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Test zu Windscape - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Windscape
  • USA USA: Windscape
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
27.03.2019
Vertrieb
Headup Games
Entwickler
Magic Sandbox
Genre
Adventure, Action, 3D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Eindrucksvoller Start ... und dann?

Von Kevin Becker () Am fernen Horizont auf einer im Himmel liegenden Insel lebt die junge Frau Ida mit ihren Eltern in einem kleinen Häuschen und führt das ruhige Leben einer Landwirtin. Als ihr Vater sie eines Tages ins naheliegende Dorf schickt, um einer Bitte nachzukommen, verwickelt sich das neugierige Mädchen in eine Reihe dubioser Ereignisse, die nicht nur ihre eigene Heimat, sondern das ganze Insel-Archipel auf den Kopf stellt. Windscape geht zu Beginn einen anderen Weg, um seine Handlung zu vermitteln. Anstatt auf eine lange Einführung oder Erzählung zu setzen, wirft euch das Spiel unmittelbar ins Geschehen ohne jegliche Kenntnisse zur Prämisse. Dies ändert sich auch für eine ganze Weile nicht: Erst nach einer Handvoll Aufgaben zeigt sich langsam der Ansatz einer Story und die Mission, die es zu absolvieren gilt. Während dieser Weg der Erzählung einen erfrischenden Kontrast zu heutigen Spielen darstellt, flacht die Geschichte im Verlauf des Abenteuers enorm ab. Fast schon nebensächlich wird euch euer Ziel vermittelt, das ein interessantes Fundament besitzt, sich aber bis auf Monster und Gegner nicht wirklich in der Spielwelt widerspiegelt.

Die erste Stadt fühlt sich dank zahlreicher Bewohner lebendig an!

Als verschwendetes Potenzial erweist sich das Tagebuch, das die Heldin im Verlauf der Reise führt und in dem sie allerlei Informationen und Gedanken niederschreibt. Es wäre ein wunderbares Stilmittel gewesen dem stummen Protagonisten und seiner Welt Tiefe und Charakter zu geben, würde es ordnungsgemäß funktionieren. Vermutlich handelt es sich um einen Fehler, doch relativ früh hört das Spiel einfach auf Einträge zu verfassen, die normalerweise beim Nähern besonderer Orte oder Erledigen mancher Haupt- und Nebenaufgaben auftreten. Auch wenn hier ein einfaches Update Abhilfe schaffen kann, bleibt es unerklärlich, wie solch ein Fehler nicht auffällt und den ersten Eindruck unnötig schwächt. Selbst wenn dieser Fehler beheben werden sollte – an der unattraktiven geschichtlichen Präsentation ändert dies nichts. Obwohl das Spiel am Anfang die Hoffnung auf eine stille, unterschwellige Story macht – die sich beim Erkunden der Spielwelt langsam erschließt und lieber zeigt, als zu erzählen – bleibt vieles einfach wirr. Ihr erfahrt nicht, was es mit dem Übel der Welt auf sich hat, wer oder was der finale Gegner ist oder woher und warum das Böse überhaupt kommt. Da es keinerlei Interpretationsspielraum beim Erschließen der Handlung gibt, ist der Erzählstrang trotz anfänglichem Reiz ein orientierungsloses Durcheinander.

Inspiriert von Spielen wie The Legend of Zelda, Secret of Mana oder The Elder Scrolls, versucht Windscape das Beste aus den genannten Klassikern hervorzubringen. Aus der First-Person-Perspektive steuert ihr Ida, die neben einem Sprint auch in der Lage ist zu springen. Waffen wie Schwerter, Bögen oder Keulen fungieren als physische Angriffsmöglichkeiten und rüsten immer automatisch einen schützenden Schild aus. Spezielle Magie, wie Feuer oder Eis beispielsweise, erlaubt das Schießen starker Zauberprojektile, ist aber durch einen fehlenden Schild sehr viel risikofreudiger. Um euch vor bösgesinnten Monstern zu verteidigen, ist es außerdem möglich, Rüstungen anzufertigen. All diese verschiedenen sowohl offensiven als auch defensiven Komponenten lassen sich durch Materialien, die entweder Gegner beim Besiegen fallen lassen oder ganz einfach natürlicher Herkunft (wie Holz zum Beispiel) sind, herstellen. An bestimmten Werkbänken, Öfen und alchemistischen Gefäßen wird angezeigt, welche Ressourcen und in welcher Menge sie benötigt werden. Glücklicherweise lassen sich alle Materialien relativ leicht finden, wodurch es nicht zu unnötigem, zeitfressendem Grinding kommt. Um Gegner besser erfassen zu können, gewährt die bekannte Lock-on-Funktion das Anvisieren der Kontrahenten. Auch hier erklärt das Spiel nie wirklich die Steuerung, was dank der simplen Natur der Eingaben nicht nötig ist und euch ausprobieren lässt.

Mit dem Luftschiff bereist ihr weitere Himmelsinseln!

Die Welt Windscapes ist in vier unterschiedlichen Himmelsinseln unterteilt. Im Verlauf des Abenteuers besucht ihr die diversen Himmelskörper in einer festen Reihenfolge und es läuft das im Grunde immer gleiche Schema ab. NPCs geben euch Aufgaben, die meistens in gefährliche Dungeons führen und im Besiegen eines großen Bosses resultieren. Diese funktionieren zwar alle gleich, bringen euch aber mit flächendeckenden Angriffen dazu dauerhaft in Bewegung zu bleiben, was ein flottes, actiongeladenes Kampfgeschehen erlaubt. Die Vorstellung der Bosse ist jedoch inkonsistent. Während der erste Hauptgegner noch per Titel und Name vorgestellt wird, ist dies danach nicht mehr der Fall. Die Verliese selbst bieten eine angenehme Spiellänge und fordern mit simplen Rätseleinlagen. Diese gleichen sich leider viel zu oft, in den meisten Fällen wird ein Schalter gesucht, um ein verschlossenes Tor zu öffnen. Komischerweise zeigt das Spiel aber, dass es auch bereit ist, abwechslungsreichere Ideen zu präsentieren. Im ersten Dungeon beispielsweise muss ein Augenschalter (ähnlich wie in The Legend of Zelda) per Pfeil getroffen werden, um einen Mechanismus zu aktivieren. Dieser Schalter kommt merkwürdigerweise nur ein einziges Mal im gesamten Spiel vor, obwohl er wunderbar den Bogen in den Fokus hätte stellen können. Oder aber eine besondere Lichtmagie, mit der es möglich ist, sich an ausgewählten Lichtquellen entlangzuziehen, um große Abgründe oder Hindernisse zu überwinden. Auch dieser Einfall wird nach einmaligem Auftreten völlig vernachlässigt, stattdessen werden die immer gleichen Schalterrätsel wiederverwertet und ohne besonderen Twist vorgekaut.

Nur wenige Spiele zeigen so offensichtlich, dass man sich ursprünglich mehr vornahm, als letztendlich umgesetzt wurde.

Die Spielwelt lädt durch ihre offenen Flächen zum freien Erkunden ein. Optionale Gebiete gibt es nicht, Schatztruhen belohnen fleißige Erforscher jedoch mit nützlichen Ressourcen. Ist der erste richtige Boss erledigt, erlaubt es euch das Spiel weitere Inseln mit einem (viel zu langsamen) Luftschiff auf einer kleinen Karte zu bereisen. Obwohl die Karte fünf Inseln deutlich anzeigt, ist eine niemals begehbar. Was der Grund dahinter ist, lässt sich erneut nur erahnen, allerdings macht sie Hoffnung auf weitere Erkundungstouren, nur um Spieler am Ende enttäuscht in der Luft zu lassen. Nicht nur optisch unterscheiden sich Inseln, spielerisch wirken sie zu Beginn zwar gleich, bieten aber aufgrund ihres Aufbaus verschiedene Erfahrungen. Die zweite Insel stellt eine enorme Wüste da, wodurch langatmige Spaziergänge die Folge sind. Die Dungeons hingegen besitzen eine sehr abenteuerliche, unerforschte Atmosphäre, was das Erkunden trotz fehlender zufriedenstellender Belohnung spaßig macht. Leider ist die dritte Insel ein einziger, großer Dungeon – kleine Städte lassen sich hier also nicht finden. Eure Heimatinsel ist die reichhaltigste durch eine relativ große Stadt, einen Friedhof und weitere Örtlichkeiten. In der Stadt lassen sich kleine Sidequests annehmen, die das einfache Sammeln von Items verlangen. Obwohl sie anfangs oft vorkommen, tauchen optionale Nebenaufgaben genau wie die Tagebucheinträge ab der zweiten Insel nicht mehr auf, wodurch der Umfang anfangs versprechend wirkt, mit der Zeit aber zu einem dünnen, einseitigen Faden verläuft.

Pompöse Bossgegner sorgen mit ihrer stimmigen Musik und starken Angriffen für einen spannenden Kampf!

Ein Abenteuer wäre nichts ohne bedrohliche Gegner, von denen es glücklicherweise eine Menge gibt. Selbst wenn die meisten gleich funktionieren (entweder Nah- oder Fernangriffe), trefft ihr immer auf neue Gestalten, die gerade auf der letzten Insel interessante Verhaltensmuster zeigen. Leider wurde auch hier unsaubere Arbeit geleistet. Viele Gegner bleiben hin und wieder in unsichtbaren Wänden hängen, laufen einfach durch gefährliche Substanzen und funktionieren in ihrer KI völlig unzuverlässig. Manchmal bemerken sie euch aus ungeheuerlichen Entfernungen, manchmal werden sie euch nicht hinterherjagen, wenn ihr wenige Meter vor ihnen steht. Nicht weniger komisch verhalten sich NPCs. Die Entwickler scheinen es nicht bedacht zu haben, aber vorgefertigte Dialoge, die nicht auf Situationen zugeschrieben sind, nehmen Geschehnisse vorweg. Solltet ihr euch zu Beginn schon in einen Palast begeben, um mit dem örtlichen König zu entsprechen, bedankt er sich für die Rettung seines Sohns. Die Frage, die sich dann jedoch stellt: Welcher Sohn? Zu diesem Zeitpunkt ist es bereits abzusehen, dass der Prinz irgendwann gerettet werden muss – erneut wurde hier nicht die Freiheit des Spielers bedacht, obwohl doch diese paradoxerweise im Fokus des Spiels steht.

Optisch bietet Windscape einen markanten sowie bunten Stil. Die scharfe Erscheinung fügt sich meistens sehr gut, wirkt an bestimmten Stellen aber etwas lasch und ausdruckslos, wenn Wasser beispielsweise eine einfache blaue Fläche ohne Details darstellt. Was massive Probleme macht, ist die Bildrate. Immer wieder sinkt diese extrem, sodass es in bestimmten Bereichen schon unangenehm werden kann. Anhand des Menüs lässt sich die Ursprungsplattform erkennen. Um Gegenstände oder Optionen auszuwählen, müsst ihr einen Cursor an die jeweilige Stelle führen, als würdet ihr eine Maus bewegen. Es ist zwar nicht sonderlich störend, dennoch komisch, weshalb man dies nicht an Spielekonsolen angepasst hat. Musikalisch hat man schöne, malerische Töne geschaffen. Auch wenn der melancholische Stil erneut eine etwas ausgefeiltere Geschichte anmuten lässt, letztendlich seiner Handlung etwas zu voraus ist und es somit aufgesetzt wirken kann, ist es immer angenehm, den ruhigen Klängen zu lauschen. Wie so oft in diesem Spiel, machen Fehler jedoch einen Strich durch die melodische Rechnung. In Bosskämpfen zum Beispiel, die eine mächtige, gefährliche Musik verwenden, passiert es manchmal, dass sie plötzlich endet und es ruhig oder mit einer unpassenden Oberweltmusik weitergeht. Ähnliche Missverständnisse ließen mich immer wieder hinterfragen, ob die jeweilige Musik gerade wirklich spielen sollte, oder es sich erneut um eine unsaubere Anpassung handelt – was dem bezaubernden Soundtrack unnötig schadet.

Redaktionswertung

4

Erträglich

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Unser Fazit zu Windscape

Meinung von Kevin Becker
Windscape lässt durch seine offene Spielwelt, inhaltsreiche NPCs mit Nebenaufgaben und einen interessanten Erzählaufbau zum Anfang ein anmutiges, besonderes Abenteuer vermuten, was im Verlauf allerdings in ein überstürztes, nicht durchdachtes Durcheinander verläuft. Spannende Gameplayansätze tauchen nur einmalig auf, stattdessen bleiben Rätsel repetitiv und nutzen das eigentliche Potenzial nicht mit unterschiedlichen Waffen und Zauberkräften. Inkonsistente Unreinheiten, wie vorgefertigte, unpassende Dialoge, fehlende Tagebucheinträge nach der ersten Welt, eigentlich schön klingende, jedoch immer wieder abbrechende Musik und eine schwache Framerate zeugen von fehlendem Fleiß bei der Portierung. Die Geschichte lässt eine unterschwellige, ruhige Erzählstruktur vermuten, wird zum Ende allerdings ein Wirrwarr, das keinerlei Interpretationsspielraum aufgrund fehlender Informationen bietet. Visuell besitzt das Spiel durch den scharfen, kantigen sowie bunten Stil einen gewissen Charme, der manchmal etwas kraftlos wirkt – in den meisten Fällen aber zum Erlebnis beiträgt. Windscape hält sich während seines Abenteuers immer wieder selbst einen Spiegel vors Gesicht: Es ist das Bild eines Spiels, das vor allem in den ersten starken Stunden zeigt, was es hätte sein können, irgendwann aber den Fokus verliert und trotz der ausdrucksstarken Grafik irgendwie doch am Ende farblos wirkt.
Mein persönliches Highlight: Der freie Ansatz den Spieler nicht an die Hand zu nehmen

Kommentare 6

  • Loco4 ❣ 8-bit era ❣ - 16.04.2019 - 21:42

    Danke für den ausführlichen test! :thumbup:
    Sehr sehr schade! Hatte mir einiges erhofft von dem titel. :(
  • Solaris Staatl. gepr. ntower Kommentar - 17.04.2019 - 05:04

    Das Titelbild sieht aus wie eine Gender angepasste Version von Zelda Brot für Arme. :D
  • Kimiko Miau! - 18.04.2019 - 09:01

    @Loco4 @Solaris
    metacritic.com/game/switch/windscape

    Das Spiel hat im schnitt knappe 7/10, also ich werd ihm ne Chance geben.

    Es scheinen wohl alle Tests, die Kevin Becker geschrieben hat extrem überkritisch und ungerecht bewertet zu sein.
  • Loco4 ❣ 8-bit era ❣ - 18.04.2019 - 12:15

    @Kimiko

    metacritic ist für mich selten ein guter anhaltspunkt, ob mir ein spiel zusagt oder nicht.
    mir sind ausführlich geschriebene tests mit plausiblen begründungen warum etwas gut oder nicht so gut ist viel lieber als eine zahl. so kann ich für mich entscheiden in wie weit diese kritikpunkte auf mich zutreffen oder nicht, unabhängig davon wie sehr die kritikpunkte sich aus sicht des testers im ergebnis in form einer kleineren zahl wiederspiegeln.
    dem tester eine ungerechte bewertung vorzuwerfen, nur weil andere besser bewerten, finde ich unangebracht. schließlich hat er seine entscheidung ausreichend begründet.
  • Splatterwolf Meister des Turms - 18.04.2019 - 12:38

    Also ich entscheide bei Spielen nicht danach, wie sie bewertet werden. Ich kaufe Spiele, die meinem Geschmack entsprechen. Wenn ich daran Zweifel habe, dann schaue ich mir vorher Berichte dazu an, auch mal Tests, wo bspw. die Technik beschrieben wird.

    Ich wollte mir bspw. My Time at Portia direkt zu Release holen, habe dann aber in diversen Berichten/Tests gelesen, dass es unsauber portiert wurde und technische Mängel hat. Diese Befürchtung hatte ich vorher auch, deswegen habe ich es nicht gekauft.

    Wäre das Spiel überall mies bewertet worden und hätte die Technik trotzdem gestimmt, dann hätte ich es auch gekauft, weil das Game genau meinem Geschmack entspricht.

    Denke, man sollte sich ein wenig von den Wertungen langsam lösen. Heute hat man so viele Möglichkeiten, sich über Spiele zu informieren, die einen interessieren, dass man sich selber mal ein bisschen vertrauen sollte. :D

    In diesem Test lese ich bspw. auch nichts von technischen Mängeln (mal abgesehen von diesem Tagebuch-Ding), daher landet es auf der Wunschliste, weil das Game für mich interessant genug aussieht. Zwar kein Day-One Kauf, aber mal so ein Ding, was man beim Sale mitnimmt.
  • Kimiko Miau! - 19.04.2019 - 14:16

    @Loco4
    Hinter metacritics stecken ja ausführlich geschriebene Tests, die kannst du ja nachlesen und genau deren Punkte mal mit denen von hier vergleichen.

    Ich stell auch niemanden einfach so ohne Grund an den Pranger, aber ich hab jetzt einige Tests schon gelesen und die von speziell diesem tester sind extrem auffällig und passt leider gar nichts in den styl von ntower. Jeder andere tester hier auf ntower hätte niemals so eine extrem schlechte kritik geschrieben.