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Test zu Hob: The Definitive Edition - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Hob: The Definitive Edition
  • USA USA: Hob: The Definitive Edition
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
04.04.2019
Vertrieb
Perfect World Entertainment
Entwickler
Panic Button, Runic Games
Genre
Adventure, Action, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Die Welt ist im Wandel – und ihr seid der Grund

Von Lisa Zahn () Nun also hat Hob: The Definitive Edition auch die Nintendo Switch erreicht. Das erstmals 2017 für Steam erschienene Action-Adventure im Zelda-Stil hatte damals keinen allzu glücklichen Start. So wurde Runic Games, das Studio hinter Hob sowie dem Torchlight-Franchise, von dem ihnen übergeordneten Publisher Perfect World Entertainment keine zwei Monate nach dem Release von Hob geschlossen, da man sich mehr auf den Onlinemarkt konzentrieren wollte – ein herber Rückschlag. Nun aber ist Hob: The Definitive Edition mit Hilfe von Panic Button zurück und bereit die Nintendo Switch zu erobern. Werfen wir zusammen einen Blick ins Spiel, um zu sehen, ob es sich bei Hob um eine unterschätzte Perle oder ein zurecht ausgestorbenes Fossil handelt.

In den überall in der Welt verstreuten Schreinen findet ihr Nützliches wie Schaltbilder für neue Skills und grüne Kugeln.

Das Spiel startet in einem dunklen Raum. Wer seid ihr und wie lange seid ihr hier schon gefangen? Fragen, auf die ihr wohl nie eine Antwort finden werdet, denn ähnlich wie in Shadow of the Colossus kommt Hob vollkommen ohne Sprachausgabe aus. Plötzlich durchbricht ein Rumoren die Stille der Finsternis, und eine große Hand schiebt sich durch einen Spalt in der Wand, um die sich dort befindende Tür aufzubrechen. Ein mechanischer Golem betritt den Raum, murmelt etwas Unverständliches und läuft in Richtung Wald davon. Froh über eure neugewonnene Freiheit tretet ihr, vom hellen Licht geblendet, aus der dunklen Höhle ins Freie. Dies ist der Moment, in dem ihr euch das erste Mal seht: Ihr seid ein in eine rote Kutte gekleidetes Wesen von kindlicher Gestalt mit einem mechanisch anmutenden Kopf, aus dem blau glühende Augen blicken. Da ihr keinerlei Erinnerung an die Welt dort draußen habt und auch sonst nicht wisst, wohin, entschließt ihr euch kurzerhand, dem freundlichen Golem zu folgen, der euch aus eurem Gefängnis befreit hat.

Und somit wird der Spieler auch schon in die Welt von Hob entlassen. Trotz recht linearem Spielverlauf entfaltet sich vor euch eine anfangs schier endlos wirkende Open World, die zum Erkunden und Rätseln einlädt. Der Vergleich zu Zelda, vor allem Breath of the Wild, kommt nicht von ungefähr, so orientiert sich der Aufbau des Spiels überraschend nah an seinem AAA-Kollegen, auch wenn sich beide Titel etwa zeitgleich in der Entwicklung befanden. Die offene Welt wird lediglich von Schrein-ähnlichen Gebilden unterbrochen, die euch in unterirdische Dungeons führen, in denen ihr euch durch verschiedene Gegner kämpfen und Rätsel lösen müsst, um am Ende die Stromzufuhr zur Hauptmaschine wieder herzustellen und als Belohnung ein Upgrade zu erhalten oder Teile der Welt aus dem Abgrund hervorzuheben und so neue Wege zugänglich zu machen. Auch die namenlosen Geisterwesen, welche euch nach der Rettung mit ihren Fähigkeiten helfen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, erinnern leicht an die Krogs, welche euch alle paar Meter in Zelda über den Weg laufen. Dennoch schafft es Hob, ein vollkommen eigenständiges Universum zu erschaffen, das sich vor seinem Kollegen nicht zu verstecken braucht. Im Gegenteil, so wirken die Steampunk-Elemente von Hob so kreativ und fremd, dass man sich an ihnen kaum sattsehen kann und immer wieder überrascht wird. Auch bei der restlichen Weltgestaltung wurde viel Wert auf Details gelegt. Hob überzeugt mit abwechslungsreichen Gebieten, auch wenn der Waldanteil definitiv überwiegt. Abgesehen von diversen Copy-Paste-Elementen wie kleinen Büschen und Bäumen merkt man dem Spiel an, wie viel Zeit in die Gestaltung geflossen sein muss, denn alle Gebiete wurden handgeschaffen und strahlen eine Authentizität und Lebendigkeit aus, die man heutzutage selten in Spielen findet.

Vergleich von PC-Version (unten links) und Nintendo Switch-Version (oben rechts)

So schön die Welt auf den ersten Blick auch wirkt, so ernüchternd ist der Vergleich der Handheld-Version zur PC-Version. Zwar mag die heruntergesetzte Grafikauflösung auf den ersten Blick nicht gleich als störend empfunden werden, im Vergleich zeigt sich aber doch recht schnell, wie schlecht es um sie steht. Nicht der Nintendo Switch-Version anzulasten, sondern ein generelles Problem ist die Lag-Freudigkeit des Titels. Während des größten Teils der Erkundung schaut man leicht angeschrägt von oben auf seinen Charakter herunter. Sobald aber die Kamera in weiten Bereichen einen Ausblick auf Kommendes liefern will, kommt die Framerate ganz schön ins Schwitzen. Zum Glück beeinflusst dies eher selten den Spielablauf, da solche Momente meist mit angedeuteten Cutscenes in Verbindung stehen. Mehr Probleme hingegen bereitet die feste Kamera, die einem oft nicht den richtigen Winkel gewährt, und in bestimmten Momenten eine komplett andere Perspektive aufzwingt, was in einer Änderung der Richtungseingabe resultiert und schnell zu Verwirrung führen kann. Gerade in den unterirdischen Dungeons kommt es oft zu Momenten, in denen man gerne die Kamera drehen würde, und bestimmte Rätsel von der gezeigten Perspektive gar nicht erst ersichtlich sind.

Dies ist leider ein allgemeines Problem des Titels. Während mancher Spieler froh darüber ist, von Spielen auch mal gefordert zu werden, und nicht stur von markiertem Punkt A nach B zu laufen, enthält Hob sich etwas zu sehr. So bekommt ihr am Anfang keinerlei Tutorial. Lediglich die benötigten Buttoneingaben werden anfangs noch bei Aktionen eingeblendet, später allerdings kaum noch, was einen Einstieg nach einer längeren Spielpause fast unmöglich macht. Ein riesiges Menü mit Sammelgegenständen ohne Namen trägt noch zur Verwirrung bei. Auch die Karte wurde im Menü sporadisch mit Wegpunkten bestückt, eine Minimap außerhalb fehlt gänzlich. Das größte Problem aber ist die fehlende Abhebung von Interaktionsmöglichkeiten zum Rest der Welt. Aktivierbare Bodenschalter sind zwar ein schneller Blickfang, ein sich als Dekoration an der Wand befindliches Metallrohr als Leiter zum nächsten Bereich hingegen schwer zu entdecken, was oft in einer verzweifelten Suche nach dem Weg ausartet. Auch gibt das Spiel kaum Feedback, ob man ein Rätsel nun gelöst hat, da sich die Wirkung oft erst später zeigt. So steht ihr nicht selten in einem Raum und fragt euch: "Bin ich hier fertig, oder wie oder was?". Zwar lernt man mit der Zeit, mit der mangelnden Kommunikation seitens des Spiels umzugehen, dennoch werden gerade Anfänger mit Hob so einige Schwierigkeiten haben.

Nach einem stressigen Tag könnt ihr in der Welt von Hob beim Erkunden die Seele baumeln lassen.

Die allgemeine Steuerung im Spiel geht sehr intuitiv vonstatten. Während ihr euch am Anfang noch vorsichtig an Schluchten und Gegner herantastet, schwingt ihr euch keine zwei Stunden später in einem irrsinnigen Tempo von Ast zu Ast und rutscht Felsabhänge hinunter. Sehr verzeihend ist hierbei die Programmierung, da man sich vorm Herabfallen immer noch mit seinem Arm retten und wieder hochziehen kann. Eher hinderlich wird dies allerdings, wenn ihr mal wirklich einen Abhang herunterspringen wollt und der Charakter den Spieler ständig "vor der Dummheit rettet". Auch beim Ziehen von Gegenständen, welches kontextsensitiv abläuft, kommt es zuhauf vor, dass man, statt den Gegenstand zu greifen, erst einmal auf ihn klettert. Da greifen und loslassen von derselben Taste gesteuert werden, kommt es außerdem oft zum "Schwester Joy"-Effekt (Pokémon-Fans kennen ihn vermutlich), bei dem ihr in einer Endlosschleife von Aktionen gefangen seid, weil ihr schnell abbrechen wollt. Ein Abbrechen mit der B-Taste wäre wesentlich entgegenkommender gewesen. Ein anderes Problem ist die 3D-Richtungsänderung durch mangelnde Kamerabewegung. So kommt es gerade bei Leitern oft vor, dass man die Richtungseingabe an den Winkel anpassen muss, was oft ein sehr krampfhaftes Hoch- und Runterklettern nach sich zieht.

Diese kleinen Wesen sind eure besten Freunde, also helft ihnen, wenn sie in Gefahr schweben.

Das Skill-System ist abwechslungsreich, jedoch in manchen Punkten unausgegoren. Für diverse Rätsel erhält man im Laufe des Spiels drei verschiedene Armverbesserungen, welche für Rätsel, aber auch gegen Feinde eingesetzt werden müssen. Neben den Armverbesserungen gibt es außerdem Skills, deren Freischaltung wohl komplexer ist als eine Algebra-Prüfung: Um die Möglichkeit zu erhalten, einen neuen Skill zu lernen, muss dieser zuerst in einem der vielen aktivierbaren Steinaltare gefunden werden. Jedoch lernt man diese nicht automatisch beim Fund, man erhält lediglich die Möglichkeit, sie mit den grünen Kugeln, welche man im Spielverlauf unter anderem für das Besiegen starker Gegner erhält, freizuschalten.

Dies kann jedoch nicht im Menü gemacht werden. Für jeden zu erlernenden Skill muss man erst wieder zur Anfangsschmiede zurückkehren, was durch die sporadisch verteilten Teleporter etwas leichter gemacht wird. Wirklich zeitgemäß ist dieser Vorgang nicht, und so rennt ihr meist stundenlang ohne Skills durch die Gegend, bis ihr euch mal wieder dazu entscheidet, der Schmiede einen Besuch abzustatten. Ob ihr die Skills dann auch wirklich braucht, ist eine andere Frage. Denn den ultimativen Skill, welcher euch quasi unverwundbar macht, erhaltet ihr schon zu Anfang des Spiels: den Schild. Ohne Energieverlust kann dieser so lange wie ihr wollt vor euch gehalten werden und er blockt so selbst die stärksten Attacken ohne Schaden ab. Erst bei einem Treffer verliert ihr Ausdauer, welche sich aber während der Benutzung schon wieder auflädt – die perfekte Festung.

Nutzt Sightseeing-Spots, um durchzuatmen und euch einen Überblick über den noch vor euch liegenden Weg zu verschaffen.

Gerne würde ich auch auf die musikalische Untermalung von Hob eingehen, jedoch ist die Welt bis auf ein paar Sequenzen genauso still wie der Protagonist selbst. Dies würde ich aber nicht als Problem bewerten – im Gegenteil. Auch wenn Hintergrundmusik fehlt, so spricht doch die Natur mit dem Spieler, sei es das Rauschen des Wassers oder das Zwitschern der Vögel. Gepaart mit der malerischen Weltengestaltung ist Hob, trotz digitaler Verfügbarkeit, eine Entschlackung zum stressigen und oft überladenen Alltagstrott, Ferien für die Seele. Diese künstlerische Komponente zeigt sich auch in den Nebenaufgaben, die es in Hob zu absolvieren gilt. So findet ihr überall in der Welt verteilt Punkte, von denen aus ihr in einer kurzen Sequenz einen Überblick über die Landschaft erhaltet. Diese Momente werden im Anschuss unter Erinnerungen im Menü abgespeichert, sodass ihr jederzeit eure bisher absolvierte Reise in Form von Bildern Revue passieren lassen könnt.

Zwar gibt es einige Ecken und Kanten, an denen man noch hätte schleifen können, dennoch hatte ich mit Hob: The Definitive Edition eine Menge Spaß. Der Einfallsreichtum und die Liebe zum Detail sind überall spürbar, und die Atmosphäre saugt den Spieler regelrecht ein. Liebend gerne würde ich Hob jedem weiterempfehlen, jedoch gab es dann doch einen Punkt, der mir den Spielspaß auf Dauer etwas verhagelt hat, und das ist der Begriff "Definitive". Hob in seiner jetzigen Form ist definitiv nicht "Definitive", denn dafür gibt es einfach noch zu viele Fehler im Spiel, die teilweise den gesamten Spielstand zerstören können. Alleine während der ersten Stunde fand ich dank der fehlplatzierten Speicherpunkte etliche Möglichkeiten, ganze Teile der Karte zu überspringen. Dies kann allerdings auch darin resultieren, dass ihr an einem Speicherpunkt landet, von dem ihr nicht mehr wegkommen könnt. In diesem Fall ist der Spielstand hinüber. In anderen Fällen wurden Spieler von Monstern in Wände geschoben und mussten das Spiel neu starten oder hatten Fehler beim Verlassen von Dungeons. Auch ärgerlich ist die veraltete automatische Speicherfunktion, die nur aktiv wird, wenn man einen Respawn-Punkt oder ähnliche Wegpunkte passiert, eine manuelle Speicherfunktion gibt es nicht. Dass diese nicht immer so funktioniert wie sie soll, musste ich schmerzlich während meines Tests feststellen, als meinem Spielstand über eine Stunde Fortschritt abhandenkam.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu Hob: The Definitive Edition

Meinung von Lisa Zahn
Hob ist wunderschön und ideenreich, hat aber noch einiges an Polishing nötig, um wirklich am Spieleolymp glänzen zu können. Bei einer Durchspielzeit von rund 10-15 Stunden werden euch eine mit Liebe zum Detail geschaffene Open World sowie knackige Kopfnüsse geboten, die euch die Zeit schnell vergessen lassen. Sollten die angesprochenen Probleme mit einem zukünftigen Update behoben werden, was hinsichtlich der Schließung des Entwicklerstudios sowie des Titels des Spiels wohl eher unwahrscheinlich ist, könnte Hob auch größeren Titels aus dem Hause Nintendo Konkurrenz machen.
Mein persönliches Highlight: Die mit viel Liebe gestaltete, atmosphärische Welt

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