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Test zu YIIK: A Postmodern RPG - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: YIIK: A Postmodern RPG
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  • Japan Japan: YIIK: A Postmodern RPG
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
17.01.2019
Vertrieb
Ysbryd Games
Entwickler
Ackk Studios
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Schräges Gameplay trifft tiefgründige Story

Von Florian McHugh () Vielen von euch ist sicher das „Hässliche-Entlein-Syndrom“ bekannt. Bei diesem Phänomen ist man beim ersten Anblick von etwas alles andere als angetan, nur um später festzustellen, dass sich dahinter doch eine wahre Schönheit verbirgt. So ging es mir, als ich YIIK: A Postmodern RPG das erste Mal gestartet hatte und ich mich instinktiv fragen durfte, was ich da eigentlich vor mir habe. Ob sich mein erster Eindruck bestätigt hat oder ob ich letztendlich einen, bildlich gesprochenen, Schwan vor mir hatte, will ich im Folgenden näher erläutern.

Wie der Name es bereits vermuten lässt, handelt es sich bei dem von Ack Studios entwickelten YIIK: A Postmodern RPG um ein Rollenspiel, das zum einen ganz in die traditionellen Fußstapfen von Spielen wie Final Fantasy, Earthbound und Co. treten möchte, zum anderen mit speziellen Gameplay-Mechaniken frischen Wind in den RPG-Alltag bringen will. Das beginnt bereits damit, dass ihr zu Beginn einige vertrauliche Fragen über euch als Spieler beantworten müsst, weil … aber das sollte lieber unerwähnt bleiben, um nicht zu viel zu verraten.

Starke Handlung, schwaches Gameplay

Die ca. 25-30 Stunden lange Handlung ist im Amerika der neunziger Jahre angesiedelt. Ihr spielt Alex, einen jungen Mann in seinen Mittzwanzigern, der gerade das College abgeschlossen hat und zurück in seine Heimatstadt kehrt, um einige ruhige Tage bei seiner Mutter zu verbringen. Doch, ihr ahnt es bereits, daraus wird letztendlich nichts und durch eine Reihe unerwarteter Ereignisse findet er sich in einer verlassenen Fabrik wieder, wo er Zeuge davon wird, wie eine ihm unbekannte Frau von fremden Wesen entführt wird. Alex, der eine innige und ungewöhnlich vertraute Verbindung zu der Fremden verspürt, macht sich nun daran, das Geheimnis um ihr Verschwinden zu lüften. Dabei erhält er im Laufe des Spiels die Hilfe von diversen Charakteren, die alle ihre eigene Motivation haben, Alex bei seiner Suche zu unterstützen.

Protagonist Alex muss sich mit einigen schrägen Situationen herumschlagen.

Im ersten Moment möchte man den Plot von YIIK: A Postmodern RPG als generisch und vorhersehbar abtun, doch damit tut man dem Spiel unrecht. Tatsächlich sind die Geschichte, die Charaktere und die erwachsene Thematik die größte Stärke des Rollenspiels. Ist die Suche nach der Unbekannten (später erfahren wir ihren Namen: Sammy) anfangs noch typische Genre-Kost, so wird der Erzählfaden im Laufe des Spiels immer weitergesponnen. Je mehr die Handlung voranschreitet, umso häufiger kommen neue Themenkomplexe auf, wie z.B. die Frage, ob der Mensch eine Seele besitzt oder was der Sinn des alltäglichen Lebens ist. Dabei schreckt das Spiel auch nicht davor zurück, erwachsene Themen wie Sex und Suizid anzuschneiden oder Phänomene der 90er aufzugreifen, wie die damalige Angst vor dem neuen Millennium und all seinen Untergangsprophezeiungen. Und letztendlich wird natürlich klar, dass es um deutlich mehr als nur die Suche nach einer Vermissten geht.

YIIK gelingt dabei der Balanceakt, niemals allzu ernst zu bleiben, sondern immer wieder mit einem doch sehr reifen Humor zu glänzen – inklusive dem Durchbrechen der vierten Wand. Alex' Wegbegleiter sind ebenfalls durch die Bank hinweg gut gelungen und man merkt, dass sich die Entwickler viel Mühe gegeben haben, die einzelnen Hauptcharaktere nachvollziehbar zu gestalten. So gab es vereinzelt Momente in der Handlung, in denen ich für Alex reine Antipathie empfand, nur um ihm später wieder zu verzeihen, weil er einen positiven Entwicklungsprozess durchgemacht hat.

Während die Handlung und die Charaktere durchgängig auf ganzer Linie überzeugen können, weist das Spiel leider einige Schwächen auf. Ganz zuvorderst sind hier die teils übertriebenen Ladezeiten genannt. Gewöhnt euch lieber an den Anblick des Ladebildschirms, denn in YIIK: A Postmodern RPG werdet ihr ihn oft zu Gesicht bekommen und gezwungen sein, jeweils fünf bis zehn Sekunden auf den Bildschirm zu starren. Das wäre eigentlich kein Problem, wenn das Spiel nicht jedes Mal nachladen müsste, wenn ein Kampf beginnt, man ein Gebäude betritt oder eine Cutscene startet – oder zusammengefasst: viel zu oft! Als weiterer Schwachpunkt muss die Grafik erwähnt werden. Die Welt wirkt kantig, die Farben übersättigt und man wird das Gefühl nicht los, dass das Spiel absichtlich so designt wurde wie ein Spiel der späten 90er Jahre. Das mag dem einen oder anderen sicher gefallen, mir persönlich sagt der Grafikstil jedoch nicht zu. Gleiches gilt für die Gegner und alle anderen Figuren, die sich häufig wiederholen und kaum Vielfalt aufweisen. Eine Ausnahme bilden die Hauptcharaktere, in deren Erscheinungsbild deutlich mehr Liebe zum Detail gesteckt wurde. Gleiches gilt im Übrigen auch für die selbst gezeichneten Protagonisten, die während der Dialoge zu sehen sind.

Das Kampfsystem: Minispiele noch und nöcher

Wie bereits anfangs erwähnt, handelt es sich bei YIIK um ein typisches J-RPG. Das heißt, dass ihr eure Charaktere mit unterschiedlicher Ausrüstung versehen könnt, die Welt bereist, Rätsel löst, Gegner besiegt und Erfahrungspunkte sammelt, um im Level aufzusteigen. Bei Letzterem bleibt das Spiel seinem Prinzip treu, andere Wege gehen zu wollen. Anstatt einfach nach einer Anzahl von X Erfahrungspunkten stumpf aufzusteigen, müsst ihr in den sogenannten „Mind Dungeon“ reisen, welcher nur in Alex' Kopf existiert. Und wie kommt ihr dahin? Per Münztelefon natürlich, die überall in der Welt verstreut sind. Der Dungeon besteht aus mehreren Etagen, versehen mit verschiedenen Türen. Hat man 100 XP gesammelt, darf man im Level aufsteigen und jeder Tür ein Attribut zuweisen, welches daraufhin erhöht wird. Auf diese Weise kann man seinen Charakter nach den eigenen Vorlieben formen – sei es nun der typische Haudrauf oder man möchte eher mehr Schaden einstecken oder mehr Fertigkeitspunkte zur Verfügung haben. So originell dieser Ansatz im ersten Moment klingt, so umständlich gestaltet sich das Aufleveln, wenn man erst zu einem Telefon zurückkehren, jeder Tür ein Attribut zuordnen und dann wieder zurückkehren muss. Gepaart mit den langen Ladezeiten wird der Stufenaufstieg mehr zu einem Ärgernis als dass man sich darüber freut.

Minispiele sind ein zentrales Element in den Kämpfen.

Um überhaupt erst einmal in den Genuss von Erfahrungspunkten zu kommen, müsst ihr euch diese erst einmal verdienen. Dies geschieht ausschließlich durch Kämpfe, die ganz im gewohnt rundenbasierten Stil ablaufen: Man greift entweder Gegner an, wählt eine spezielle Fertigkeit aus oder verwendet einen Gegenstand aus dem Inventar, um sich z.B. zu heilen. Doch auch hier trifft man auf eine weitere Besonderheit, die YIIK ausmacht. Anstatt dass eure Charaktere einfach nur stumpf Attacken ausführen, müsst ihr beim Kämpfen selbst aktiv werden. Jeder der Protagonisten hat seine eigene Waffe und diese kann neben dem Basisschaden noch zusätzlichen Combo-Schaden verursachen. Combo Punkte erreicht ihr, indem ihr ein Minispielchen besteht, welches von Waffe zu Waffe unterschiedlich ausfällt.

So bewirft Alex, ganz im Zeitgeist der 90er-Jahre, seine Gegner mit Schallplatten. Während des Angriffs wird nun ein Plattenspieler abgebildet, auf dem eine solche LP gespielt wird. Wollt ihr dem Gegner nun zusätzlichen Schaden zufügen, müsst ihr immer dann, wenn die Nadel des Plattenspielers über einer farbigen Stelle schwebt, den A-Knopf drücken. Dies wiederholt ihr so lange, bis eure Reaktion zu langsam ist und ihr dann Schaden austeilt. Man muss den Entwicklern zugutehalten, dass sie für jede einzelne Waffe und jede einzelne Fertigkeit eigene Minispiele entworfen haben, die sich allesamt voneinander unterscheiden. Sogar die Erfolgschance, ob man aus einem Kampf flüchten kann, hängt davon ab, ob ihr in Jump & Run-Manier vor den Feinden davonlaufen könnt. Letztendlich geht es jedoch häufig nur darum, zum richtigen Zeitpunkt eine bestimmte Taste zu drücken. Wenn euch solche Reaktionsspiele nicht liegen, dann werdet ihr euch bei YIIK sehr schwertun, denn ohne den Extraschaden sind die Kämpfe fast unmöglich zu bewältigen.

Doch so löblich das Engagement der Entwickler auch ist, so sehr stellt sich diese eigentlich originelle Idee öfters als Spielspaßkiller heraus. Durch die Minispiel-Mechanik werden selbst Kämpfe gegen Standardgegner teils so sehr in die Länge gezogen, dass die Freude an den unterschiedlichen Kampffertigkeiten schnell verfliegt. Mein persönlicher Negativrekord lag bei einer Länge von 12 Minuten für einen Kampf gegen drei Gegner – so etwas erwartet man von einem Bossgegner, aber nicht von einfachen Lakaien.

Der Sound und die musikalische Untermalung sind gut gelungen. Der Soundtrack des Spiels gestaltet sich mit Jazz, Swing, Elektro, sowie generisch-klassischer RPG Musik sehr abwechslungsreich. Nur vereinzelt wollen einige der Songs so gar nicht zum Spiel passen. Die Dialoge zwischen den Protagonisten wurden vollständig vertont und die englischen Sprecher leisten dabei eine, für ein Indie-Projekt, sehr gute Arbeit. Ohne halbwegs gute Englischkenntnisse ist man jedoch in YIIK aufgeschmissen, denn eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Redaktionswertung

5

Für Genre-Fans

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Unser Fazit zu YIIK: A Postmodern RPG

Meinung von Florian McHugh
Wenn ich die eingangs gestellte Frage, ob es sich bei YIIK: A Postmodern RPG letztendlich nicht doch um einen schönen Schwan handelt, beantworten müsste, würde ich die Frage mit einem wehmütigen „nein“ beantworten. Auch wenn mich die Handlung mit all den Wendungen und die einzelnen Charaktere mit ihren unterschiedlichen und individuellen Persönlichkeiten gepackt haben, so hat das Gamedesign und die visuelle Erscheinung des Spiels letztendlich einiges dieser Freude zunichte gemacht. Ich hatte durchaus Spaß und war motiviert herauszufinden, wie Alex' Suche nach Sammy ausgeht. Jedoch sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass man sich die Antwort auf diese Frage mit viel Geduld und teilweise auch einer gehörigen Portion Frust erkaufen muss. Wer mit all den Schwächen von YIIK zurecht kommt und nichts gegen die vielen Minispiel-Elemente hat, den erwartet ein überraschend reifes und tiefgründiges Spiel, welches mehrere Stunden unterhalten kann.
Mein persönliches Highlight: Die erwachsenen Themen, sowie der teils dunkle, tiefgründige Humor

Kommentare 5

  • Ilja Rodstein Redakteur - 17.01.2019 - 07:39

    Bei dem Spieletitel muss ich daran denken wie eine Person Schluckauf hat
  • Schotti Turmknappe - 17.01.2019 - 07:59

    Eines der Spiele, wo ich überhaupt nicht weiß, ob sich ein Kauf lohnen wird oder nicht. Nach dem Test bin ich froh es nicht vorbestellt zu haben und warte lieber mal auf ein Angebot. Bis dahin hab ich noch genug Spiele zum spielen und andere interessante Spiele, die demnächst im eShop erscheinen werden auf der Wunschliste. Von daher vielen Dank für den Test!
  • CroMagnonBC Turmheld - 17.01.2019 - 08:08

    Schade, eigentlich war ich sehr interessiert....
  • Florian McHugh Lektor und Redakteur - 17.01.2019 - 08:23

    @Schotti Gerne doch ;) . Muss gestehen, ich war auch sehr neugierig auf den Titel aber letztendlich musste die Neugier der Ernüchterung weichen. Gerade die Story und all die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere sind echt gut gelungen, aber die ganzen Gameplay-Schwächen überwiegen nun einmal.
  • Splatterwolf Flop-Weltstar seit 1889 - 17.01.2019 - 09:10

    Ich hab neulich noch so ein positives Preview dazu gesehen, deswegen ist das auch noch auf der Wunschliste drauf. Wer weiß, ob ich jemals dazu komme, das Spiel zu spielen.