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Test zu Late Shift - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Late Shift
  • USA USA: Late Shift
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
26.04.2018
Vertrieb
Wales Interactive
Entwickler
Wales Interactive
Genre
Adventure
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Dein Leben ist die Summe der Entscheidungen, die du triffst

Von Roman Dichter () Mit Late Shift ist jetzt ein interaktiver Film für Nintendo Switch erhältlich, der komplett aus real gefilmten Szenen mit echten Schauspielern besteht und auf den ich mich besonders gefreut habe. Viele Spieler reizt dieses Genre aufgrund seiner limitierten Gameplay-Möglichkeiten kaum. Allerdings hat das Konzept durchaus seine Vorzüge: Man kann die Handlung wie bei einem Film entspannt verfolgen, bekommt vom Regisseur ein ideal abgestimmtes Timing geliefert und muss sich keine Sorgen darum machen, festzustecken oder am Schwierigkeitsgrad zu verzweifeln. Andererseits nimmt man aktiv Einfluss auf die Handlung und kann das Erlebnis nach dem eigenen Willen mitformen. Insofern ist ein interaktiver Film eine wirklich tolle Sache – wenn er gut gemacht ist. Schauen wir uns Late Shift also etwas genauer an.

Der Protagonist Matt wird während seiner Spätschicht in kriminelle Ereignisse hineingezogen.

Beginnen wir mit der Story. Da diese einerseits das Haupterlebnis des Spiel-Films darstellt und sie sich andererseits – abhängig von euren Entscheidungen – in unterschiedliche Richtungen entwickeln kann, will ich nicht zu viel verraten. Aber ein paar Grundzüge interessieren euch sicherlich, wenn ihr euch fragt, ob ihr an Late Shift interessiert sein könntet. Protagonist des Geschehens ist Matt, der in einem Londoner Parkhaus arbeitet und zu seiner Spätschicht („Late Shift“) antritt. Er hofft auf einen ruhigen Abend, aber das wäre natürlich für eine interessante Story viel zu langweilig. Darum kreuzt er unglücklicherweise den Weg von Gangstern. Unfreiwillig wird er in den Raub einer wertvollen, antiken Schüssel hineingezogen und versucht nun, heil aus der Situation herauszukommen. Insgesamt wird uns eine unterhaltsame, spannende Geschichte erzählt, die sicher das Rad nicht neu erfindet, mir aber gerade wegen der unterschiedlichen Verlaufsmöglichkeiten viel Spaß bereitet hat.

Als zweites sollten wir das Gameplay auf den Punkt bringen, auch wenn es derart minimal vorhanden ist, dass es kaum der Rede wert zu sein scheint. Dennoch gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, dieses Genre anzugehen. In The Bunker beispielsweise habt ihr häufig die Möglichkeit, verschiedene Punkte auf dem Bildschirm im Point-and-Click-Stil auszuwählen, wodurch dann Ereignisse ausgelöst werden. Das gibt es bei Late Shift nicht. Hier läuft praktisch permanent ein Film ab, ohne Pausen, ohne Erforschen der Umgebung. Die einzige Interaktionsmöglichkeit ist es, wenn hin und wieder zwei, selten auch mal drei Entscheidungsmöglichkeiten eingeblendet werden, die ihr spontan auswählt und so den weiteren Verlauf der Geschichte beeinflusst. Spontan ist übrigens ernst gemeint. Ihr bekommt nur wenige Sekunden Bedenkzeit. Habt ihr danach keine aktive Entscheidung getroffen, entscheidet das Spiel für euch. Das hat den Vorteil, dass wirklich überhaupt keine Längen auftauchen, die für Spieler oder auch andere Zuschauer (Freunde können das Ganze einfach wie einen ganz normalen Film mit ansehen) den Flow unterbrechen würden.

Das Objekt der Begierde: Eine kleine Schüssel sorgt für jede Menge Ärger.

Besonders viel zu bedenken gibt es dabei ohnehin nicht. Es werden keine komplexen Überlegungen gefordert. Der weitere Verlauf der Handlung wird während der Entscheidungsphase nur mit wenigen Worten angedeutet, nicht im Detail erklärt. Darum trefft ihr eure Entscheidungen entweder intuitiv oder bewusst anders als bei einem vorherigen Durchlauf. Die Qualität der Entscheidungen ist auch sehr unterschiedlich. Es gibt relativ belanglose Entscheidungen, bei denen die Erzählung einen minimalen Schwank in die eine oder andere Richtung macht. Andere Entscheidungen, besonders in der zweiten Hälfte, führen die Handlung in sehr verschiedene Richtungen. Trotzdem bleibt die Geschichte auch in ihren verschiedenen Verläufen unterm Strich bei einem zentralen Konzept. Oft zeigen verschiedene Verläufe andere Perspektiven auf dieselben Ereignisse. Ein zweiter Durchlauf kann nicht nur eine alternative Version der Story bieten, sondern euch mehr über die aus dem ersten Spielen bekannten Ereignisse verraten. 14 Kapitel und 7 verschiedene Enden könnt ihr maximal erleben, wobei es noch deutlich mehr kleinere Alternativverläufe gibt.

Häufig trefft ihr Entscheidungen, die das Verhältnis der Charaktere zueinander in einem anderen Licht erscheinen lassen, aber den eigentlichen Verlauf der Handlung praktisch nicht beeinflussen. Beispielsweise lernt ihr May-Ling kennen, die bei einer Auktion auf die oben erwähnte wertvolle Schüssel mitbietet. Ihr könnt versuchen, sie von wahnsinnig hohen Geboten abzubringen oder sie gewähren lassen. Damit beeinflusst ihr den (im Grunde unwichtigen) Preis, der bei der Versteigerung erzielt wird, aber wer am Ende den Zuschlag erhält, steht in jedem Fall fest. Ein zweites Beispiel: Gangster wollen euch entführen und ihr entscheidet, ob ihr friedlich mitgeht oder zu fliehen versucht. Das ist für den Zuschauer schon ein anderes Erlebnis, aber am Ende ist euer Weg dann doch vorbestimmt. Auf der anderen Seite gibt es auch die größeren Entscheidungen, die euch komplett andere Orte besuchen und Handlungen erleben lassen. Das ist unterm Strich auch eine gute Mischung, denn wenn jede Entscheidung viel Gewicht hätte, würden die Verläufe schnell so weit auseinanderdriften, dass sich ein spannendes, logisches Konstrukt für all diese möglichen Verläufe kaum realisieren lassen würde.

Immer wieder wählt ihr zwischen verschiedenen Handlungsoptionen und beeinflusst so den Verlauf der Story.

Etwas schade ist allerdings, dass die Grundlagen unserer Entscheidungen teilweise etwas willkürlich sind, man es also nicht unbedingt schaffen kann, mit der scheinbar richtigen Wahl die Geschichte in die gewünschte Richtung zu bewegen. Manchmal passiert sogar das Gegenteil des Erwarteten. Beispielsweise wollt ihr zu Beginn eine Bahn erwischen, werdet aber von einem Passanten nach dem Weg gefragt. Helft ihr ihm, erwischt ihr den Zug noch. Wollt ihr dagegen schnell einsteigen, kommt ihr zu spät und die Bahn ist weg. Das ist einerseits auch irgendwie die Geschichte der echten Entscheidungen, die unser aller Leben beeinflussen. Wir hoffen das Richtige zu entscheiden, aber oft kommt es doch anders als man denkt. Andererseits ist es auch etwas schade, dass der ohnehin schon begrenzte Einfluss des „Spielers“ so stark von Zufall bzw. Willkür geprägt wird.

Somit liegt der größte reiz gar nicht so sehr darin, die Geschichte nach den eigenen Vorstellungen zu prägen. Interessant wird es eigentlich erst, wenn man den zweiten Durchgang startet und die Geschichte bewusst in eine andere Richtung steuert. So habe ich in kurzer Zeit drei Durchgänge mit verschiedenen Verläufen und Enden angesehen. Obwohl die Thematik immer dieselbe ist und sich viele Szenen so wiederholen, wurde mir das Ganze nicht langweilig, weil ich immer gespannt war, welche unbekannten Wendungen noch entdeckt werden können. In diesen drei Durchläufen konnte ich nun alle Kapitel sehen, aber trotzdem werde ich früher oder später nochmal zu Late Shift zurückkehren, weil mich die letzten unbekannten Enden dann doch noch interessieren. Dafür muss man allerdings zwangsläufig den gesamten Film durchspielen, es gibt nicht so etwas wie einen direkten Zugriff auf Kapitel oder das Zurückspulen und ändern bereits getroffener Entscheidungen. Pro Durchgang könnt ihr auch etwa eine typische Spielfilmlänge einkalkulieren, die genaue Länge hängt natürlich auch davon ab, welchen Pfad durch die Geschichte ihr nehmt. Das Ganze erlebt ihr in englischer Sprache, dürft euch aber deutsche Untertitel ansehen.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu Late Shift

Meinung von Roman Dichter
Late Shift ist ein spannender und unterhaltsamer interaktiver Film, der seinen Reiz dadurch erhält, in mehreren Durchgängen die verschiedenen Handlungsverläufe und Enden zu erleben. Immer wieder entscheidet ihr zwischen zwei oder drei Handlungsoptionen des Protagonisten Matt und gebt der Story damit verschiedene Wendungen. Diese Optionen verraten nicht immer sehr präzise, wie es danach wirklich weitergeht. Insofern habt ihr zwar Einfluss auf die Handlung, könnt ihren Verlauf aber nicht wirklich nach dem eigenen Willen formen. Also wählt ihr intuitiv zwischen den Möglichkeiten, lehnt euch zurück und genießt den Film. Genau das ist Late Shift auch im Wesentlichen, zumal es keine weiteren Gameplay-Elemente gibt. Darum motiviert das Abenteuer beim ersten Durchgang durch seine Story, bei einigen weiteren Runden durch das Entdecken weiterer Verläufe und Enden, übt aber danach keinen großen Reiz mehr aus. Das ist aber auch nicht untypisch für einen Film, denn ein typisches Videospiel ist Late Shift einfach nicht. Wer das weiß, mit der englischen Sprachausgabe und deutschen Untertiteln zurechtkommt und einfach Lust auf dieses interaktive Filmerlebnis hat, kann bedenkenlos zuschlagen. Wer dagegen mehr Gameplay erwartet, besonders hohe Ansprüche an eine innovative Story hat oder mit seinen Entscheidungen möglichst genau den Verlauf formen möchte, den er sich vorstellt, der ist hier eher an der falschen Adresse.
Mein persönliches Highlight: Die Beziehung zwischen May-Ling und Matt

Kommentare 16

  • henni4u Retrogamer aus Leidenschaft - 28.04.2018 - 11:02

    Schön, dass das Spiel schon getestet wurde, hat mich beim stöbern im Shop schon gereizt. Hat auch die Bewertung bekommen, die ich erwartet habe.

    Kann man denn zwischenspeichern oder muss man einen Durchgang am Stück spielen?
  • Roman Dichter Redakteur - 28.04.2018 - 11:09

    @henni4u
    Ich habe ehrlich gesagt nicht versucht, zwischendurch zu speichern sondern immer von Anfang bis Ende geguckt / gespielt. Eine eigene Speicheroption gibt es auch soweit ich weiß nicht, aber die Switch speichert bekanntlich aktive Titel immer automatisch auch im Standby, wenn man zum Hauptmenü wechselt. Insofern ist eine Unterbrechung zumindest dann problemlos möglich, wenn man nicht zwischendurch etwas anderes spielt oder die Konsole komplett ausschaltet.

    Aber im Grunde kann man das wie einen ganz normalen Film einfach in einem Rutsch durchgucken. Da unterbricht man ja in der Regel auch nicht mittendrin...
  • Wunderheiler Turmbaron - 28.04.2018 - 11:24

    @henni4u

    Speichern geht nicht, man fängt immer von vorne an.

    Etwas nervig finde ich, dass man die Credits, auch beim mehrfachen spielen, nicht abbrechen kann. Ansonsten fand ich es sehr cool. 9,99€ wäre, besonders wenn man den iOS Preis nimmt (erste Szene gratis, komplett 5,49€), fairer und meiner Meinung nach auch angemessener. Besonders auch weil das Spiel nicht mal Touch unterstützt.

    Aber wie gesagt, ich fand es (sehr) gut und hoffe auf mehr interaktive Filme (gerne auch ein TLC Remaster) :)
  • Cyd Turmfürst - 28.04.2018 - 11:29

    Zitat von Wunderheiler:

    Speichern geht nicht, man fängt immer von vorne an.
    wat? Ok, danke für die Info.
  • henni4u Retrogamer aus Leidenschaft - 28.04.2018 - 11:33

    Dann vielen Dank für die Infos.
  • Wunderheiler Turmbaron - 28.04.2018 - 11:34

    @Cyd

    Also wirklich (z.B.) vor einer bestimmten Entscheidung speichern und genau da dann die jeweilige Fortsetzung ausprobieren. Pausieren, Stand-by und dann fortsetzen geht, wie Roman schon schrieb, natürlich.

    P.S.: Sogar die Videofunktion wird unterstützt :)
  • Cyd Turmfürst - 28.04.2018 - 11:42

    @Wunderheiler
    StandBy und Co. klaro. Nur wenn ich meinentwegen 'nen zweiten oder dritten Anlauf starte, nur mal kurz wieder spiele/reinschaue, ein paar andere Entscheidungen treffe, dann muss ich zwangsweise wieder alles komplett durchspielen/schauen, bevor ich es was anderes spielen kann. Gut zu wissen. Ich wäre wohl davon ausgegangen, dass es z.B. nach/vor einer Entscheidung automatisch speichert oder an anderen Stellen, wie z.B. bei The Bunker.
  • Roman Dichter Redakteur - 28.04.2018 - 11:54

    Allerdings sehe ich das als nicht so dramatisch an. Das ist ja nicht wie bei einem herkömmlichen Videospiel, an dem man vielleicht insgesamt 40 Stunden sitzt, oder bei dem man an schweren Stellen erstmal ne Verschnaufpause braucht. Es ist wirklich wie das gucken eines Films. Und ich weiß nicht, wer von euch einen Film von knapp 2 Stunden (so genau habe ich nicht auf die Uhr geguckt, aber mehr als 2 sind es wohl nicht) in mehrere Teile aussplittet. Ich jedenfalls nicht...

    Und falls doch, will ich ja auch recht bald weiterschauen, um nicht gedanklich aus der Story herauszukommen. Also würde ich höchstens unterbrechen, wenn was wichtiges dazwischenkommt und dann bei nächster Gelegenheit weiterschauen. Und dafür reicht die einfache Standby-Pause aus.
  • Wunderheiler Turmbaron - 28.04.2018 - 12:15

    @Cyd

    Doch, mit Abstrichen geht das auch. Du kannst das Spiel beenden und dann in dem jeweiligen Kapitel wieder anfangen. Allerdings sagt dir das Spiel nicht wo ein Kapitel startet und endet ;)
  • Cyd Turmfürst - 28.04.2018 - 12:30

    @Roman Dichter
    Beim zweiten oder dritten Durchlauf, um ein paar neue Entscheidungen zu treffen? Könnte bei mir schon passieren. ;) Daher war ich für die Info eben dankbar. Nicht, dass ich zum dritten mal den Film anschaue, nach ner Stunde z.B. doch die Lust verliere und lieber zwischdurch was spielen möchte. Ich wäre davon ausgegangen, das es schon irgendwann gespeichert hat.

    @Wunderheiler
    nur damit ich es richtig verstehe (stehe eventuell auf dem Schlauch :D). Ich kann nicht manuell abspeichern, sondern das Spiel speichert ab und an automatisch, ohne das ich genau weiß wo. Wenn ich den Film also mittendrin unterbreche, was anderes spiele, dann kann ich danach auf einen automatisch gesetzten Speicherpunkt zugreifen?
  • Wunderheiler Turmbaron - 28.04.2018 - 12:44

    @Cyd

    Das Spiel ist ja in Kapitel unterteilt (deren Beginn du jeweils nur erahnen kannst). Beendest du das Spiel, startest du zu Beginn des Kapitels, in dem du zuvor aufgehört hast. Also gezielt speichern, um ein paar Entscheidungen auszuprobieren geht nicht. Fortsetzen (wobei man da ggf. die Möglichkeit hat, ein paar Entscheidungen zu wiederholen), weil man das Spiel kurzfristig beenden musste, geht ohne Probleme.
  • Cyd Turmfürst - 28.04.2018 - 12:47

    @Wunderheiler
    ok, danke dir nochmals, auch für die ausführliche Erklärung.
  • Roman Dichter Redakteur - 28.04.2018 - 13:01

    Ich habe es gerade aus Interesse selbst ausprobiert und kann die Aussagen von Wunderheiler bestätigen. Ihr könnt also das Spiel auch komplett beenden und anschließend im Titelbildschirm nicht nur ein neues Spiel anfangen, sondern das alte "Neu laden", womit es dann zwar nicht exakt an der letzten Position, aber am Beginn des zuletzt begonnenen Kapitels startet. :)
  • Wunderheiler Turmbaron - 28.04.2018 - 13:38

    @Roman Dichter

    Das klingt ja so, als hättest du meine Worte ernsthaft angezweifelt :D ;)
  • Roman Dichter Redakteur - 28.04.2018 - 13:59

    @Wunderheiler
    Nein, aber nach dem hin und her zwischen geht nicht und geht doch wollte ich es selbst probieren. Deinen letzten Eintrag hatte ich erst danach gelesen. Aber dann dachte ich mir: Bevor ich jetzt gar nichts mehr schreibe, bestätige ich dich einfach. :D
  • Rincewind Bergungstaucher - 29.04.2018 - 10:03

    @Wunderheiler

    Ich würde mir ein Remaster von "Die Versuchung-TLC" auch sofort kaufen.