Ein Vogel auf Identitätssuche

In Songbird Symphony schlüpft ihr in die Federn von Birb, einem kleinen Vogelkind, welches vom Tanz-fanatischen Pfau "Onkel Pea" aufgezogen wurde. Birb möchte später auch so schöne Federn wie Pea haben, doch merkt schnell, dass er möglicherweise einer anderen Vogelrasse angehört. Die anderen Pfaue in der Nachbarschaft lachen ihn aufgrund seines Aussehens aus und auch Pea ziert sich, ihm Details über seine Herkunft zu verraten. Auch wissen weder Birb noch die anderen Vögel, wo seine Eltern stecken und so macht sich der neugierige und scheinbar stets gut gelaunte Birb auf den Weg zur allwissenden Eule, um von ihr Rat einzuholen. Diese weiß zwar nicht, wo seine Eltern sind, doch zeigt dem jungen, singfreudigen Sprössling ein Artefakt, welches in der Lage sein soll, Wünsche zu erfüllen. Das Artefakt ist die letzte Hoffnung, die Eltern von Birb doch noch irgendwo aufzuspüren. Um das Artefakt aktivieren zu können, müssen jedoch neue Noten gelernt und gesungen werden: So nimmt sich Birb der Aufgabe an, diese Noten in der weiten Welt voller Musik aufzuspüren und zu erlernen. Birbs spannende Suche nach der eigenen Identität und seiner Familie kann beginnen und wird jede Menge Erlebnisse und Überraschungen mit sich bringen!


Ein musikalischer Mix aus Jump'n'Run, Rhythmus und Puzzle


Songbird Symphony bietet Gameplay für Fans der unterschiedlichsten Genres. Metroidvania-Fans dürfen sich auf eine große, zusammenhängende Welt freuen, die frei erkundet werden kann und voller Geheimnisse steckt. Zwar wäre eine Karte recht nett gewesen, doch solange aufmerksam auf die Anweisungen der Charaktere gehört wurde (welche zudem stets über das Hauptmenü nachlesbar sind), sollte sich jeder auf der großen Oberwelt zurechtfinden können. Es gibt auch einen zentralen Lift, welcher als Verbindungspunkt mehrerer Welten dient und ein schnelleres Erreichen von Punkt A nach Punkt B ermöglicht. Puzzle-Fans werden mit einigen Schieberätseln sowie kleineren Musikrätseln konfrontiert werden, welche allerdings allesamt eher simpel ausfallen und nur in seltenen Fällen schwer zu lösen sind.


Der kleine Birb stürzt sich ins große Abenteuer! © PQube Games

Das Herzstück des Spiels sind die Lieder, die Birb im Verlauf des Abenteuers lernt. Einerseits sind über die ganze Welt kleinere Melodien verstreut, welche gespielt werden müssen, um Mechanismen zu aktiveren. Andererseits gibt es – meist am Ende eines Levelabschnitts, aber mitunter auch mal zwischendurch – vollständige Lieder, welche präzises Rhythmus-Gefühl und das Drücken von Knöpfen der Joy-Con oder des Pro Controllers im richtigen Moment erfordern, um einen erfolgreichen Rang (S-Rang oder A-Rang) zu erlangen. Anfangs ist nur ein Ton spielbar und somit nur ein Knopf drückbar, doch dies ändert sich im Verlauf des Spiels rasch und ihr werdet immer mehr Noten erlernen, die in die späteren Songs integriert werden. Auch zieht der Schwierigkeitsgrad bei den späteren Liedern stark an und könnte auch erfahrenere Spieler sehr fordern. Ein Scheitern ist jedoch nicht möglich und auch bei schlechterem Abschneiden gibt es einen automatischen Spielfortschritt, was besonders für Anfänger eine angenehme Nachricht sein dürfte. Die Lieder sind stets im Kanon-Format gehalten: Euch wird eine Melodie vorgespielt und diese müsst ihr kurz darauf nachspielen. Die Visualisierung der Eingaben unterscheidet sich von Lied zu Lied, was für viel Abwechslung sorgt. Bei späteren Songs ist es übrigens möglich, sich die Joy-Con zu teilen, um Lieder zu zweit zu spielen. Dies vereinfacht nicht nur die Aufgabe, da jeder nur auf halb so viele Knöpfe achten muss, sondern kann auch verdammt viel Spaß machen.


Birb ist beim Tanzen und Singen in seinem Element. © PQube Games

Die Musikuntermalung im Spiel ist sehr stimmig und wunderbar gelungen. Zwar dürfen keine orchestralen Symphonie-Klänge erwartet werden, doch dies wird durch die Tatsache wettgemacht, dass sich die Melodien abhängig vom Spielfortschritt im jeweiligen Gebiet ändern. Oft werdet ihr beim Betreten eines neuen Gebietes lediglich eine einzelne Melodie hören, welche jedoch durch das Lösen von Rätseln und damit verbundene Sammeln von Noten durch Begleitmelodien erweitert wird, bis schließlich am Ende eine tolle Hintergrundmusik entsteht – ein ähnliches Konzept wurde auch bereits bei anderen Spiele wie z.B. The Legend of Zelda: Breath of the Wild angewandt. Die herausfordernden Rhythmus-Lieder, welche oftmals in Form eines inszenierten Bosskampfes zu meistern sind, versprühen ebenfalls stets einen gewissen Charme und bleiben auch im Nachhinein gerne im Ohr. Jedes Lied wird zudem mit einem eigenen Text begleitet, welcher zwischen den Rhythmus-Passagen erscheint und die Geschichte wie in einem Musical weitererzählt. Leider wurde jedoch kein Gesang vertont, andererseits ermöglicht dies euch, im Karaoke-Stil selbst mitzusingen. Stellenweise funktioniert dies ganz gut und macht auch sehr Spaß, an anderen Stellen wiederum lässt sich der Text nicht ganz auf die jeweiligen Melodien übertragen oder läuft einfach zu schnell über den Bildschirm, sodass ein Mitsingen erschwert wird.


Technisch nicht alles ganz sauber


Zu kritisieren sind technische Aspekte des Spiels. Die Bildrate schwankt stellenweise und gelegentliche Ruckler sind zwar nicht sehr häufig, aber leider auch keine Ausnahme. Besonders in den Anfangslevels im Wald und Palast sind Ruckler merklich spürbar und könnten das Spielerlebnis ein wenig negativ beeinflussen.


Die gelegentlichen Rätsel müsst ihr lösen, um mehr Noten zu sammeln oder Missionen zu erfüllen. © PQube Games

Auch bin ich während meines Unterfangens, 100% Spielfortschritt zu erreichen, zwei Mal in eine Sackgasse geraten, aus welcher ich mich nicht mehr befreien konnte, wodurch ein erneutes Laden des Speicherstandes notwendig war. Dies ist zwar ein berechtigter Kritikpunkt, betrifft jedoch möglicherweise nur die wenigsten Spieler und sollte im Normalfall nicht passieren. Speicherpunkte sind übrigens in Form von Vogel-Statuen auf der ganzen Welt verteilt, aber aufgrund der Tatsache, dass ein Scheitern nicht möglich ist, nicht sehr wichtig. Auch ein Sturz in die Lava macht Birb nichts aus – dieser kleiner Knirps scheint tatsächlich unbezwingbar zu sein. Etwas eigenartig ist die Design-Entscheidung, dass Texte nicht nur mit Hilfe der Bestätigungstaste, sondern mit jeglicher Taste (auch bei Berührung des Control-Sticks) sofort weitergespult werden. Dies kann dazu führen, dass Texte aus Versehen übersprungen werden und nicht mehr nachlesbar sind. Nach einiger Zeit kann man sich jedoch daran gewöhnen. Außerdem ist in der Hinsicht zusätzlich zu kritisieren, dass die Textblasen unter Umständen – in seltenen Fällen – nicht vollständig lesbar sind oder automatisch zu kurz aufploppen. Auch sind in der deutschen Version des Spiels vereinzelt Rechtschreibfehler oder unsaubere Worttrennungen bemerkbar. Lobenswert ist, dass das Spiel sowohl auf Deutsch, Englisch, Franzözisch, Spanisch, Russisch als auch auf Chinesisch verfügbar ist und ein Wechseln der Sprachen direkt im Hauptmenü ohne jegliche Ladezeiten leicht möglich ist. Auch sehr angenehm ist die Option, das Verhältnis zwischen Sound und Musik einzustellen, sowie das ziemlich langsame Auto-Scrolling der Texte komplett zu deaktivieren, sodass ein schnelleres Lesen möglich ist.


Eine märchenhafte Geschichte mit jeder Menge Humor und Emotion


Das Spiel ist im Retro-Look gehalten und sieht optisch durchwegs passend aus. Die Level, welche von Waldabschnitten bis hin zu Casino-Meilen reichen, sind sehr abwechslungsreich gestaltet und wurden gut in eine zusammenhängende Welt eingebaut. Sehr schön sind die Animationen der Charaktere, in welche viel Detailarbeit gesteckt wurde. Besonders hervorzuheben sind hierbei die zuckersüßen Animationen des Hauptprotagonisten Birb, welche euch das ganze Abenteuer lang begleiten werden.


Charaktere der unterschiedlichsten Art warten darauf, von euch entdeckt zu werden! © PQube Games

Die Geschichte, welche die ein oder andere Wendung zu bieten hat, ist definitiv eine der großen Stärken des Spiels. Zwar ist Birbs primäres Ziel die Suche nach seinen Eltern, doch auf eurem Abenteuer werdet ihr jede Menge unterschiedlicher Vögel kennenlernen, die jeweils eigene Persönlichkeiten und teilweise eigene Hintergrundgeschichten haben. Recht rasch werdet ihr Egbert, welcher noch in seinem Ei gefangen ist, kennenlernen. Egberts Identität ist zwar zunächst ebenfalls unbekannt, doch auch ohne die jeweils eigene Identität zu kennen, verstehen sich die beiden Jungvögel prächtig. Egbert wird euer treuer Begleiter im Spiel sein, kann euch trotz seiner eingeschränkten Mobilität überallhin mitfolgen und bei Rätseln tatkräftig zur Seite stehen. In den Welten sind zudem einige Federn verstreut, welche ihr finden könnt und den jeweiligen Besitzern zeigen müsst, um einen Eintrag im Vogelbuch zu erhalten. Im Laufe des Spiels werden durchaus auch ernstere Themen wie beispielsweise Mobbing, Rassismus, Liebe und Trauer angesprochen. Ein mutiger Schritt der Entwickler, der jedoch wirklich gut umgesetzt wurde und nichts am Charme und Humor des Spiels ändert. Kinder können Songbird Symphony bedenkenlos spielen und könnten vielleicht sogar die ein oder andere kleine Lektion für das echte Leben lernen. Das Spiel wirkt wie ein interaktives Märchen, welches besonders in der zweiten Hälfte des Spiels so richtig an Fahrt aufnimmt. Ob Birb jemals seine Eltern finden wird?


Songbird Symphony ist bereits jetzt im Nintendo eShop auf der Nintendo Switch für 14,99€ erhältlich und erfordert ungefähr 1,5 Gigabyte an Speicherplatz. Eine Retail-Version des von Joysteak Studios entwickelten Spiels wird am 20. September 2019 in Europa erscheinen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Eder

Songbird Symphony ist mehr als nur ein einfaches Rhythmus-Spiel. Einmal in die Geschichte eingetaucht wird euch das Abenteuer nicht mehr loslassen und kann dank des abwechslungsreichen Gameplays und der wunderschön inszenierten Handlung bis zum Schluss sehr gut unterhalten. Umso bedauerlicher ist die nicht ganz saubere technische Umsetzung – besonders gelegentliche Ruckler sind leider eine lästige Begleiterscheinung, welche unbedingt durch einen Patch beseitigt werden sollten. Ansonsten macht dieses einsteigerfreundliche Spiel sehr viel richtig, sei es die niedliche Präsentation, die schöne Musikuntermalung, die Verfügbarkeit in deutscher Sprache oder die netten Puzzles, die auf der Welt verstreut sind. Ungefähr fünf Stunden werdet ihr für einen einfachen Durchlauf von Songbird Symphony benötigen, doch ein gewisser Wiederspielwert ist dank einiger Sammelobjekte und der Möglichkeit, Lieder zu wiederholen und auf S-Rang zu schaffen, gegeben. Eine besondere Kaufempfehlung möchte ich für Kinder und Familien aussprechen, denn dieser interaktive Mix aus Märchen, Musical und Videospiel versprüht eine gewisse Magie, die nur wenige Videospiele in diesem Genre aufweisen können.
Mein persönliches Highlight: Die überraschend schöne Geschichte und die liebevoll gestalteten Charaktere

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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