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Test zu Joe Dever's Lone Wolf - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Joe Dever's Lone Wolf
  • USA USA: Joe Dever's Lone Wolf
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
16.02.2018
Vertrieb
Forge Reply
Entwickler
Forge Reply
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Ein Abenteuer wie aus einem Buch

Von Marco Kropp () Joe Dever hat in den 1980er Jahren eine Reihe an Abenteuerbüchern um den Einsamen Wolf veröffentlicht. Er war zu dieser Zeit recht bekannt für sein Wirken in diesem Bereich sowie im Bereich der Pen & Paper-Rollenspiele. Seit 1996 war er auch an der Entwicklung von Computerspielen beteiligt, verstarb allerdings 2016. Vieles im Spiel "Joe Dever's Lone Wolf" stammt aus seiner Hand und er hat sogar die Sequenzen zwischen den Akten vertont. Falls ihr das Prinzip Abenteuerbuch nicht kennt, hier eine kurze Erläuterung: In diesen Büchern geht es darum, ein Abenteuer zu bewältigen. Anstatt allerdings selbst in die Welt loszuziehen, lest ihr die Handlung und könnt an bestimmten Stellen Entscheidungen treffen. Diese führen euch zu Seiten im Buch, die nicht unbedingt die nächste sein muss, sondern die im gesamten Buch verteilt sind. Dort geht dann euer Abenteuer basierend auf eurer Entscheidung weiter und irgendwann kommt ihr zum Ende oder zu einem der Enden. Ich hoffe, diese grobe Erläuterung reicht für euch, damit ich die folgenden Zeilen nun den Spiel widmen kann.

Die meiste Zeit lest ihr eine Geschichte. Auf der Karte rechts werden euch die Symbole für Ziele und Händler sowie Meditation angezeigt, wenn ihr die Auswahl habt, einen neuen Ort zu wählen.

Das Spiel handelt vom letzten Überlebenden der Kai namens Einsamer Wolf. Zu Beginn erfolgt eine Individualisierung eures Charakters. So müsst ihr die Art auswählen, wie ihr Herausforderungen begegnet und mit welcher Waffe in der Hand. Darauf folgend habt ihr die Wahl aus vier Kai-Disziplinen, die im Verlauf des Abenteuers eine wichtige Rolle in der Bewältigung diverser Herausforderungen spielen. In einer Eingangssequenz erfolgt eine Einführung in die Handlung. Seit Jahrhunderten haben die Kai-Lords das Land Sommerslund gegen die Schwarzen Lords von Helgedad verteidigt, doch vor drei Jahren wurde die Kai-Abtei von den Armeen der Schwarzen Lords angegriffen. Der Spieler ist der letzte Überlebende der Kai-Lords und dank des Sommerswerd konnte der Anführer der Schwarzen Lords, Zagarna, besiegt werden. Das Sommerswerd ist das legendäre "Schwert der Sonne" und wurde vom Gott Kai übergeben. Es ist in der Lage, mächtige Attacken auszuführen und damit die Schwarzen Lords zu vernichten. Diese und deren Untergebene können das Schwert jedoch nicht anfassen. Doch die rangniederen Lords dürsten nach Rache, sodass es die Aufgabe des Einsamen Wolfs ist, den Schwarzen Lords Einhalt zu gebieten.

Das Gute an dem Spiel: Es wurde ins Deutsche übersetzt und liest sich, bis auf ein paar kleine Textfehler, recht gut. Und auch die Geschichte ist richtig gut erzählt und dank der Entscheidungen interaktiv. Lediglich im dritten von vier Akten lässt sie etwas nach, aber dies ist nur ein persönlicher Geschmack. Ihr werdet im Verlaufe des Abenteuers auf verschiedene Orte treffen. Von einem Dorf, das den Angriff der Griaks (Untergebenen der Schwarzen Lords) zum Opfer fiel und dessen Lehnsherr ihr seid, den Minen, in denen sich die Leute versteckt haben bis hin zu einem Wald und Ruinen einer alten Zivilisation werdet ihr auf eine Vielzahl an Orte stoßen.

Wie bereits erwähnt ist das Spiel einem Abenteuer-Buch nachempfunden. So werdet ihr die meiste Zeit auf der linken Seite den Text, geschrieben auf Seiten aus einem Buch, lesen und auf der rechten Hälfte diverse andere Einblendungen, standardmäßig die Karte, sehen. Aber es können auch das Inventar, der Charakerbogen oder die Entscheidungsmöglichkeiten abgebildet sein. Letztere sind essenzieller Bestandteil für euer Vorankommen und ihr entscheidet je nachdem, wie ihr es für richtig haltet. Dabei werden Entscheidungen im späteren Verlauf des Abenteuers Folgen haben, entweder positive oder aber auch negative. Bei den Entscheidungen habt ihr in der Regel mehrere Auswahlmöglichkeiten. Diese können der Einsatz von speziellen Kai-Disziplinen, eine Herangehensweise oder einfach nur verschiedene Dialogoptionen sein. Wenn ihr eine der zur Auswahl möglichen Kai-Disziplinen nicht besitzt, dann könnt ihr diese logischerweise nicht nutzen, wodurch erneut Tiefe in das Spiel reinkommt. Manchmal müsst ihr auch bei Entscheidungen die richtigen Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt in Form von Quick-Time-Events drücken, damit bestimmte Aktionen gelingen. Aber es gibt nicht immer nur positive Ausgänge, denn der Einsatz der Kai-Disziplinen verbraucht etwas eurer Kai-Kraft. Aber auf diese komme ich später zurück. Ebenso kann es vorkommen, dass euch durch diverse Entscheidungen Lebenspunkte abgezogen werden, die in den Texten gut begründet werden. Doch auch bei eurem Weg über die Weltkarte müsst ihr Entscheidungen treffen, nicht nur im jeweiligen Gebiet, sondern auch wo ihr als nächstes hingehen wollt. Ab und an werdet ihr auch einen der zur Auswahl stehenden Orte nicht mehr betreten können, wenn ihr das Nötige bereits gefunden habt.

Wenn ihr die Möglichkeit habt auf der Weltkarte euer nächstes Ziel auszuwählen, dann könnt ihr nicht nur dies tun, sondern auch per Meditation eure Werte auffüllen (Vitalität, Ausdauer und Kai-Kräfte) oder ihr begebt euch zu einem auf der Karte befindlichen Händler. Dort könnt ihr neue Waffen, Heil-Items und Materialien erwerben sowie eure Ausrüstung reparieren beziehungsweise verbessern. Aber auch überschüssige Materialien können verkauft werden. Doch euer Beutel ist zu Beginn des Abenteuers nicht sehr groß, jedoch werdet ihr im Laufe der Geschichte stets weitere, größere Taschen finden, die automatisch anstatt der kleinsten Taschen ausgerüstet werden. Und wenn eure Taschen voll sind, müsst ihr überschüssige Dinge leider wegwerfen.

Hier eine typische Kampfszene. Drei Gegner, alle Anzeigen im Blick und ihr könnt eure Aktionen auswählen, bis die gelbe Leiste links oben abgelaufen ist. Rot ist eure Vitalität, grün eure Ausdauer und Blau eure Kai-Kräfte

Kommen wir nun zu einem Knackpunkt des Spiels. Zwar werdet ihr die meiste Zeit nur im Buch auf dem Bildschirm lesen und ab und an mal die Item-Tasche durchstöbern sowie eure Werte einsehen, allerdings erfolgen auch Kämpfe im Verlaufe eures Abenteuers. Diese haben eine kreative Grundidee, aber keine sehr gelungene Ausführung in der Praxis. Denn im Kampf könnt ihr verschiedene Aktionen auswählen. Diese werden eingeteilt in das Sommerswerd, Nahkampf-Fertigkeiten, Fernkampfwaffe und Kai-Disziplin. Wenn ihr am Zug seid (wo ich gleich auch noch zu kommen werde), müsst ihr einen entsprechenden Aktionsknopf drücken (X für Sommerswerd, A für Nahkampf-Fertigkeiten, Y für Fernkampfwaffe und B für Kai-Disziplin), um eine Aktion durchzuführen oder ihr nehmt ein Item zu euch, um euch zu heilen oder Werte wiederherzustellen. Dies erfolgt mittels der Richtungstasten.

Wenn ihr einen Aktionsknopf gedrückt habt, werdet ihr wie beim Waffenrad zwischen maximal sechs Aktionen (bei Fernkampfwaffe und den Sommerswerd sind es drei, bei den Kai-Disziplinen vier) wählen können. Diese verbrauchen Ausdauer bzw. bei den Kai-Disziplinen Kai-Kräfte, wie viel hängt von der jeweiligen Aktion ab. In der Regel müsst ihr diese auch mittels Quick-Time-Event-Aktionen ausführen, sei es nur das richtige Drücken eines Aktionskopfes oder einige Richtungen mittels des linken Analog-Sticks. Mit L und R wechselt ihr zwischen den maximal drei im Kampf vorkommenden Gegnern. Ein taktischer Zeitbalken begrenzt jedoch eure Aktionen. Denn ihr könnt, wenn dieser abgelaufen ist oder gefüllt wird, keine Aktionen mehr ausführen. Insbesondere im späteren Spiel war dies etwas ärgerlich, da ich in manchen Kämpfen starb ohne eine Aktion ausführen zu können. Der Gegner ließ in dieser Zeit drei Attacken auf mich niederprasseln, denen ich weder ausweichen (Ausweichen ist bei der Kategorie Nahkampf-Fertigkeiten zu finden) noch dass ich diese irgendwie groß stoppen konnte, da manche Attacken der Gegner auch erneut rasches Drücken einer Taste im richtigen Moment erfordern. Manchmal erfordert es auch das Hämmern auf einen Knopf, dadurch wirkt der Kampf leider etwas unausgewogen.

Wenn eure Ausdauer leer ist, ihr aber noch Zeit habt, müsst ihr entweder warten, bis die Ausdauer auf einem Stand ist, wo ihr wieder Aktionen durchführen könnt oder aber ihr nehmt ein Item zu euch, um diese aufzufüllen. Das Auffüllen erfolgt schneller in eurer „Wartezeit“, allerdings könnt ihr bei einem leeren Zeitbalken auch keine Items zu euch nehmen. Später erhaltet ihr die Möglichkeiten, während eines leeren Zeitbalkens Attacken auszuweichen und zu parieren. Diese kommen aber nur sehr selten vor. Manchmal ist aber auch die Erkennung der Steuerung nicht ganz perfekt und teilweise hakelig.

Wenn ihr genug Dietriche dabei habt, könnt ihr bei manchen Truhen oder Türen die Schlösser knacken. Dazu den Dietrich in einen entsprechenden Winkel mit dem linken Analog-Stick bewegen und mit dem rechten Analog-Stick das Messer und das Schloss drehen. Sollte es der falsche Winkel sein, stockt es, vibriert und der Dietrich kann sogar abbrechen. Im späteren Verlauf gibt es noch ein anderes, kreatives Rätsel zum Schlösser knacken mit dem Verschieben von Formen auf einem Würfel.

Vor allem bei den eben erwähnten Quick-Time-Events in den Kämpfen ist dies störend, wenn die Benutzung des Analog-Sticks nicht erkannt oder falsch gedeutet wird. Dies ist aber nur ein kleines Manko, viel eher ist das Kampfsystem eine Schwäche des Spiels, zumindest in dieser Form. Manche Attacken haben auch Status-Änderungen wie zum Beispiel Brennen, Gift oder Bluten zur Folge. Diese Änderungen kosten euch Lebensenergie. Das Ganze im Detail wird euch bei den ersten Kämpfen durch eine Vielzahl an Texten erklärt. Kämpfe können aber auch durch richtige Entscheidungen im Verlaufe des Abenteuers vermieden werden. Falls ihr sterben solltet, könnt ihr den Kampf nochmal starten, zum Hauptmenü zurückkehren, mit einem einfacheren Schwierigkeitsgrad den Kampf erneut beginnen oder aber eine andere Entscheidung beim letzten Speicherpunkt treffen. Im Spiel gibt es drei Schwierigkeitsgrade: Leicht, Mittel und Schwer. Bei Letzteren hält die Zeit nicht bei der Auswahl von Aktionen an, sodass ihr zu jeder Zeit angegriffen werden könnt. Auch sind die Gegner stärker und haben mehr Vitaliät. Am Ende eines Kampfes erhaltet ihr natürlich weitere Materialien und Gold. Zu erwähnen ist außerdem, dass die Kämpfe in einer 3D-Umgebung mit 3D-Grafik erfolgen.

An dieser Stelle kann ich den umfangreichen Codex im Spiel erwähnen, welcher euch nicht nur die im Spiel vorkommenden Orte erläutert, sondern auch die Hintergründe zu der Geschichte, diverse Nebenfakten aus dem Universum und Informationen zu Joe Dever beinhaltet. Unter Extras im Hauptmenü könnt ihr außerdem auch alle 3D-Modelle und besuchte Orte ansehen, was erneut eine schöne Sache ist. Denn grafisch braucht sich der Titel dahin gehend nicht zu verstecken, auch wenn es nicht viele Orte und Modelle gibt beziehungsweise hier und da einige Polygone erkennbar sind. Auch das Buch und User-Interface passen zur Handlung und dem Ort, an dem sie spielen. Mankos an der Technik gibt es kaum welche. Manchmal hakt es kurz bei der Übernahme von Items und die Ladezeit beim Start der Software ist auch recht lang, allerdings ist im laufenden Spiel davon nichts zu spüren. Allerdings ist der Titel auch zweimal abgestürzt, jedoch in Anbetracht meiner Spielzeit von über 20 Stunden kaum als Negativpunkt aufführbar. Auch musikalisch bietet das Spiel einen guten Mix. Das Setzen der Speicherpunkte habe ich allerdings noch nicht ganz verstanden. Oft werden diese nach einem Kampf gesetzt oder nach Abschluss eines Kampfes. Einmal kam es vor, dass ich mehrere Seiten nochmal lesen musste, nachdem ich ausgemacht hatte und das Spiel wieder gestartet hatte.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu Joe Dever's Lone Wolf

Meinung von Marco Kropp
Joe Dever's Lone Wolf ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Abenteuer wie aus einem Buch. Denn nicht nur wird dank des Aufbaus in Buchform eure Fantasie angeregt, sondern durch die diversen Entscheidungen und dem Fokus auf das Lesen erlebt ihr eine spannende Geschichte, die nicht wie in den meisten Spielen durch irgendwelche Inszenierungen in ein paar Sekunden abgehandelt wird. Die Kämpfe bringen Abwechslung zum Lesen, wirken leider trotz der guten Grundidee eher unausgereift und etwas unbalanciert. Dennoch ist der Titel wie geschaffen für all die Leseratten und Menschen unter euch, die ein Abenteuer erleben wollen und getrost auf schicke Zwischensequenzen verzichten können. Der Spaß kommt dabei nicht zu kurz und dank der vielfältigen Entscheidungsmöglichkeiten bekommt ihr ein spannendes Abenteuer präsentiert.
Mein persönliches Highlight: Eigentlich die ganze Geschichte.

Kommentare 4

  • Hyrule_Sweet_Hyrule - 26.02.2018 - 10:56

    Da ich mein Konto aus persönlichen Gründen kündigen werde, entferne ich vorab all meine verfassten Beiträge, bitte um Verständnis, und wünsche der Community weiterhin noch eine schöne Zeit hier.
  • Fabinho84 Turmheld - 26.02.2018 - 11:22

    Verdiente Bewertung. Hab es vor 2 Jahren auf Steam durchgespielt (gelesen). Wünsche mir seitdem einen Nachfolger, da es mal was komplett anderes ist.
  • Bazinga81 Turmknappe - 26.02.2018 - 12:21

    Ich kann dieses Spiel auch nur empfehlen. Es ist wirklich mal etwas anderes. Die Texte sind auch gut geschrieben und mit etwas Phantasie kann man sich sehr gut reinversetzen. 1-2 kleinere Bugs musste ich leider schon entdecken. Aber diese sind nicht so schlimm. Für 15 Euronen kann man hier nichts falsch machen.
  • Herr von Faultier Turmbaron - 26.02.2018 - 23:41

    Das klingt wirklich interessant und als ich dann noch gelesen habe, dass das Spiel auch übersetzt wurde ist es für mich noch interessanter geworden.