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Test zu West of Loathing - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: West of Loathing
  • USA USA: West of Loathing
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
31.05.2018
Vertrieb
Asymmetric
Entwickler
Asymmetric
Genre
Adventure, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Der alberne Weg nach Westen

Von Roman Dichter () Der Wilde Westen – er fasziniert uns schon lange. Unzählige Filme wurden über ihn gedreht und auch in Videospielen ist ein Setting rund um Cowboys, Pferde und Revolverhelden sehr beliebt. So habt ihr den Wilden Westen aber bisher wohl noch nicht gesehen: In West of Loathing wird das Thema – und alles, was damit zu tun hat – hemmungslos veralbert. Wer sich auf diesen kleinen aber feinen Titel einlässt, wird sicher einiges zu lachen haben.

Welche Klasse würdet ihr wählen?

Dass es nicht allzu ernst zugeht, wird euch schon zu Beginn klar, wenn unser Held sich die Fähigkeit aneignet, total bekloppte Arten der Fortbewegung durchzuführen. Fortan werdet ihr ihn nicht mehr beim ganz normalen Gehen beobachten können, sondern er läuft auf den Händen, krabbelt auf dem Boden, rudert mit den Armen wie eine Windmühle, rollt über die Straßen oder belustigt euch mit weiteren sehenswerten Bewegungen. Das reicht eigentlich schon aus, um immer wieder ein Grinsen auf die eigenen Lippen zu zaubern, sofern man wie ich etwas albernem, auch gerne mal übertriebenen Spaß durchaus zugeneigt ist. Allerdings werden auch so ziemlich alle anderen Situationen, mit denen ihr im Spiel zu tun habt, mehr oder weniger humorvoll präsentiert. Um das alles auch genießen zu können, sind allerdings gute Englischkenntnisse sehr zu empfehlen, denn das Lesen von schriftlichen Dialogen, bei denen ihr auch oft Antwortmöglichkeiten oder Handlungsoptionen auswählt, ist ein großer und wichtiger Bestandteil des Spiels.

Bei dieser witzigen Präsentation rückt der Rest des Spiels fast schon in den Hintergrund. Da wäre beispielsweise die Story, die allerdings keine allzu große Bedeutung hat. Ihr brecht auf, um gen Westen zu ziehen. Zu Beginn könnt ihr auch auswählen, warum ihr das machen wollt. Meine Wahl fiel darauf, dass ich mein Glück suchen will. So zieht ihr immer wieder ein Stück weiter in Richtung der einzig wahren Himmelsrichtung und begegnet zahlreichen Personen, denen ihr helfen könnt. Natürlich gesellen sich auch ein Partner und ein Pferd an eure Seite, die euch auf dem Weg begleiten.

Ein RPG mit Augenzwinkern

Während es eure Hauptmission ist, weiter westlich zu wandern, seid ihr allerdings hauptsächlich mit sehr vielen Nebenmissionen beschäftigt. Diese bestehen aus eigentlich recht klassischen und erwartbaren Aufgaben. So fangt ihr Banditen und übergebt sie dem Sheriff, löst kleine Puzzles und helft euren Mitmenschen, indem ihr beispielsweise ein Klavier repariert, wofür allerdings Gegenstände benötigt werden, die ihr zunächst irgendwo finden oder kaufen müsst. Für das Kaufen, Verkaufen und Einsacken von Belohnungen gibt es selbstverständlich auch eine Währung, die in diesem Fall aus „meat“ besteht.

Ein einfacher Kampf gegen eine Schlange – später tretet ihr auch mit Partner gegen mehrere Gegner an.

Gerne fragt ihr auch aktiv nach Jobs, um eure Geldbörse zu füllen. Selbstverständlich ist auch dies immer wieder ein Anlass dafür, dass sich das Spiel selbst auf die Schippe nimmt. So kommt ihr zum Beispiel in einen Ort, der keinen Sheriff hat und bietet euch für den Posten an. Darauf kommen aber Nachfragen, die man im richtigen Leben erwarten könnte, und die die nicht immer ganz in den Fokus gerückte Realitätsnähe von Videospielen parodiert: Seid ihr ausgebildete Gesetzeshüter? Habt ihr Erfahrung in diesem Bereich? Wohnt ihr überhaupt in dieser Stadt? Alle Fragen können natürlich nur negativ beantwortet werden – wie kann man da überhaupt auf die Idee kommen, einfach mal den Posten des Sheriffs zu übernehmen? Solche Situationen ließen mich beim Spielen immer wieder schmunzeln.

Der Humor läuft auch den RPG-Elementen, auf denen West of Loathing aufgebaut ist, den Rang ab. Zu Beginn wählt ihr zwischen drei Klassen: Cow Puncher, Snake Oiler oder Beanslinger. Ich habe mich selbst zum Cow Puncher erklärt, wodurch ich einen besonders starken Nahkampfangriff erhalten habe, während ein Schuss mit meinem Revolver vergleichsweise wenig Schaden anrichtet. Damit wären wir auch schon beim Kampfsystem, das rundenbasiert abläuft – also ganz klassisch, wie man es aus dem RPG-Genre gewohnt ist. Dabei ist das System nicht sonderlich komplex und bietet typische Elemente wie Angriffe, Heilung, das Stärken des Partners oder den Einsatz von Items. All dies ist unterhaltsam und gelungen, aber nicht sonderlich spektakulär oder außergewöhnlich. Insofern bleibt das Kampfsystem unterm Strich eher blass und motivierte mich auf Dauer nicht dazu, jeden denkbaren optionalen Kampf zu bestreiten.

Kleine Gags gibt es haufenweise.

Viel lieber wollte ich mit den (Neben-)Missionen voranschreiten, von denen ich gerne mal fünf oder mehr im Hinterkopf hatte. Leicht lenkt ein neues Ereignis aber vom eigentlichen Ziel ab, sodass es manchmal nicht der beste Weg ist, alle Aufgaben erfüllen zu wollen und jeder Person helfen zu wollen. Man sollte sich eher lässig wie ein Cowboy auf das treue Pferd setzen, dem ihr übrigens einen eigenen Namen geben dürft, und sorglos nach Westen ziehen. Lasst die verrückte Welt von West of Loathing auf euch zukommen, durchwühlt ab und zu einen Spucknapf nach Items, amüsiert euch über die schrägen Charaktere und betrachtet das Ganze als leichte Unterhaltung. Wer dagegen ausgefeilte RPG-Mechaniken, unzählige Stunden an Gameplay und komplexe Storylines erwartet, könnte enttäuscht werden.

Die Qualität von West of Loathing fußt auf seiner Präsentation. Den Humor habe ich ja schon oft genug angesprochen, darüber hinaus weiß auch die Grafik zu überzeugen. Sie strahlt euch im ziemlich einfachen Strichmännchen-Stil entgegen und verzichtet sogar auf Farben, trotzdem wirkt sie stilistisch ansprechend und auch nicht völlig billig. Das merkt man beispielsweise an manchen Animationen wie wandernden Schatten, die uns vor Augen führen, dass man zwar kein Millionen-Budget in den Titel gesteckt hat, sich aber doch deutlich von veralteter 8-Bit-Grafik abheben möchte. Auch musikalisch werden wir nicht enttäuscht. Die Klänge versetzen uns wunderbar in eine Wild-West-Stimmung. Klavier-Musik im Saloon wäre so ein Klassiker, den man aus Filmen kennt und der auch im Spiel nicht fehlt. Die Musik steht auch klar im Vordergrund der Soundkulisse. Mit Soundeffekten ist man eher zurückhaltend und auf Sprachausgabe wurde ganz verzichtet (wie gesagt: Englisch lesen ist Pflicht).

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu West of Loathing

Meinung von Roman Dichter
West of Loathing ist eines dieser kleinen aber feinen Spiele, die vielleicht nicht in jedem Bereich und auf ganzer Linie begeistern können, aber in einigen Punkten einen starken Fokus setzen und somit gut unterhalten können. In diesem Fall ist das die extrem humorvolle Präsentation, die vor Albernheiten nicht zurückschreckt. Wenn ihr euch diesbezüglich angesprochen fühlt, dann gebt dem Titel eine Chance! Es ist ein vergleichsweise kurzes Abenteuer und die RPG-Elemente hauen euch sicher nicht aus den Cowboystiefeln. Dafür überzeugen die kunstvolle Strichmännchen-Grafik und der Wild-West-Sound. Nur das Lesen von vielen englischsprachigen Texten könnte einige von euch abschrecken, denn das ist für das erfolgreiche und unterhaltsame Spielen wichtig. Wenn das aber auch kein Problem für euch ist, dann sattelt euer Pferd und reitet nach Westen!
Mein persönliches Highlight: Der total bekloppte Laufstil des Protagonisten

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