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Test zu The Princess Guide - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: The Princess Guide
  • USA USA: The Princess Guide
  • Japan Japan: Anata no Shikihime Kyouikutan
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
29.03.2019
Vertrieb
NIS America
Entwickler
Nippon Ichi Software
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Königlicher Mentor

Von David Pettau () The Princess Guide ist ein schräges Spiel. Nun gut – eigentlich keine allzu große Überraschung. Als Nippon Ichi Softwares geistiger Nachfolger zu Penny-Punching Princess, das ebenfalls bereits ziemlich schräg war, erwartet man von The Princess Guide wohl auch nichts anderes. Doch bezieht sich der Schrägheitsgrad, um den es hier nun gehen sollen, nicht unbedingt auf das gewohnt abgedrehte Spielpaket, das Nippon Ichi Software auch mit diesem Action-Brawler-/Rollenspiel-Mix einmal mehr abliefert. Nein, es ist schräg, was aus dem grundsoliden Fundament von Penny-Punching Princess gemacht wurde. Und so stellt The Princess Guide im direkten Vergleich, trotz einiger unbestreitbaren, direkten Verbesserungen, das deutlich belanglosere Spielerlebnis dar.

Eure Einheiten folgen euch auf Schritt und Tritt.

Beginnen wir jedoch von vorn: The Princess Guide versteht sich in erster Linie als Action-Titel, der mit einigen RPG-Elementen versehen wurde. Den Großteil der Spielzeit verbringt ihr damit, in Top-Down-Perspektive durch lineare aufgebaute Areale zu rennen und diese von einer großen Auswahl an verschiedenen Gegnertypen zu säubern. Dabei kommt ein komplex anmutendes Kampfsystem zum Einsatz, das euch mit seiner scheinbaren Masse an Möglichkeiten speziell während des Tutorials zu Spielbeginn komplett überfordern dürfte, heruntergebrochen allerdings aus einer überschaubaren Anzahl an simplen Mechaniken besteht. Spieltiefe und Abwechslung werden vor allem durch die Auswahl verschiedener Waffentypen erzielt, die an verschiedene Charaktere gebunden sind, mit denen ihr jeweils gänzlich andere Angriffe vom Stapel lassen könnt.

Doch seid ihr in den verschiedenen Kampfszenarien nicht alleine unterwegs: Stets folgt euch eine kleine Soldatentruppe, bestehend aus drei Squads, die wiederum meist aus je zwei Einheiten bestehen, auf Schritt und Tritt. Je nach Charakter habt ihr unterschiedliche Squads zur Auswahl, die euch in den Kampf folgen können. Diese könnt ihr frei miteinander kombinieren, sodass ihr verschiedene Waffengattungen, von denen es insgesamt vier gibt, in eurer Soldatentruppe vereinen könnt. Abgesehen vom reinen Angriffsverhalten, das sich von Einheit zu Einheit unterscheidet, weisen die verschiedenen Waffenkategorien Rollenspiel-typisch unterschiedliche Stärken und Schwächen gegenüber jeweils anderen Waffentypen auf.

Hier bringt ihr eurer Prinzessin neue Fähigkeiten bei.

Aber ja – ihr fragt euch sicherlich schon brennend: Warum hören eigentlich Soldaten auf euer Kommando? Das namensgebende Spielelement von The Princess Guide seid ihr selbst: Mit eurem eigens erstellten Avatar schlüpft ihr in die Rolle eines Mentors, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, vier verschiedene Prinzessinnen auszubilden, die allesamt von einem gänzlich eigenen Schlag sind. Die meisten Missionen werdet ihr zwar in der Rolle einer der vier verschiedenen Prinzessinnen bestreiten, doch stellt eure Mentor-Rolle zu jedem Zeitpunkt einen wichtigen Spielbestandteil dar – so zumindest die Idee. Während des Gameplays habt ihr pro Mission eine limitierte Anzahl an Möglichkeiten, die entsprechende Prinzessin zu loben oder zu tadeln, wenn sie etwas gut oder schlecht gemacht hat – jedenfalls eurer Meinung nach, versteht sich. Auch in Gesprächen zwischen den einzelnen Missionen kommt es immer wieder zur Entscheidung, ob ihr die jeweilige Prinzessin loben oder mit ihr schimpfen wollt, was daraufhin den unmittelbaren Verlauf des Gesprächs beeinflusst. Leider klingt dies auf dem Papier nur weit origineller, als es schlussendlich der Fall ist. Im Spielgeschehen erhaltet ihr für angebrachtes Lob bzw. Schimpfe lediglich einen zufälligen Status-Bonus, während Gespräche von eurer Entscheidung kaum beeinflusst werden. Zur allgemein abgedrehten Präsentation und Geschichte trägt dies allerdings seinen Teil bei – eine aufwendige Inszenierung erwartet euch in The Princess Guide zwar nicht, doch hinterlassen die japanisch eingesprochenen Dialoge dank abgedrehter Animationen der verschiedenen Charakter-Artworks einen stimmigen Eindruck.

Im eigentlichen Spielgeschehen springt Kennern von Penny-Punching Princess zu jedem Zeitpunkt ins Auge, dass The Princess Guide offensichtlich auf dem Fundament dieses geistigen Vorgängers aufbaut. In einigen Details präsentiert sich der neue Titel rund um die kampfwütigen Prinzessinnen im Vergleich mit dem Vorgänger sogar unbestreitbar als das bessere Spiel – beispielsweise werden nun sämtliche Charakter-Sprites hochauflösend dargestellt und fügen sich besser ins Spielgeschehen ein. Das Absurdum ist, dass einige Spielelemente, die in Penny-Punching Princess Teil eines Systems von ineinandergreifenden Mechaniken waren, stumpf übernommen wurden und nun im spielerischen Kontext von The Princess Guide weit weniger sinnvoll genutzt werden.

Eure Einheiten greifen in der normalen Formation nur dann an, wenn ihr es ihnen befehlt.

So stoßt ihr in den verschiedenen Missionen beispielsweise erneut auf zahlreiche Fallen und Apparaturen – allesamt direkt aus dem Vorgänger übernommen. Während Geld als Ressource in Penny-Punching Princess eine große Rolle gespielt hat und ihr die Möglichkeit hattet, derartige Fallen gegen eine entsprechende Summe, je nach Stärke des entsprechenden Objekts, zu erwerben um sie für euch selbst nutzen zu können, könnt ihr sämtliche Fallen in The Princess Guide nahezu risiko- und gänzlich ressourcenfrei für euch beanspruchen, indem ihr eure Soldatentruppe per Knopfdruck dort hinschickt – die Stärke der entsprechenden Gerätschaft spielt dabei keinerlei Rolle. Während ihr in Penny-Punching Princess daraufhin eine separierte Taste hattet, mit der ihr diese Falle in limitierter Anzahl auslösen konntet, kommt in The Princess Guide hierfür lediglich eine kontextsensitive Taste zum Einsatz, was nicht allzu gut funktioniert. Im normalen Spielgeschehen erfüllt diese Taste den Zweck eines synchronisierten Angriffs all eurer Soldaten, in der nähe einer beanspruchten Falle könnt ihr allerdings lediglich diese Falle auslösen. So müsst ihr auf eine der beiden Aktionen, die eigentlich beide zentraler Spielbestandteil sein sollten, stets verzichten, oder aber viel wahrscheinlicher: Der Tastendruck bewirkt oftmals nicht das, was ihr eigentlich im Sinn hattet. Überspitzt formuliert fühlt sich The Princess Guide oft so an, als würde man ein von Fans kreiertes Spiel spielen, welches das Grundgerüst von Penny-Punching Princess zweckentfremdet. Besonders auffällig, wenn auch weniger ausschlaggebend fürs Gameplay selbst, ist dies beim wichtigsten Spielelement von Penny-Punching Princess – dem Geld. Obwohl dieses in The Princess Guide nur eine kleine Nebenrolle einnimmt, wird es im Spielgeschehen selbst immer noch auf genau dieselbe, überdrehte Art und Weise in Szene gesetzt. Ein Detail, das einfach nur übernommen wurde, ohne, dass es im neuen Kontext wirklich viel Sinn ergibt.

Natürlich wird The Princess Guide dadurch noch lange nicht zu einem schlechten Spiel. Zwar hat man es hier nicht mit einem coolen System aus stets ineinandergreifenden Mechaniken zu tun, doch können die teils auch äußerst anspruchsvollen Kämpfe in der Rolle der verschiedenen Prinzessinnen trotzdem unterhalten. Nun, zumindest die regulären Kämpfe. In ihrer Anzahl, im Vergleich zum Vorgänger, deutlich heruntergeschraubt, erwarten euch auch einige Bosskämpfe, die allerdings wenig Anklang finden dürften und dem spielerischen Konzept des Titels ein wenig im Weg stehen. Um deren Angriffen ausweichen zu können, muss man sich teilweise so weit von ihnen entfernen, dass sie nicht einmal mehr auf dem Bildschirm zu sehen sind – und je nach Waffentyp verkommen die wenigen Bosse so gerne einmal zu einer kleinen Geduldsprobe.

Zu gegebenen geschichtlichen Anlässen bekommt ihr hübsche Stillframes zu sehen.

Zuletzt einige Worte zu den Arealen, in denen ihr euch bewegt: Wie bereits in Penny-Punching Princess fallen diese alles andere als detailverliebt aus und wirken stellenweise wie zufällig generiert. Als nervtötend kann man, vor allem während der ersten Spielminuten, solange man sich noch nicht daran gewöhnt hat, einen neuen Grafikeffekt wahrnehmen, der den Bildschirm zu jedem Moment ziert: Der untere und obere Bildschirmrand wird stets etwas verschwommen und eingefärbt dargestellt, was es teilweise schwierig macht, die Übersicht zu behalten. Verstärkt wird dies dann, wenn eure Gesundheitspunkte ein kritisches Limit erreichen. Sicherlich wirkt The Princess Guide mithilfe dieses Stilmittels grafisch ein wenig außergewöhnlicher als der Vorgänger, doch wird sich dies durch eine kleine Beeinträchtigung des Gameplays erkauft, die eigentlich nicht nötig wäre.

Redaktionswertung

5

Für Genre-Fans

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Unser Fazit zu The Princess Guide

Meinung von David Pettau
Ich denke es dürfte relativ klar sein, woher der Wind weht: Penny-Punching Princess entpuppte sich seinerzeit für mich als kleiner Überraschungshit und stellt einen echten Geheimtipp dar, und so war ich auf The Princess Guide natürlich auch sehr gespannt. Speziell die grundlegende Prämisse des Spiels, als Mentor für vier verschiedene Prinzessinnen zu fungieren, klang dabei ziemlich originell und ist schlussendlich auch ziemlich witzig umgesetzt, wenn auch nur auf Seiten der Präsentation. Spielerisch geht man hier allerdings sehr seltsame Wege – weder baut man direkt auf Penny-Punching Princess auf, noch versucht man etwas Neues, während man sich von den alten Spielelementen komplett löst. Das Resultat ist ein schräger Mischmasch. Die neuen Spielelemente hätten durchaus Potenzial, werden allerdings von den verbleibenden Überresten von Penny-Punching Princess, die inspirationslos mit verwurschtelt wurden, zurückgehalten. Spaß kann man mit The Princess Guide natürlich dennoch haben – aber von einem Überraschungshit und/oder einem Geheimtipp kann hier leider keine Rede sein. Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass The Princess Guide ohne deutsche Übersetzung daherkommt – Englisch- (oder Japanisch-)Kenntnisse sind also unbedingt vonnöten.
Mein persönliches Highlight: Die Gespräche zwischen den einzelnen Prinzessinnen, die wirklich skurrile Charakterzüge aufweisen und einem fast schon ans Herz wachsen.

Kommentare 4

  • Marq Anime-Spiele ohne Chibis! - 16.05.2019 - 13:47

    Ach, es ist schade. Die Präsentation ist super, mir gefällt die Grafik und die Prinzessinnen scheinen alle ihre Eigenheiten zu haben - also genau das, was eine unterhaltsame Geschichte ausmacht. Wie kann es sein, dass man bei so guten Voraussetzungen das Gameplay so schlecht umsetzt? Kann ich nicht nachvollziehen...
  • Marz Turmknappe - 16.05.2019 - 15:18

    Ich konnte Penny Punching Princess nicht ausstehen. Vielleicht funktioniert hier ja umgekehrte Logik und ich finde Princess Guide toll. ?(
  • Njubisuru Turmbaron - 16.05.2019 - 18:36

    Zitat von Marq:

    Ach, es ist schade. Die Präsentation ist super, mir gefällt die Grafik und die Prinzessinnen scheinen alle ihre Eigenheiten zu haben - also genau das, was eine unterhaltsame Geschichte ausmacht. Wie kann es sein, dass man bei so guten Voraussetzungen das Gameplay so schlecht umsetzt? Kann ich nicht nachvollziehen...
    NIS ist eine spezielle Sorte von Publisher und unter Anime-Fans eigentlich ziemlich bekannt. Man sollte aber nicht den Fehler machen und die Entwicklerstudios, die unter NIS arbeiten, nicht mit denen wie bei EA oder Activision verwechseln. Man darf hier soweit gehen und behaupten, dass NIS Spiele großteils umgelabelte Indie-Games sind, die als AA(A) verkauft werden.

    Sicher hatte NIS so ihre Perlen (siehe das kürzlich erschienene "Blind Prince and the Liar Princess", sehr starkes Nischenspiel), oder aber auch ihre Debüte (Mugen Souls, Danganronpa, Disgaea). Aber großteils sind das einfach nur Indie-Entwickler, die meist aus nicht mehr als 4-5 Personen bestehen und sogar im lokalen Fan-Messen - von Fans, für Fans organisiert - vertreten sind.
  • Marz Turmknappe - 17.05.2019 - 11:56

    Zitat von Njubisuru:

    Man darf hier soweit gehen und behaupten, dass NIS Spiele großteils umgelabelte Indie-Games sind, die als AA(A) verkauft werden.
    Woot!? Wo behauptet denn auch nur irgendwer NIS würden AAA-Titel veröffentlichen? Schließt du das daraus das selbst kleinere Games bei NIS eine Retail oder gar Collectors Edition bekommen? ?(
    Du weißt schon was AAA bedeutet?

    Zitat von Njubisuru:

    Sicher hatte NIS so ihre Perlen (siehe das kürzlich erschienene "Blind Prince and the Liar Princess", sehr starkes Nischenspiel), oder aber auch ihre Debüte (Mugen Souls, Danganronpa, Disgaea). Aber großteils sind das einfach nur Indie-Entwickler, die meist aus nicht mehr als 4-5 Personen bestehen
    Und wo hast du das her? Ja NIS hat ein paar kleine Studios, die sich auch nur mit der Produktion von Visual Novels beschäftigen, aber FOG, Regista und wie sie alle heißen beschäftigen mit Sicherheit mehr als 4-5 Personen und der Markt für VNs ist in Asien nun mal riesig.

    NIS selber ist groß und hat einen beeindruckenden Output und die Entwickler für die sie nur publishen kannst du eigentlich auch nicht meinen. Gust, Grasshopper oder Falcom sind nicht EA aber auch keine Hinterhofklitschen.