundsätzlich auf Level 1. Bedeutet also: Egal wie weit ihr seit, ihr dürft euch erstmal hinsetzen und eine Runde euren neugewonnenen Schleim hochleveln. Für "Grinding-Fans" garantiert eine schöne Sache, für alle anderen aber nur langatmig und frustrierend zugleich. Somit zeigt sich gerade am hinteren Teil des Spielverlaufs die vielschichtige Schwäche des Spiels: Eine Menge Backtracking.

Abseits dessen präsentiert sich das Spiel in einer ganz netten Pixeloptik, während innerhalb einer Kampfanimation sogar aufwendigere Sprites zu erkennen sind. Trotzdem ist alles absolut minimalistisch gehalten und hat ebenfalls keine allzu spezifische, eigene Persönlichkeit, welche sich stark von anderen Spielen unterscheidet. Das Gleiche gilt auch für die Musik des Spiels, die zwar durchaus ganz eingängig wirkt, aber nach dem 30. Mal auch keinen mehr hinter dem Ofen hervorholt. Hier wäre definitiv mehr Variation wünschenswert gewesen, wenngleich sich das Spiel somit besser zum Grinden anbietet, weil man währenddessen auch etwas anderes machen kann. Ebenfalls noch wichtig zu erwähnen: Das komplette Spiel ist auf Englisch, weist aber keinerlei Komplexitäten auf, womit seichtes Schulenglisch kein Problem sein sollte, um sich durchzuschlagen.

Redaktionswertung

5

Für Genre-Fans

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Unser Fazit zu Ambition of the Slimes

Meinung von Patrick Gawor
​Ambition of the Slimes hat eine großartige, neue Idee, welche auch unglaublich gut funktionieren kann und in seinen besten Momenten (gerade am Anfang) auch funktioniert. Leider wird gerade in der Mitte des Spiels klar, dass es große designtechnische Probleme besitzt. Durch die kleinen Karten kann sich die Überzahl an Gegnern nicht richtig entfalten, womit eine Spirale entsteht, indem ihr eure Schleime quasi dauerhaft opfert. Sie sterben, bekommen dadurch weniger Erfahrung und ihr müsst sie somit mühselig in bereits bestrittenen Missionen wieder hochleveln. Somit mutiert das Spiel völlig unnötig zu einem Grindfest, welches Angesichts des doch so ausgeklügelten Gameplays nur mehr als schade ist. Alles in allem kann man nur sagen: Schöne Idee, aber mäßig umgesetzt.
Mein persönliches Highlight: Das erste Mal einen Gegner mithilfe der Schleime zu übernehmen.

Kommentare 1

  • Tarik Turmbaron - 30.01.2018 - 13:28

    Mir gefällt, wie du Spielmechaniken erkennen und analysieren kannst, um so festzustellen, was genau den Spielspaß lindert (ernst gemeint).
    Schade, dass es zum Grindfest verkommt, war bis jetzt recht angetan von den Eindrücken, die ich vom Spiel hatte.