Virtual Reality-Umsetzung einer gefeierten Light Novel-Serie

„Spice and Wolf“ entführt euch in eine Fantasiewelt, welche vom ökonomischen Denken und dem Handel bestimmt wird. Inmitten dieses fiktiven Rahmens findet sich der fahrende Händler Kraft Lawrence wieder, welcher von Stadt zu Stadt zieht, um seine Existenz zu sichern. Nach einer schicksalshaften Begegnung begleitet ihn die Ernte-Göttin Holo, welche trotz ihres hohen Alters die Form eines jungen Wolfmädchens annimmt. Neben ihrer kindlichen Neugier für den Wandel der Welt um sie herum treibt sie eine weitere Motivation an, sich Lawrence auf seiner Reise anzuschließen: Von den Menschen verstoßen, wünscht sie sich, in ihre Heimat zurückzukehren, weiß aber nicht so recht wie. Als das Duo gerade auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel ist, wird es von einem unangenehmen Regenschauer heimgesucht. Rasch begeben sich die beiden in eine scheinbar verlassene Mühle, wo sie vom Wolkenbruch geschützt sind. Hier verbringen Lawrence und Holo die kommende Nacht. Dort beginnt die Geschichte von „Spice and Wolf VR“.


Das ist Holo. Wenn sie nicht gerade dabei ist, sich über alles Mögliche zu beschweren, kann sie ganz schön süß sein. © Spicy Tails / Gemdrops

„Spice and Wolf“ entstammt der Feder von Isuna Hasekura und wurde ursprünglich als Light Novel-Serie in Japan veröffentlicht. Unter der konkreten Bezeichnung „Light Novel“ versteht man eine Art von japanischem Roman, welcher sowohl aus Prosa als auch aus Illustrationen besteht. Diese richten sich besonders an ein jugendliches Publikum. Immer mehr Manga- und Anime-Produktionen heutiger Zeit nehmen Light Novel-Werke als Grundlage. Auch „Spice and Wolf“ wurde bereits in Manga- als auch Anime-Form adaptiert. Des Weiteren erschienen Visual Novel-Spiele basierend auf der Welt und den Charakteren von „Spice and Wolf“ für den Nintendo DS. „Spice and Wolf VR“ ist, trotz seiner Klassifizierung als Videospiel, eher als ein interaktiver Anime anzusehen.


Spicy Tails, das Entwicklerteam hinter „Spice and Wolf VR“, möchte Fans der Serie einen Anime bieten, der nicht nur angesehen, sondern vor allen Dingen „erlebt“ werden kann. Aus diesem Grund entschied man sich für eine Umsetzung in Virtual Reality. Auch auf der Nintendo Switch wird ein Virtual Reality-Erlebnis geboten. Wer die Toy-Con-VR-Brille besitzt, kann das Spiel im VR-Modus erleben. Das funktioniert erstaunlich gut und wertet den Nutzen von Nintendos Do-it-Yourself-Pappbrille ungemein auf. Doch keine Angst, falls ihr euch bisher nicht auf Nintendo Labo eingelassen habt: Das Spiel ist auch vollständig ohne VR-Modus zu spielen. In den Einstellungen könnt ihr euren gewünschten Spielstil wählen – traditionell oder mit Bewegungssteuerung, 2D oder VR.


In der Kürze liegt die Würze


Die Ereignisse werden über drei Kapitel verteilt, wobei jedes Kapitel großzügig geschätzt 15 Minuten andauert. Da „Spice and Wolf VR“ nie versucht, den Status als Videospiel überhaupt zu rechtfertigen, fällt der spielerische Anspruch extrem niedrig aus, um nicht zu sagen nicht existent. Zum Großteil nehmt ihr die First-Person-Perspektive von Lawrence ein, der es sich auf einer Bank bequem gemacht hat, und lasst euch einfach mit dem quirligen Austausch zwischen Lawrence und Holo berieseln. Ihr pfiffiges Hin und Her ist auch für jemanden, der keine Ahnung von Setting und Geschichte der Serie hat, verständlich und unterhaltsam. Ein Vorwissen wäre nichtsdestotrotz von Vorteil, da keine näheren Details zur Vorgeschichte verraten werden. Wirklich gelungen sind allerdings die Animationen der Charaktere. Bewegungen, Gestiken, Mimiken, kleine Nuancen – alles geht fließend ineinander über und zeugt von hoher Qualität. Es ist allein schon spaßig zu sehen, wie Holo in der Mühle umhertollt. Als Unterhaltungsmedium kann „Spice and Wolf VR“ definitiv punkten, wenn ihr auf ein entspanntes Erzähltempo steht, welches für eine „Slice of Life“-Geschichte üblich ist.


Es bleibt ihnen nicht viel, außer sich am Feuer aufzuwärmen, bis der Sturm vorüberzieht. © Spicy Tails / Gemdrops

Die Dialoge sind vollständig in japanischer Sprache synchronisiert und werden von englischen Untertiteln begleitet. Die Position der Untertitel folgt dabei der Ausrichtung eures Blickwinkels. Das erlaubt zwar ein freies Bewegen eurer Ansicht, hat aber auch zur Folge, dass die Untertitel hin und wieder von näher stehenden Objekten oder durch Holo verdeckt werden. Anstatt die Untertitel schlicht als platten Text einblenden zu lassen, wurde nämlich darauf gesetzt, die Untertitel als eigene Ebene im dreidimensionalen Virtual Reality-Raum anzuzeigen. Dies verursacht ebendiese gelegentliche Überlagerung, tritt aber nicht allzu häufig auf. Äußerst lobenswert ist die japanische Vertonung, welche qualitativ hochwertig ausfällt und das VR-Anime-Gefühl verstärkt.


Leider ist der Aufenthalt von Lawrence und Holos in ihrem Unterschlupf kürzer, als mir lieb ist. Es darf ruhig zur Debatte gestellt werden, wie viel Umfang ein VR-Anime-Werk mit solchem Produktionswert wirklich benötigt. Ich für meinen Teil denke aber, dass es gerne etwas mehr hätte sein dürfen. Neben den drei Story-Kapiteln dürft ihr euch noch in einem kleinen VR-Minispiel versuchen, bei welchem ihr mit verschiedenen Dingen innerhalb der Mühle interagiert und Holos Reaktion darauf abwartet. Auch hier habt ihr nach wenigen Minuten alles gesehen und getan, was möglich ist. Nicht in der Nintendo Switch-Version enthalten ist die Möglichkeit, Holos Kopf und Wolfsschwanz zu streicheln. Es ist jedoch fraglich, weshalb eine so simple Funktion nicht mit der Toy-Con-VR-Brille umgesetzt werden konnte. Insgesamt darf sich auf etwa eine Stunde Inhalt eingestellt werden. Ob ihr bereit seid, den regulären Kaufpreis dafür zu zahlen, liegt an euch.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Daniel Kania

„Spice and Wolf VR“ ist eine der einzigartigsten Erfahrungen auf der Nintendo Switch. Anders als man vermuten würde, handelt es sich nicht wirklich um ein Videospiel, sondern stattdessen um einen Anime in Virtual Reality. Aus einer starren Position erlebt ihr einen kleinen Teil des Abenteuers von Lawrence und Holo, welche sich in einer verlassenen Mühle vor dem strömenden Regen retten. Hier erlebt ihr einige pfiffige Dialoge und dürft euch an der großartigen Animationsarbeit ergötzen sowie der tollen japanischen Synchronisation lauschen. Der VR-Effekt durch die Toy-Con-VR-Brille ist gelungen und macht Lust auf weitere VR-Erfahrungen dieser Art. Leider ist die Geschichte schnell vorbei und lässt genauere Details zum Leben der beiden Figuren offen. Außerdem wurde aus der Nintendo Switch-Version des Spiels unverständlicherweise eine Funktion entfernt. Der Umfang lässt zwar zu wünschen übrig, wer aber Anime-begeistert ist und die Serie vielleicht sogar kennt oder einfach nach einer weiteren VR-Erfahrung für die Nintendo Switch sucht, der darf einen Blick riskieren.
Mein persönliches Highlight: Die Animationen sehen wirklich schick aus

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Tama

    Hack Fraud

    Spice and Wolf.... Lang ists her


    //Edit
    @Daniel Kania
    Wieviel VWL/BWL enthält denn die "Story"


    Neben der Romcom war das eigtl das interessanteste an der Light Novel und dem Anime. Der Einblick in die Geschichte des Handels und Händler in einem Mittelalter Setting

  • Daniel Kania

    Whaaack-aaa!

    @Tama So ziemlich nichts. Bevor es an die richtig interessanten Aspekte der Welt und Geschichte gehen kann, ist das "Spiel" auch schon vorbei.