Weckt euren inneren Perfektionisten

Es ist alles andere als einfach, OlliOlli einem Genre zuzuordnen. Sportspiel, Platformer, ja womöglich sogar Rhythmusspiel – keine dieser Kategorisierungen wäre wirklich falsch. In einem temporeichen Flow rast ihr in OlliOlli als Skater durch seitlich scrollende Levels und vollführt möglichst viele aneinandergereihte Tricks mit eurem Board, um eine hohe Kombo mit einer daraus resultierenden hohen Punktzahl herauszuschlagen. Die Spielerfahrung, die OlliOlli bietet, ist dabei ziemlich einzigartig und dürfte speziell Perfektionisten dazu ermutigen, sich regelrecht in Trance zu spielen. In diesem Spieletest wollen wir dem extremen Suchtpotenzial auf dem Grund gehen, das sich im Aneinanderreihen von Pushes, Flips, Grinds und natürlich auch den namensgebenden Ollies verbirgt.


Klären wir allerdings vorab einige Rahmenbedingungen: OlliOlli: Switch Stance für die Nintendo Switch enthält gleich beide Teile der kleinen Spielereihe, die im Jahre 2014 und 2015 erstmals veröffentlicht wurden. Spielmechanisch unterscheiden sich die beiden Titel dabei kaum voneinander, vielmehr stellt der zweite Teil “OlliOlli2: Welcome to Olliwood“ eine konsequente Fortsetzung des Erstlings dar, indem er mit einer hübscheren Optik und einigen neuen ausführbaren Tricks aufwartet. Empfehlenswert wäre es potenziell sogar, die ersten Spielminuten mit dem zweiten Teil zu verbringen – dieser bietet ein deutlich einprägsameres und intuitiveres Tutorial, das im Gegensatz zum ersten Teil großen Wert darauf legt, dass ihr die Spielmechanik auch wirklich versteht und verinnerlicht.


Der erste Teil präsentiert sich in einer Pixel-Optik...

Die ersten Skateversuche in OlliOlli fallen in etwa so aus, wie man das eventuell auch aus dem richtigen Leben kennt – in regelmäßigen Abständen haut es euch auf die Schnauze. Das liegt natürlich vor allem daran, dass es nicht euer Anspruch ist, lediglich geradeaus zu skaten und dabei die Balance zu halten – Ollies, Kickflips, Grinds und andere Tricks, die unter coolen Skater-Fachbegriffen bekannt sind, wollen schließlich ausgeführt werden! Zu Beginn eines jeden Levels nehmt ihr zunächst einmal automatisch mit Pushes an Geschwindigkeit auf – daraufhin versucht ihr die entsprechende Struktur des Levels bestmöglich auszunutzen, um lange Kombos an Tricks vom Stapel zu lassen. Treppen und andere Hindernisse solltet ihr mit Sprüngen überwinden, an Geländern oder ähnlichen Strukturen solltet ihr grinden, auf flachen Ebenen solltet ihr ordentlich Beschleunigen, um genug Momentum aufzubauen.


Alles leichter gesagt, als getan – neben einer schnellen Reaktionszeit ist es für den Erfolg in OlliOlli von essenzieller Wichtigkeit, dass die Steuerung Teil eures motorischen Gedächtnisses wird. Prinzipiell fällt diese sehr eingängig aus – für eine große Palette an Tricks und dem erfolgreichen Absolvieren der Level werden grundsätzlich nur der linke Stick und die B-Taste benötigt. Mittels des Sticks führt ihr sämtliche Tricks aus – bewegt ihr diesen ruckartig in eine beliebige Richtung, vollführt ihr einen einfachen Ollie. Anspruchsvollere Tricks führt ihr mit unterschiedlichen Rotationen aus, die ihr zuvor durch das Halten des Sticks nach unten aufladen könnt. Per Neigung nach unten könnt ihr dann schlussendlich auch an Strukturen grinden, bevor ihr durch das Ausführen eines weiteren Tricks wieder davon abspringt. Hier ist natürlich Timing gefragt, insbesondere dann, wenn ihr wieder auf dem Boden landen wollt: Damit ihr die Punkte, die ihr mit euren Tricks erspielt habt, gutgeschrieben bekommt, müsst ihr eure Kombo mit einer korrekten Landung beenden. Kurz, bevor ihr auf den Boden aufkommt, betätigt ihr dazu die B-Taste. Was in der Theorie simpel klingen mag, gewinnt dadurch an Reiz, dass all dies in einer sehr hohen Spielgeschwindigkeit vonstattengeht. Umso länger eine Kombo wird, desto nervöser werdet ihr natürlich auch und desto größer wird die Gefahr, eine Eingabe zu verhauen.


...während im zweiten Teil hochaufgelösteres Bildmaterial zum Einsatz kommt.

Jedes der verschiedenen Level, durch die ihr in OlliOlli skatet, setzt euch unterschiedliche Herausforderungen vor, die es zu meistern gilt. Um das nächste Level freizuschalten, müsst ihr nichts weiter tun, als unbeschadet das Ende eines Levels zu erreichen – erfüllt ihr allerdings alle Herausforderungen, beispielsweise einen Punkte-Highscore oder eine festgelegte Menge an bestimmten Tricks, schaltet ihr ein zusätzliches Profi-Level frei, das mit einem höheren Schwierigkeitsgrad aufwartet. Natürlich spricht OlliOlli generell Perfektionisten an, die darauf aus sind, jeden Level so perfekt wie möglich abzuschließen – der zweite Teil wird dazu noch um einige kleine Mechaniken erweitert.


So könnt ihr in OlliOlli 2 beispielsweise einen Trick beim Landen ausführen, der es euch erlaubt, eine Kombo auch dann aufrechtzuerhalten, wenn ihr zwischendurch auf dem Boden aufkommt. Auf diese Weise könnt ihr gesamte Levels in einer einzigen, perfekten Kombo absolvieren – wenn ihr freilich den Eifer und die Geduld mitbringt. Stilistisch hängt es letztlich von eurem persönlichen Geschmack ab, welcher der beiden Titel euch optisch mehr anspricht, doch bietet OlliOlli 2 einen deutlich saubereren Look als dessen Vorgänger, was es prinzipiell weniger anstrengend fürs Auge macht, dem schnellen Spieltempo zu folgen und Levelstrukturen leichter erkennen zu können. So unterscheiden sich die beiden Titel zwar nicht essenziell voneinander, dennoch wirkt OlliOlli 2 dank derart kleiner Änderungen deutlich ausgereifter als sein Vorgänger. Solltet ihr euch für das außergewöhnliche Spielprinzip interessieren, so könnt ihr allerdings auch mit dem ersten Teil nichts falsch machen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Pettau

Zwar musste mein linker Daumen während meiner Spielzeit mit OlliOlli: Switch Stance sehr leiden, doch bereitet das außergewöhnliche Spielprinzip dennoch einiges an Freude. Mithilfe eines sehr simplen Basis-Gameplays weckt OlliOlli den inneren Perfektionisten eines Spielers und spornt ihn dazu an, Level so perfekt wie möglich abzuschließen – und sollte einem doch einmal ein Patzer passieren, so kann man das entsprechende Level blitzschnell von vorne beginnen, ohne nennenswerte Wartezeit. So entsteht ein einzigartiger Spielfluss, der allerdings auch ein hohes Konzentrationsvermögen abverlangt. Insbesondere angetan hat es mir dabei natürlich der zweite Teil, der durch sinnvolle Gameplay-Erweiterung und einer klarer definierten Optik zum runderen Gesamtpaket wird.
Mein persönliches Highlight: Die Möglichkeit, Level blitzschnell neu zu starten.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • ewolution94

    Turmritter

    Hachja, "leider" ist es wohl ein gutes Spiel bzw. ein guter Port... Komme wohl um einen Kauf nicht herum. ^^

  • Bettmaaan

    Turmheld

    Habe es nur kurz an der PS4 gespielt. War mir zu hektisch. Hatte auf ein geschmeidiges Skatespiel gehofft...
    Aber gut, der Trailer zeigt ja was im Spiel abgeht.


    Skate 1,2,3 wäre cool für die Switch.. oder auh Tony Hawks Pro Skater... ein Traum :rolleyes: