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Test zu Last Day of June - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Last Day of June
  • USA USA: Last Day of June
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
16.03.2018
Vertrieb
505 Games
Entwickler
Ovosonico
Genre
Adventure, Puzzle, 3D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Was wäre wenn...

Von Patrick Gawor () Verhängnisvolle Schicksalsschläge können jeden von uns treffen. Schon mal darüber nachgedacht? Jeder potentielle Schritt könnte sowohl für dich, als auch für deine Liebsten der Letzte sein und dein weiteres Leben maßgeblich verändern. „Selbstverständlich“, würde jetzt manch einer sagen, "immerhin besteht das Leben nun einmal aus alltäglichen Gefahren, mit denen man sich arrangieren muss." Und das stimmt auch. Es kann und es wird Menschen treffen, die dann beispielsweise durch einen schweren Unfall nie wieder laufen werden können: Ist das fair? Ganz sicher nicht, weswegen den Beteiligten meist eine Frage durch den Kopf schießt: „Was wäre wenn...?“ Genau mit dieser Grundsatzfrage möchte Last Day of June eine herzzerreißende Geschichte erzählen, in der das Liebesglück des scheinbar perfekten Paares namens Carl und June durch einen massiven Eingriff in ihr Leben bis auf alle Ewigkeiten zerstört werden soll. Dabei setzt man alles daran, die Vergangenheit der beiden so zu verändern, dass eventuell doch noch eine gemeinsame Zukunft entstehen kann. Doch... lohnt sich der Aufwand?

Bestaunt den malerischen Aquarell-Stil des Spiels


Es hätte so schön werden können, als sich Carl und seine geliebte June gemeinsam mit dem Auto aufmachten, um im wunderschön anzusehenden Abendrot am See ein Picknick zu veranstalten. Zuvor konnte man schon im liebevoll eingerichteten Haus mit lauter Bildern der Beiden erahnen, dass dieser Ausflug etwas ganz Besonderes für sie werden sollte. Denn June hat bereits im Vorfeld ein nettes Geschenk für ihren Geliebten vorbereitet. „Nett“ ist dabei wohl sogar noch ein wenig untertrieben, denn sofern man einer bestimmten Szene trauen kann, sollen die zwei schon sehr bald Nachwuchs bekommen. Es sollte einer der schönsten Tage ihres Lebens werden. Doch wie man sich bereits denken kann, währt dieses Glück nicht lange. Denn kaum am See angekommen, werden die beiden plötzlich von einem Sturm überrascht und entschließen sich dazu, ihr romantisches Treffen abzublasen und wieder nach Hause zu fahren. Diese Fahrt sollte allerdings die Letzte sein, welche die beiden miteinander erleben. Denn nach einem Zeitsprung in die Zukunft ist nichts mehr von der ehemaligen Idylle des Hauses zu sehen. Die Wände sind kahl, die Stimmung ist trüb und ein bestimmter Sessel ist leer. Wir sehen nur noch Carl, welcher gerade von dem sich immer wiederholenden Alptraum, der sich um Junes Tod dreht, erwacht. Und nicht nur das, sondern wir stellen auch mit Erschrecken fest, dass Carl nun in einem Rollstuhl sitzt. Last Day of June zieht euch also sofort in eine emotionale Geschichte hinein, welche euch die schweren Schicksalsschläge der beiden Hauptprotagonisten, sofern ihr euch darauf einlasst, direkt treffen und mitfühlen lässt. Doch der Hunger ruft und so rollt ihr geradewegs in die abgedunkelte Küche, um euch eine Dose aufzumachen. Blöderweise braucht ihr dazu einen Dosenöffner, der sich in jenem Zimmer befindet, in dem sämtliche Bilder von June ausgestellt sind. Schweren Mutes rollt Carl also in das Zimmer, während plötzlich das Leintuch, welches über einem Bild von June bedeckt gewesen ist, hinunterfällt. Während die Traurigkeit, Wut und Verzweiflung erneut in Carl hochkommt, bemerkt er aber, dass er mit diesem Bild interagieren kann. Es ist möglich sich an jenen Tag zu erinnern, gar ihn zu verändern! Ist es denn möglich, wirklich alles ungeschehen zu machen und die Vergangenheit zu verändern? Ja ist es, womit wir bei der Quintessenz des Spiels angekommen wären.
Der Butterfly-Effekt lässt grüßen

Denn eure Aufgabe ist es nun, dem schweren Schicksal entgegenzuwirken und das Drama ungeschehen zu machen. Denn an diesem Tag waren nicht nur Carl und June Beteiligte des Unfalls, sondern eine ganze Palette an Leuten sind durch unglückliche Zufälle daran beteiligt, dass June ihr Leben lassen musste. Somit übernehmt ihr also die Rollen eines spielverrückten Kindes, eines Jägers, eines älteren Herren mit Krückstock und einer guten Freundin des Paares, die gerade mit ihrem Umzug beschäftigt ist. Ihr könnt nämlich, sofern ihr in die jeweiligen Bilder in Carls Zimmer hineinschaut, in die jeweiligen Abläufe der Charaktere eintauchen und dabei nicht nur sehen, was genau die Ursachen für den Unfall sind, sondern diese auch maßgeblich beeinflussen. Denn sie sind auf der einen Seite alle der Grund, wieso es überhaupt zu dem Unglück kommen konnte. Auf der anderen Seite sind sie aber auch der Schlüssel, um es zu verhindern. Dabei hängen ihre Handlungen eng miteinander zusammen und können in diesem Fall über Leben und Tod entscheiden. Wer nun allerdings denkt, dass er großen Einfluss auf die Spielwelt hat, der irrt sich. Ihr könnt mit der Welt in Last Day of June nur sehr wenig interagieren, weil alle Abläufe ziemlich genau durchgeskriptet sind. Trotzdem gibt es mit den einzelnen Charakteren immer mal wieder kleinere Rätsel, die es zu meistern gilt. Nichts was sehr anspruchsvoll wäre, allerdings wird die Geschichte somit auch nicht durch unnötige Frustmomente gestreckt. Beispielsweise führen Eingriffe in die Vergangenheit bei Person X zu neuen Problemen bei Person Y. Welche dann erneut mit Person Z wieder gelöst werden müssen. Alle Stränge haben einen Zusammenhang und das Ziel ist es, die perfekte Aneinanderreihung von Abläufen zu erzielen, sodass June überleben kann. Wenn ihr beispielsweise mit dem kleinen Jungen lieber einen Drachen steigen lasst, anstatt sich auf das gefährliche Ballspiel einzulassen, welches ebenfalls eine Ursache für den Tod sein kann, fehlt der Freundin von Carl und June ein Befestigungsseil für ihre Umzugskartons, weil es jetzt als Halteschnur herhalten muss.

Die Interaktionen mit den Charakteren sind meist fest vorgeschrieben


Somit kommen mit jeder weiteren Figur weitere Elemente ins Spiel und man muss häufiger zwischen den einzelnen Charakteren hin und her wechseln, um weitere Areale zugänglich zu machen. Dabei ergeben sich schon einmal zwei Probleme. Zum einen ist man dadurch gezwungen, dass man immer wieder dieselben Areale erneut ablaufen darf und somit sehr schnell die Spielwelt und die Aufgaben repetitiv wirken. Zum anderen ist die Spielwelt ohnehin nicht sonderlich groß, wodurch man relativ schnell alles gesehen und auch alles erkundet hat, was es zum Erkunden gibt. Das Spiel gibt euch zwar die Möglichkeit kleine, schwebende Icons einzusammeln, die kleine Sammelgegenstände darstellen sollen, allerdings liegen diese durch den recht linearen Aufbau der Welt quasi auf dem Weg und sind keineswegs anspruchsvoll versteckt. Doch das Spiel möchte euch auch nicht eine riesige Welt zum erkunden geben, sondern fokussiert sich sehr stark auf seine Narrative. Das allgegenwärtige Problem, welches bei storyfokussierten Spielen auftritt, ist das meist sehr dürftig ausfallende Gameplay. Auch Last Day of June tappt in diese Falle hinein, denn wie bereits erwähnt, könnt ihr nicht sonderlich viel mit der Welt oder den einzelnen Charakteren interagieren, was gerade in einem interaktiven Medium wie es Videospiele eben sind einfach eine verpasste Chance ist. Eine unglaublich liebevolle, emotionale Geschichte könnte noch so viel intensiver sein, wenn man richtig mit den einzelnen Elementen der Welt interagieren könnte und diese nicht nur als bloße Kulisse dient. Hier versucht Last Day of June leider nichts Neues und bedient sich, wie auch so viele andere an einem klassischen, linearen eher passiven Erleben der packenden Geschichte. Trotzdem gelingt es dem Spiel durch seinen aquarellartigen Artstyle und den kräftigen, wunderschönen Farben definitiv eine starke Atmosphäre einzufangen und es kombiniert seinen malerischen Grafikstil gekonnt mit der Bilderthematik, in die man eintaucht. Die Nintendo Switch-Version hat zwar mit ein paar Framerate Problemen zu kämpfen, allerdings fällt dies durch den ruhigen Spielverlauf nicht sonderlich schwer ins Gewicht. Eine Sprachausgabe wird nicht gebraucht und wird einzig und alleine durch charmante Gefühlsregungen und kleinere Laute der einzelnen Charakteren transportiert. Als krönender Abschluss untermalt der wunderbar passende Soundtrack von Steven Wilson die melancholische, emotionale Geschichte von Last Day of June, während diese sogar auf seinen Song „Drive Home“ basiert. Man merkt also, die Entwickler haben sich in der audiovisuellen Aufbereitung des Spiels sehr viele Gedanken gemacht und das spürt man während des Spieldurchlaufes auch stetig.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu Last Day of June

Meinung von Patrick Gawor
​Last Day of June ist ein Spiel auf das man sich einlassen muss. Denn hier werdet ihr nicht viel Gameplay bekommen, sondern das Spiel fokussiert sich absolut auf seine Narrative und die Inszenierung dieser. Auch wenn das Spiel innerhalb des Genres dadurch keinerlei neue Ansätze liefert, schafft es das Spiel durch seine Geschichte und die audiovisuelle Darstellung zu berühren und gleichzeitig empathisch mit den einzelnen Charakteren zu fiebern. Für alle jene, die auf emotionale, mitreißende Storys stehen und denen es nichts ausmacht, recht wenig mit der einzelnen Spielwelt zu interagieren, für die dürfte Last Day of June definitiv ein kleiner aber feiner Geheimtipp sein.
Mein persönliches Highlight: Die audiovisuelle Präsentation der Spielwelt

Kommentare 7

  • Gast - 28.03.2018 - 14:44

    Also ist das ja eher ein Film. :D
  • KiNiGo Switch-Suchti - 28.03.2018 - 16:00

    Mit wie vielen Stunden Spielzeit kann man ungefähr rechnen ?
  • justchriz Nintendo Gaming - 28.03.2018 - 16:57

    retail dann vlt. mal …
  • Icewulf Turmheld - 28.03.2018 - 17:14

    Klingt wie Shadows of memories. Hat mir damals sehr gefallen. Mal im Auge behalten.
  • Patrick Gawor Turmbaron - 28.03.2018 - 17:21

    @KiNiGo Also ich hatte die Geschichte in bisschen mehr als 3 Stunden durch, wenn du noch wirklich alle Collectables suchen willst kommst du eventuell mit 4 Stunden aus, auch wenn man eben nicht groß danach suchen muss.
  • Rincewind Bergungstaucher - 28.03.2018 - 20:22

    @Icewulf

    Ich liebe Shadows of Memories. Das würde ich mir auch für die Switch wünschen.
  • LadyBlackrose Träumerin - 30.03.2018 - 06:58

    Als jemand, der es auf anderen Plattformen schon gespielt hat muss ich einfach etwas sagen:

    Wer solche Genre mag, auch als Walking Simulation verschrien und sich gerne in eine Geschichte Eintauchen lassen möchte kann beherzt zugreifen. Atmosphärisch ist das Spiel einfach grandios und bringt die Gefühle und die Momente, in die man gebracht wird wunderbar rüber. Es gehört eher zu den leisen spielen, die icht mit dem Hammer ankommen, "So. Sei traurig der Chara ist tot!" Sondern vielmehr eine Dichte Atmosphäre aufbauen und die kleinen Details dafür arbeiten lassen wirklich sich hinein zu versetzen.
    Das klappt aber eben nur, wenn man sich darauf einlässt.

    Der Preis ist für die Spielzeit ein wenig hoch, wer es sich aber leisten kann und einfach Eintauchen möchte in die tolle aber traurige Geschichte, dürfte gute 4-5h seine Freude damit haben.