Test zu Final Fantasy VII - Nintendo Switch
Rettet die Welt und werdet zum legendären Helden in Final Fantasy VII
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31. März 2019 um 13:00 - Niels Uphaus
Es gibt Spiele, bei denen Kritiker und Fans einer Meinung sind. Sie sind wahre Meisterwerke, die ihr Genre für immer verändert haben. In der JRPG-Welt dürfte die Bezeichnung „legendär“ wohl Final Fantasy VII tragen. Das 1997 für PlayStation erschienene Rollenspiel hat die Videospielwelt geprägt wie kaum ein anderes Spiel. Das wird zumindest behauptet. Ich selbst durfte den Titel erst 22 Jahre später auf der Nintendo Switch kennenlernen. Ob Final Fantasy VII auch heute noch überzeugen kann? Das überprüfen wir in diesem Spieletest.
Als Söldner Cloud schließt ihr euch einer kleinen Rebellengruppe namens AVALANCHE an. Diese kämpft gegen den Energiekonzern Shinra, der de facto die Welt beherrscht. Ihren Einfluss gewannen sie durch die Nutzung von Mako-Energie. Dabei handelt es sich um das Lebenselixier des Planeten. Shinra nutzt sie, um Energie zu kreieren. Durch das Absaugen von Mako wird jedoch der Planet geschwächt und geht langsam aber sicher zugrunde. AVALANCHE kämpft dagegen an und spezialisiert sich darauf, die Mako-Reaktoren zu zerstören. Unseren Helden Cloud interessiert jedoch eher das Geld als die Rettung des Planeten. Final Fantasy-typisch ist das natürlich nicht das Ende der Geschichte. Wichtige Thematiken sind die Selbstfindung, der Sinn des Lebens und wahre Freundschaft. Auch Außerirdische und antike Völker dürfen nicht fehlen. Mehr möchte ich zur Story erst einmal nicht sagen, auch wenn gerade ein Plottwist in der Videospielwelt ein offenes Geheimnis ist. Ohne Frage sind die Geschichte und die Charaktere jedoch die größte Stärke des Spiels.
Wer bereits Final Fantasy IX auf der Nintendo Switch gespielt hat, weiß, was ihn bei Teil 7 erwartet. Mit einer Gruppe von Helden erkundet ihr diverse Orte mit vielen NPCs, mit denen ihr reden und interagieren könnt. Die Welt selbst ist aufgeteilt in zwei Ebenen. Einerseits gibt es die detaillierten Gebiete und Dungeons, auf der anderen Seite die recht kahle Oberwelt, die ihr erst zu Fuß und später in der Luft erkundet. Neu ist jedoch die Möglichkeit, auch ein U-Boot zu nutzen, um unter Wasser Geheimnisse aufzuspüren. Ansonsten dient die Oberwelt jedoch nur dazu, um von Ort zu Ort zu reisen. Das Gameplay von Final Fantasy VII ist recht linear. Zwar gibt es ab und an Sidequests, ansonsten wird euch aber eigentlich immer die Richtung vorgegeben.
Apropos Sidequests: Während ihr in anderen JRPGs oftmals nur stupide Items sammeln sollt, die mit der Hauptstory nichts zu tun haben, sind die optionalen Aufgaben in Final Fantasy VII fast immer wichtige Bestandteile der Story. Nicht nur erhaltet ihr besondere Gegenstände, sondern auch Hintergrundinformationen über Charaktere, mit denen ihr unterwegs seid. Neben dem Team von AVALANCHE trefft ihr auch andere Personen wie einen Piloten oder Dieb. Nicht alle haben eine tragende Rolle im Spiel, einige von ihnen sind sogar optionale Teammitglieder. Um sie näher kennen zu lernen, sind Sidequets elementar. Es gibt jedoch auch Mikro-Sidequests. So nenne ich sie zumindest. Ein Beispiel: In einer Szene schießt ihr ein U-Boot ab. Ihr könntet danach normal mit der Story weitermachen. Oder ihr nutzt euer U-Boot und sucht das Wrack, um einen wertvollen Gegenstand zu bergen. Die Kombination aus Hauptstory und Nebenaufgaben lässt die Welt von Cloud und Freunden auch 22 Jahre später noch authentisch wirken. Nebenaktivitäten wie das Steuern des U-Boots kommen übrigens häufiger vor. So fahrt ihr beispielsweise auf einem Snowboard durch die Gegend. Auch die Chocobo-Vögel sind wieder am Start, mit denen ihr nicht nur über die Oberwelt flitzt, sondern die ihr sogar züchten könnt, um den seltenen goldenen Chocobo zu erhalten. Was der bewirkt? Das müsst ihr schon selbst herausfinden.
Kommen wir jetzt zum Kampfsystem. Zufällig auftauchende rundenbasierte Kämpfe erwarten euch in Dungeons und der Oberwelt. Mit drei Teammitgliedern tretet ihr gegen einen oder mehrere Feinde an. Neben klassischen Angriffen könnt ihr auch Magie in Form von Materia einsetzen. Diese verbraucht MP (Magiepunkte). Ihr habt jedoch auch die Chance Objekte wie Heilitems einzusetzen. Bei den Kämpfen kommt das ATB-System (ATB steht für Active Time Battle) zum Einsatz. Innerhalb des Kampfes lädt sich ein Balken auf. Ist dieser voll, könnt ihr eine Aktion starten. Ihr habt dabei die Möglichkeit, das Ganze in Echtzeit laufen zu lassen oder zu warten, damit ihr euch in Ruhe entscheiden könnt, was ihr machen wollt, ohne dass der Gegner euch in Stücke reißt. Ihr könnt Gegner übrigens auch bestehlen, um besondere Items zu erhalten. Auch neue Fähigkeiten könnt ihr so erlernen.
Es gibt im Übrigen noch eine weitere Mechanik. Die sogenannten Limits. Werdet ihr oft genug von Gegnern angegriffen, füllt sich eine weitere Leiste. Ist diese voll, könnt ihr eine mächtige Attacke einsetzen. Es gibt verschiedene Arten von Limits, die ihr nach und nach durch diverse Aktivitäten wie das Besiegen von einer gewissen Anzahl an Gegnern auflevelt oder als Belohnung für Sidequests erhaltet. Weiter oben haben wir zudem von Materia geredet. Von dieser existieren etliche Varianten. Manche von ihnen richten Schaden an, andere heilen, wieder andere beschwören mächtige Monster und wieder andere von ihnen manipulieren andere ausgewählte Materia. Am bekanntesten ist da wohl „Alle“, die einen ausgewählten Angriff auf alle Gegner richtet. Angelegte Materia kann zudem nach bestandenen Kämpfen verstärkt werden. Diese Zaubersprüche lassen sich auf der Oberwelt finden oder in Läden kaufen. Wie in jedem guten JRPG könnt ihr auch in Final Fantasy VII Ausrüstung und Waffen kaufen oder finden. Diese haben unterschiedlich viele Slots, in denen ihr Materia einsetzen könnt. Es ist jedoch nicht immer clever, die maximale Anzahl an Materia zu verwenden, da diese Werte wie Angriff und Magie zwar stärken, dafür aber zum Beispiel die Verteidigung schwächen. Wägt also immer ab, was ihr wirklich braucht und wechselt eure Materia regelmäßig, um im Kampf zu bestehen. Die Zaubersprüche lassen sich im Übrigen auch außerhalb des Kampfes einsetzen, um euch beispielsweise zu heilen oder Statusveränderungen aufzuheben.
Gerade im späteren Verlauf können Bosskämpfe in Final Fantasy VII anspruchsvoll werden. Das liegt jedoch nicht unbedingt an der Anzahl an KP (Kraftpunkten) oder ihren Attacken, sondern auch an anderen Faktoren. Ganz am Anfang trefft ihr beispielsweise auf einen Skorpionroboter. Dieser hebt manchmal seinen Schwanz an. Greift ihr dann an, reflektiert er eure Angriffe. Es ist daher immer wichtig, dass ihr euch das Verhalten von Gegnern genau anschaut, um passend zu reagieren. Das macht den Unterschied zwischen einem einfachen oder unmöglich schweren Kampf aus.
Bei der Nintendo Switch-Version von Final Fantasy VII handelt es sich um eine verbesserte Variante des Spiels. Während die Grafik etwas aufgehübscht wurde, gibt es auch drei weitere Optionen, die ihr dazuschalten könnt, Einerseits könnt ihr das Spiel drei Mal schneller laufen, andererseits zum Beispiel auch Zufallskämpfe ausschalten oder Kämpfe vereinfachen, in dem ihr dauerhaft Limits einsetzt und eure KP nach einem Angriff wiederhergestellt werden. Manche Dinge sind leider auch in der überarbeiten Version gleichgeblieben. So könnt ihr beispielsweise Charaktere nur auf der Oberwelt oder an Speicherpunkten ändern. Gerade beim Grinden innerhalb von Dungeons hat mich diese Einschränkung oft genervt.
Final Fantasy VII ist für heutige Verhältnisse selbst mit Nostalgiefaktor kein schönes Spiel. Während zwar die verschiedenen Gebiete recht ansprechend aussehen, machen gerade die pseudo-dreidimensionalen Gebiete Probleme. Oftmals erkennt man gerade im Handheld-Modus nicht, wo man genau lang gehen kann. Immerhin könnt ihr eine Option einschalten, die meistens anzeigt, wo es zum nächsten Gebiet geht. Besonders hart hat es jedoch die Charaktere erwischt, die selbst aus der Ferne nicht schön anzusehen sind. Ich hätte mir gewünscht, dass Square Enix zumindest die Modelle der Protagonisten etwas mehr überarbeiten würde. Außerdem hat das Spiel eine enorme Menge an Rechtschreibfehlern. Warum man diese nicht bei einem so beliebten Spiel korrigiert, ist mir schleierhaft. Dafür sind die vorgerenderten Zwischensequenzen auch heute noch nett anzusehen. Erst hier kann man die Science-Fiction-Welt wirklich voll erahnen. Der Soundtrack hingegen ist auch 2019 noch phänomenal. Gerade die bekannten Kampf-Themes können immer noch begeistern.
Unser Fazit
9
Geniales Spiel