Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Test zu Saturday Morning RPG - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Saturday Morning RPG
  • USA USA: Saturday Morning RPG
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
26.04.2018
Vertrieb
Limited Run Games
Entwickler
Mighty Rabbit Studios
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
Besitzt du dieses Spiel?
Anmelden
Magst du dieses Spiel?
Jetzt kaufen und ntower unterstützen
eBay

Achtung, jetzt kommt ein Karton!

Von Dennis Gröschke () Nostalgie ist eine tolle Erfindung der Menschen. Man erinnert sich an Situationen und Begebenheiten von früher, als man noch ein Kind oder junges heranwachsendes Individuum war. Meist sind es natürlich die schönen Momente, an die man sich zurückerinnert und aus denen man nostalgische Gefühle zieht. Seien es nun die einfachen Kindheitserlebnisse, mit Ausflügen und Urlauben mit der Familie oder die stundenlangen Sessions vor dem Monitor als Teenager – mit einem C64 und einem Rennspiel, bei dem man abwechselnd den Joysticks rumreicht, weil man die 100 Runden in Echtzeit spielen möchte. Aber auch im Fernsehen gab es damals noch tolle Serien und Filme zu sehen, nicht dieses moderne Zeug von heute. Saturday Morning RPG verlässt sich in seinem Setting gänzlich auf diese Nostalgie. In Amerika war es seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts üblich, dass samstags vormittags Zeichentrickserien und Filme im Fernsehen gezeigt wurden. Diese Ära zog sich bis in die frühen 90er Jahre hinein, bis die Sender dort ein anderes Programm platzierten und diese Tradition ausstarb.

Eure erste Konfrontation mit dem Antagonisten!

Im Spiel übernehmt ihr die Rolle des Schülers Marty (Anspielung auf Zurück in die Zukunft) der in seinem Zimmer liegt und friedlich schläft, während im Hintergrund im Fernsehen eine Sendung läuft. Die Ereignisse aus dieser Sendung übernimmt Marty in seine Träume und das Abenteuer beginnt…

Der Bösewicht Commander Hood hat eure Freundin Samantha geschnappt und eure Aufgabe ist es nun, sie wieder zu befreien. Das Spiel schmeißt euch ohne Umschweife auch direkt in das Setting der ersten Episode. Saturday Morning RPG besteht aus insgesamt 5 Episoden, die allesamt nacheinander (und später auch einzeln auswählbar) gespielt werden müssen. Ihr steht zu Beginn des Spieles direkt Commander Hood gegenüber, der euch selbstverständlich mit einem Streich besiegt und mit eurer Freundin auf und davon entkommt. Nun folgt der Auftritt von „The Wizard“, der euch zur Seite steht und euch mit einem alten Notizbuch aushilft, was euch im Kampf mit Commander Hood helfen soll. Dieses Notizbuch wird von euch mit Aufklebern bestückt, wobei diese Aufkleber entweder für jeweils einen Bonus (mehr Stärke, schnellere Heilung etc.) oder auch Malus für den Gegner stehen können. In eurem Abenteuer könnt ihr diese Aufkleber zwischen den Kämpfen austauschen und dadurch ein wenig eure Prioritäten in der Ausgestaltung eures Charakters anders setzen, wenn auch nur minimal.

Was haben die Transformers, Michael Jackson, He-Man und Laserdiscs gemeinsam? Richtig, sie sind alle Bestandteil von Saturday Morning RPG

Nachdem euch The Wizard nun mit eurem Notizbuch ausgestattet hat, stürzt ihr euch auch direkt in die nächste Höhle. Die erste Episode startet ein wenig wie ein klassisches Fantasy-Abenteuer und ihr durchsucht zunächst einen Dungeon. Soweit, so unverständlich die Vorgeschichte. Macht aber nichts, die Geschichte ist meines Erachtens auch nicht wirklich wichtig. Das Hauptaugenmerk in diesem Rollenspiel liegt auf den Kämpfen, der Präsentation und natürlich den vielen Anspielungen auf popkulturelle Ereignisse, Musik, Filme oder Serien der 80er und 90er Jahre.

Gelegentlich trefft ihr auch auf NPCs, die euch mit kleinen Aufgaben ausstatten.

Das Spiel präsentiert sich mit flachen Sprites für die Figuren und lässt diese durch ein Pseudo-3D Abenteuer laufen bzw. mit dem Hoverboard gleiten. Letztendlich wird diese 3D Welt aber nur durch Perspektivverschiebungen erreicht, es bleibt also eigentlich flach. Dies passt zum Setting und ist dann wiederum in sich stimmig. Schön anzusehen ist das natürlich nicht, auch nicht mit einem Herz für Pixel. Dennoch punkten die Entwickler von Mighty Rabbit hier mit den Animationen, die insbesondere in den Kämpfen auftrumpfen. Da wir nun schon bei den körperlichen Auseinandersetzungen sind, schauen wir uns doch mal die repetitiven Begegnungen näher an.

Saturday Morning RPG benutzt ein rundenbasiertes Kampfsystem, welches durch Minispiele ergänzt wird. Dazu muss ich ein wenig weiter ausholen, denn vor dem Kampf könnt ihr noch euer Notizbuch „rubbeln“. Ja, richtig gelesen, ihr dürft eure Sticker rubbeln und dadurch Boni für den jeweiligen Kampf erhalten. Das Rubbeln funktioniert im Handheld-Modus selbstverständlich mittels Touchscreen und im TV-Modus durch wiederholtes Drücken einer Taste. Habt ihr euch nun frisch mit Boni gestärkt, beginnt der Kampf. Auf der linken Seite seht ihr euer Konterfei und rechts eure Gegner. Nicht selten sind dort mehr als ein Widersacher zu sehen, ähnlich wie in den Mario-Rollenspielen dürft ihr aber auswählen, welchen der Kontrahenten ihr angreifen wollt. In der oberen mittigen Ecke könnt ihr die Aktionsreihenfolge sehen, in der entweder ihr oder eure Gegner an der Reihe seid.

Wenn es an euch ist, habt ihr drei Aktionen zur Auswahl. Ihr könnt entweder euren Multiplikator erhöhen, einen Spezialangriff starten oder mit euren blanken Fäusten einen normalen Nahkampfangriff ausführen. Schauen wir uns den Multiplikator näher an, sehen wir dort wiederum drei Optionen zur Auswahl. Der Multiplikator ist wichtig für euren Angriff und kostet euch Mana, denn dadurch erhöht sich unter Umständen der Schaden, den ihr ausrichtet. Ihr habt die Wahl, entweder den Multiplikator durch wiederholtes „Buttonmashing“ zu erhöhen, schnell einen zugewiesenen Faktor zu erhalten oder durch ein Minispiel den Multiplikator aufzuladen. Dieses Minispiel gestaltet sich ähnlich wie auch einige Angriffsformen, hier müsst ihr einen sich bewegenden Cursor auf einer waagrechten Linie an der passenden Stelle mittels Knopfdruck stoppen. Je näher ihr am optimalen Punkt dran seid, desto besser für den Multiplikator, denn dadurch richtet ihr mehr Schaden an.

Nehmt euch in Acht vor Skeletor...ähm ich meine Skeleboar!

Habt ihr euch nun einen Multiplikator geholt, stehen euch entweder die Spezialangriffe oder der normale Faustangriff zur Verfügung. Die Spezialangriffe sind in der Regel witzig animiert, sei es, dass ihr mit Scheinwerferlicht auf euch mit Michael Jacksons Moonwalk auf den Gegner zu tanzt, mit Laserdiscs einen Fernkampfangriff startet oder ein Schwert zieht, in die Höhe streckt und „Bei der Macht von Grayskull“ ruft. Okay, den Ausruf hab ich mir in Gedanken immer dazu gedichtet, aber das Schwert hat Marty dennoch in die Höhe gestreckt. Selbstverständlich könnt ihr euch auch heilen oder einen Schutzzauber ausführen, dennoch müsst ihr auch immer darauf achten, dass euch die Zugreihenfolge während des Kampfes keinen Strich durch eure Rechnung macht.

Die Kämpfe laufen immer nach demselben Schema ab, weswegen ich weiter oben schrieb, die Kämpfe seien repetitiv. Multiplikator wählen und ausführen, eventuelle Gegneraktionen abwarten, Angriff auswählen, bei Spezialangriff das Minispiel ausführen und bei gegnerischen Angriffen versuchen, diese mittels Knopfdruck abzuwehren. Dies führt ihr in jedem Kampf immer und immer wieder aus, was auf die Dauer echt ermüdend ist. Dazu kommt, dass es auf eurem Weg durch die Episoden auch immer wieder zu Zufallskämpfen kommt, denen ihr nicht ausweichen könnt.

Repetitive Kämpfe, abwechslungsreiche Umgebungen, flache Charaktere, tolle Animationen – hier wird vieles geboten.

Entgegen der ersten Episode spielen die Weiteren in unterschiedlichen Umgebungen, die nichts mit einem Fantasy-Setting zu tun haben. Da bietet Saturday Morning RPG euch eine Menge Abwechslung, gerne auch mal in der realen Umgebung (Schule), was für mich erfreulich gut funktioniert hat. Bei den Gegnern ist die Vielfalt nicht ganz so ausgeprägt, wie es zu wünschen gewesen wäre. Im Grunde gibt es neben echsenähnlichen Monstern und anderen Kreaturen auch Soldaten, also menschliche Gegner, insgesamt fahren diese allerdings immer dieselben Angriffsarten auf. Neben Nah- und Fernkampfangriffen gibt es noch die Giftangriffe oder jene, die euch lähmen können. Gelegentlich wenden auch die Widersacher Spezialangriffe an, diese finden allerdings (zum Glück für Marty) keine häufige Anwendung.

Endlich hab ich das Hoverboard gefunden, yeah!

Saturday Morning RPG ließ mich zunächst ein wenig kalt, was die Entwicklung der Geschichte angeht. Zu wenig Identifikationsfläche bot mir Marty in der ersten Episode. Nach und nach jedoch wuchs mir das Spiel und mit ihm Marty mehr ans Herz. Dies liegt auch an den Dialogen, die leider ausschließlich auf Englisch präsentiert werden, eine Sprachausgabe existiert nicht. Insgesamt ist die audiovisuelle Präsentation des Spieles in meinen Augen auch ein wenig ambivalent. Die Pixel springen euch in einigen Szenen ins Auge, das ist nicht immer schön anzusehen, insbesondere im TV-Modus gibt es dann oft einen Pixelbrei auf dem Bildschirm.

Ein wenig mehr Tiefe hätte den Figuren durchaus gut getan, da die Hintergründe ja auch schon flach sind. Immerhin sind die Animationen, wie ich weiter oben schon angeführt habe, durch die Bank sehr nett anzusehen und einfallsreich präsentiert. Musikalisch trifft das Spiel überhaupt nicht meinen Geschmack, ergänzend dazu wiederholen sich die Stücke in zu kurzer Zeit. Auch die Umgebungsgeräusche mögen ihren eigenen Charme haben, da wäre aber definitiv mehr drin gewesen.

Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein Indie-Spiel handelt, das seine Ursprünge auf Smart-Devices und dem PC hatte. Abgerundet wird das Paket mit den fünf Episoden durch einen Endlos-Modus und einen Arena-Modus, in denen ihr entweder gegen Wellen an Gegnern antretet oder in einer Arena auf besonders schwere und starke Gegner trefft. Das Entwicklerstudio Mighty Rabbit hat sich in der Folge nach der Veröffentlichung von Saturday Morning RPG auch als Herausgeber von Videospielen verdingt. Eventuell sagt euch die Firma Limited Run Games etwas? Limited Run Games veröffentlicht seit ein paar Jahren Indie-Spiele, die zuvor ausschließlich in den digitalen Shops der Konsolenhersteller erschienen waren, auf Disc und mit Verpackung. Diese Veröffentlichungen sind dann aber nur in stark begrenzter Auflage erhältlich, häufig werden nicht mehr als ein paar Tausend Exemplare hergestellt. Nun scheint es in der Hinsicht nicht verwunderlich, dass Saturday Morning RPG auch in physischer Form auf der Nintendo Switch erscheint, in kleiner Auflage. Ratet Mal, wer das Spiel auf den Markt bringt?

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu Saturday Morning RPG

Meinung von Dennis Gröschke
Ich frage mich bis heute, für welche Zielgruppe Saturday Morning RPG gemacht ist? Ich meine, wer außer mir altem Sack hat denn sonst schon in den 80ern gelebt und das alles hautnah miterlebt? Immerhin bedienen die Entwickler allgemein bekannte popkulturelle Anspielungen, die sich auch ein jüngerer Mensch zusammenreimen kann. Abseits der Referenzen bietet das Spiel allerdings nur bedingt außergewöhnliche Rollenspielkunst. Mit der rundenweisen Abfolge der Kampfaktionen können sich auch diejenigen anfreunden, die sich nichts aus den zahlreichen Anspielungen machen. Mit der repetitiven Abfolge der Kampfhandlungen auf Seiten des Spielers haben sich Mighty Rabbit keinen Gefallen getan. Die Statusboni oder -mali hätten für einen Kampf gelten sollen, sodass ihr nicht dazu gezwungen seid, immer wieder den Multiplikator zu bemühen. Die Umsetzung auf die Nintendo Switch möchte ich aber dennoch loben. Der Touchscreen wird sinnvoll eingesetzt, die wiederholte Betätigung einiger Tasten in rasender Geschwindigkeit mag zwar manches Mal nerven, ist aber irgendwie auch ein Relikt aus den 80ern des vergangenen Jahrhunderts, ich denke da nur an die Sportspiele in diesem Jahrzehnt. Insgesamt punktet Saturday Morning RPG im Laufe der Spielzeit mit einer Menge Charme und Witz, trotz der im Test aufgeführten Mängel. Die Wertung geht einher mit der Prämisse, dass ihr euch auf das Nerdtum innerhalb der Spielwelt einlassen müsst. Könnt oder wollt ihr das nicht, bietet Saturday Morning RPG zu wenig Rollenspiel-Unterbau, um sich als Alternative zu anderen Genre-Vertretern abzusetzen. Allen anderen sei gesagt, dass ihr dem Spiel bei ausreichend Englischkenntnissen durchaus eine Chance geben könnt, wenn euch die Optik und Akustik nicht abschreckt.
Mein persönliches Highlight: Wie Skeleboar einfach mal sein Reittier abhaut...

Kommentare 2

  • henni4u Retrogamer aus Leidenschaft - 16.05.2018 - 09:34

    Auf jeden Fall was für mich. Damals immer ins Wohnzimmer geschlichen und auf einem US oder englischen Sender Fun Factory geguckt und so lange dabei geblieben, bis endlich die Transformers kamen. Dazu unser Programm und der Samstag war gerettet.

    Da bestelle ich wohl wirklich die Retail Fassung vor Ende der Monats.
  • Lockenvogel Dumm aber klug! - 21.05.2018 - 03:37

    Auch ohne selbst jemals einen Laserdisc-Player besessen zu haben, darf ich mich als Zeitzeuge und großer (J)RPG-Fan zur geneigten Zielgruppe zählen. Ich hab' mir Saturday Morning RPG schon vor ein paar Jahren via Limited Run als Retail für die Vita gegönnt (Nr.3) und kann es wirklich nur empfehlen! Ich bin mir aber ziemlich sicher, daß (ja, so haben wir DAß in den 80ern gerschrieben) man Saturday Morning RPG auch ohne den frühkindlichen Einfluß von 'You're My Heart, You're My Soul', den Monchichis und Tschernobyl absolut genießen kann!!!