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Test zu Night in the Woods - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Night in the Woods
  • USA USA: Night in the Woods
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
01.02.2018
Vertrieb
Finji
Entwickler
Infinite Fall
Genre
Adventure, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Just wanna die anywhere else

Von David Pettau () Hattet ihr schon einmal die Befürchtung, dass ihr euch niemals in die erwachsene Arbeitsgesellschaft eingliedern können werdet und dass ihr dies darüber hinaus auch gar nicht wollt? Seid ihr vielleicht schon erwachsen, habt aber dennoch das Gefühl, dass sich eure Denkweise nicht von der eurer Jugendjahre unterscheidet? Night in the Woods vermochte innerhalb der letzten Tage etwas, das mit all meiner Spieleerfahrung nur noch sehr wenige Titel bei mir vermögen. Nicht nur brachte es mich zum intensiven Nachdenken über mich selbst und meine eigene “Einstellung zur Welt“, es nahm auch direkten Einfluss auf mein Handeln, da mir die deprimierende und für einige Menschen sicherlich alltägliche Grundprämisse, die Night in the Woods hinter einer durchweg charmanten Präsentation verschleiert, nicht allzu fremd ist. Doch klären wir zuerst einmal, worum es sich bei dem Titel heruntergebrochen handelt.

Night in the Woods ist ein sehr dialoglastiges Narrative-Spiel/Adventure aus dem Hause Infinite Fall, das erstmals im Februar des vergangenen Jahres für den PC und die PlayStation 4 erschien. Finanziert wurde das Spiel ursprünglich via Kickstarter, worüber die vierfache Geldmenge des Zielbetrags von 50.000 US-Dollar eingenommen werden konnte. Am ersten Februar erschien das Spiel schlussendlich für einen Preis von 19,99 € für die Nintendo Switch und, so viel sei verraten, stellt eine enorme Bereicherung für die Spielebibliothek des Systems dar.

Auf Maes Dachboden scheint sich seit ihrer Jugend nichts verändert zu haben.

Unmittelbar nach Spielbeginn schlüpft ihr in die Rolle eurer Protagonistin, Mae. Diese ist 20 Jahre alt und befindet sich auf dem Weg zu ihren Eltern in ihrer alten Heimat Possum Springs, einem kleinen Örtchen, in dem sie ihre gesamte Jugend verbracht hatte. Der Grund für ihre Rückreise ist aber nicht etwa einzig mit dem Wunsch verbunden, ihre Familie und Freunde wiederzusehen, stattdessen hatte sie ihr Studium abgebrochen. Dass es sich bei all den Persönlichkeiten, die ihr in Night in the Woods antrefft, übrigens um diverse Tiere handelt, tut erst einmal nichts zur Sache. Diese Darstellung ist rein stilistischer Natur und hat auf die Handlung keinerlei Einfluss.

So die Ausgangssituation. Angekommen in ihrem neuen, alten Zuhause, beginnt Mae langsam damit, ihrem altbekannten Alltag nachzueifern. Dazu sei erwähnt, dass Night in the Woods nicht etwa so ausgelegt ist, dass ihr selbst in Maes Rolle schlüpft – letztlich erlebt ihr aber Maes Geschichte, die Geschichte eines vordefinierten Charakters. Euer Einfluss spiegelt sich in beispielsweise Dialogoptionen wider, die allerdings keinen Effekt auf eine etwaige Persönlichkeitsbildung haben, sondern stattdessen aktiv den Verlauf eines Gesprächs beeinflussen. Auf eine ähnliche Weise könnt ihr euch auch auf einige Geschehnisse in Maes Vergangenheit festlegen, indem ihr euch immer wieder für eine von je mehreren Optionen entscheidet. So könnt ihr kleine Randdetails der Geschichte zwar immer wieder aktiv beeinflussen, storyrelevante Entscheidungen eurerseits spielen in Night in the Woods allerdings keine Rolle, solltet ihr auf der Suche nach einem solchen Spielaspekt sein.

Im Gespräch mit Stadtbewohnern lüftet ihr so manches Detail aus Maes Vergangenheit.

Das Spielgeschehen läuft nun über einzelne Tage ab, die stets damit enden, dass Mae sich in ihrem alten Zimmer auf dem Dachboden schlafen legt. An jedem Tag steht es euch frei, Possum Springs nach Herzenslust zu erkunden, während sich euch mit fortschreitendem Spielverlauf nach und nach neue Bereiche öffnen. An jedem neuen Tag warten besondere Orte, Ereignisse und Gespräche darauf, von euch entdeckt zu werden. Mae kann mit allerlei Objekten und Personen in ihrer Umgebung interagieren, woraufhin sie oftmals ihre Gedanken mit euch teilt. So bekommt ihr nicht nur ein vollumfassendes Gespür für Maes präzise ausgearbeitete Persönlichkeit, sondern euch offenbart sich auch ein umfangreicher Einblick in die Hintergründe von Possum Springs und den Bewohnern dieses Örtchens.

Im Zentrum der Handlung des Spiels stehen vor allem Mae und ihre alten Freunde Bea, Gregg und Angus. Im Kern handelt die Geschichte von den eingangs beschriebenen Prämissen – es ist eine Geschichte rund um das Erwachsenwerden und das Integrieren in eine erwachsene Gesellschaft. Nur ungern würde ich wirklich ins Detail gehen, was diverse Aspekte dieser Handlung angeht, da das naive Herangehen ohne Vorkenntnisse einen elementaren Teil der Faszination darstellt, die Night in the Woods auf den Spieler ausüben kann. Es sei allerdings verraten, dass sich die Geschichte nicht nur um die erwähnten Charaktere und Probleme dreht. Nach einem gemächlichen Einstieg, der euch mit Maes ziellosem Alltag und ihrem Verhältnis zu ihren alten Freunden vertraut macht, schlägt die Handlung noch eine weitere Richtung ein, die das Spiel um eine angemessenen Brise “Mystery“ bereichert.

Maes Freunde haben allesamt ihre Eigenheiten, doch Gregg ist schon ein besonderes Kaliber.

Anstatt, dass wir nun also auf den Inhalt der etlichen Gespräche, die ihr verfolgen werdet, eingehen, gehen wir stattdessen auf die Qualität dieser Gespräche ein. Das glaubhafte Writing in Night in the Woods ist eine der größten Errungenschaften des Spiels, das allerdings auch mit einem großen Haken für die deutsche Community daherkommen kann. Da Night in the Woods ausschließlich englische Bildschirmtexte unterstützt, sind gute Englischkenntnisse ein absolutes Muss, wenn ihr euch in Possum Springs zurechtfinden wollt. Studiert haben müsst ihr die Feinheiten der englischen Sprache natürlich nicht. Euch erwarten vor allem Texte, wie sie so auch in einem Chat zwischen englischsprachigen Jugendlichen auftreten könnten – zumindest dann, wenn sich Mae beispielsweise mit dem tendenziell hyperaktiven Gregg unterhält. Die einzelnen Dialoge geben euch dank ihres Schreibstils nicht nur ein greifbares Gefühl für jeden einzelnen der teils grundverschiedenen Persönlichkeiten, sie zeichnen auch ein sehr glaubhaftes Bild von Possum Springs und dessen Bewohnern. Die Charaktere in Night in the Woods unterhalten sich wie echte Menschen (auch wenn sie streng genommen natürlich keine Menschen sind).

Einen großen Teil zur Charakterisierung der diversen Persönlichkeiten trägt auch der außergewöhnliche Artstyle des Spiels mit den damit einhergehenden Animationen bei. Insbesondere Mae und ihre Freunde scheint man schon zu kennen, wenn man sie das erste Mal erblickt – ihr Design und (oftmals dezente) Verhaltensmuster in deren Bewegungen spiegeln die Persönlichkeit dieser Charaktere nahezu in Perfektion wider. Durch den minimalistischen Grafikstil gewinnen die Charaktere darüber hinaus ordentlich an Ausdrucksstärke, da alle Emotionen deutlich lesbar werden. Doch vor allem in den Animationen steckt weit mehr Liebe zum Detail, als man das zunächst vielleicht vermuten mag – so ist es beispielsweise immer wieder interessant zu beobachten, worauf Mae ihren Blick fokussiert, wenn sie durch das charmant aufgemachte Possum Springs schreitet.

Ein nebliger Tag in Possum Springs.

Spielerisch erwarten euch neben dem Erkunden und dem führen von Gesprächen auch allerlei kleine Minispiele, die vor allem auf Geschicklichkeit ausgelegt sind. So erwarten euch beispielsweise kleine, teils sogar richtig anspruchsvolle Rhythmusspiele, wenn sich Mae an einer Bandprobe zusammen mit ihren Freunden beteiligt, oder aber ihr werdet aktiv Zeuge, wie Mae durch eure geschickte Fingerfertigkeit zum Taschendieb wird. Diese Minispiele kommen meist als erfrischende Überraschung daher und lockern das leselastige Gameplay hier und dort auf.

Im Fokus stehen allerdings natürlich die Charaktere und die Geschichte rund um Possum Springs – wie nun sicherlich klar ist, ist diese Handlung nicht etwa geprägt von spektakulären Momenten oder bahnbrechenden Wendungen, stattdessen lebt sie von der Empathie, die ihr für die greifbaren Persönlichkeiten aufbringt. Falls ihr euch mit den eingangs erwähnten Fragen schon einmal beschäftigt habt, dann werdet ihr euch Maes Erlebnissen in ihrer alten, neuen Heimat mit Sicherheit nicht entziehen können. Jedem Interessenten von Narrative-Spielen oder der Grundprämisse des Spiels sei Night in the Woods wärmstens ans Herz gelegt. Der Willen, einen Großteil der Spielzeit mit dem Lesen englischer Texte zu verbringen, ist allerdings die Voraussetzung.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu Night in the Woods

Meinung von David Pettau
Als ich das erste Mal von Night in the Woods und dessen Prämisse hörte, wusste ich noch nicht einmal, dass das Spiel dieses Szenario in einem solch stilisierten Gewand verpackt. Nachdem sich mir dieses Wissen offenbart hatte, war mein Interesse natürlich doppelt geweckt, da ich ein großer Freund außergewöhnlicher Präsentationen in Spielen bin. Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Trotz oder vielleicht sogar durch den stilisieren Ansatz zeichnet Night in the Woods ein greifbareres Bild von Possum Springs und dessen Bewohnern, als es mit einem realistischen Grafikstil und echten Menschen je möglich gewesen wäre. Dabei wirft das Spiel oftmals sehr dezent Fragen und Probleme des Alltags auf, die den Spieler daraufhin intensiv zu beschäftigen wissen. Insbesondere gilt dies natürlich für das Erwachsenwerden selbst.
Mein persönliches Highlight: Maes Notizbuch, in dem sie alle erinnerungswürdigen Ereignisse mithilfe von gekritzelten Skizzen festhält.

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