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Test zu Shakedown: Hawaii - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Shakedown: Hawaii
  • USA USA: Shakedown: Hawaii
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
07.05.2019
Vertrieb
Vblank Entertainment
Entwickler
Vblank Entertainment
Genre
Action, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Könnt ihr eure Konkurrenz auf Hawaii ausstechen?

Von Max Kluge () Nach Retro City Rampage setzen Vblank Entertainment zum erneuten Schlag an. Mit Shakedown: Hawaii präsentiert das Studio ein Action-Adventure mit Ressourcen-Management-Elementen, welches nebenbei noch eine bittersüße Satire hinsichtlich des Kapitalismus und Unternehmertums darstellt. Aber fangen wir doch am besten ganz von vorne an. Worum geht es in dem Spiel überhaupt?

Wenn der CEO eine Ansprache hält, hat dies meistens mit einer kruden Geschäftsidee zu tun.

In Shakedown: Hawaii verkörpert ihr einen Geschäftsmann, dessen Firma Feeble International langsam aber stetig den Bach heruntergeht. Von diesem Zustand aufgerüttelt, macht sich der in die Jahre gekommene, aber dennoch rüstige Protagonist auf die Suche nach neuen Absatzmärkten und Tricks, mit denen seine Unternehmen mehr Profit einfahren können. Dass dies nicht immer mit rechten Dingen zugeht, muss man vermutlich nicht extra erwähnen.

Und so beginnt ihr damit, Autos zu klauen, neu zu lizenzieren und sie an die unwissende Kundschaft zu verkaufen, eure Konkurrenz mittels gewaltsamer Sabotage auszuschalten oder die Flaschen eurer eigenen Cola-Marke einfach nur halb zu füllen, aber den ursprünglichen Preis zu verlangen. Der CEO kommt dabei immer wieder auf neue, absurde Ideen, um seinen Mitstreitern Steine in den Weg zu legen oder dem Verbraucher auch noch den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Dabei zuzusehen macht nicht nur unheimlich viel Spaß, es spiegelt auch gut die absurden Machenschaften diverser realer Unternehmen wider und regt zum kritischen Nachdenken an.

Hinzu kommen allerhand schräge Charaktere, die diese ironische Grundatmosphäre noch unterstreichen. Manche davon verkörpert ihr sogar selbst: Zum Beispiel den Sohn des CEO, der nichts als Flausen im Kopf hat und lieber Videospiele spielt oder krumme Dinger dreht, anstatt arbeiten zu gehen. Oder einen mexikanischen Auftragskiller, der sich in eurem Dienst gegen das Drogenkartell stellt, um diverse Farmen und Saatgut für euch zu akquirieren. Hierin liegt eine große Stärke des Spiels: Die Figuren und die absurde, ironische Handlung, die erzählt wird.

Shakedown: Hawaii ist eine wunderbare Satire, die euch immer wieder ein zynisches Lächeln ins Gesicht zaubert

Das Gameplay des Titels weist jedoch leider einige Schwächen auf. Zunächst einmal sind die Missionsziele recht simpel. Ihr müsst selten Aufgaben erledigen, die euch wirklich herausfordern. Natürlich wird es gegen Ende hin schwieriger, aber alles in allem hätte man sich hier irgendwie kernigere und vor allem auch längere Missionen gewünscht. Es ist nämlich selten, dass eine Aufgabe euch länger beschäftigt als zwei Minuten. Danach kommen wieder einige Gespräche und ihr fahrt zum nächsten Zielpunkt.

Das macht den Spielfluss irgendwie sehr hektisch. Ihr fühlt euch so, als hättet ihr nur selten eine ruhige Minute, da ständig irgendwer auf eurem Telefon anruft oder eine Zwischensequenz startet. Zumal bietet sich rein vom Spielgefühl her nicht wirklich Abwechslung. Zwar sind die unterschiedlichen Aufgaben mit verschiedenen (und sogar ziemlich kreativen!) Ideen versehen, aber irgendwie fühlt es sich alles so an, als würdet ihr stets nur zum Zielpunkt gehen und ein paar Knöpfe drücken. Die Run & Gun-Passagen, die ihr ab und zu mit eurem CEO oder dem mexikanischen Auftragskiller absolvieren müsst, sind da definitiv die Highlights. Weitere und elaboriertere Varianten davon wären jedoch sehr wünschenswert gewesen.

Um exotische Früchte zu bekommen, müsst ihr euch gelegentlich mit dem Drogenkartell anlegen.

Hinzu kommt, dass es Gameplay-Elemente gibt, die sehr unübersichtlich gestaltet sind: In der Stadt könnt ihr verschiedene Häuser und Unternehmen per Kauf übernehmen und somit euer Einkommen steigern. Das Ganze wird auf einer Karte präsentiert, die voll ist mit Symbolen, durch die ihr euch zunächst einmal durchwühlen müsst. Habt ihr euch schließlich für eine Investitions-Kategorie entschieden und kauft diese, müsst ihr feststellen, dass das Wirtschaftssystem des Spiels eigentlich doch ziemlich flach ausfällt. Was ihr kauft, ist im Endeffekt ziemlich egal.

Das wird noch durch das Multiplikator-System unterstrichen. Ihr schaltet nach und nach sogenannte „Multiplyer“ frei, die das Einkommen eurer Unternehmen steigern. Diese sind interessant in die Story eingebunden und gehen stets mit einer neuen kruden Geschäftsidee des CEOs einher, wirken sich aber so gut wie nicht auf das Spielgeschehen aus: Ihr könnt auf jedes Unternehmen jeden Multiplyer draufklatschen, egal welche Branche oder was für Waren dort produziert werden. So kommt es dazu, dass ihr einfach nur möglichst viel Geld in eure Geschäfte reinbuttert, um noch mehr zu generieren. Bestimmte Multiplyer für bestimmte Unternehmen oder welche, die vielleicht sowohl positive als auch negative Eigenschaften haben, gibt es nicht.

Hinzu kommt, dass es manche Institutionen gibt, die euch erst nach einem Einschüchterungsversuch, auch „Shakedown“ genannt, zum Kauf angeboten werden. Diese Shakedowns fallen zunächst sehr witzig und facettenreich aus, nach einer gewissen Zeit habt ihr aber alle gesehen und sie wiederholen sich – wirken stellenweise sogar lästig. Denn: Auch, wenn ihr ein millionenschwerer CEO seid, müsst ihr manche Geschäfte schlicht und einfach erst einschüchtern, um sie zu übernehmen. Daran geht kein Weg vorbei, was durchaus lästig und repetitiv werden kann.

Das Gameplay des Titels spiegelt leider nicht die geniale Inszenierung wider

Auch die Polizei als Gegenspieler macht keine sonderlich gute Figur. Fahrt ihr in Gegenwart der Ordnungshüter ein paar Menschen über den Haufen, rammt ein Auto oder zerstört diverse Gegenstände, versuchen diese euch zu schnappen. Dies zu verhindern, ist allerdings nicht sonderlich schwer. Einen Polizisten mit den Fäusten kampfunfähig zu machen, dauert nur wenige Sekunden. Hinzu kommt, dass sofort von euch abgelassen wird, wenn ihr eine Mission startet – und diese sind meistens nur wenige Meter von euch entfernt. Das führt dazu, dass ihr die Polizei eigentlich gar nicht wirklich als Antagonisten, sondern einfach nur als leicht nerviges Gameplay-Element wahrnehmt.

Ein weiterer Aspekt, der sich ebenfalls negativ auf den Spielspaß auswirkt, resultiert aus den oben genannten Faktoren: Shakedown: Hawaii nimmt euch die ganze Zeit an der Hand und lässt euch nicht wirklich Freiheiten auf eurem Weg zum Reichtum. Immer, wenn es darum geht, ein neues Unternehmen für einen neuen Markt zu kaufen, wird euch präsentiert, um welches es sich handelt. Schließlich drückt ihr den A-Knopf und habt es gekauft – fertig. Dadurch fühlt sich das Unternehmen des CEOs auch nicht wie „euer Unternehmen“ an, sondern wie das, was von der Handlung vorgesehen ist. Mehr Freiheiten wären hier wirklich klasse gewesen.

Die Shakedowns sind eine interessante Idee, treten aber zu häufig auf. Hier müsst ihr dem Ladenbesitzer zum Beispiel die Haare ruinieren.

Abgesehen davon präsentiert sich das Spiel lupenrein. Die Pixeloptik – und besonders die Animationen der Charaktere und Gegenstände – ist sehr detailreich, stilsicher und liebevoll erschaffen worden. Es macht unheimlich viel Spaß zu sehen, wie Autos explodieren, Bäume fallen oder Marktstände auseinanderbersten, wenn euch die Zerstörungswut packt. Auch der Soundtrack passt mit seinen Synthwave-Klängen wie die Faust aufs Auge. In dieser Hinsicht hätte der Titel vermutlich nicht viel besser machen können.

Noch eine Bemerkung zum Schluss, bevor es zum Fazit geht: Shakedown: Hawaii war vermutlich einer der schwierigsten Tests meiner Karriere auf ntower. Ich war seit dem ersten Trailer ziemlich gespannt auf den Titel. Als ich dann das erste Mal Hand daran anlegte, wurde ich zunächst erschlagen von den Informationen, die einem entgegengeworfen wurden und dachte, dass das Spiel unheimlich vielschichtig ist. Nach ein paar Stunden Gameplay weiß man aber, dass sämtliche Optionen sehr oberflächlich behandelt werden. Schließlich war ich enttäuscht und Frust machte sich breit.

Aufgrund der unheimlich gelungenen Präsentation und der tollen Satire an die Unternehmen dieser Welt habe ich weitergespielt und das auch definitiv nicht bereut. Deshalb kann ich die Idee und das Konzept, welches hinter dem Spiel steckt, nicht genug loben und wertschätzen. Das Gameplay an sich ist aber leider doch sehr rudimentär – fast schon langweilig – ausgefallen, was ich einfach nur unheimlich schade finde.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu Shakedown: Hawaii

Meinung von Max Kluge
Shakedown: Hawaii ist eine sehr gute Persiflage an derzeitige Machenschaften von Unternehmen und der Wirtschaft im Generellen. Nicht selten erkannte ich mich selbst im CEO von Feeble International, der mal wieder durch krude Preismodelle oder versteckte Haken im Kleingedruckten hinters Licht geführt wurde. Für den Fall, dass ihr genau dies von dem Spiel erwartet, kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen – ihr werdet sehr viel Spaß mit dem Titel haben. Sucht ihr aber nach einem Action-Spiel, welches eine tiefgründige Welt mit interessanten Mechanismen präsentiert, die sich auch noch in einem ausgeklügeltem Gameplay wiederfinden, dürftet ihr – so wie ich – von Vblank Entertainments neuem Spiel leider enttäuscht werden. Dafür ist das Wirtschaftssystem zu oberflächlich und die einzelnen Missionen fühlen sich zu abgehackt an.
Mein persönliches Highlight: Die äußerst gelungene Satire an Wirtschaft und Unternehmen

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