Unser Test zum Spiel: Coraline

Wenn uns Filmumsetzungen ins Haus flattern, sinken die Erwartungen automatisch in den Keller. Schuld sind so gut wie alle bisherigen Versoftungen zu Hollywood-Blockbustern, die die Spieler auf der ganzen Welt bis heute gequält haben. Der strikte Zeitplan, das Spiel pünktlich zum Release des Films in die Läden zu bringen, lässt den Entwicklern keinen großen Spielraum, weswegen selten anspruchsvolle Games dabei herauskommen. Ob dieses Vorurteil mit Coraline erfüllt wird? Oder schafft es das Spiel, uns die Hoffnung auf eine gute Umsetzung zurück zu geben? Das erfahrt ihr im Review.

Die namensgebende Heldin von sowohl Film als auch Spiel zieht zusammen mit ihren Eltern in ein neues Haus. Leider haben Coralines Erziehungsberechtigte keine Zeit für sie, weswegen ihr Leben eher trist verläuft. Das ändert sich, als sie eine seltsame Tür in eine andere Dimension entdeckt. Darin scheint alles genau umgekehrt zur realen Welt abzulaufen; das Haus ist schick eingerichtet, der Garten blüht. Auch ihre „anderen“ Eltern haben Zeit für sie. Das Kuriose: anstatt Augen tragen diese Knöpfe im Gesicht! Nach und nach verliert sich das junge Mädchen in dieser schönen Welt, in der alles so ist, wie sie es sich immer erträumt hatte. Doch es dauert nicht lange, da wird aus dem Traum ein Albtraum...

Diese Wandlung macht das Spiel selbst aber nicht durch. Weit entfernt von einem Hit-Titel beginnt die Langeweile bereits im ersten Level. Ein langweilig eingerichtetes Haus wird zum Hauptschauplatz, das ihr so gut wie nie verlassen werdet. Coraline versucht, so etwas wie ein Adventure zu sein, indem euch ständig neue Aufgaben gestellt werden, die ihr lösen müsst. Doch leider verkommt das Spiel eher zur Einschlafhilfe. Ein Beispiel für die aufregenden Missionen: Coraline ist langweilig, ihr ergeht es also im Grunde wie dem Spieler. Also müssen beide beschäftigt werden. Und anstatt euch eine fordernde Hüpf-Sequenz vorzusetzen, ein forderndes Rätsel zu stellen oder sonst etwas spannendes zu fordern, müsst ihr blaue Gegenstände suchen. Ihr lauft also erneut durch das gesamte Haus und hakt nach und nach alles ab, was die Farbe des Himmels aufweist. Im Laufe des Spiels müsst ihr immer wieder Dinge suchen, die euch aufgetragen wurden. Immer wieder.

Doch immerhin gibt es zwischendurch Abwechslung in Form von Minispielen. Innovativ sind diese aber nicht. So ballert ihr mit eurer Schleuder Äpfel vom Baum oder müsst ein Kartenspiel gewinnen, in dem ihr eure Gegnerin aber nur durch Glück schlagen könnt. Wirklich beachtlich ist dabei, wie die Entwickler es geschafft haben, alle Vorzüge der Wii zu missachten. Hat man in manchen Spielen das Gefühl, das Geschüttel wird zu viel, wünscht man sich diese Einlagen in Coraline schon fast. Besonders ärgerlich wird das beim Apfel-Minispiel. Denn anstatt euch mit der Pointer-Funktion kinderleicht zielen zu lassen, bewegt ihr das Zielkreuz umständlich per Analogstick. Eine Generation früher war bzw. bei den Konkurrenz-Konsolen ist das zwar Alltag, auf der Wii aber fällt diese Designentscheidung irgendwie seltsam aus. Mit jedem gewonnenen Spielchen oder dem Ein- und Ausschalten von Lampen verdient ihr euch Knöpfe, die aber keinen Sinn haben, da man sie für nichts ausgeben kann. Ihr könnt höchstens mit der Anzahl eurer gesammelten Bastelutensilien vor euren Freunden angeben. Macht aber auch irgendwie keinen Sinn. Immerhin ist alles nach höchstens vier Stunden vorbei.

Legt ihr die Disc das erste Mal in euer Laufwerk und startet das Spiel, fühlt ihr euch direkt in die Virtual Console versetzt. Es scheint, als hätten die Entwickler eine altes PS1-Grafikgerüst aufgekauft und unverändert übernommen. Euch erwarten blasse Farben, öde und abwechslungsarme Texturen und seltsame Animationen. Zwischensequenzen gibt es in mehreren Ausführungen: so erwarten euch wenige Ausschnitte direkt aus dem Film, einige Szenen in Spielgrafik sowie Standbilder mit nacherzählter Geschichte.

Immerhin hier kann Coraline punkten. Die Sprecher machen ihre Arbeit zumeist wirklich gut, einige der Melodien sind wirklich klasse. Doch leider bewerten wir hier kein Hörbuch, sondern ein Videospiel, und da reicht eine annehmbare Soundkulisse nun mal nicht aus.

Unser Fazit

2

Enttäuschend

Meinung von Pascal Hartmann

Warum ist die USK hier nicht eingeschritten? Haben viele Filmumsetzungen wenigstens noch eine Existenzberechtigung für Hardcore-Fans, sollte Coralines Abenteuer auf der Wii schleunigst im tiefen Sumpf des Vergessens versenkt werden. Schaut euch für das Geld lieber ein paar Mal den Film an. Und wer will, darf jetzt gerne ein paar Tränen der Trauer ob meiner vergeudeten Zeit für dieses Spiel vergießen.

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Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Gringo

    Wing Commander

    The Revenge of Holger :D

  • Wiiler

    Werderaner

    Das war Dennis, nicht Pascal, mit dem Donkey Kong Jr. Math :P


    Aber sieht ja mal nach eine, seeeeeeeehr tollem spiel aus....

  • tomasson

    Redakteur since 2010

    Will das Spiel nicht im geringsten verteidigen, aber wenn gesagt wird


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    Immerhin hier kann Coraline punkten. Die Sprecher machen ihre Arbeit zumeist wirklich gut, einige der Melodien sind wirklich klasse. Doch leider bewerten wir hier kein Hörbuch, sondern ein Videospiel, und da reicht eine annehmbare Soundkulisse nun mal nicht aus.
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    Hört es sich für mich eigentlich danach an, dass der Sound mit 75%+ bewertet werden sollte. Wie kommt die Bewertung da zustande?


    tom.

  • Gringo

    Wing Commander

    Mir war so, als hätte Holger Rache an allen geschworen. Und der Hauptschuldige wird wohl bis zum Schluss aufgehoben :D


    Horse Life OHNE Sterne auf der Stirn....... MUHA wie brutal wäre das denn...

  • Holger

    Administrator

    Gringo
    Ich zitiere den großen Philosophen Gargamel: ".... Ich kriege euch alle und wenn es das letzte ist was ich tue"