Test zu Onimusha: Warlords - Nintendo Switch
Dämonen haben das feudale Japan übernommen!
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27. Januar 2019 um 16:00 - Max Kluge
Wir befinden uns in der Zeit der streitenden Reiche, 16. Jahrhundert, Japan. Das Land ist in viele Fürstentümer unterteilt, die um die Vorherrschaft kämpfen. Oda Nobunaga, einer jener Fürsten und Feldherren, ist eine aufsteigende Persönlichkeit und verspricht dem Land die Einigung zu bringen. Doch was kaum jemand weiß: Er ist von Dämonen besessen. Jene finsteren Gestalten haben den Clan der Oni unterdrückt und versuchen ihre finsteren Machenschaften durchzudrücken. Mit der letzten Kraft wenden sich die Oni an den Samurai Samanosuke, der einen magischen Handschuh von ihnen bekommt. Dieser stattet ihn mit magischen Fähigkeiten aus, die ihn dazu befähigen, die Dämonen zu besiegen. Als schließlich die Tochter seines Herren von den Kreaturen entführt wird, zieht er mit dem weiblichen Ninja Kaede aus, um sie zu retten.
Die Cutscenes von Onimusha: Warlords sind gut in Szene gesetzt und konfrontieren euch mit interessanten Charakteren.
Die Handlung von Onimusha: Warlords startet mit einer opulenten Videosequenz, die sich selbst heute noch sehen lassen kann. Natürlich ist die Grafik ein wenig in die Jahre gekommen. Lässt man sich aber auf den Charme der unbeweglichen Hintergründe und der etwas klobigen Charaktermodelle ein, gewöhnt man sich schnell daran und kann die Optik sogar von einem gewissen Standpunkt aus genießen. Immerhin wird hier die aufgehübschte Version eines Spiels präsentiert, welches mittlerweile 18 Jahre (!) auf dem Buckel hat. Der Ansatz des Remasters ist es also, das alte Spielgefühl auf den aktuellen Plattformen zu vermitteln. Wer auf ein Remake hofft, welches mit detailreichen und gestochen scharfen Grafiken aufwarten kann, wird vermutlich enttäuscht werden.
Dieser Fakt wird auch an anderen Stellen unterstrichen, besonders bei der Kameraführung. Die Perspektive, aus der ihr euren Charakter betrachtet, ist stets fix und bewegt sich nicht. Betretet ihr einen Bereich, der nicht von der Kamera erfasst wird, kommt es zu einem Schnitt oder auch Szenenwechsel, und ihr seht die gleiche Umgebung aus einem anderen Blickwinkel. Hier merkt man dem Gameplay sein Alter auf jeden Fall an. Besonders in Kämpfen kommt es so häufig dazu, dass die Kamera hektisch hin und her springt und ihr den Überblick verliert oder Feinde, die euch angreifen, nicht zu Gesicht bekommt. Damit kann man sich arrangieren, es fühlt sich aber dennoch sehr tradiert an.
Was hingegen ziemlich gut gelungen ist, sind die Cutscenes und die Gesichtsanimationen – natürlich gemessen am Alter des Spiels. Besonders das Zusammenspiel von Handlungen, Bewegungen und Musik wirken sehr energetisch und actionreich. Ein kleines Manko, das man hier ansprechen sollte, ist, dass man besagte Videosequenzen nicht abbrechen oder überspringen kann. Das führt dazu, dass man vor diversen Bosskämpfen öfters mal die gleiche Cutscene über sich ergehen lassen muss – natürlich besonders dann, wenn man öfters ins Gras beißt. Das Spiel präsentiert sich übrigens in einer englischen und einer japanischen Tonspur, die jeweils mit deutschen Untertiteln daherkommen.
Das Kampfsystem spiegelt ebenfalls eine ältere Epoche der Videospiele wider. Im Endeffekt gibt es nur eine Kombo, die ihr einsetzen könnt. Ihr drückt also munter den Angriffsknopf und gebt den Dämonen, die vor eure Linse laufen, ordentlich eins auf die Nuss. – möchtet ihr besonders viel Schaden austeilen, bietet sich euch pro Waffe eine Oni-Fähigkeit. Liegt ein Feind am Boden, könnt ihr noch auf ihn einstechen. Das war es im Endeffekt auch schon. Die Varianz kommt mit den verschiedenen Waffen, die euch mit zunehmender Spieldauer in die Hände fallen. So gibt es zum Beispiel eine Gleve, die schnell angreift, ein Katana, welches sehr taktil ist, und ein Breitschwert, das besonders viel Schaden macht. Was hier wiederum recht umständlich ist, ist der Fakt, dass ihr zum Wechseln eures Stahls stehen bleiben müsst. Zumindest das hätte man fürs Remaster eigentlich abändern können. So wirkt das Kampfgeschehen doch stellenweise sehr hakelig.
Jeder Feind, den ihr besiegt, hinterlässt euch schließlich verschiedene Arten von Seelen-Kugeln: rote, blaue und gelbe. Rote könnt ihr sammeln, um schließlich an Speicherpunkten eure Waffen oder Items zu verbessern. Blaue geben euch Oni-Kraft zurück, mit der ihr Spezialangriffe einleiten könnt, und gelbe geben euch Lebenskraft wieder. Ihr solltet jedoch aufpassen, dass sie nicht im Nichts verschwinden. Damit ihr sie erhaltet, müsst ihr sie mittels eures Oni-Handschuhs einsaugen. Dies erschafft eine schöne Zwickmühle, bei der ihr stets entscheiden müsst, ob ihr zunächst alle Feinde dem Erdboden gleich macht, oder die Seelen schon während des Kampfes zu euch kommen lasst.
Ein interessantes Element in Onimusha: Warlords sind die kleinen Rätsel, die überall in der Spielwelt versteckt sind. Einige Truhen, die ein Zahlen-Schieberätsel aufweisen, sind davon obligatorisch. So testet das Spiel nicht nur eure Geschicklichkeit im Kampf, sondern auch eure grauen Zellen. Wirklich anspruchsvoll sind die Rätsel zwar nicht, aber lockern das Spielgeschehen durchaus auf. Zudem gibt es noch kleine Schatullen, die ihr finden könnt. Diese öffnen sich erst, wenn ihr die passende Losung in einer verschlüsselten Schrift herausfindet. Diese wiederum findet sich in verschiedenen Büchern, die ihr während eures Abenteuers finden könnt. Öffnet ihr eine der kleinen Kisten, belohnen euch diese meistens mit wertvollen Gegenständen, wie Ausrüstungen oder Items, die euer Leben oder eure Onikraft dauerhaft in die Höhe treiben.
Ein kurzer Abschnitt noch zur Spieldauer: Onimusha: Warlords ist kein sonderlich langer Titel. Je nachdem, auf welchem Schwierigkeitsgrad ihr spielt und wie sehr ihr die Spielwelt erkundet, braucht ihr rund fünf bis sieben Stunden, um das Spiel abzuschließen. Das Spielerlebnis fühlt sich dabei allerdings nicht unbedingt zu kurz an. Vielmehr ist es eine runde Erfahrung, die aufgrund des doch recht limitierten Kampfsystems ohnehin nicht länger hätte sein sollen.
Unser Fazit
7
Spaßgarant