Roboter auf heikler Mission

Robot Squad Simulator spielt in einer Welt, welche voller Gefahren steckt. Für normal-sterbliche Menschen wäre es viel zu gefährlich, sich hinauszuwagen, also muss eine alternative Lösung her, um die Welt wieder zu einem sichereren und schöneren Ort zu machen. Das Equipment dazu ist bereits vorhanden: Ein Arsenal aus vier verstärkbaren, ferngesteuerten Robotern, welche an alle erdenklichen Umgebungen angepasst sind – egal ob Berge, Großstadt, Höhlen, im Wasser oder zu Luft. Jetzt muss nur noch ein Elite-Pilot her, welcher diese ferngesteuerten Roboter-Maschinen bedienen kann. Ihr schlüpft in die Rolle dieses Piloten und tragt die allerhöchste Verantwortung – es geht nämlich um Leben und Tod! Robot Squad Simulator, das von Bit Golem Games entwickelt sowie von Ultimate Games bzw. PlayWay vertrieben wurde, ist in insgesamt 22 Missionen unterteilt, welche es zu meistern gilt.


Story-Missionen sorgen für Abwechslung


In den Trainings-Missionen werden euch die vier Roboter-Fahrzeuge und die Bedienung der jeweiligen Roboter näher gebracht. So gibt es ein Fahrzeug mit einem großen Greifarm, ein kleines, wendiges Roboter-Auto für enge Passagen, eine Drohne sowie ein kleines Unterwasser-Roboter-Boot. Jeder dieser vier Roboter hat seine eigenen Vor- und Nachteile und kann mit besserer Ausrüstung wie beispielsweise einer Kamera, einer Lampe, einem Feuerlöscher oder Sensoren im Laufe des Spiels erweitert werden. Diese Upgrades lassen sich in eurer minimalistisch gestalteten Garage mit Geld erwerben, welches man für absolvierte Missionen verdient.


Die Hahnenfuß-Wiese ist eine der vielen, abwechslungsreichen Umgebungen. Hier unter den Blumen findet euch so schnell niemand!

In den Story-Missionen bekommt ihr zudem stets kleine Hintergrundgeschichten geliefert, welche die jeweiligen Aufgaben nochmals schön aufwerten. So erfahrt ihr beispielsweise, dass in einem Park von einem Terroristen Bomben versteckt wurden. Eure Aufgabe ist nun, den Sprengstoff so schnell wie möglich mit eurem ferngesteuerten Fahrzeug aufzuspüren und zu entschärfen. Zur gleichen Zeit werdet ihr dabei auch von der Luft aus von einem Scharfschützen anvisiert und müsst dementsprechend eine Möglichkeit finden, um möglichst nicht gesehen zu werden. In einer anderen Mission müsst ihr mit eurer Drohne einen abgestürzten Hubschrauber in einem verschneiten Gebirge aufspüren. Und in einer weiteren Mission habt ihr die Aufgabe, einen dunklen Stollen zu erkunden, Reparatur-Arbeiten vorzunehmen und mit Goldschätzen wieder an die Oberfläche zurückzukehren. Die Vielfalt der Missionen hat mich positiv überrascht und auch die abwechslungsreich gestalteten Umgebungen sorgen dafür, dass die Aufgaben nicht zu monoton ausfallen. Auch wenn die Grafik leider nicht sehr schön ist, so kann das Terrain, welches von Bergwerken, Fabriken, Eiswelten, Piratenschiffen, Unterwasserhöhlen bis hin zu Lagern von Terroristen reicht, dieses Defizit ein wenig ausgleichen. Es ist ersichtlich, dass sich die Entwickler in dieser Hinsicht einiges an Mühe gegeben haben und so war ich vor jeder neuen Mission darauf gespannt, was mich sogleich erwarten würde.


Die Steuerung macht selbst einfachste Aufgaben zur Qual


Ihr merkt, das Spiel hat eine interessante Grund-Handlung und fällt in ein Nischen-Sub-Genre, welches ich bis dato noch nicht kannte. Doch leider gibt es einen sehr großen Haken: Die Steuerung des Spiels ist schrecklich. Schon in den Tutorial-Missionen merkte ich, wie hakelig die Ausführung meiner Befehle vonstatten ging. Dieser Eindruck hat sich in den späteren Missionen mehr und mehr bestätigt und immer wieder gelangte ich in Situationen, die mich zum Verzweifeln brachten. Am Schlimmsten ist das Aufheben von Gegenständen – ihr müsst einen Greifarm mit einem einzigen Control-Stick im dreidimensionalen Raum bewegen, was oftmals in sehr unpräzisen Ausführungen resultiert. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass die Architekten eurer Fahrzeuge offensichtlich den Einbau einer Handbremse vergessen hatten und die Fahrzeuge somit an unebenen Bodenstellen ständig in Bewegung sind. Ein kleines Gold-Nugget vom Höhlenboden aufzuheben, war für mich die reinste Tortur und der Erfolg war mehr dem Glück als meinem Können geschuldet. Weiterhin habe ich an der Steuerung zu kritisieren, dass diese sich im Menü nicht nachschlagen lässt. Auch gibt es keine elektronische Bedienungsanleitung zum Spiel. Hier ist also ein gutes Gedächtnis gefragt, um nicht irgendwann mit der Steuerung der verschiedenen Fahrzeuge durcheinander zu geraten.


Mindestens genauso schlimm wie die Steuerung sind die vielen ungewollten Sackgassen im Spiel. Mal blieb mein Fahrzeug in Zug-Schienen stecken, sodass es kein Vor und Zurück mehr gab, mal blieb ich inmitten von Flaschen und Gegenständen auf einem Parkplatz stecken, ohne mich aus der Situation befreien zu können und dann klemmte auch noch mein Fahrzeug am Rand eines Gehsteiges fest. Es ist mir unbegreiflich, wieso die Entwickler ein Spiel veröffentlicht haben, bei welchem derart viele Situationen nur mit einem Neustart oder Laden des Checkpoints gelöst werden können.


Ein schlechter Port eines alten Spiels...


Das Spiel ist übrigens, anders als man vielleicht vermuten mag, kein neu entwickeltes Spiel, sondern ein Port des 2016 erschienenen Steam-Spiels “Robot Squad Simulator 2017“. Die Jahreszahl 2017 wurde in der Nintendo Switch-Version elegant versteckt, sodass wohl nicht der Eindruck entstehen soll, ein altes Spiel gekauft zu haben. Vergleicht man das originale Steam-Spiel mit der Nintendo Switch-Version, so werden jedoch die Mängel des Ports offensichtlich. Robot Squad Simulator auf der Nintendo Switch ist in fast jederlei Hinsicht nochmals ein Downgrade zur ohnehin nicht sehr überzeugenden PC-Version. Die Musik ist nicht so abwechslungsreich wie in der Originalversion, die Ladezeiten sind mit ca. 20 Sekunden beim Start jeder Mission enorm, die Grafik sieht auf der Nintendo-Konsole nicht sonderlich schön aus und zudem gibt es auf der Nintendo Switch, anders als am PC, keine deutschen Spieltexte. Die Screenshots auf der offiziellen Nintendo-Seite und im Nintendo eShop sind irreführend, denn diese stammen von der PC-Version und sehen auf der Nintendo Switch definitiv anders aus. Auch gibt es einige visuelle Bugs, welche in der Steam-Version nicht vorhanden sind. So gibt es auf der Nintendo Switch beispielsweise an mehreren Stellen rote Knöpfe, die in der Luft schweben, während sie eigentlich an Kästen befestigt sein sollten, was in der Steam-Version ersichtlich wird.


Ich staunte nicht schlecht, als ich plötzlich einen roten Knopf in der Luft vor mir schweben sah. Da fehlt doch definitiv etwas.

Eine letzte Sache gibt es noch zu kritisieren: Das Menü des Spiels gestaltet sich alles andere als optimal, die gelben und weißen Schriftfarben lassen sich nur schwer voneinander unterscheiden und können für Verwirrung beim Auswählen von Befehlen führen. Das Options-Menü besteht aus einem einzigen Unterpunkt: Ihr könnt hier lediglich das Verhältnis zwischen Musik und Sound einstellen, jegliche sonstigen Options-Möglichkeiten fehlen komplett. Dieser Eindruck zieht sich bis zu den Credits, die nicht besonders schön gestaltet sind. Der Text überschneidet sich teilweise, sodass nicht gelesen werden kann, von welchen Unternehmen das Spiel überhaupt entwickelt und vertrieben wurde.


All dies ist sehr schade, denn Robot Squad Simulator hat wirklich einige tolle Ideen, welche recht einzigartig sind. Allerdings fällt die Umsetzung dermaßen schlecht aus , dass ich das Spiel nur schwer irgendjemandem weiterempfehlen kann. Robot Squad Simulator ist zudem seit wenigen Tagen (Stand Juni 2019) plötzlich überraschend aus dem europäischen Nintendo eShop entfernt worden, die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Auch wann und ob das Spiel wieder erhältlich sein wird, scheint noch in den Sternen zu stehen. Auf Nachfrage bei Nintendo scheint es allerdings möglich, dass eine aktualisierte Version des Spiels vom Publisher bald wieder veröffentlicht werden wird.

Unser Fazit

3

Eher nicht überzeugend

Meinung von Felix Eder

Robot Squad Simulator offenbart zwar durchaus einiges an Potenzial, doch scheitert leider an grundlegenden Mechaniken und der mangelhaften Steuerung. Die abwechslungsreichen Missionen, die netten Funktionen der Roboter und die durchaus vielversprechende Handlung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass technische Mängel den Spielspaß streckenweise nahezu vollkommen erlischen lassen. Große Fans dieses Nischen-Sub-Genres könnten einen Blick auf das Spiel riskieren, allen anderen Lesern kann ich dieses Spiel nicht weiterempfehlen. Es bleibt zudem zu hoffen, dass die Entwickler bis zur möglichen Neuveröffentlichung im Nintendo eShop die größten Kritikpunkte ausbessern. Ansonsten wäre es mir lieber, das Spiel bleibt dem Nintendo eShop weiterhin fern, denn mein Spielerlebnis war trotz der interessanten Hintergrundgeschichte mehr Qual als Freude.
Mein persönliches Highlight: Die abwechslungsreichen Umgebungen waren eine der wenigen positiven Überraschungen

Die durchschnittliche Leserwertung

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