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Test zu The Bunker - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: The Bunker
  • USA USA: The Bunker
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
09.04.2018
Vertrieb
Wales Interactive
Entwickler
Wales Interactive, Splendy Interactive
Genre
Adventure, Horror
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Gefangen im Bunker

Von Matthias Ksoll () Nuklearwaffen sind seit ihrer Erfindung ein Mittel zur Abschreckung anderer Staaten und festigen die eigene Machtposition. Aktuellstes Beispiel ist dabei sicherlich die diplomatische Fehde zwischen den Vereinigten Staaten unter Donald Trump und dem diktatorischen Regime Kim Jong-uns, Nordkorea. Selten war ein Einsatz von Atomwaffen wahrscheinlicher als heutzutage. Seit den schrecklichen Atomangriffen auf Nagasaki und Hiroshima seitens der USA während des Zweiten Weltkrieges ist der Menschheit bewusst, welches Leid ein richtiger Atomkrieg in der Welt auslösen würde. Der Gebrauch von Atomwaffen ist das letzte Mittel eines Landes im Krieg. Deswegen wurden wir zum Glück bis heute davon verschont, trotz sehr knapper Situationen, wie der Kuba-Krise während des Kalten Krieges. In der Welt von John hatte die Menschheit dieses Glück wohl nicht, denn hier gab es sie im Jahr 1986: Mehrere Atombomben-Abwürfe über Großbritannien, die zehntausende Todesopfer forderten. Die dadurch verursachte tödliche Strahlung zwingt die überlebenden Einwohner des Landes in für diesen Zweck erbaute Bunker. Einer dieser Bunker ist der Schauplatz von The Bunker für die Nintendo Switch, welches 2016 schon für alle möglichen Systeme erschienen ist und am 09. April nun den Weg auf Nintendos Hybrid-Konsole gefunden hat.

Ein jeweiliger Druck auf die kleinen Kreise lösen Johns Aktionen im Spiel aus.

Der Spieler steuert in diesem Horror-Adventure den eben genannten John. Dieser ist als einziges Kind im Bunker aufgewachsen und, Jahre später als erwachsener Mann, nach dem Tod seiner Mutter der einzig Überlebende dort. John ist alleine und folgt einer täglichen, ruhigen Routine, welche jedoch durch verschiedene Komplikationen innerhalb des Bunkersystems ein jähes Ende findet. Während dieser Geschehnisse wird John immer wieder mit früheren Ereignissen aus dem Leben in der Bunker-Gemeinschaft konfrontiert. Mehr sei nicht gesagt, denn gespoilert werden soll hier natürlich nicht.

Der spannenden Grundprämisse des Spiels steht ein weiterer interessanter Aspekt gegenüber: Denn The Bunker ist ein FMV (Full Motion Video)-Game, ist also ein spielbarer Film. Besonders in den 90´er Jahren war diese Art von Spiel im Adventure-Genre mit Spielen wie der Phantasmagoria- und Gabriel Knight-Reihe relativ präsent und beliebt. Wobei diese heute eher durch ihre unfreiwillige Komik interessant anzusehen sind. Der Spieler steuert nicht die Aktionen einer polygonal erstellten Spielfigur, sondern einen Schauspieler vor echten Kulissen. In diesem Fall sogar ein echter stillgelegter Bunker in England.

Rein auf dem Papier klingt The Bunker also schon mal sehr interessant. So manche Figur der Geschichte könnte dem Spieler bekannt vorkommen, Top-Stars darf man natürlich nicht erwarten. Der Hauptcharakter John wird von Adam Brown verkörpert, dessen prominenteste Rolle der Zwerg Ori aus der Hobbit-Filmreihe ist. Des Weiteren sind Sarah Greene (Penny Dreadful) als Johns Mutter und Grahame Fox (Game of Thrones) als Chef im Bunker mit von der Partie. Auch die Story-Writer und Designer für das Spiel haben schon exzellente Geschichten und Welten erschaffen. Diese waren unter anderem in The Witcher, Broken Sword und SOMA involviert.

Die verschiedenen Kamerawinkel im Spiel sorgen für eine bedrückende Atmosphäre.

Durch die filmische Art des Spiels wird klar, dass dem Gameplay hier eine untergeordnete Rolle zugeteilt wird. Es geht mehr um ein intuitives Eintauchen und Miterleben von Johns Abenteuer, als um spielerische Finesse oder knackige Rätsel. In der Tat ist The Bunker spielerisch mit The Walking Dead von Telltale Games zu vergleichen, wenn man das interaktive Kommunikationssystem dessen abzieht. Ihr steuert John, in dem ihr auf verschiedene Punkte auf dem Bildschirm drückt. Dann geht er durch eine Tür, öffnet Schubladen und weiteres, also typisches Point-and-Click-Adventure-Gameplay. Jedoch wird man währenddessen kaum gefordert, sodass man sich schon die Frage nach der Relevanz dieses Spieles stellen kann: Ist es wirklich spannender für den Konsumenten dieses (Spiel-)Filmes, wenn man vor einer Aktion einfach auf einen Punkt auf dem Bildschirm drückt? Dies ist eine schwierige Frage und hängt am Ende wohl vom subjektiven Empfinden des jeweiligen Menschen am Pad ab.

Das Spiel lässt sich auf zwei Arten steuern. Normal mit dem Controller bzw. beiden Joy-Con im Handheld-Modus oder, was mir deutlich mehr Spaß gemacht hat, da intuitiver, mit dem Touchscreen der Nintendo Switch. Denn während ihr sonst mit dem Analog-Stick erst auf die Punkte zusteuern müsst, reicht hier natürlich ein Fingerdruck. Ab und zu gibt es in hektischen oder schwierigeren Situationen für John kleinere Quicktime-Events. Auch hier hat sich die Steuerung per Touchscreen als angenehmer erwiesen.

John bekommt manchmal Flashbacks, die dem Spieler Storyfetzen aus seiner Jugend im Bunker zeigen und die Geschichte vorantreiben.

Da The Bunker spielerisch also nicht allzu viel zu bieten hat, muss die Story den Spieler mitreißen, um in Gänze zu überzeugen. Die Grundthematik empfand ich persönlich dabei als sehr ansprechend. Sehr gut eingefangen hat Regisseur Allan Plenderleith auch die erdrückende Enge und Einsamkeit, mit der John im Bunker konfrontiert wird. Die Kamera-Einstellungen sind diesbezüglich gelungen. Der Soundtrack des Spieles ist gut und erzeugt eine Atmosphäre, in der man sich durchaus unwohl fühlt. Grundsätzlich ist die Geschichte des Spiels jedoch eher enttäuschend. Der Film wirkt wie ein B-Movie, die schauspielerische Leistung schwankt von Szene zu Szene ziemlich. Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass das Budget bei so einem Projekt nicht unendlich ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass dies der erste große Titel des Entwickler-Teams von Splendy Games ist. Der Plot an sich ist meiner Meinung nach relativ vorhersehbar und bietet kaum Überraschungen. Er wirkt sehr stark erzwungen, konstruiert und hat am Ende meines Erachtens nach einen großen Logikfehler, der vieles zerstört.

Überall im Spiel lassen sich Objekte finden, die vom früheren Leben im Bunker erzählen.

Generell empfand ich das Pacing des Spieles und der Story als zu schnell und abgehackt, um mich wirklich mitreißen zu können. Es soll am Anfang das eintönige, einsame und routinierte Leben Johns im Bunker gezeigt werden, dieser Story-Strang des Spieles wird meiner Meinung nach aber viel zu schnell ad acta gelegt. Ihr könnt euch kaum mit John und seinem Leben im Bunker identifizieren und dadurch richtig eingesogen werden. Man hat das Gefühl, dass die Dramaturgie, die Johns Leben besitzt, nie richtig gut durch das Spiel transportiert wird. Ohne Frage hat das Spiel aber auch seine tollen Momente, in denen der psychologische Horror, welcher John widerfährt, auch wirkt. Und auch die Tonbandaufnahmen und Protokolle, die im Bunker herumliegen, transportieren ein realistisches und stimmiges Bild des Lebens dort unten. Ein weiterer Grund für das Identifikationsproblem ist auch bedingt durch die relativ kurze Spieldauer von The Bunker. Für meinen ersten Durchlauf habe ich ein wenig mehr als 2 Stunden benötigt. Das Spiel besitzt zwei verschiedene Enden. Ein weiterer Spieldurchgang lohnt sich aber kaum, da man direkt am Ende zwischen beiden Enden wählen kann.

Redaktionswertung

5

Für Genre-Fans

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Unser Fazit zu The Bunker

Meinung von Matthias Ksoll
Nach den sehr kurzen "Routine"-Kapiteln fangen für John die Dinge ganz schnell an aus dem Ruder zu laufen, aber das Spiel hat mich irgendwie nie wirklich in seinen Bann ziehen können. Ich kann nachvollziehen, was das Spiel mit seinen Mechaniken beim Spieler auslösen soll, aber es schien bei mir einfach nicht zu wirken. Durch die kurzen Kapitel wurde mir eine Bindung zu Hauptcharakter John verwehrt. Trotzdem hatte ich zweifelsohne meinen Spaß mit The Bunker. Ich finde man sollte klarstellen, dass man viel Herzblut in diesem Projekt erkennen kann. Aber am Ende führen die mangelnde Herausforderung und andere kleinere Fehler dazu, dass das Spiel nicht vollends überzeugen kann. Es bleibt einfach zu wenig hängen und ich sitze dem Spiel am Ende leider eher mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber. Der Ansatz war da, die Umsetzung ist leider nicht überzeugend genug. Für Genre-Fans ist das Spiel dennoch einen Blick wert, wenn sie mit dem FMV-Gameplay einverstanden sind. Die Story ist dabei, wenn man so will, Standardkost ohne große Überraschungen. Die Atmosphäre war stellenweise sehr gut und der Soundtrack hat mir auch gefallen.
Mein persönliches Highlight: Die Enge und Kargheit eines Bunkers wurde gut transportiert.

Kommentare 6

  • AgentYork Turmknappe - 10.04.2018 - 11:31

    Für mich als FMV-Fan steht das Spiel auf der Liste :D
  • Wildjoviman wildjoviman - 10.04.2018 - 11:46

    100% FIXKAUF - freue mich schon
  • Arraklon Turmheld - 10.04.2018 - 12:13

    Bin es gerade am laden... das Setting spricht mich total an und mir ist bewusst, das es mehr Film als Spiel ist, aber für den Preis gönne ich es mir ;)
  • Cyd Turmbaron - 10.04.2018 - 16:56

    Waaaat? :D Ein extrem bedrückender Spielfilm, der mich einfach nur fasziniert hat, mit einem grandiosem Schauspieler btw. Kann aber natürlich nachvollziehen, wenn es bei einem nicht zündet. Finde bei solchen "Spielen" eine Bewertung auch schwierig, weswegen ich da eher auf ein solches Noten-Korsett verzichten würde. Der Meinungskasten sollte ausreichen.

    Wer der Meinung ist, dass ihm der Film gefallen könnte, die Thematik, der sollte das Geld ruhig investieren. Aber ja, nicht jedem wird es gefallen. Ist kein Videospiel in dem Sinne und wenn es einen nicht packt, dann kann der beste Film der Welt auch zur absoluten Schlaftablette verkommen.
  • smett Turmknappe - 10.04.2018 - 19:17

    Keine deutsche Sprachausgabe, nur deutsche Untertitel, oder?
  • Arraklon Turmheld - 10.04.2018 - 22:17

    @smett

    Jap, nur Untertitel. Und Hinweise im Spiel kann man mit einer deutschen Übersetzung überblenden lassen.