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Test zu Manual Samuel - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Manual Samuel
  • USA USA: Manual Samuel
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
16.08.2018
Vertrieb
Curve Digital
Entwickler
Perfectly Paranormal
Genre
Adventure, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 2 - Online: 0
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Der Tod fährt Skateboard

Von Dennis Gröschke () Ihr kennt das sicherlich von euch: Ihr seid der Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmannes, müsst nichts arbeiten und könnt euer Leben sorglos leben. Greift ihr in die Hosentaschen, findet ihr zahlreiche Geldscheine vor und schmeißt mit Trinkgeld um euch. In den richtigen Momenten hört ihr nicht zu, sondern seid mit euch und eurem selbstgefälligen Erscheinungsbild beschäftigt. Samuel ist ein solcher Typ und Protagonist des Spieles Manual Samuel. Seine Freundin macht in einem Café Schluss mit ihm, nachdem Sam ihren Geburtstag das dritte Jahr in Folge vergessen hat. Kurzerhand schmettert sie euch eine Flasche Broccoli-Saft vor den Latz und das Unheil – und damit das Spiel – nimmt seinen Lauf. Blinzeln nicht vergessen!

Hier nimmt das Unheil seinen Lauf!

Fortan seid ihr ein wenig benebelt und steht neben euch, was euch nicht davon abhält der Bedienung hinter dem Tresen mehrere Male 500 Euro Trinkgeld zu geben. Nach einem weiteren Unfall, nicht weit vom Café entfernt, beschließt euer Körper nachzugeben und Sam stirbt auf offener Straße. „Unten“ angekommen – ihr habt nicht wirklich geglaubt Sam darf in die obere Etage, oder? – trefft ihr den Tod, der verzweifelt versucht einen „Kickflip“ auf dem Skateboard zu stehen. Der Tod trägt natürlich auch passende Kleidung und hüllt sein Antlitz in einen Kapuzenpullover. Einatmen und ausatmen! Er macht euch ein Angebot, was es euch ermöglicht, wieder zum Leben zu erwachen. Die Bedingung: Ihr müsst 24 Stunden lang alle körperlichen Aufgaben manuell erledigen – daher der Spielname – und dürft an diesem Tag nicht noch einmal sterben.

Manual Samuel erscheint auf dem ersten Blick wie ein Point & Click-Adventure, zumindest suggerierte mir der Trailer das so. Nach der kurzen Einführung stellte sich heraus, dass sich das Spiel sehr wohl im 2D-Gewand zeigt, und auch die Umgebungen dort erkundet werden können, sich jedoch nicht viele Interaktionsmöglichkeiten mit dem Hintergrund bieten. Doch ist dies alles andere als negativ, denn ihr seid vielmehr mit euch selbst beschäftigt. Wieder in der Welt der Lebenden angekommen, gilt es nun Sam erst einmal wieder für die Außenwelt herzurichten. Blinzeln nicht vergessen! Ihr landet wieder in eurem Anwesen und steht vor der Aufgabe die notwendigen Reinlichkeits-Maßnahmen durchzuführen. Auf Deutsch gesagt: Ihr stinkt wie ein Iltis und müsst euch einmal von oben bis unten reinigen.

Herr Doktor, was machen die Vitalfunktionen?

Normalerweise gehen wir ja bei Spieletests nicht so sehr ins Detail was Steuerungseingaben von Spielen angeht. Hier jedoch müssen wir eine Ausnahme machen, weil die manuelle Steuerung von Sam nun mal das Kernelement des Spieles ist. Vielleicht habt ihr es noch nicht realisiert, aber ihr müsst nun mit Sam alle Handgriffe und Tätigkeiten manuell erledigen. Und das ist wörtlich gemeint. Kurz nachdem wir mit Sam nun in seinem Zimmer stehen, klappt Sam auch schon um. Sein Rückgrat muss nun immer mal wieder manuell aufgerichtet werden. Wenn ich nun im Verlauf des Testes manuell schreibe, meine ich damit, dass ein Tastendruck von euch erfolgen muss. Rückgrat bitte aufrichten! Damit Sam aufrecht steht, müsst ihr eine Taste betätigen, damit Sam atmet, müsst ihr zwei Tasten betätigen (eine für das Einatmen und eine für das Ausatmen). Habe ich das Blinzeln erwähnt? Mindestens zweimal dieselbe Taste für ein erfolgreiches Blinzeln, sonst wird der Bildschirm immer heller, bis er gleißend hell ist und ihr so gut wie nichts mehr erkennen könnt.

Sam und der Tod – ein Dreamteam.

Mit den Schultertasten bewegt ihr euch vorwärts, die linke Taste für das linke Bein, die rechte Schultertaste für das rechte Bein. Betätigt ihr eine der beiden Tasten doppelt, kracht Sam im Spagat zu Boden, denn mal ganz ehrlich, wer macht schon zwei Schritte mit demselben Bein? Denkt doch mal nach – würdet ihr doch auch nicht, oder? Also wechseln wir die Beine ab, Rückgrat aufrichten zwischendurch nicht vergessen, und wanken ins Badezimmer. Dort angekommen versuchen wir die Zähne zu putzen. Heißer Tipp von mir: Beim Zähneputzen nicht einatmen! Denn dann verschluckt sich Sam fürchterlich und muss von euch manuell zum Ausspucken der Zahnpasta gebracht werden. Nach kurzer Zeit haben wir dann erfolgreich die Zähne geputzt, weswegen nun die allmorgendliche Blasenentleerung dran ist. Ihr habt noch auf dem Schirm, dass Sam nun nichts mehr allein kann, oder? Einatmen und ausatmen! Also pinkelt er drauflos, sobald ihr vor der Toilette steht und es ist an euch in einem kleinen Minispiel den Körper von Sam aufrecht zu halten und den „Strahl“ möglichst mittig in die Schüssel zu steuern. Für die weibliche Spielerschaft ist das mit Sicherheit ein kleines Erlebnis. Keine Angst: Es ist nicht weiter dramatisch, wenn ihr nicht trefft. Alle männlichen Spieler stellen sich vor, wie es ist, wenn ihr zu viel Alkohol getrunken habt und versucht das Innere der Porzellanschüssel zu treffen. Doch die Krönung erwartet euch nun beim Duschen. Wasser andrehen, mit beiden Händen einseifen, das Atmen nicht vergessen und das Rückgrat immer wieder schön durchdrücken!

Bei meinem ersten Anspielen war ich heillos überfordert. Ich kam mit Sam zwar bis ins Bad, konnte da aber nichts mehr sehen, da der Bildschirm gleißend hell war und ich die Schemen der Umgebung kaum noch wahrnehmen konnte. Erst bei meinem zweiten Versuch konnte ich alle Tätigkeiten von Sam und deren Tastenbelegung erfassen und mir wurde klar, ich hatte das Blinzeln völlig vergessen. Auch sonst gewöhnt ihr euch aber nach und nach an die Tätigkeiten und führt sie nach einer gewissen Zeit einfach aus. Rückgrat bitte aufrichten! Es ist erstaunlich, aber genau, wie es für viele Menschen die Automatismen im täglichen Ablauf gibt und man Dinge wie Einatmen und Ausatmen gewissermaßen ohne viel Nachzudenken durchführt, so gewöhnt ihr euch an die Maßnahmen und Steuerungseingaben, die Sam im Spiel und am Leben erhalten. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird der Fokus zwischendurch auf neue Tätigkeiten gelegt, sodass Atmen und Blinzeln auch weiterhin noch von euch durchgeführt werden müssen, die Intervalle allerdings größer werden. Dann reicht es, wenn ihr hin und wieder durch einen Atemzug oder zwei Blinzler nachsteuert und euch wieder auf die aktuelle Kernaufgabe konzentriert.

So geht es mir auch jeden Morgen vor dem ersten Kaffee!

Gespickt wird das Abenteuer noch mit einem Erzähler, der in englischer Sprache sehr lakonische Beschreibungen aus dem Off zum Besten gibt. Wenn ihr mal wieder das Atmen vergessen habt und Sam zum wiederholten Male in Ohnmacht fällt, seid euch sicher, der Erzähler hat einen Spruch für Sam und euch parat. Einatmen und ausatmen! Das hat mich als Spieler zunächst auch frustriert und geärgert, zumal es im Eifer des Gefechts nicht hilfreich ist, wenn sich jemand über euch und eure Fehler noch auslässt. Nimmt man es aber mit Humor, ist das Ganze schon sehr witzig und trägt zur Stimmung des Spieles bei. Deutsche Untertitel machen das Geschehen auch für alle anderen Spieler sichtbar und bringen den Humor gut rüber. Im Verlauf des Spieles werdet ihr noch in einem Mech-Anzug mit Robotern kämpfen, mit einem Auto fahren und auf der Straße herumstehenden Omas ausweichen, Tod und Krieg ertragen – Krieg wird hier als launische weibliche Antagonistin dargestellt – sowie letztendlich euch dem Satan selbst gegenüberstellen müssen. Blinzeln nicht vergessen!

Manual Samuel ist von vorne bis hinten voller humoristischer Anspielungen mit einem Augenzwinkern und teilweise bitterböser Satire versehen. Der Humor entsteht aber auch durch die Absurdität dessen, dass ihr alle Tätigkeiten manuell durchführen müsst, ihr seid mit eurem Versagen also auch Teil der Geschichte. Dabei solltet ihr aber auch über euch selbst lachen können. Die Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung sind stark eingeschränkt, aber immer ist klar, was ihr machen könnt und was nicht funktioniert. Immer ein Bein nach dem anderen! Bis auf zwei Situationen stellt das Spiel euch vor keine größeren Rätsel, sondern hilft euch auch mit Hinweisen. Nur einmal wurde die falsche Taste als Hinweis angegeben, weswegen ich alle weiteren Tasten ausprobieren musste, weil sich nichts tat.

Wird Tod im Verlauf des Spieles noch den "Kickflip" stehen?

Die Grafik präsentiert sich in einem Comic-Stil und die Animationen sind alle ein wenig hölzern. Gerade dieser Aspekt passt aber zum Setting und der Prämisse des Spieles, weswegen ich das nicht als schlimm erachte. Die musikalische Untermalung hält sich dezent zurück, sie gefällt weder, noch stört sie. Äußerst gelungen ist die Vertonung durch die englischen Sprecher, hier merkt man den Stimmen an, dass sie Spaß bei den Aufnahmen hatten. Rückgrat bitte aufrichten! Leider ist Manual Samuel nach gut 3-4 Stunden schon durchgespielt, jedoch lassen sich einzelne Kapitel anschließend nochmal auf Zeit spielen.

Eine Fahrstunde zum Totlachen!

Ergänzend rundet ein Zwei-Spieler-Modus das Erlebnis ab, hier ist eine Absprache zwischen den beiden Spielern immanent wichtig und führt mitunter zu Chaos. So teilen sich die grundlegenden Körperfunktionen auf beide Spieler auf. Ein Spieler ist dann für das rechte Bein und der andere Spieler für das linke Bein zuständig, um mal ein Beispiel zu nennen. Ich würde hier nicht so weit gehen, das Spiel als ein explizites Multiplayer-Erlebnis zu kennzeichnen, eine nette Ergänzung ist es aber allemal. Blinzeln nicht vergessen! Manual Samuel steuert sich mit den Joy-Con und den Handgelenksschlaufen im TV-Modus am besten, auch im Handheld-Modus hatte ich keine Probleme. Der Nintendo Switch Pro Controller wird zwar auch unterstützt, empfiehlt sich aber aufgrund des Spielprinzips nicht so sehr, weil er im Gegensatz zu den Joy-Con starr ist. Abgerundet wird das Paket von Erfolgen, die ihr im Verlauf der Geschichte erreicht, aber die keine weitere Funktion haben, und von Comics, die ihr euch im Anschluss an das Spiel ansehen könnt. Diese sind eine nette Ergänzung und erzählen kurze Geschichten mit den Protagonisten des Spiels.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu Manual Samuel

Meinung von Dennis Gröschke
Skurrile Charaktere, schräger Humor und eine abgefahrene Geschichte – mehr braucht es in der Regel nicht, um mich zu begeistern. Habt ihr euch erstmal in die Steuerung eingefuchst und könnt euch auf die Geschichte konzentrieren, entfaltet Manual Samuel sein volles Potential. Hier geht es durchaus blutig und eklig zu, es wird mehr als einmal im Spiel erbrochen, was aber natürlich zum Setting passt. Umso erstaunter war ich über die Freigabe ab 6 Jahren, auch wenn die comichafte Darstellung natürlich einiges abmildert. Über die Dauer der Spielzeit ist Manual Samuel abwechslungsreich genug und lässt sich auch in kleinen Etappen gut erleben. Die Steuerung funktioniert einmal verinnerlicht sehr gut und trägt zum Alleinstellungsmerkmal des Titels bei, wobei ich froh bin, nicht bei allen Videospielen so grundlegende Körperfunktionen beherrschen zu müssen.
Mein persönliches Highlight: Mit dem Tod als Beifahrer Autofahren zu müssen und dabei keine Oma auf dem Gewissen zu haben...

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