Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Test zu Nihilumbra - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Nihilumbra
  • USA USA: Nihilumbra
  • Japan Japan: Nihilumbra
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
03.05.2018
Vertrieb
BeautiFun Games
Entwickler
BeautiFun Games
Genre
Platformer, Puzzle, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
Besitzt du dieses Spiel?
Anmelden
Magst du dieses Spiel?
Jetzt kaufen und ntower unterstützen
eBay

Die ewige Flucht vor der Leere

Von Roman Dichter () Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und welche Bedeutung hat unsere Existenz zwischen Kommen und Gehen? Gibt es überhaupt eine Bedeutung? Über diese Grundfragen der Menschheit wurde schon viel philosophiert. Das Wissen für Antworten haben wir nicht. Viele haben einen Glauben, andere Vermutungen oder Befürchtungen. Ist es vielleicht so, dass wir einfach aus dem Nichts kommen, genau dahin auch wieder verschwinden und jede Existenz dazwischen im Grunde bedeutungslos ist? Nihilumbra spielt mit diesen Gedanken, packt den Spieler und zieht ihn in eine Welt von Erschaffung, Zerstörung und der unvermeidlich erfolglosen Flucht vor dem Nichts.

Born – zu Beginn entspringt ihr der Leere und nehmt später eine größere, aber weiterhin düstere Gestalt ein.

Nihilumbra ist Atmosphäre. Noch bevor ich überhaupt erwähnen möchte, mit welchen Gameplay-Elementen ihr konfrontiert werdet, muss ich betonen, dass es die packende Präsentation ist, die dieses Spiel zu etwas Besonderem macht. Ausgangspunkt für diesen Kunstgriff ist die Story, die ich oben schon angedeutet habe. Nur angedeutet wird sie auch im Spiel selbst. Es wird nicht einfach eine Welt erschaffen, sie dem Spieler erklärt und fertig. Vielmehr werdet ihr hineingeworfen in eine Welt, deren Bedeutung ihr erahnen könnt, aber nicht völlig klar vor Augen habt. Vieles wird letztendlich eurer eigenen Interpretation überlassen, und damit würdigt das Spiel die Tatsache, dass wir auch in der Realität mehr vermuten, als wir wissen. Dies verleiht dem Abenteuer eine beeindruckende Grundspannung und Mystik.

Das lässt sich schon am Protagonisten erkennen: Born. Wir reden nicht von einem einfachen Menschen namens Peter, sondern von einer undefinierten Gestalt, die der Leere entsprungen ist. Sie hat keine wirkliche Persönlichkeit. Ihr Name (wenn man es denn Name nennen kann) ist die englische Formulierung für „geboren“. Wie ein gerade auf die Welt gekommener Säugling weiß Born nichts von der Welt, lernt immer neue Dinge kennen, nimmt wahr und handelt, ohne zu hinterfragen. Eine Stimme im Hintergrund spricht ihn permanent an, erklärt die Welt und wirft philosophische Fragen auf, welche die Hintergrundgeschichte weiterspinnen. Die wesentliche Handlung ist das Überleben, denn die Leere, der Born entsprungen ist, will die Hauptfigur zurückhaben und jagt sie.

Wir kommen aus dem Nichts und gehen ins Nichts. Also was haben wir verloren? Nichts!

Die einzigartige Atmosphäre wird also von der Story getragen, aber auch ausgezeichnet unterstützt durch Grafik und Sound. Die stimmungsvolle Hintergrundmusik lässt euch noch tiefer ins Abenteuer eintauchen, während die Stimme ein ständiger Begleiter ist, ohne auch nur anzudeuten, wer dahintersteckt (ein Vater, ein Gott, das Nichts?). Sie spricht übrigens auf Englisch und wird ergänzt durch wahlweise deutsche Untertitel, die allerdings nicht einfach am Bildschirmrand eingeblendet werden, sondern liebevoll ins Bild integriert sind. Auch ansonsten ist die Optik ansprechend: Born ist im mysteriösen Schwarz gehalten, während die Hintergründe in schlichten, nicht zu bunten Farben gestaltet wurden. Dabei kommt trotzdem Abwechslung auf, denn auf der Reise von frostigen Bergen über den lebendigen Wald, durch eine Asche-Wüste und einen Vulkan bis hin zu einer Stadt erfährt Born immer neue Eindrücke, ohne dass die einzigartige Atmosphäre schwindet.

Nach und nach sammelt ihr verschiedene Farben, mit denen ihr die Umgebung bemalen und sie so verändern könnt.

Selten komme ich so spät im Review zum eigentlichen Gameplay, das normalerweise auch das Wichtigste ist. Um Nihilumbra zu meistern, braucht ihr etwas Geschicklichkeit, Freude am Lösen von Rätseln und einen Hauch Reaktionsschnelligkeit. Die Hauptaufgabe ist, in der zweidimensionalen Welt voranzukommen. Dazu müsst ihr an Hindernissen und Gegnern vorbei, wofür mal mehr, mal weniger geistige Anstrengung benötigt wird. Unterstützung erhaltet ihr von unterschiedlichen Farben, die ihr im Verlauf des Spiels erhaltet. Diese könnt ihr auswählen und per Touchscreen in der Umgebung verteilen. Jede Farbe hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Umwelt: Blau sorgt zum Beispiel für eine eisige Oberfläche, auf der Born entlang rutscht und auch recht schnell wird, was allerdings ebenso für Gegner gilt. Rot dagegen ist recht heiß und kann zum Flambieren der Bösewichte eingesetzt werden, die von der Leere geschickt wurden, um euch zurückzuholen.

Je mehr Farben ihr sammelt, desto komplexer können Rätsel werden, die ein geschicktes Zusammenspiel unterschiedlicher Farben erfordern. Normalerweise habt ihr genügend Zeit, um in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen kann. Am Ende jeder Welt wird es aber hektischer: die Leere findet und jagt euch! Eine bedrohliche, alles zerstörende Masse kommt vom Bildschirmrand auf Born zu – da bleibt nur die Flucht! Jetzt muss also schnell reagiert werden: die richtigen Wege nehmen, die passenden Farben einsetzen und schneller sein als die Leere! Wenn ihr scheitert, ist das nicht so tragisch, denn es gibt immer wieder Kontrollpunkte, von denen aus ihr neue Versuche starten könnt. Der erste Durchlauf ist damit eine zwar kurzweilige, aber auch tatsächlich kurze und nicht allzu schwierige Angelegenheit. Es ist durchaus möglich, Nihilumbra in einem Rutsch in zwei oder drei Stunden durchzuspielen (das hängt natürlich von euren Fähigkeiten ab).

Handheld-only auf der Nintendo Switch

Bis zu diesem Punkt erinnerte mich das Spielerlebnis an den Wii U-Titel Tengami, den ich ebenfalls für ntower testen durfte. Zwar sind die Spiele stilistisch unterschiedlich, bieten aber beide eine beeindruckende, packende Atmosphäre, sind leider recht kurz geraten und reduzieren den Spielspaß damit zeitlich auf einen Wimpernschlag im Leben eines Gamers. Allerdings hat Nihilumbra noch mehr zu bieten: den Void-Modus (bzw. Leere-Modus)! Void ist übrigens die englische Bezeichnung für das mysteriöse, alles erschaffende und zerstörende Wesen, das in der deutschen Fassung als die Leere bezeichnet wird. Spielerisch geht es in diesem Modus jedenfalls zur Sache! Ihr könnt, nachdem der normale Modus durchgespielt ist, jedes Level erneut besuchen, aber müsst darin neue, sehr viel schwierigere Herausforderungen meistern. Das wirkt somit zugleich den Kritikpunkten Schwierigkeit und Umfang entgegen und ist ein großer Pluspunkt.

Hier seid ihr auf der Flucht vor der Leere – da bleibt wenig Zeit zum Überlegen!

Als ich die im Wesentlichen identische Wii U-Version von Nihilumbra getestet habe, konnte ich lobend erwähnen, dass man auch zu zweit ins Abenteuer aufbrechen kann, indem ein Spieler auf dem GamePad die Farben zeichnet, die die Umgebung zu eurem Vorteil verändern, während ein zweiter Spieler den Protagonisten steuert. Dieser Aspekt entfällt auf der Nintendo Switch leider völlig. Dies wurde mir recht schnell zu Beginn des Spiels bewusst. Zwar dürft ihr das Abenteuer auf dem Fernseher beginnen und auch den Nintendo Switch Pro Controller zur Steuerung verwenden, aber sobald die erste Farbe ins Spiel kommt, ist die Nutzung des Touchscreens Pflicht, wodurch Nihilumbra praktisch zum reinen Handheld-Titel wird. Das ist zwar nachvollziehbar, zumal diese Steuerungsart wirklich die sinnvollste an dieser Stelle ist, aber trotzdem entgehen uns so die Möglichkeiten des kooperativen Spielens sowie das Genießen der liebevoll gestalteten Grafik und des wirklich ausgezeichneten Soundtracks auf dem Fernseher.

Als kleine Zusatzmotivation gibt es verschiedene Erfolge, also praktisch Trophäen, die ihr im Spiel erreichen könnt. Wer gerne auf die Jagd nach 100 Prozent geht, kann sich im Menü ansehen, was dafür geschafft werden muss und dann die Herausforderungen annehmen. Selbstverständlich reicht es dafür nicht aus, im normalen Modus zu glänzen, auch der schwierige Void-Modus muss gemeistert werden, um alle Erfolge freizuschalten. Zuletzt sei noch die sogenannte Kunstgalerie erwähnt, in der ihr euch in aller Ruhe verschiedene Grafiken ansehen könnt.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu Nihilumbra

Meinung von Roman Dichter
Nihilumbra ist ein rundum gelungenes Spiel! Es zeichnet sich durch seine packende Atmosphäre aus, die von einer philosophisch angehauchten Story getragen wird. Dabei löst ihr Rätsel und flieht durch fünf abwechslungsreich gestaltete Welten vor der alles verschlingenden Leere. Zwei wesentliche Kritikpunkte sind die eher einfachen Rätsel und die recht kurze Spielzeit. Beide Kritikpunkte relativiert der Void-Modus, der deutlich schwierigere Herausforderungen bietet und zugleich die Spielzeit verlängert. Das ändert zwar nicht allzu viel am grundsätzlich eher geringen Umfang, aber insgesamt erhaltet ihr ein gelungenes Gesamtpaket, das ich guten Gewissens empfehlen kann. Aufgrund fehlender Mehrspieler-Möglichkeiten und die Beschränkung auf den Handheld-Modus ist die Nintendo Switch-Variante der ansonsten identischen Wii U-Version leicht unterlegen, für knapp 7 Euro macht ihr allerdings auch nicht viel falsch.
Mein persönliches Highlight: Die tolle Atmosphäre durch die ansprechenden Grafiken und den gelungenen Soundtrack

Kommentare 3