Nintendo Switch-Spieletest: Mainlining

Mainlining ist ein in jederlei Hinsicht außergewöhnliches Spiel. Anfang 2017 erschien das Cyber-Adventure für den PC und nun, etwas mehr als zwei Jahre später, hat das Spiel auch den Weg auf die Nintendo Switch gefunden. Das gesamte Abenteuer findet auf einem simulierten Computer statt, auf welchem ihr Zugriff auf die Hacking Software „Mainline“ habt, welche es euch via IP-Hacking ermöglicht, Kriminelle ausfindig zu machen und zu verhaften. Nur rund 100 Megabyte freien Speicherplatz und 15 Euro benötigt ihr, um das Hacking-Adventure von Rebelelephant Ltd. auf der Nintendo Switch spielen zu können.


Kaum startet ihr den Titel, bekommt ihr bereits eine Fehlermeldung und der Desktop stürzt ab. Ihr startet den Computer neu und findet euch in der Rolle eines Agenten des Geheimdienstes MI7 wieder. Den größten Teil des Spiels werdet ihr auf der Benutzeroberfläche von Oswalt, dem Protagonisten des Spiels, verbringen. Die Oberfläche fühlt sich wie ein Mix aus Windows 95 und Windows XP an und könnte ältere Spieler und Retro-Fans ins Schwärmen bringen. Realismus und Authentizität werden bei Mainlining großgeschrieben: Wie auf einem Computer des letzten Jahrtausends werdet ihr mühsam Netzwerkverbindungen einrichten, altmodische Chats benutzen und vorgegebene Programmbefehle eingeben können. Auch die Soundeffekte wurden im Stile vergangener Zeiten rekonstruiert. In späteren Phasen des Spiels dürft ihr zudem auch andere Benutzeroberflächen abseits des Windows-Universums bedienen.


Das Alter der jeweiligen Personen wirkt sehr willkürlich. Teilweise sehen Jugendliche in Mainlining wie Rentner aus und vice versa.

In Mainlining werdet ihr mit verschiedenen Fällen konfrontiert und müsst versuchen, Verbrecher, welche beispielsweise illegale Waren im Internet verkaufen, ausfindig zu machen. Nicht nur müsst ihr stets die Chatverläufe und E-Mails der anderen Personen im Blick haben, auch könnt ihr via Peilsender auf einer interaktiven Karte Verfolgungsjagden beobachten und koordinieren. Ohne zu viel zu verraten: Im Laufe des Spiels werdet ihr merken, dass viele der Fälle miteinander zusammenhängen und ein großes kriminelles Netzwerk hinter den verbrecherischen Tätigkeiten steckt. Über das Mail-System erhaltet ihr Zugriff auf wichtige Informationen und heruntergeladene Dokumente werden auf eurem Desktop gespeichert. Für die Verhaftung eines Verdächtigen benötigt ihr stets drei Dinge: Den Namen der Person, den Aufenthaltsort und ein entscheidendes Beweisstück, welches ihr im Laufe eurer Ermittlungen erlangen könnt. Insgesamt gibt es 500 Personen-Profile beziehungsweise potenzielle Verdächtige – dies mag zwar zunächst viel klingen, doch da der genaue Name des Verdächtigen meist ohnehin schnell herausgefunden wird, sind die anderen Personen-Profile ziemlich irrelevant. Personen können nach Belieben beschuldigt werden – falsche Anschuldigungen haben dabei kaum Auswirkungen, wodurch ein wenig Brisanz verloren geht. Auch wirken die Profile relativ lieblos gestaltet. So gibt es einen 20-jährigen Verdächtigen, der wie 60 aussieht, während ich eine 90-jährige Person auf maximal 30 geschätzt hätte. Generell sind die meisten Charaktere, sogar die Hauptcharaktere, ziemlich blass und die Persönlichkeiten kommen nur schwach zum Ausdruck.


Auch die Geschichte des Spiels ist leider etwas zäh und konnte mich nicht sehr fesseln. Die wirklichen Höhepunkte, an die man sich auch lange später noch erinnert, fehlen in diesem Spiel komplett. Es gibt zwar einiges zu lesen, doch so wirklich kann der Funke nicht überspringen. Die Musikuntermalung ist ebenfalls ziemlich schwach und im Großteil des Spiels kaum vorhanden. Zwar gibt es durchaus ab und zu ein wenig dramatischere Hintergrundbeschallung, beispielsweise wenn gerade spannende Informationen entdeckt werden, doch hätte ich mir mehr und abwechslungsreichere Musik gewünscht, um das zähe Gameplay ein wenig aufzulockern. Eine weitere negative Kritik ist der doch recht hohe Schwierigkeitsgrad. Schwierige Spiele sind zwar erst einmal nichts Schlechtes, doch wenn man mehrmals im Spiel stecken bleibt und es oft keinerlei Anhaltspunkte oder Hilfen gibt, so kann dies doch recht frustrierend sein. So ist der Titel definitiv nicht für Kinder gedacht, sondern für Leute, die sich wirklich für die Thematik interessieren. Und seid gewarnt: Bei der Spielstand-Auswahl gibt es ein rotes Symbol, welches euren Spielstand ohne Sicherheitsnetz permanent löscht. Sollte in der Hektik aus Versehen draufgeklickt werden, so hat dies fatale Folgen: Der Spielstand wird ohne Vorwarnung ausradiert und ist nicht mehr wiederherstellbar!


Das Spiel wirkt wie eine Simulation eines längst veralteten Windows-Betriebssystems. Das Tastatur-Fenster ist in zwei Hälften gesplittet und kann am Bildschirm frei verschoben werden – die Eingabe der Texte ist so nicht sehr intuitiv.

Der mit Abstand größte Kritikpunkt an Mainlining ist die schreckliche Steuerung. In diesem Spiel muss sehr viel Text eingeben werden und genau dies ist auf der Nintendo Switch ein wahrer Krampf. Sowohl das Auswählen der Buchstaben mit dem Pro-Controller oder den Joy-Cons am großen Fernseher als auch die Bedienung der virtuellen Tastatur im Handheld-Modus via Touchscreen ist eine mühsame Qual, die einen Großteil des Spielspaßes ruiniert. Was noch erschwerend hinzu kommt, ist die unverständliche Entscheidung, Texte nicht kopieren zu können. Könnten IP-Adressen, Telefonnummern oder Kommandos kopiert werden, so würde einiges an Zeit gespart werden, doch dies ist leider nicht möglich. Im Spiel gibt es zwar eine Notiz-Funktion, mit deren Hilfe wichtige Informationen aufgeschrieben werden können. Doch selbst diese Funktion hat mich sehr viele Nerven gekostet, denn nach jedem Spielstart sind alle Notizen wieder gelöscht, was ziemlich frustrierend ist. Generell empfehle ich nicht, einen noch nicht abgeschlossenen Fall zu unterbrechen, denn der Spielfortschritt wird nicht gespeichert und ein Neustart des gesamten Falls ist notwendig. Auch werden nach dem versehentlichen Schließen von Fenstern wie dem Internet-Browser oder der Mainline alle Informationen gelöscht und bei einem erneuten Öffnen muss mühsam wieder jeder Befehl und jede Adresse neu eingegeben werden. Eine automatische Speicherung von Webseiten im Browser wäre wirklich sehr hilfreich gewesen, um nicht stets erneut alles händisch eintippen zu müssen.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Felix Eder

Mainlining ist sicherlich kein Spiel für jedermann. Personen, die sich für Hacking, Cyber-Krimis oder generell Informatik und alte Betriebssysteme interessieren, könnte das Spiel jedoch durchaus gefallen. Die Präsentation und der einzigartige Grafikstil des Spiels sind positiv hervorzuheben. Das Hacking-Adventure bietet eine doch recht immersive Spielerfahrung, kann allerdings nur stellenweise unterhalten, da die Geschichte nicht sehr fesselnd ist. Auch könnten Anfänger große Probleme mit dem Spiel bekommen und leicht überfordert sein. Mainlining ist zwar lobenswerterweise auch auf Deutsch spielbar, leider schlichen sich jedoch einige Rechtschreibfehler in das Spiel. Die Steuerung ist ein großes Manko, welches eure Nerven stark strapazieren wird. So ist die Steam-Version am PC aufgrund der großen Menge an einzugebendem Text und dem passenderen Bildschirmformat der Nintendo Switch-Version leider klar vorzuziehen.
Mein persönliches Highlight: Der unverkennbare Grafikstil des Spiels hat beim Zocken im Bus so manch verwunderte Blicke auf meine Nintendo Switch gezogen.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5