Eins, zwei, drei... und versenkt!

Golf Peaks – schon mal gehört? Wahrscheinlich nicht. Woran das liegt? An der schier unendlichen Masse an Neuerscheinungen im Nintendo eShop. Dass ein solcher Titel, wie es Golf Peaks ist – unscheinbare Optik, wenig aufregender Name, kein Blut, keine Nacktheit –, in der Spieleflut untergehen würde, war absehbar. Umso schöner ist es, wenn wir diesen kleinen Titeln mit einem Test etwas Aufmerksamkeit schenken können. Nicht selten lassen sich darunter so einige Videospielperlen finden. Lasst uns herausfinden, ob dieser Golf-Ausflug ein Hole-in-one wurde oder doch im Sandbunker landete.


Golfen mit Köpfchen


Viele Videospieler werden ihre erste und vielleicht einzige Golf-Erfahrung mit der Golf-Sportart aus Wii Sports gemacht haben und sollten daher wissen, dass es beim Golfen vor allem auf Präzision und Schlagkraft, insgesamt also auf die Technik ankommt. Anders aber verhält es sich in Golf Peaks, einem im Grunde simpel gehaltenen Puzzle- und Knobelspiel. Golf fungiert hier mehr als Vehikel für die clever gestalteten Rätsellevel. Was hier in erster Linie verlangt wird, ist Köpfchen.


Level werden von einem kompakten, eleganten Menü heraus ausgewählt.

Aus einer schrägen Vogelperspektive überblickt ihr als Spieler das Level. Die Umgebungen in Golf Peaks sind nicht mehr als Bauklötzchen neben Bauklötzchen. Erde, Wasser, Sand, Stein, ganz egal – alles befindet sich kompakt in Klötzchenform zusammengepresst in einer isolierten, leeren Umgebung. Volle Konzentration also auf die Hauptaufgabe in einem jeden Level: den Ball einlochen. Es ist einfach zu sehen, wo sich Ball und Zielfahne befinden, aber wie kommt man da bloß hin?


Am unteren Bildschirmrand werden euch Karten vorgelegt. Jede Karte steht für eine Bewegung des Balls und signalisiert die entsprechende Bewegung durch Pfeile und Nummern auf der Karte. Ein gerader Pfeil mit einer 1 bedeutet dementsprechend, dass sich der Ball um ein Feld auf der selben Höhenlage bewegen wird. Ist der Pfeil aber in einem rechteckigen Bogen eingezeichnet, kann der Ball in die Höhe geputtet werden und so auf höher gelegenes Terrain gelangen.


Es liegt nun euch, das richtige Karten-Rezept für jedes Level auszutüfteln. Die Karten mögen euch zwar einschränken, wie ihr den Ball bewegen könnt, nicht aber, in welche Richtung. Es genügt also nicht nur, eine günstige Karten-Reihenfolge zu finden, ihr müsst nämlich vor allem dafür sorgen, dass euer Ball den richtigen Weg einschlägt. Hier gilt das Sprichwort: Viele Wege führen nach Rom. Ihr müsst euch nicht auf einen einzigen Lösungsansatz festfahren. Einige Male kann es vorkommen, dass gar nicht alle Karten verwendet werden müssen, dass sich ein Alternativweg eher anbietet.


Fallen ist bekanntlich einfacher als aufzusteigen. Wie kommt man hier bloß ans Ziel, ohne ins tiefe Wasser zu plumpsen?

Und das macht Golf Peaks richtig gut. Hin und wieder mögen eure geistigen Motoren am qualmen sein, aber wenn sich dann ein passender Lösungsweg gefunden hat, fühlt man sich umso schlauer. Als hätte man das nächste Weltwunder entdeckt. Doch dabei kam man bloß auf die glorreiche Idee, den Ball an einer Wand abprallen zu lassen, um so die gewünschte Distanz zurückzulegen. Oder man hat sich Schritt für Schritt herangetastet, sein Karten-Management optimiert und so durch Ausschlußverfahren die Lösung gefunden.


Golf Peaks lässt einen schlau fühlen, wenn man etwas besonders schnell verstanden hat, und dämlich dastehen, wenn man so lange auf den Bildschirm geglotzt hat und trotzdem nicht auf die noch so simple Methode gekommen ist. In diesem Sinne ist das Spiel besonders fair, da es neue Elemente nie ohne Bedacht einführt. Hat man eine Welt geschafft und beginnt die nächste, wird man anfänglich auf Level treffen, welche dem Spieler das Gimmick der Welt beibringen. Das kann Sand sein, über den der Ball zwar rollen, auf dem er aber nicht stehen kann. Oder ein holpriger Steinboden, auf dem der Ball abgebremst wird und von dem aus er nur durch einen Schwung in die Luft wieder befreit werden kann.


Frust kommt dabei keiner auf. Jeder Zug, den ihr vollführt, kann auf Knopfdruck rückgängig gemacht werden. Wenn ihr mit eurem ganzen Fortschritt nicht zufrieden seid, kann gar das ganze Level auf Knopfdruck neu gestartet werden. Wirklich, so einfach ist das. Und wenn euch das Spieler per Tasten zu „old-school“ ist, dann braucht ihr nicht mehr als einen Finger, um das Spiel via Touchscreen zu bedienen. Musik und Soundeffekte, auch wenn sie kaum störend sind, lassen sich auch auf Wunsch leiser machen oder ausstellen. Und solltet ihr bei einem Level doch mal nicht weiterkommen, kein Problem: Nicht jedes Level muss zwingend absolviert werden. Probiert doch erst einmal eines der anderen, die ihr zu diesem Zeitpunkt anwählen könnt. Oder ihr besucht alte Welten und versucht euer Golf Peaks-Geschick in den extra kniffligen Bonusleveln. Vielleicht kommt euch ja ein Geistesblitz.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Daniel Kania

Golf Peaks verbindet Mechaniken des Golfens mit einem kreativen Puzzle-System. In vielen kleinen Leveln muss der Ball ans Ziel gebracht werden, was mal einfacher, mal schwieriger ist, aber nie zu Frust führt. Dafür sorgen die angenehmen Quality of Life-Funktionen, die euch Fehler im Handumdrehen ungeschehen machen lassen und so zum Experimentieren und Tüfteln anregen. Und wenn es dann einmal geschafft ist, fühlt man sich umso klüger. Zu verdanken ist das besonders dem cleveren Puzzle-Design, aber auch den immer neuen Mechaniken, welche Level kontinuierlich knackiger, aber auch zufriedenstellender gestalten. Wer ein Knobelspiel für Zwischendurch sucht, ist hier genau richtig.
Mein persönliches Highlight: Das Lösen eines Levels nach dutzenden gescheiterten Versuchen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • ewolution94

    Turmritter

    Ja, dann wird dieser sympathische kleine Titel wohl irgendwann den Weg auf meine Switch finden. :) Aber erst nachdem ich in Baba weitergekommen bin ^^


    Kurze Frage: Wie lang ist die Spielzeit von Golf Peaks circa?

  • Splatterwolf

    Weg seit 1889

    Auf jeden Fall ein Spiel, was im eShop schon interessant aussah und bestimmt für zwischendurch ganz witzig ist.