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Test zu South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe
  • USA USA: South Park: The Fractured but Whole
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
24.04.2018
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Nicht jugendfreie Superhelden erobern die Nintendo Switch

Von Roman Dichter () Hey, du! Ja, genau du! Willst du ein echter Superheld sein? Ich meine, nicht so ein langweiliger Batman, Superman oder Hulk, sondern ein megakrasser Held, der mit der Macht seiner Fürze die Welt rettet? Dann schließe dich uns an! Die Allianz der Superhelden „Coon and Friends“ aus dem Spiel „South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe“ braucht deine Hilfe. Aber Vorsicht: Nicht jeder Spieler hat das Zeug dazu. Es gibt fünf Dinge, die du haben musst, um ein würdiger Superheld zu sein. Also lies die folgenden Informationen gut durch und entscheide weise. Wenn du dann noch mutig genug bist, besorge dir das Spiel für die Nintendo Switch und triff mich im Hauptquartier. Adieu!

1. Ein Superheld braucht eine tragische Hintergrundgeschichte

Da ist es also, das erste Spiel, das dem beliebten Universum von South Park entspringt und für die Nintendo Switch erhältlich ist. Der direkte Vorgänger, „Der Stab der Wahrheit“, erschien nicht auf Nintendo-Konsolen. Wer diesen verpasst hat, muss sich aber keine Sorgen machen: Obwohl Die rektakuläre Zerreißprobe direkt an den ersten Teil anknüpft, in dem sich die Grundschüler im Fantasy-Stil duellieren, entsteht schnell eine eigenständige Geschichte, die nicht mehr auf Game of Thrones oder Der Herr der Ringe anspielt. Jetzt werden Superhelden und der große Trend der letzten Jahre parodiert, als immer mehr Filme und Serien rund um die Helden von Marvel und DC Comics produziert wurden.

Im Hauptquartier erfindet Cartman eure tragische Hintergrundgeschichte. Manche seiner Geräte könnten direkt einem Nintendo Labo-Bausatz entstammen.

Erfolg will auch Eric Cartman haben, der selbst als Superheld „The Coon“ nach Ruhm und Ehre strebt. Selbstverständlich spielen auch seine Freunde mit und bilden das Team „Coon and Friends“. Ihre Mission ist es, die verschwundene Katze Scrambles zu finden, um mit dem Finderlohn große Ziele für das neue Superhelden-Franchise zu erreichen. Cartman hat schon große Pläne mit TV-Shows, Filmen, Merchandising und mehr. Wäre da nur nicht die Konkurrenz: Die „Freedom-Pals“, angeführt von Mysterion (besser bekannt als Kenny), wollen die Pläne von The Coon durchkreuzen. Natürlich bleibt es nicht bei diesem „Kinderspiel“, sondern die Story entwickelt sich weiter und zeigt euch, dass noch viel mehr hinter der verschwundenen Katze steckt. Einer der Aspekte, die mir an der Präsentation der Story am besten gefallen, ist der spielerische Wechsel der Ebenen: Gerade ist der Spieler noch gefesselt im epischen Kampf zwischen mächtigen Superhelden, doch plötzlich werden wir zurück auf eine Metaebene geschleudert, in der die Kinder ihr Spiel unterbrechen müssen, weil sie einem vorbeifahrenden Auto Platz machen müssen oder sich von Mama anhören dürfen, dass sie auch ein anderes Kind mitspielen lassen sollen. Wohl kaum ein anderes Spiel schafft es, uns so präzise in die kindliche Welt hineinzuversetzen, aber gleichzeitig definitiv nicht für Kinder geeignet zu sein.

In dieses Superhelden-Rollenspiel steigt auch der Hauptcharakter des Abenteuers ein, dessen Kontrolle ihr übernehmt. Interessanterweise wird er fast ausschließlich über dessen Superhelden-Identität definiert. Er wird nicht im Geringsten als neuer Charakter ins Universum von South Park integriert. So seid ihr einfach nur „das neue Kind“. Ihr habt also weder einen Namen noch wirkliche Charaktereigenschaften, zumal der Neue auch nicht spricht. Hier soll sich also der Spieler selbst möglichst stark mit dem Protagonisten identifizieren, vergleichbar mit dem Helden Link aus der „The Legend of Zelda“-Reihe. Dagegen wird die tragische Hintergrundgeschichte, die euch zum Superhelden machte, im Laufe des Spiels immer weiter ausgeschmückt. Im Grunde wird sie dabei einfach von Cartman erfunden. Er legt dabei größten Wert auf das Detail, dass ihr in jungen Jahren sehen musstet, wie euer Vater eure Mutter ge… – naja, im Gegensatz zu mir nimmt das Spiel zu keinem Zeitpunkt ein Blatt vor den Mund. Es ist ein unzensierter, hemmungsloser South Park-Stil, wie man ihn kennt.

2. Ein Superheld braucht Superkräfte

Euer Held wird nicht nur durch die Hintergrundgeschichte immer weiter geprägt. So könnt ihr aus verschiedenen Klassen wählen, die eure individuellen Stärken prägen. Im Laufe des Spiels kommen weitere Klassen hinzu und ihr könnt dann sogar mehreren Klassen zugleich angehören. Die Klasse bestimmt dann auch Aktionen, die ihr in Kämpfen benutzen könnt, was sowohl Angriffe als auch defensive Fähigkeiten betrifft. Sind euch mehrere Klassen zugeordnet, könnt ihr aus den zugehörigen Kampfaktionen diejenigen zusammenstellen, die euch dann in den Kämpfen zur Verfügung stehen. Zudem wird euer Held geprägt durch Artefakte, die dem Helden quasi in die DNA eingepflanzt werden und eure Kraftstufe bezüglich verschiedener Werte erhöhen. Mit höherer Heldenstufe könnt ihr auch mehr Artefakte einbauen, die ihr im Spiel erhaltet oder craften könnt. Und wenn das Ganze jetzt zu kompliziert klingt, sagen wir es nochmal einfacher und bringen es auf den Punkt: Ihr könnt euren Charakter pimpen, damit er im Kampf besser wird.

Die wohl mächtigste Kraft des Helden entspringt seinem Rektum.

Allerdings kann man durchaus kritisch anmerken, dass dieses System zum Aufwerten des Protagonisten (andere Team-Mitglieder beeinflusst ihr übrigens nicht) größtenteils unwichtig ist. Das kann man auch als positive Nachricht für Spieler verstehen, die zwar South Park mögen, aber keine Fans von komplexen Spielstrukturen vieler RPGs sind. Auch wer nur kurz die geforderten Entscheidungen trifft, wird keine großen Probleme haben, das Abenteuer zu meistern – einfach die stärksten Artefakte anlegen, Klassen nach spontaner Sympathie wählen und fertig.

Auch weitere Eigenschaften sind für einen Superhelden von Bedeutung, beispielsweise das „Kryptonit“, also etwas, das auch einem sonst übermächtigen Helden schaden kann bzw. seine Schwachstelle ist, damit überhaupt Spannung aufkommt. Bei South Park können das aber auch schon mal „alte Leute“ sein anstelle eines tödlichen Objekts wie bei Superman – kein Aspekt ist davor sicher, durch den Kakao gezogen zu werden. Besonders gut hat mir gefallen, dass auch die fortschreitende Ausprägung des Charakterprofils, wie überhaupt viele Dinge in South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe, nicht einfach nur über lieblose Menüeingaben erledigt werden müssen, sondern liebevoll in die Story eingebunden werden. Auf diese Weise begegnen wir auch weiteren aus der Serie bekannten Charakteren und haben immer wieder die Gelegenheit, den berühmten Humor zu erleben, der bekanntlich nicht nur hemmungslos ist, sondern auch immer wieder sozialkritisch.

Beispielsweise treffen wir auf den Schulpsychologen und Vertrauenslehrer Mr. Mackey. Die Situation ist schon grundsätzlich witzig, weil es ja eigentlich darum geht, dass der Schüler über seine Probleme redet, aber der Protagonist entgegnet ihm, dem Running Gag des Spiels entsprechend, nur fragende Blicke. Also bestimmt Mr. Mackey das Thema, spricht aber so, als wäre es von ihm gekommen („Du möchtest also über dein Geschlecht reden“). Auf diese Weise definiert ihr das Geschlecht eures Helden und prägt so sein Charakterprofil. Dabei wird bei Junge und Mädchen sowie Homo und Hetero noch lange nicht Schluss gemacht, sondern die ganze Gender- und Transgender-Thematik wird bis zum maximal möglichen überzogen und parodiert. Derartige Szenen regen dann auch zum Nachdenken darüber an, ob wir nicht noch immer mit viel zu viel Diskriminierung leben, aber zugleich auch darüber, an welchen Stellen wir es mit Debatten darüber selbst übertreiben. Dieser Aspekt von South Park, der uns zeigt, dass es dann doch eine tiefere Ebene als die oberflächlichen Pipi-Kaka-Gags gibt, hat es glücklicherweise also auch mit ins Spiel geschafft.

3. Ein Superheld muss kämpfen können

Wie in Rollenspielen üblich, gibt es auch in South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe ein rundenbasiertes Kampfsystem. Wenn ein Kampf nicht direkt in die Story eingebunden ist, kann es auch zu optionalen Kämpfen kommen, wenn ihr auf Gegner trefft, während ihr durch South Park schlendert. In diesem Fall könnt ihr beispielsweise einer Gruppe fieser Sechstklässler eins auf die Nase geben, um den Kampf zu starten. Treffen sie euch zuerst, nennt sich das Ganze Hinterhalt. In ersterem Fall habt ihr den ersten Zug, in letzterem ist erst der Gegner an der Reihe. Eigentlich bin ich kein Fan rundenbasierter Kämpfe. Ein Grund dafür ist, dass sie sich in vielen RPGs recht eintönig immer und immer wiederholen und mich damit langweilen. Bei South Park gibt es zwar auch wiederkehrende Elemente und Gegner (mit Sechstklässlern habt ihr es beispielsweise häufiger zu tun), aber das ist weit weniger ausgeprägt als bei vielen anderen Genre-Vertretern. Viele Kämpfe sind direkt in die Story eingebunden und bieten somit sehr abwechslungsreiche Gegner und Aktionen. Ihr bekämpft Priester, Kellnerinnen, Stripperinnen und viele weitere einzigartige Charaktere. Teilweise gewinnt ihr sogar Kämpfe mit anderen Zielen, als dem üblichen „besiege alle Gegner“, wenn ihr zum Beispiel auf dem Boden liegendes Marihuana anzünden müsst, um den Gegner zu benebeln und zu besänftigen.

Gekämpft wird in Runden auf einem Feld mit Schachbrettmuster.

Nach und nach begleiten euch immer mehr Superhelden, sodass ihr ein Team von vier Charakteren zusammenstellen müsst, die in den Kämpfen antreten. Da sie alle eigene Klassen und Angriffe besitzen, lohnt es sich, eine gute und vielseitige Kombination von Superhelden zu finden. Seid ihr an der Reihe, könnt ihr euch in einem vorgegebenen Radius bewegen. Das Kampffeld ist dabei in Quadrate eingeteilt, die eine Art Schachbrettmuster ergeben. So müsst ihr euch clever positionieren, um einen Angriff mit passender Reichweite ausführen zu können, gleichzeitig möglichst nicht auf dem Präsentierteller für den nächsten gegnerischen Angriff zu stehen und auch nicht den Kameraden bei ihrer nächsten Aktion im Weg zu stehen. Nun wählt ihr zwischen verschiedenen Angriffen aus oder schützt euch bzw. Teammitglieder. Ist die Energie von euch oder Gegnern aufgebraucht, ist der Charakter ausgeschaltet und der letzte „Überlebende“ entscheidet über Sieg oder Niederlage – also das klassische Grundrezept für RPG-Kämpfe.

Außerdem gibt es noch ein paar weitere Optionen, die das Ganze komplexer machen und den Kämpfen mehr Tiefe verleihen. So könnt ihr Items auswählen, um etwa Energie wiederherzustellen oder sogar gefallene Verbündete wiederzubeleben. Wenn ihr im Spiel bestimmte Nebenquests erledigt, kann es vorkommen, dass Charaktere, denen ihr geholfen habt, so dankbar sind, dass ihr sie im Kampf anfordern könnt und sie euch zur Hilfe eilen. Doch auch die Superhelden selbst, genau genommen die Spieler, können noch mehr zum Erfolg beitragen. Quick Time Events, bei denen ihr schnell reagieren und den richtigen Knopf drücken müsst, sorgen dafür, dass sich manche Attacken verstärken. Auch defensiv gibt es diese Reaktionsaufgaben. Sie sorgen für das Füllen einer Superleiste, die euch schließlich das Ausführen eines mächtigen Spezialangriffs ermöglicht. Dieser ist für jeden Charakter individuell gestaltet und wird mit einer kleinen Sequenz eingeleitet.

Es ist doch nur ein Spiel: Kommt ein Auto, dann legen die Kontrahenten eine Pause ein.

Interessant sind auch Angriffe, die eine Vorbereitungszeit benötigen. So kommen böse Kinder auf die Idee, in Luftballons zu pinkeln, um diese schließlich als gefährliche Wasserbombe auf euch abzufeuern. Die Anfertigung dieser ekligen Waffe benötigt aber eine Runde Zeit. Wählt euer Gegner dieses Mittel, werden einige Quadrate rot markiert, weil die Pipibombe dort einschlagen wird. Nun solltet ihr versuchen, eure Superhelden nach und nach aus der gefährlichen Zone herauszubewegen, um nicht getroffen zu werden. Gleichzeitig kann das aber bedeuten, dass nur noch sichere Felder übrigbleiben, auf denen ihr selbst keine Gegner treffen könnt, weil sie außer Reichweite sind. Ihr müsst euch also entscheiden: Selbst attackieren und dafür später auch einstecken, oder euch in Sicherheit begeben, aber in dieser Runde selbst nichts ausrichten können?

Insgesamt würde ich das Kampfsystem als gelungen und unterhaltsam bezeichnen. Fans von RPGs und komplexen, strategischen Kämpfen hätten sich aber sicher noch über weitere Feinheiten gefreut, bei denen etwa Höhenunterschiede eine Rolle spielen oder die Richtung, aus der ein Angriff kommt, Einfluss auf den Schaden hat. Auch Wechselwirkungen verschiedener Angriffe wären denkbar gewesen. Für manch andere Spieler wäre das aber vielleicht auch zu viel gewesen. Also können wir uns freuen, dass es abwechslungsreiche, frische Ideen sind, die die Kämpfe immer wieder auflockern. Besonders einige Bosskämpfe sind „rektakulär“ und sehenswert. Dazu kommen regelmäßig knackige Kommentare der Charaktere und eben dieser provokante Humor, der auch vor den Kämpfen nicht Halt macht. Das freut mich besonders, weil man so die Kämpfe als Teil des Ganzen erlebt und nicht als abgekoppeltes, bedeutungsloses Nebenprodukt.

4. Ein Superheld muss die Welt retten

Zugegeben: Die Rettung der ganzen Welt ist vielleicht doch etwas viel verlangt von einer Gruppe Grundschüler, die Superhelden spielen. Aber im Reich der Fantasie ist alles möglich, und dass das Finden einer Katze schließlich noch zum Aufdecken krimineller Individuen führt, was euch zum willkommenen Helfer für die faule Polizei macht, ist doch auch schon etwas. Aber jeder fängt einmal klein an, also seid ihr – neben den Kämpfen – für einen Großteil des Spiels damit beschäftigt, die Gegend zu erforschen und Nebenaufgaben zu erledigen.

Heldenhaft begebt ihr euch an gefährliche Orte – auch in einen Stripclub.

Die meisten (häufig leider sehr ähnlichen) Häuser von South Park könnt ihr direkt betreten und die Privatsachen der Einwohner durchwühlen. Dabei gibt es viel zu sammeln. Die Stadt ist voll von verschiedensten Materialien, die ihr für das Crafting verwenden könnt. So dürft ihr Heilmittel, Artefakte und andere Gegenstände herstellen. Allerdings ist das nur selten wirklich relevant, wenn etwa ein bestimmter Gegenstand für die Story zusammengebastelt werden muss und ihr die Einzelteile dafür beschaffen müsst. Davon abgesehen kann man Hunderte von Items aus Schubladen klauen und in versteckten Taschen finden, ohne sie jemals zu verwenden. Ich selbst habe zwar gern alles gründlich durchsucht und mitgenommen, was geht, aber kaum etwas davon verwendet. Hier gibt es keine gute Ausgewogenheit von Items und sinnvollem Einsatz.

Motivierender ist es schon, wenn Fundstücke direkt in eine Nebenquest eingebunden sind. Beispielsweise dürft ihr Yaoi-Bilder sammeln, die auf erotische Weise Tweek und Craig im Manga-Stil abbilden. Oder ihr fangt die entlaufenden Katzen von Big Gay Al ein. Hierfür benötigt ihr übrigens eine Superhelden-Fähigkeit, die nun wirklich das Potenzial hat, für die Rettung der Welt eingesetzt zu werden: Fürze absondern! Der gute, alte Furz ist fast eine Art Leitmotiv für den namenlosen Protagonisten und erweist sich immer wieder als nützlich. So kann er in einer Partneraktion mit „Human Kite“ (der menschliche Drachen) Kyle Broflovski durch gut getimtes Pupsen in luftige Höhen aufsteigen und sonst unerreichbare Ebenen erklimmen. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich mit dem Darmwind, der die Zeit anhalten kann, wodurch sich besagte Kätzchen schnappen lassen, bevor sie sich verängstigt im Gebüsch verstecken. Über Zeitreisen habt ihr übrigens durch Morgan Freeman erfahren, der im Spiel einen Taco-Laden besitzt. Bitte, ihr seid der Meinung, dass sich dieser Absatz etwas verrückt liest und ganz verschiedene Aspekte wild kombiniert? Stimmt – auch das ist South Park, aber irgendwie macht dieses Chaos auch Spaß.

5. Ein Superheld muss Fans haben

Ein echter Superheld ist erst dann richtig super, wenn er es schafft, durch seine heldenmutigen Taten das einfache Volk für sich zu begeistern. Kann also South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe die Fans begeistern? Ja! Das liegt in erster Linie an der absolut authentischen Umsetzung der Serie. Zu jeder Zeit hatte ich das Gefühl, dass dieses Abenteuer ein vollwertiger Bestandteil von South Park ist und nicht bloß ein Spiel zur Serie, das einfach nur bei einem Standard-Videospiel die Charaktere an das Franchise anpasst. Abgedrehte Ideen wie ein Toiletten-Minispiel, bei dem ihr auf diversen stillen Örtchen verschiedene Tastenkombinationen durchführen müsst, passen einfach super zum South Park-Stil.

Morgan Freeman hat zahlreiche Fans, aber was ist das schon gegen einen echten Superhelden?

Technisch ist der Titel vielleicht nicht „super“, aber doch in Ordnung. South Park liegt ja, sowohl bei der Serie als auch konsequenterweise beim Spiel, eine denkbar einfache Technik zugrunde. Es gibt kaum Animationen. Wenn sich die Figuren bewegen, dann haben ihre Gliedmaßen wenig Arbeit. Es sieht eher aus, als würde ein Kind eine Puppe in die Hand nehmen und diese zum Spielen fortbewegen. Dieser bewusst billige Stil macht ja auch den optischen Charme von South Park aus. Schade ist darum, dass es an manchen Stellen etwas ruckelig wird, wenn ihr euch fortbewegt und der Bildschirm scrollt. Dass die Nintendo Switch hier schon an ihre Grenzen stößt, kann ich schwer glauben. Aber groß stört dies nicht, ebenso wie Ladezeiten zwischen zwei Gebieten, die euch zwar merkbare Pausen aufzwängen, aber im erträglichen Rahmen bleiben. Sie fallen besonders später ins Auge, wenn ihr die Stadt im Wesentlichen erforscht habt und viel auf direkten Weg zwischen zwei Punkten unterwegs seid. Dafür dürft ihr auch eine Schnellreise-Funktion nutzen, Ladezeiten gibt es dann aber ebenfalls.

Erfreulich ist die akustische Gestaltung, die in tadelloser Weise dazu beiträgt, die Atmosphäre der Serie auf das Spiel zu übertragen. Auch die bekannten Synchronsprecher sind mit an Bord und liefern euch in den ca. 20 Spielstunden eine vollständige deutsche Sprachausgabe, sowohl schriftlich als auch akustisch. Natürlich hat es eine deutsche Übersetzung, auch wenn ich diese als insgesamt gelungen beschreiben würde, es immer schwer, mit dem Original mitzuhalten. Insbesondere bei Gags und Wortspielen lässt sich nicht immer eine Übersetzung finden, die den ursprünglichen Humor so zündend und clever transportiert wie das Original. Das zeigt sich schon am Titel, denn „Die rektakuläre Zerreißprobe“ ist dann doch nicht ganz so überzeugend wie das englische „The Fractured but Whole“. Trotzdem gibt es auch mit deutscher Sprachausgabe viel zu lachen.

Seid ihr jetzt überzeugte Fans des neuen Superhelden am RPG-Himmel? Wenn ja, dann folgt ihm! So ist es auch im Spiel eine Aufgabe, möglichst viele Follower auf der Plattform „Coonstagram“ zu generieren. Dafür überredet ihr die Bewohner der Stadt einfach zu einem Selfie, das ihr mit eurem Handy aufnehmt. Schurken bekämpfen, Bürgern helfen, einer wahnwitzigen Erzählung folgen und immer schön in die Kamera lächeln – wer darauf Lust hat und South Park ohnehin vergöttert, wird sicher auch ein Fan dieses Spiels werden.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Meinung von Roman Dichter
South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe bringt die Atmosphäre der beliebten Serie nahezu perfekt auf die Nintendo Switch. Der absolut hemmungslose Humor, der aber manchmal doch etwas tiefer geht und ernsthafte Debatten aufgreift, kann bestens unterhalten und auch zum Nachdenken anregen. Wer South Park grundsätzlich für zu geschmacklos hält, sollte auch um die Videospiel-Umsetzung einen großen Bogen machen. Fans der Serie werden sich aber direkt wie zu Hause fühlen und können bedenkenlos zugreifen. Nur an zweiter Stelle kommt da die RPG-Mechanik, auf der das Spiel aufgebaut ist. Diese ist gelungen umgesetzt worden, hat aber ein paar kleinere Schwächen, durch die sie einigen anderen Genre-Vertretern unterlegen ist. Das rundenbasierte Kampfsystem wurde gut integriert und bietet einige taktische Feinheiten, ließe sich aber auch noch an einigen Stellen ausbauen und verbessern. Zudem gibt es weitgehend nutzlose Sammelorgien von Gegenständen und ein Crafting-System, das nur selten wirklich gebraucht wird. Damit sind die Rollenspiel-Elemente im Endeffekt weniger komplex als es den Anschein hat und insgesamt ist dieses Abenteuer ein recht leichtes Spiel. Das muss uns aber nicht groß stören, denn so können wir die gelungene Präsentation genießen. South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe ist unterm Strich ein ausgezeichneter, humorvoller und kompromissloser Spaß! Wer mit derben Formulierungen und Humor unter der Gürtellinie zurechtkommt, erhält unterhaltsames Futter für die Nintendo Switch.
Mein persönliches Highlight: Der grandiose, hemmungslose Humor, der zugleich unter die Gürtellinie geht und zum Nachdenken anregt.

Kommentare 23

  • Songbird Nachtschwärmer - 23.04.2018 - 14:08

    Habe es leider schon auf PS4, aber wenn der Preis mal irgendwann runter geht, schlage ich wohl nochmal zu und dann direkt mit DLCs. :)
  • Vanni88 Bakugo, you are my hero *__* - 23.04.2018 - 14:14

    Toller Test. ^^

    Ich besitze das Spiel schon für die PS4 und kann es jedem Fan nur wärmstens empfehlen. Es ist einfach nur genial. :)
  • Dirk Apitz Dr. Pepper - 23.04.2018 - 14:21

    Wird gekauft, freue mich schon :)
  • DatoGamer1234 E3 und Smash Hype! - 23.04.2018 - 14:24

    Ach ich liebe South Park :D

    Wird definitiv bald geholt :thumbup:
  • Micha-Teddy93 Über 9 Jahre Turm-Mitglied - 23.04.2018 - 14:25

    Zitat von Roman Dichter:

    hr könnt auch DLC-Inhalte einzeln oder als Teil des Season Pass kaufen: „DLC 1: Gefahrendeck“ und „DLC 2: From Dusk till Casa Bonita“ sind sofort erhältlich.
    Zusatzinhalte, die sofort am Release Verfügbar sind halte ich für Abzocke (mehr oder weniger). Oder ist das Spiel bereits auf anderen Konsolen erschienen? Dann würde es ja erklären wieso. Frage mich dann nur, nachdem es viele Ports gab und die meisten Pakete beilegten, wieso es Ubisoft als großes Unternehmen nicht machte. Etwas seltsam.

    Aber das Spiel Interessiert mich ja eh nicht so. Hab die Serie nie geschaut. Ich kann demzufolge nichts mit den Charakteren anfangen und fühlte mich in der Vergangenheit wenn ich mal so etwas ausprobierte sehr unwohl. Da ist es mir keine 60€ Wert einfach :)
  • Songbird Nachtschwärmer - 23.04.2018 - 14:29

    @Micha-Teddy93
    Das Spiel ist schon über ein halbes Jahr für andere Systeme erhältlich, deswegen gibt es auch schon DLC. Den Humor der Serie muss man allerdings schon mögen, da das Spiel natürlich viel darauf basiert, also sind die 60€ wohl gut gespart in deinem Falle. :)
  • Micha-Teddy93 Über 9 Jahre Turm-Mitglied - 23.04.2018 - 14:33

    @Songbird danke für die freundliche Erklärung :) Schaue leider nicht so auf die anderen Konsolen, deshalb hab ich das gefragt gehabt ✌️
  • TrippleF Turmbaron - 23.04.2018 - 14:36

    Auch wenn ich den Hype um diese hässlich gezeichneten Figuren nie verstanden habe, wünsche ich allen Fans viel Spaß. Der Switch tut es bestimmt gut auch solche Spiele zu haben.
  • Fonce Turmbaron - 23.04.2018 - 14:38

    Ich konnte dann letztens doch nicht widerstehen als es bei Amazon die Gold Edition für 49€ gab, aber wenn es mal günstig zu haben ist wird auch die Switch Version noch gekauft. :ugly:
    Das Spiel ist wirklich ein muss für jeden South Park Fan. Es noch mehr Anspielungen auf Inhalte der Serie, das Kampfsystem ist ist abwechslungsreicher als beim ersten Teil und an einigen Stellen musste ich aufpassen das ich vor lachen nicht vom Sofa falle. :thumbsup:
    Hab es am Freitag nach ca. 30h(mit dem Casa Bonita DLC) beendet
    Habe letztens auch wieder angefangen alle Staffeln der Serie zu gucken und bin gestern dann bei den Coon und Mysterion Folgen aus Staffeln 14 angekommen. :D
  • BANJOKONG Turmfürst - 23.04.2018 - 14:43

    Ich werde auch zuschlagen!
    Möchte aber vorher noch skyrim beenden
  • 16-Bit-Fan Gamer4Fun - 23.04.2018 - 15:44

    Ich wusste es war gut mit der PS4 Version zu warten, Geduld zahlt sich manchmal doch aus.
  • Gast - 23.04.2018 - 15:49

    Ich bin eindeutig aus dem Alter raus, wo ich South Park lustig fand. So ungefähr mit 17 merkte ich, wie platt der Humor zum großen Teil ist. Ich denke, das Spiel werde ich in meiner Sammlung nicht vermissen. :D
  • camora Werder + Hansa - 23.04.2018 - 15:54

    @MAPtheMOP


    vielleicht hast du auch einfach nicht den humor verstanden ;)

    Das sie jetzt durch doie Bewegungsfelder mehr Taktik eingebracht haben, hat dem Spiel gut getan. Es spielt sich deutlich spannender, als der erste Teil. Doch eigentlich hatte man einmal sein Team zusammen gestellt und konnte dann auch ohne Probleme alle Gegner plätten. Dafür hat der Rest des Spiels nach dem ersten Teil etwas Abnutzungserscheinung aufzuweisen. Die Lokations sind gleich. Kaum noch WTF-Momente wie im ersten mit den Aliens. Die Geschichte ist ok, aber auch nichts weltbewegenes. Mir fehlte da wirklich etwas. Ich hatte viel Spaß mit dem 2. Teil und hätte ich den ersten noch nicht gezockt gehabt, wäre es noch besser gewesen.
  • Nico.98 Meister des Turms - 23.04.2018 - 16:22

    Ist eine tolle Wertung.
  • giu_1992 Turmbaron - 23.04.2018 - 16:53

    @MAPtheMOP der South Park Humor ist zwar wirklich sehr derbe, hat oft aber auch tiefgründige gesellschaftskritische Hintergründe. Ich bezweifle, dass die jeder pubertierende 17jährige sofort begreift. Es gibt halt nur 2 Seiten, entweder mag man es oder man mag es nicht. Gerade der Vorgänger zu The fractured but whole, war einfach extrem witzig, da darf man natürlich nicht empfindlich sein, wenn es um Analsonden geht, die den Protagonisten von Aliens eingepflanzt werden. Ich behaupte mal, dass das mit anderen Zeichenstilen auch genau so gut funktionieren würde.

    Rick and Morty finde ich ziemlich hässlich, aber die Witze und die Ideen dahinter, machen die Serie einfach zu einer der besten in diesem Genre - wird ja nicht umsonst so abgefeiert, auch wenn es halt nicht so gut aussieht wie z. B. Family Guy.
  • SAM Conkers bester Freund - 23.04.2018 - 18:04

    Guter Test! Gerade eben gekauft, freu mich schon wenn ich morgen endlich Zeit habe es anzuspielen! :)
  • xxx Turmbaron - 23.04.2018 - 19:59

    Ist der Teil eigentlich uncut? Der erste war ja extrem zensiert.
  • Fonce Turmbaron - 23.04.2018 - 23:08

    @xxx
    Soweit ich weiß ja. ;)
  • burning~Eagle Turmritter - 23.04.2018 - 23:44

    Dachte dauernd dass Southpark erst später kommt und jetzt hab ich auch gar keine Zeit. Aber das werde ich mir auf jeden Fall holen sobald Zeit hab. Vlt isses dann auch günstiger oder geht gebraucht her.

    Kann jemand was zu dem DLC sagen? Mein erster DLC Kauf war Zelda und das hat mich schon etwas enttäuscht. Hätte da schon gern mehr Spielzeit mit Story, neue Charaktere und nicht nur extra Kostüme o.ä.
  • Fonce Turmbaron - 23.04.2018 - 23:50

    @burning~Eagle
    Der Casa Bonita DLC geht ein paar Stunden. Ich fand ihn sehr cool gemacht.
  • Wowan14 Gamer aus Leidenschaft - 24.04.2018 - 00:15

    "South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe bringt die Atmosphäre der beliebten Serie nahezu perfekt auf die Nintendo Switch."

    Jedesmal wenn ich die Worte "perfekt" und "Nintendo Switch" (in den meisten fällen "für die Switch" statt "auf die Switch") lese muss ich fast kotzen. Das kann man einfach nicht mehr hören. Zudem liest sich der Satz so als wäre das Spiel exklusiv auf die Switch entwickelt/angepasst worden. Es wurde einfach darauf portiert und fertig. Hat eigentlich nichts mit der Switch zutun finde ich.

    Nichtsdestotrotz ist es aber ein geniales Spiel.
  • camora Werder + Hansa - 24.04.2018 - 09:36

    Zitat von xxx:

    Ist der Teil eigentlich uncut? Der erste war ja extrem zensiert.
    jap ist 100% uncut. gibt diesmal auch keine hk´s. uk version der ps4 fassung war ohne deutsche ton spur und ohne deutsche bildschirmtexte. also achtung beim import.
  • DevilPrincess Turmheld - 24.04.2018 - 10:24

    Steht auf meiner Wunschliste, und wird gekauft sobald es auf einen vertretbaren Preis gefallen ist. Vollpreis ist mir für so ein Funspiel dann doch zu viel, so ab 25€ ist es aber den Kauf wert.