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Test zu River City Girls - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: River City Girls
  • USA USA: River City Girls
  • Japan Japan: Nekketsu Kouha Kunio-kun: River City Girls
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
05.09.2019
Vertrieb
WayForward
Entwickler
Arc System Works
Genre
Action, 2D
Spieleranzahl
Lokal: 2 - Online: 0
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Selbst sind die Frauen

Von Johannes Bausch () River City Girls ist der neueste Ableger der River City bzw. Kunio-kun-Reihe, die in ihrer über 30-jährigen Geschichte bereits unzählige Titel zu verzeichnen hat. Die bisherigen Protagonistinnen Kunio und Riki stellen diesmal aber nicht die spielbaren Figuren dar, sondern ihre beiden Freundinnen Kyoko und Misako übernehmen das Ruder und zeigen, aus welchem Holz das weibliche Geschlecht geschnitzt ist. Die beiden sitzen, wie bei anständigen Mädchen so üblich, gerade beim Nachsitzen, als sie plötzlich die Nachricht erhalten, dass ihre Freunde entführt wurden. Das lassen sich die beiden aber überhaupt nicht gefallen und machen sich bereit, ihre Schmusebären zu befreien. Auf ihrer Rettungsmission machen sie vor nichts und niemandem Halt und mischen River City dabei so richtig auf.

Eine Stadt, in der man gut und gerne leben möchte

Bevor das Spiel beginnt, dürft ihr im Startmenü zwischen dem normalen sowie harten Schwierigkeitsgrad wählen und – falls ihr alleine zockt – euch für eine der beiden herzallerliebsten Oberschülerinnen entscheiden. Außerdem stellt ihr noch die gewünschte Textsprache ein; deutsche Texte sind löblicherweise vorhanden, wobei in zwei, drei Storysequenzen dennoch der Text auf Englisch ist. Jede Figur besitzt zudem eine englische Sprachausgabe, die perfekt für die einzelnen Charaktere gewählt wurden.

Misuzu weiß es zwar noch nicht, aber sie bekommt gleich eine gehörige Tracht Prügel. © WayForward

Zurück im Klassenzimmer fordert der Rektor via Durchsage die Schüler der Schule dazu auf, sich um die beiden Mädchen zu kümmern. In Seitenansicht kämpft ihr euch in einer frei begehbaren Welt durch insgesamt sechs Areale von River City. Das Kampfsystem ist ähnlich wie bei Double Dragon, überall tauchen Feinde auf, die ihr windelweich kloppt. Neben schnellen, leichten Angriffen gibt es noch schwere Attacken, die die Gegner ausknocken. Sobald genügend Gegner verdroschen wurden, steigt das Level des Charakters, was neben Wertsteigerungen wie Angriffskraft und Gesundheit auch manchmal neue Moves mit sich bringt. Je höher das Level, desto mehr Kampfmanöver lassen sich in einem Dojo für Bares erwerben. Insgesamt gibt es eine breite Palette an Fähigkeiten, um euren Feinden eine kostenlose Operation zur Gesichtsverschönerung zu servieren, dabei haben beide Kampffurien jeweils eigene Moves sowie Animationen. Um aus brenzligen Situationen zu flüchten, kann auf Knopfdruck zudem in die Luft gehüpft, alternativ können feindliche Angriffe auch geblockt werden. Wird das Blocken perfekt ausgeführt, öffnet sich ein Fenster für einen faustdicken Konter.

Überall in der Spielwelt lassen sich Objekte finden, die für Angriffe missbraucht werden können. Neben klassischen Baseballschlägern und Eisenrohren könnt ihr eure Widersacher auch mit Mülltonnen oder Jo-Jos verdreschen; nach ausgiebigem Gebrauch gehen diese allerdings zu Bruch. Ab und zu wird der Bildschirm mit einem Schloss gesperrt, weshalb ihr in diesen Fällen jeden einzelnen prügeltrachtenden Feind besiegen müsst, bevor die Schlägertour weitergeht. Während euch in der Schule hauptsächlich Schüler entgegentreten, wollen euch in den späteren Arealen von River City andere zwielichtige Gestalten an die Wäsche. Neben Straßenrüpeln, Wrestlern, Dominas und Punks stellen sich sogar Polizisten in den Weg, um die Rettungsaktion der heroischen Mädchen aufzuhalten. Manchmal flehen besiegte Gegner um Gnade. Ihr habt dann die Möglichkeit, deren Reue anzuerkennen und den Feind als euren Kumpel zu rekrutieren. Auf Knopfdruck erscheint der neu gewonnene Kumpan, setzt eine Attacke ein und verschwindet auch schon wieder. Nach einer kurzen Kurierzeit kann dieser erneut gerufen werden, sofern er nicht von Feinden bereits in die Mangel genommen wurde.

Dieser Bosskampf erinnert stark an die Guitar Hero-Reihe. © WayForward

In jedem Areal wartet zudem ein Bossgegner, der mit einer kurzen, meist witzigen Unterhaltung eingeführt wird. Während die ersten beiden Bosse noch relativ leicht zu bezwingen sind, hatte ich vor allem beim dritten Boss auf dem normalen Schwierigkeitsgrad bereits einige Probleme, mitunter wurde dieser Kampf sogar sehr frustrierend, wenn ich kurz vor dem Sieg war, aber dann noch dummerweise getroffen wurde und somit den kompletten Kampf erneut bestreiten musste. Etwas störend empfand ich auch, dass in den späteren Arealen die normalen Gegner recht viel aushalten, so zeigt ihr zuerst ein paar ansehnliche Combos, um den Feind mit einem saftigen Roundhousekick mehrere Meter weit zu pfeffern, allerdings stehen diese nach kurzer Zeit wieder auf. Dann wird alles wiederholt, sagenumwobene Combos, Gegner auf den Boden klatschen, warten bis er endlich wieder aufsteht und auf in die nächste Runde. Da ihr gleichzeitig immer mit mehreren Gegnern kämpft, zieht es sich recht lange, bis ein einzelner wirklich ausgeknockt ist. Darunter leidet das Gameplay sehr, die Kämpfe ziehen sich unnötig in die Länge und werden dadurch teils ätzend. Die Bosse sind aber sehr abwechslungsreich gestaltet, jeder benötigt eine andere Strategie und stumpfes lospreschen führt meist nicht zum Erfolg. Außerdem haben die Kämpfe kreative Mechaniken, so erinnert ein Bosskampf vom Design her an die Guitar Hero-Spiele.

Jedes Areal in River City ist bis auf wenige Ausnahmen frei begehbar, für ein paar Orte müsst ihr aber zuerst mit bestimmten Personen reden. Seid ihr in die nächsten Bereiche der Stadt vorgedrungen, könnt ihr jederzeit wieder mithilfe von Bushaltestellen in die vorigen Abschnitte zurückkehren. Nicht jeder Bewohner ist dem Heldinnenduo feindlich gesinnt, neben ein paar NPCs, die nichts tuend in der Gegend rumlungern, gibt es noch den ominösen Godai, der euch mit Nebenaufgaben versorgt. Die Sidequests lockern das Spiel etwas auf, wobei sie nicht sonderlich abwechslungsreich sind. Meist genügt es, ein bestimmtes Item aus einem Shop zu besorgen oder bestimmte Dinge zu zerstören. Nach Abschluss der Aufgaben winken einige Erfahrungspunkte sowie das nötige Kleingeld. Das verdiente Geld kann überall verteilt in Shops ausgegeben werden. Neben Lebensmittelshops gibt es noch Ausrüstungsshops sowie Dojos, um das hart Verdiente zu verprassen. Lebensmittel dienen zur Erholung der Gesundheit sowie Erhöhung der Ausdauer, um sich zügiger fortzubewegen, im Dojo werden weitere Kampftechniken erlernt. Anhand von Ausrüstungsgegenständen lassen sich spezielle Boni gewähren. So teilt ihr unter anderem höheren Schaden aus, wenn ihr gegen weibliche Feinde kämpft oder eure rekrutierten Helfer bekommen ein zusätzliches Herz. Insgesamt könnt ihr zwei Gegenstände ausrüsten, die jederzeit gewechselt werden können. Das Menü ist relativ klein geraten, weswegen es teils schwer ist, die Moveliste von weiterer Entfernung zum Bildschirm genau entziffern zu können.

Vier Fäuste für ein Halleluja

Während der Solomodus auf Dauer etwas eintönig wird, entfaltet sich im Koop-Modus das volle Potential von River City Girls; der zweite Spieler kann dabei jederzeit per Knopfdruck in das laufende Spiel einsteigen. Jeder Spieler benötigt zwei Joy-Cons, einer allein pro Person reicht leider nicht aus. Solltet ihr im Hauptmenü den Koop-Modus auswählen, dürft ihr euch noch entscheiden, ob sich die beiden Streitsüchtigen auch gegenseitig Punches um die Backen schmettern dürfen, wobei natürlich die Gesundheit darunter leidet. Diese Option kann aber auch ausgestellt werden, falls ihr bereits die Gefahr wittert, dass ihr plötzlich eurem Freund auch im echten Leben ein paar Kicks um die Ohren ballert und dadurch eure Freundschaft bröckeln kann.

Nur zu zweit kommt man weit! Im Koop-Modus macht River City Girls richtig Laune. © WayForward

Zu zweit macht die Klopperei um einiges mehr Spaß, jede Figur erhält individuell die Erfahrungspunkte der besiegten Feinde, das Geld wird ebenfalls auf verschiedene Konten verteilt. Somit kann jeder Spieler sein hart verdientes Geld für seine Bedürfnisse ausgeben, ohne dass der Kumpel von euch schnorrt. Ein Problem ist allerdings, dass, falls einmal das Geld des einen für etwas Bestimmtes nicht ausreicht, kann euer Freund die Kohle nicht freundlicherweise übergeben. Sobald einem Spieler die Lebenspunkte ausgehen, verlässt der Geist den leblosen Körper des Mädchens. Wie nicht anders zu erwarten war, muss nun der andere Spieler den Geist zurück in den Körper prügeln, um ihr neues Leben einhauchen. Wurde das Zeitlimit nicht geschafft, bedeutet das aber nicht den dauerhaften Tod eures Mitstreiters. Sobald ihr in den nächsten Bildschirm schreitet, kann sich der zweite Spieler direkt wieder ins Game einklinken. Das Spiel wird in der kollektiven Schlägerei nicht automatisch einfacher, ein zusammenarbeitendes Teamplay, ganz im Sinne der Legenden Bud Spencer und Terrence Hill, ist deshalb nie verkehrt. Schade ist allerdings, dass es keine speziellen Koop-Attacken gibt, die nur als Team ausgeführt werden können.

Der Humor von River City Girls ist fantastisch: Während Misako die richtige Hau-Drauf-Mentalität besitzt und allen Widersachern direkt eine über die Rübe ziehen möchte, ist Kyoko hingegen das sehr naive Vöglein und hinterfragt teils offensichtliche Dinge. In den Zwischensequenzen buttern die Charaktere einen sarkastischen Spruch nach dem anderen an die Schädel der Gegner. Auch die Feinde lassen, nachdem sie von den Fäusten der Mädchen massiert wurden, einen letzten lustigen Spruch da. So sagt eine Schülerin nachdem sie grün und blau vermöbelt wurde, dass sie immer noch süß sei.

Die hohe Kampfkunst des Dab-Moves zählt zu meinem Favoriten. © WayForward

Die Zwischensequenzen, die teils als Comic gestaltet sind, sehen absolut cool aus und es macht Spaß, diese zu verfolgen. Außerdem gibt es immer mal wieder kurze Animeszenen, wenn beispielsweise ein Bossgegner eingeführt wird. Das ebenfalls im Anime-Stil gehaltene Intro wird von einem fantastischen Introsong mit Gesang begleitet, der Ohrwurmpotential besitzt. Allgemein ist die musikalische Unterhaltung mit den elektrischen Beats und dem stellenweisen Gesang hervorragend untermalt, Fans von Scott Pilgrim vs. the World werden den Soundtrack lieben. Die Optik des Spiels ist in einem sehr coolen Pixellook gehalten. Von den Umgebungen her seid ihr zwar ausschließlich in River City unterwegs, jedoch unterscheiden sich die einzelnen Areale optisch voneinander. Von Schulgebäuden, Luxushotels, das heruntergekommene Downtown bis zum schicken Nobelviertel Uptown bieten sich genügend abwechslungsreiche Gebiete. Alteingesessene Fans der Kunio-kun- bzw. River City-Spiele werden in diesem Ableger einige bekannte Charaktere wiedererkennen, auch Double Dragon-Fans werden sich über den ein oder anderen Cameo Auftritt freuen. Mit einer Spielzeit von sieben bis neun Stunden besitzt River City Girls eine angenehme Länge. Falls euch die Lust nach dem Beenden noch nicht verlassen hat, könnt ihr daraufhin ein New Game+ starten, dadurch werden die Feinde stärker.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu River City Girls

Meinung von Johannes Bausch
River City Girls ist ein klassisches Beat 'em up mit leichten Rollenspielelementen. Die beiden Stars des Spiels Kyoko und Misako bilden ein wunderbares Team mit vielen Witzen und humorvollen Dialogen. Die sehr schrägen Bosse fügen sich in dieses Bild ebenfalls wunderbar ein. Der Retro-Look sieht fantastisch aus und die zahlreichen Kampffähigkeiten werden überaus schick animiert. Vor allem die im Comic-Look gestalteten Zwischensequenzen haben es mir sehr angetan. Die Bosse können manchmal leider frustrierend werden (ich spreche von dir, dritter Boss!), auch nutzt sich das Gameplay nach einer Weile leider ab und die Prügelei wird recht eintönig. River City Girls sollte daher am besten zusammen mit einem Freund im Koop-Modus gezockt werden, dort entfaltet das Spiel sein volles Potential. Wenn euch und einem Kumpel der Sinn nach dieser Art von Spiel steht, werdet ihr einige unterhaltsame Stunden an einem gemütlichen Abend auf dem Sofa verbringen können.
Mein persönliches Highlight: Der Dab-Move von Kyoko sowie der fetzige Introsong.

Kommentare 3

  • Njubisuru Turmfürst - 16.09.2019 - 13:39

    Ich wusste davor nicht, dass es hiervon eine ganze Serie bereits existiert. Ich fand den Titel eigentlich einzig und allein wegen den weiblichen Protagonistinnen und dem Artstyle, eben jene Kombination, interessant. Mit der Serie bin ich nicht vertraut. Ich werde es jedoch definitiv kaufen, irgendwann. Ein sicherlich super Spiel für zwischendurch.
  • Pyro Ranger Dekiru koto ga dekiru - 16.09.2019 - 15:08

    Das Spiel hab ich auf jeden Fall auf dem Schirm. Derzeit bin ich noch mit Okami und YugiOh beschäftigt aber sobald ich eins von beiden durch hab ist das Spiel das Nächste auf meiner Liste ^^
  • Shoryuken Turmritter - 16.09.2019 - 17:18

    Ein tolles Spiel, das mir viel Spaß bereitet hat!

    Ich habe es zunächst im Single-Player durchgespielt, jedoch wird in den kommenden Tagen/Wochen auf jeden Fall noch der Multiplayer getestet! :)

    Besonders gefallen hat mir der Soundtrack, als auch der gesamte Look.
    Allein das Nicken Richtung Kavinskys "Nightcall" im Song "If you dare" finde ich sehr, sehr cool: youtube.com/watch?v=srh-UQYVhpo

    Mein Highlight (Spoiler!):

    Spoiler anzeigen
    Die Cameos von gewissen Charakteren eines weiteren großen Arcade-Beat 'em Up-Klassikers: Double Dragon!