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Test zu AI: The Somnium Files - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: AI: The Somnium Files
  • USA USA: AI: The Somnium Files
  • Japan Japan: AI: The Somnium Files
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
20.09.2019
Vertrieb
Spike Chunsoft
Entwickler
Spike Chunsoft
Genre
Adventure, Visual Novel
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Wenn Realität und Traumwelt miteinander verschmelzen

Von Felix Eder () Die Leiche einer Frau wurde auf einem Pferdekarussell eines stillgelegten Vergnügungsparks in Tokyo gefunden – ihr linkes Auge ist ausgehöhlt. Wer steckt hinter diesem grausamen Mord und was hat es mit dem ausgerissenen Auge auf sich? In AI: The Somnium Files schlüpft ihr in die Rolle des 30-jährigen Detektivs Kaname Date und macht euch an die Aufgabe, diesen mysteriösen Fall aufzuklären. Hinter einer verschlossenen Tür in der Mitte des Karussells findet ihr die 12-jährige Tochter des Opfers, Mizuki – die Tatwaffe fest in ihren Händen. Die junge Schülerin konnte unmöglich die Täterin gewesen sein, oder etwa doch? Was anfangs noch recht simpel erscheinen mag, entpuppt sich im Laufe der Zeit zu einem hochkomplexen Fall mit vielen beteiligten Personen, Verstrickungen und Facetten. Nicht nur bietet das brandneue Mystery-Adventure des Zero- Escape-Schöpfers Kotaro Uchikoshi jede Menge Detektivarbeit, Zeugenbefragungen und Kreuzverhöre, sondern ihr könnt sogar in die Gedanken und Träume der beteiligten Personen schlüpfen und wertvolle Informationen daraus filtern. In AI: The Somnium Files wird keine noch so skurrile Methode ausgelassen, um an die einzige Wahrheit gelangen zu können.

Schlüpft mit Formwandlerin Aiba in die Träume anderer Menschen

Der Protagonist Kaname Date besitzt spezielle Fähigkeiten, welche er seiner Begleiterin Aiba zu verdanken hat. Aus mysteriösen Gründen scheint Date in der Vergangenheit seinen linken Augapfel verloren zu haben und besitzt seither ein künstliches Auge mit dem passenden Namen AI-Ball, besser bekannt unter dem Spitznamen Aiba. Tagsüber ist Aiba meist in der Augenhöhle von Date zu Hause, hüpft aber manchmal aus dieser hinaus, um sich in Bärchen-Gestalt frei bewegen zu können. In den Traumwelten gibt sie wiederum ihre weibliche, menschliche Form zu erkennen.

Aiba steht euch bei der aufwendigen Kriminalarbeit mit ihrem Repertoire an nützlichem Wissen stets helfend zur Seite. © Spike Chunsoft

Spezialagent Kaname Date ist sowohl Mitglied des Tokyoter Metropolitan Police Departments (MPD) als auch Mitglied der Spezialeinheit ABIS (Advanced Brain Investigation Squad), welche es sich zum Ziel gesetzt hat, die Tiefen des Gehirns von Menschen näher zu erforschen. Weitere Mitglieder von ABIS sind unter anderem der Wissenschaftler Pewter und eure kecke Vorgesetzte namens "Boss", welche euch relativ früh im Spiel alle weiteren Informationen zur Psync-Maschine und zum Psync-Vorgang erklären werden. Date ist zudem als sogenannter Psyncer geeignet: Mit Hilfe der Psync-Maschine kann Date in das Unterbewusstsein einer anderen Person eintauchen und das Somnium (lateinisches Wort für "Traum") eures Gegenübers betreten. Die Somnium Files, welche euch helfen könnten, den grausamen Mord aufzuklären, erhaltet ihr in den Traumwelten. Passend zum Thema ein kurzer Einschub hinsichtlich des Spielnamens: Director Uchikoshi kündigte das Spiel im März 2017 unter dem Namen "Project Psync" an, ehe es letztes Jahr den finalen Namen "AI: The Somnium Files" bekam – AI steht nicht nur für künstliche Intelligenz, sondern ist auch das japanische und chinesische Wort für Liebe. Zudem wird AI im Spieltitel offiziell wie das englische Wort für Auge, "Eye" ausgesprochen.

Dank der hypermodernen Psync-Technologie könnt ihr die Träume beeinflussen und Mental-Schlösser brechen, welche die inneren Ängste und Repressionen eures Gegenübers darstellen. Brecht ihr alle Schlösser, so bekommt ihr Zugang zu den Erinnerungen und Visionen, welche dabei helfen können, die Vergangenheit aufzuklären. Innerhalb der Träume steuert ihr die menschliche Form eures künstlichen Auges Aiba in einer 3D-Umgebung und könnt dieser Befehle geben. So werdet ihr immer wieder auf Objekte wie beispielsweise Möbelstücke, Gegenstände oder Türen stoßen, mit welchen ihr auf unterschiedliche Weise interagieren könnt. Es klopft an der Tür: Wollt ihr die Tür aufmachen? Wollt ihr das Klopfen ignorieren und warten was passiert? Wollt ihr die Tür zusperren? Wollt ihr mit der Person hinter der Tür reden? Euch werden stets Optionen vorgegeben, die Wahl liegt bei euch!

... and my day is ruined. Aiba lässt in ihrer menschlichen Form in der Traumwelt ihren Emotionen freien Lauf. © Spike Chunsoft

Abhängig von den Entscheidungen, die ihr in euren Träumen trefft, kann sich nicht nur der Verlauf eines einzelnen Traumes, sondern sogar der gesamte Spielverlauf ändern. Manchmal gibt es mehrere richtige Lösungen, manchmal gibt es jedoch nur eine richtige Entscheidung. Die Lösungen sind nicht immer ganz eindeutig, doch ist es hilfreich, sich in die Persönlichkeiten der jeweiligen Charaktere hineinzuversetzen und zu überlegen, welche Option am meisten Sinn machen würde. Da die Gefahr zu groß wäre, zu lange im Unterbewusstsein einer anderen Person zu verweilen, ist die Verweildauer auf sechs Minuten beschränkt. Innerhalb dieser Zeit müsst ihr die Schlüsselerinnerung des Traums freigeschalten haben, ansonsten müsst ihr von einem vorherigen Speicherpunkt beginnen bzw. im Falle eines mehrmaligen Scheiterns den jeweiligen Traum mit Aiba ganz von Anfang starten. Jede Interaktion mit eurer Umgebung kostet euch Zeit, geht also behutsam damit um! Steht ihr still, so steht die Zeit auch quasi still – dies verschafft euch trotz des Zeitlimits eine Verschnaufpause, die ihr zur Strategieplanung nutzen könnt. Sobald ihr in Bewegung seid, beginnt die Uhr zu ticken. Die vorgegebenen Interaktions-Optionen kosten unterschiedlich viel Zeit: So kann ein Treten gegen einen Gegenstand beispielsweise 15 Sekunden kosten, während das Erklettern eines Objektes 40 Sekunden beansprucht. Des Weiteren könnt ihr durch Interaktionen Items erhalten, welche entweder gut oder schlecht sein können. So gibt es Items, welche die Zeit für die nächste Interaktion um 1/2 oder 1/3 reduzieren, während andere Items das Gegenteil bewirken und die benötigte Zeit unvermeidlich verdoppeln oder verdreifachen.

Die zahlreichen Traumabschnitte in unterschiedlichsten Umgebungen sind eine willkommene Abwechslung und liefern ein relativ einzigartiges Konzept. Zudem sind einige der Befehle, welche ihr der menschlichen Aiba geben könnt, zum Brüllen komisch und sehr unterhaltsam. Allerdings sind die Rätsel in den Träumen nicht mit jenen aus vergangenen Zero-Escape-Teilen vergleichbar und bieten bei Weitem nicht so viel spielerische Tiefe und Logik. Teilweise könnte es sein, dass ihr erst durch ein wenig Trial and Error auf die Lösung kommen werdet, jedoch sind auch falsch gewählte Optionen aufgrund des Humors sehr spaßig. Weibliche Begleiter sind in Videospielen recht häufig, doch in AI: The Somnium Files wurde die Interaktion zwischen Date und seinem AI-Ball besonders gut umgesetzt und trotz der künstlichen Natur des Charakters strotzt Aiba nur so vor Persönlichkeit.

Euer künstliches Auge ist mit einem Thermo-Scanner ausgestattet. Beim Duo Date und Aiba kommt der Humor nie zu kurz. © Spike Chunsoft

Ihr glaubt, dies war bereits alles, was das künstliche Auge Aiba zu bieten hat? Falsch gedacht, Dates unzertrennliche Partnerin hat noch etliche weitere Tricks auf dem Kasten! Drei spezielle Funktionen eures Auges will ich euch kurz vorstellen, welche ihr allesamt im Tutorial des Spiels erlernen werdet und diese in der realen Welt im Falle des Falles benutzen könnt: Mit Hilfe des Thermo-Scanners könnt ihr die Wärmeintensität in eurer Umgebung detektieren. Stellt ihr einer Person Fragen und scannt diese währenddessen mit dem Thermo-Scanner, so könnt ihr bei plötzlichen Temperaturänderungen möglicherweise Ungereimtheiten in der Zeugenaussage aufdecken. Leuchten Teile des Körpers im Scanner plötzlich rot, so könnte dies darauf hindeuten, dass die Person in dem Moment gerade eine Lüge aufgetischt hat. Auch könnt ihr mit Aiba eine Superzoom-Funktion anwenden, die es euch ermöglicht, weit entfernte Objekte – wie durch ein Fernglas – detailliert sehen können. Da niemand in eurer Umgebung hinsichtlich dessen Lunte riecht, ist diese geheime Fähigkeit der Traum eines jeden Detektivs. Weiterhin seid ihr auch mit einem Röntgen-Scanner ausgestattet, mit welchem ihr Knochen von Personen sichtbar machen könnt. Wofür dies nützlich sein könnte? Findet es in AI: The Somnium Files heraus!

Gefährliche und abwechslungsreiche Aufgaben warten auf euch

AI: The Somnium Files ist ein sehr textlastiges Spiel und aus diesem Grund definitiv nicht für das Mainstream-Publikum geeignet. Doch das Spiel ist nicht zur Gänze eine Visual Novel, denn zwischendurch gibt es hin und wieder Gameplay-Abschnitte, welche für Abwechslung sorgen. Der Großteil der Gameplay-Action besteht aus den bereits erwähnten Träumen, doch auch das Verhören von Verdächtigen und vereinzelte Actionpassagen mit sogenannten "Quick-Time-Events" warten in AI: The Somnium Files auf euch.

Im Vernehmungsraum werden die Verdächtigen direkt verhört und mit Beweisen konfrontiert. Leider haben falsche Antworten keine Auswirkungen auf das Spielgeschehen. © Spike Chunsoft

Während der textlastigen Investigations-Phasen, welche mit Abstand den größten Teil des gesamten Spiels ausmachen, sammelt ihr durch das Sprechen mit zahlreichen Personen Hinweise zum Mordfall. Natürlich sind nicht alle Dialoge direkt mit dem Mordfall verknüpft, ihr werdet im Laufe des Spiels auch persönliche Geschichten einzelner Personen kennenlernen und baut eine gewisse Beziehung zu den Charakteren auf. Habt ihr genug Material und Hintergrundwissen gesammelt, um eine verdächtige Person direkt mit Beweisen zu konfrontieren, so könnt ihr diese, in Absprache mit eurer ABIS-Vorgesetzten Boss, in den Verhörraum ordern und mit der Vernehmung beginnen. Fans der Ace Attorney-Reihe werden sich sofort heimisch fühlen, denn ihr habt eine Reihe von Beweisen, welche ihr im richtigen Moment herzeigen müsst, um Geheimnisse aufzudecken, welche die Zeugen nicht zugeben wollen. Ihr könnt euch zudem jederzeit Zusammenfassungen zu den jeweiligen Beweisen durchlesen und anhören sowie schließlich überlegen, was ihr wann zeigen wollt. Bringt selbst die Vernehmung keine wünschenswerten Ergebnisse, so wird die verdächtige Person dazu aufgefordert, sich in die Psync-Maschine zu setzen, um sich einer Untersuchung ihrer Träume zu unterziehen.

Die Konfrontationen im Vernehmungsraum gehören zwar einerseits zu meinen Lieblingsabschnitten im Spiel, doch lassen andererseits verdammt viel Potenzial ungenutzt. Das größte Manko ist der fehlende Druck, den das Spiel auf den Spieler ausübt: Zeigt ihr einen falschen Beweis, so droht euch keine Strafe und ihr könnt theoretisch alle Beweise innerhalb weniger Sekunden durchprobieren, bis zufällig die richtige Option gewählt wurde. In den Traumwelten steht viel auf dem Spiel und falsche Antworten können zu einem Scheitern führen, wieso also wurde in den Verhör-Abschnitten nicht ebenso ein Bestrafungssystem eingeführt? Ohnehin finden sich die richtigen Antworten aufgrund der geringen Anzahl an Beweisen meist sehr leicht und dadurch fühlen sich die Dialoge im Vernehmungsraum trotz der (im positiven Sinne) nervenaufreibenden Musik nicht so dramatisch an wie sie eigentlich sein sollten.

Die Action-Passagen sind schön anzusehen, haben ihren eigenen Humor, wirken jedoch stellenweise dennoch ein wenig zu weit hergeholt und unrealistisch. © Spike Chunsoft

Im Laufe des Spiels werdet ihr mit Date auch auf Feinde treffen, bei welchen ihr mit bloßen Worten nicht weit kommen werdet. Date ist daher mit dem sogenannten Evolver ausgestattet – einer Schusswaffe, welche mit Patronen der unterschiedlichsten Art befüllt werden kann. In den Quick-Time-Events müsst ihr innerhalb kürzester Zeit wichtige Entscheidungen oder Aufgaben erfüllen, welche über Leben und Tod entscheiden können. Diese Aufgaben sind meist extrem simpel gehalten und bestehen beispielsweise darin, einen bestimmten Knopf wiederholt zu drücken oder mit eurer Waffe in die richtige Richtung zu zielen. Trefft ihr die falsche Wahl bzw. seid ihr mit einer Aktion zu langsam oder ungeschickt, so könnt ihr ein frühzeitiges Game Over bzw. "Bad End" erleben. Dank des Flowcharts könnt ihr in diesem Fall jedoch ohne großes Backtracking erneut die Sequenz starten. Der Flowchart lässt sich im Menü aufrufen, veranschaulicht in übersichtlicher Weise die Geschehnisse der Geschichte und lässt euch vergangene Abschnitte erneut spielen oder alternative Wege einschlagen. Trefft ihr die richtige Wahl, so aktivieren sich oft Zwischensequenzen, in welchen Date zeigt, dass er auch als Action-Held eine gute Figur macht. Bei mir persönlich hinterließ so manch eine Action-Passage einen faden Beigeschmack, da mir einige der sich ständig wiederholenden Gags etwas lächerlich vorkamen. Wenn von allen Seiten Schüsse von Feinden auf Date abgefeuert werden, doch dieser von keinem einzigen Schuss getroffen wird, so wirkt die Szene nicht glaubwürdig. Diese Zwischensequenzen sind zwar zum Teil auf Humor ausgelegt, doch hätte ich mir aufgrund der Bedrohlichkeit der Situationen eine etwas realistischere Herangehensweise erhofft.

Let's Playerin A-set bringt Farbe in die ernste Geschichte des Spiels

Neben Date und Aiba gibt es noch einen dritten Hauptcharakter in der Geschichte: Die 18-jährige Künstlerin A-set ist der große Star des Spiels und ihr fliegen alle Herzen zu. Doch was hat die junge Dame mit den Katzenohren-Kopfhörern mit dem Mordfall zu tun und wieso spielt sie eine derart prominente Rolle im Spiel? Es liegt an euch, dies in AI: The Somnium Files herauszufinden!

A-set ist Let's Playerin, Streamerin, Sängerin, Internetstar und eine der Hauptcharaktere im Spiel. © Spike Chunsoft

A-set spielt nicht nur im Spiel selbst eine wichtige Rolle, ihre Karriere begann bereits vor der Veröffentlichung des Mystery-Adventures. Seit Anfang des Jahres 2019 wurde AI: The Somnium Files auf außergewöhnliche Art und Weise beworben: Die fiktive Kunstfigur A-set eröffnete im Januar ihren offiziellen YouTube-Kanal und teilte allerlei Geschichten, kleinere Rätsel und erweitertes Hintergrundwissen zum Spiel. Wer Lust hat, kann sich einige ihrer Videos vor dem Beginn des Spiels anschauen, um daraufhin ein noch immersiveres Spielerlebnis zu erhalten (dies wird sogar von den Entwicklern empfohlen). Andererseits werden ein paar Andeutungen zur Story gemacht sowie Szenen aus dem Spiel gezeigt, welche für den ein oder anderen als Spoiler aufgefasst werden können. Die Wahl liegt bei euch – ich habe mir die meisten der Videos erst im Nachhinein angesehen und bin froh, diese Entscheidung so getroffen zu haben. Die YouTube-Videos von A-set ("typisch süßes, japanisches Anime-Mädchen mit hoher Stimme") werden nicht jedermanns Sache sein, jedoch sind diese keine Pflicht und glücklicherweise nicht notwendig, um die Geschichte von AI: The Somnium Files zu verstehen – diese wird auch ohne die Videos im Spiel zur Gänze behandelt.

Teilweise spricht A-set in den optionalen YouTube-Videos auch über Dinge, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, wie beispielsweise ihrem Lieblingscharakter aus der Zero Escape-Reihe, ihren liebsten Animes oder kurze Beschreibungen zu ihren Lieblings-A-set-Fanarts von Fans aus der ganzen Welt. So skurril es auch klingen mag: Sogar kleine Let's Plays zu AI: The Somnium Files hat A-set veröffentlicht, in welchen sie ihre eigene Figur im Spiel wiederfindet. Über den A-set-Twitterkanal gibt der Internetstar ebenso die ein oder anderen erweiterten Infos zur Spielgeschichte preis. Neben A-set hat auch ein weiterer Charakter im Spiel, Ota, seinen eigenen Twitter-Account: Er ist der größte Fan von A-set und macht daraus weder auf Twitter noch in AI: The Somnium Files einen Hehl. Diese Interaktionen außerhalb des Spiels geben den Charakteren nochmals zusätzlich Persönlichkeit und sind eine recht lustige Idee, die ich in dieser Form noch bei keinem anderen Videospiel erlebt habe.

Zahlreiche Charaktere liegen ihr zu Füßen, doch kann A-set auch Date dazu bewegen, Fan von ihr zu werden? © Spike Chunsoft

Die von Jackie Lastra (englische Version) vertonte Protagonistin wird übrigens von Fans gerne Tesa genannt und wurde als Iris Sagan in Tokyo geboren – alle drei Namen werdet ihr im Spiel des Öfteren hören. A-set spielt in ihrer Freizeit gerne Videospiele, streamt oftmals bis in die Nacht, schaut Animes, tanzt für ihr Leben gern und versucht sich neuerdings als Sängerin. Kürzlich brachte sie ihre erste Single "Invincible Rainbow Arrow" auf den Markt und scheint daraufhin online zu einem Star geworden zu sein. Man könnte tatsächlich meinen, dass A-set bzw. Iris eine echte Person sei – derart viel Aufwand wurde in die Gestaltung dieses Charakters gesteckt. Während sich manche von euch genau auf Charaktere wie diese freuen werden, wird es nicht jedem so ergehen. Wie auch Popstars im echten Leben, wird die meist sehr fröhlich aufgelegte A-set nicht den Geschmack aller Spieler treffen. Der starke Fokus auf Iris hat auch mich zunächst ein wenig gestört, doch zum Glück bekommen im Laufe des Spiels auch andere Charaktere reichlich Rampenlicht. AI: The Somnium Files strotzt nur so vor einzigartigen Charakteren verschiedenster Altersklassen, Berufsklassen, Persönlichkeiten und sexueller Gesinnungen, welche allesamt in irgendeiner Art und Weise mit dem Mordfall in Verbindung stehen.

Die Charakter-Interaktionen und die, sich daraus resultierend, stets erweiternden Geschichten sind definitiv die größte Stärke von AI: The Somnium Files! Ich gehe in diesem Spieletest bewusst möglichst wenig auf die Geschichte und Handlung des Spiels ein, da diese sich am tollsten entfalten kann, wenn ihr im Vorhinein möglichst wenig vom Handlungsverlauf wisst. Allerdings sei so viel gesagt: Es wird sowohl einige höchst emotionale Momente als auch tragische und blutige Ereignisse geben, welche für ein unbeschreibliches Spielgefühl sorgen. Die visuelle Darstellung der Brutalität (Blut, Animationen) fällt hierbei heftiger aus, als bei den ersten beiden Zero-Escape-Teilen, jedoch nicht ganz so heftig wie bei Zero Time Dilemma, dem dritten Teil der Vorgänger-Reihe.

Die Psync-Maschine ist ein wiederkehrendes Element in der Geschichte von AI: The Somnium Files. © Spike Chunsoft

Die Komplexität der Geschichte ist hingegen deutlich niedriger als bei allen drei Zero-Escape-Teilen – dies ist jedoch nicht zwingend negativ zu bewerten: Ihr werdet am Ende des Spiels nicht hunderte offene Fragen haben, sondern alle Aspekte der Geschichte werden wunderbar erklärt und lassen kaum Lücken offen. Die Plottwists sind ebenso sehr gut gelungen – für die ein oder andere große Überraschung ist gesorgt! Auch gibt es verschiedene Enden, welche ihr abhängig von euren Entscheidungen in den Traumwelten erreichen könnt. Über den praktische Flowchart im Menü könnt ihr zwischen verschiedenen Strängen wechseln und euch Zusammenfassungen zu den Handlungen bereits erledigter Abschnitte durchlesen. Es gibt darüber hinaus ein geheimes Ende und einige schlechte Enden, welche allesamt optional sind. Leider werden keinerlei Enden visuell im Flowchart gekennzeichnet, sodass ihr keine Informationen darüber bekommt, ob euch noch ein Ende fehlt oder welches Ende ihr an welcher Stelle bekommen habt. Natürlich gibt es auch eine Route zum wahren Ende, welche ihr ganz zum Schluss freischalten könnt und unbedingt spielen solltet, wenn ihr die Auflösung der Geschichte erfahren wollt.

Subtile Referenzen und schmutzige Wortspiele en masse

AI: The Somnium Files steckt voller Referenzen zu Videospielen, Filmen, populären Memes, Popkultur oder sonstigen Persönlichkeiten. Viele der Anspielungen sind recht subtil versteckt oder lassen sich durch optionale Dialoge entdecken – ein genauer Blick auf eure Umgebung lohnt sich also auf jeden Fall! Hinsichtlich Videospiele konnte ich unter anderem (zum Teil versteckte) Anspielungen zu Minecraft, Pokémon, Metal Gear Solid, Danganronpa, Ever19, Banshee's Last Cry und Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors entdecken.

Mit dem Cursor könnt ihr, ähnlich wie in den in dieser Hinsicht vergleichbaren Spielen Professor Layton und Ace Attorney, die Umgebung durchsuchen und interessante Objekte anklicken – auch eine optionale Bedienung via Touchscreen ist möglich. Manchmal wird lediglich der Name des Objekts erwähnt, manchmal gibt es hingegen interessante Zusatz-Dialoge, welche nicht selten sehr humorvoll sind oder nettes Zusatzwissen liefern. Wenn Aiba beispielsweise ihre Begeisterung über die Sichtung eines Thyreocephalus Orthodoxus zum Ausdruck brachte, konnte es durchaus vorkommen, dass ich mein Handy zückte, um kurz im Internet zu recherchieren, um welches Insekt es sich hierbei genau handelt. Auch werdet ihr beispielsweise ein wenig über die japanische, griechische und ägyptische Mythologie erfahren und vielleicht wird euer Interesse geweckt, erweiterte Eigenrecherche zu betreiben. Ihr habt nicht gewusst, dass das Zhuang-Volk die größte ethnische Minderheit in China ist oder dass Viren meist zwischen 20 und 970 Nanometer groß sind? AI: The Somnium Files könnte euren Wissensschatz erweitern! Nichtsdestotrotz hatte Uchikoshis letztes Spiel, Zero Time Dilemma, ausführliche wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Konzepte zu bieten. AI: The Somnium Files behandelt zwar einige Themen aus der realen Welt wie beispielsweise Nanotechnologie, Krebsheilung oder unterschiedliche Krankheiten, jedoch meist nur am Rande und nicht sehr detailliert.

Die schmutzigen Sprüche einiger Charaktere sind zum Teil sehr kreativ und könnten den ein oder anderen Lacher hervorlocken. © Spike Chunsoft

AI: The Somnium Files nimmt sich selbst nicht zu Ernst und so werdet ihr auf jede Menge humorvolle Dialoge stoßen, die sich nicht davor scheuen, in eine makabere oder schmutzige Kerbe zu schlagen. Die Neckereien zwischen den Charakteren sind nett anzusehen und der Humor kommt trotz der ernsten Lage im Spiel nie zu kurz. Ein besonderer Fokus wurde auf sexuelle Anspielungen verschiedenster Art gelegt: die Zahl dieser ist sogar noch höher als bei jedem Zero-Escape-Spiel und wird manche von euch freuen, andere wiederum möglicherweise ein wenig abschrecken. Nacktszenen gibt es in dem, in weiten Teilen Europas ab 18 Jahren und in Deutschland ab 16 Jahren freigegebenen Spiel jedoch keine – es bleibt stets bei anzüglichen Bekleidungen, Posen und zweideutigen Sprüchen. Nicht nur der Hauptcharakter Date hat eine offensichtlich sehr hormongesteuerte Denkweise, auch viele der anderen Charaktere lassen kaum Gelegenheiten aus, schmutzige Witze zu reißen. Die meisten dieser Dialoge sind jedoch optional und durch das Anklicken von Gegenständen freischaltbar. Während die zumeist flachen Phallus- und Brüste-Witze unseres Hauptprotagonisten wohl nicht ein Meisterwerk in Poesie darstellen – in einer Szene begrüßt Date eine Rezeptionistin mit den Worten: "Hey, Mädel mit den großen Titten!" – so sind die sexuellen Anspielungen von Boss dafür umso kreativer und witziger. Director Uchikoshi hat bewusst einiges an "Fanservice" in das Spiel eingebaut und dies merkt man vom Anfang bis zum Ende des Spiels.

Technisch präsentiert sich das Spiel weitgehend sehr gut: Die Charakteranimationen sind gut gelungen und – verglichen mit Virtue's Last Reward und Zero Time Dilemma – ein riesiger Sprung nach vorne. Die Emotionen und Ausdrücke der Charaktere kommen gut zur Geltung und die Liebe zum Detail, welche die Entwickler in die Charakter-Interaktionen gesteckt haben, will ich nicht unerwähnt lassen: Redet ihr mit einer Person, so könnt ihr währenddessen die Kamera frei steuern, euch in der Umgebung umsehen und bemerken, dass die anderen Charaktere stets auf die gesprochenen Worte der jeweiligen Person reagieren. Manche Charaktere sind aufmerksame Zuhörer und lauschen stets der sprechenden Person, während andere wiederum nur dann den Blick ändern, wenn sie direkt angesprochen werden oder eine relevante Information erhaschen.

Boss dreht ihren Kopf zu Pewter und lauscht aufmerksam seiner Lektüre über Träume. © Spike Chunsoft

Optisch ist AI: The Somnium Files das mit Abstand schönste und modernste Machwerk von Uchikoshi: Keine Kosten und Mühen wurden gescheut, um die von vielen Fans kritisierten Schwächen hinsichtlich der Charakterbewegungen aus seinen früheren Spielen im neuesten Mystery-Adventure nicht erneut zu wiederholen. Der berühmte Charakter-Designer von Fire Emblem Awakening & Fates, Yūsuke Kozaki, ist auch für die Charaktermodelle in AI: The Somnium Files zuständig und hat erneut einen hervorragenden Job abgeliefert. Die leider relativ seltenen und kurzen Zwischensequenzen sind ebenso sehr schön anzusehen und technisch einwandfrei. Auch die Umgebungen im realen Umfeld sowie in den Traumwelten sind angenehm gestaltet und laden dazu ein, sich in Ruhe umzusehen. Schafft ihr es, die Traumwelten mit einer Restzeit von mindestens einer Minute zu lösen, so werdet ihr mit schönen Artworks und Konzeptzeichnungen belohnt, welche ihr euch im Menü ansehen könnt. Auch steht euch ein umfangreiches Lexikon zur Verfügung, welches sich im Laufe des Spiels automatisch mit interessanten Informationen und Begriffen füllt, welche ihr daraufhin jederzeit nachschlagen könnt. Als besonderes Extra schaltet ihr für das Abschließen der finalen Route im Spiel eine nette Überraschung frei, welche zumindest einem kleinen Teil von euch einige weitere Stunden Spaß bescheren könnte.

Grund zur Kritik geben allerdings gelegentliche Verzögerungen beim Laden von Texten oder beim Ladebildschirm selbst. Glücklicherweise wurde bereits direkt nach Release ein Update bereitgestellt, welches die meisten dieser Probleme behoben hat: Die aktuelle Version läuft im Großen und Ganzen sehr gut – abgesehen von beinahe vernachlässigbaren Rucklern während des Ladebildschirms beim Betreten eines neuen Story-Abschnitts liefen bei mir die ersten 10-15 Stunden sowohl im Handheld-Modus als auch am Fernseher nahezu komplett flüssig. Leider sind ausgerechnet im spannenden Finale des Spiels während einiger Rückblenden weiterhin Verzögerungen spürbar. Dennoch halten sich die Performance-Probleme in Grenzen und haben meinen Spielspaß praktisch kaum gemindert.

Das Auto ist das Haupttransportmittel in AI: The Somnium Files. Die Straßen sind stets fast komplett leer. © Spike Chunsoft

Weniger schön ist auch die Tatsache, dass sich der Text beim Untersuchen von Objekten teilweise mit dem Menü auf der rechten unteren Seite des Bildschirms überlappen kann. Ihr könnt zwar die Kamera stets mit eurem rechten Control-Stick bewegen, doch damit kann das Problem der Überlappung nicht gelöst werden. Ihr solltet also gegebenenfalls die Kamera im Vorhinein justieren, sodass ihr keine Objekte anklickt, welche sich am rechten unteren Bildschirmrand befinden. Weiterhin sind mir im Verlaufe des Spiels drei Rechtschreibfehler aufgefallen – in Anbetracht der Tatsache, dass die Visual Novel derart viel Text bietet, ist über diese kleinen Fehler leicht hinwegzusehen. Die Steuerung in AI: The Somnium Files ist relativ simpel, ihr klickt euch in den Investigations-Abschnitten von Ort zu Ort und klickt jeweils auf allerlei Objekte, Personen und Umgebungen, um Texte und Dialoge zu triggern. Clever ist übrigens, dass die Markierung bereits angeklickter Objekte ausgegraut ist, während eine grüne Markierung anzeigt, dass noch nicht alle Texte zum jeweiligen Objekt getriggert wurden. Von Ort zu Ort fahrt ihr mit dem Auto, jedoch geschieht dies stets automatisch und ihr werdet ein und dieselbe Szene auf der Autobahn wieder und wieder sehen: Schon bald werdet ihr merken, dass auf den Straßen Tokyos stets weit und breit kaum Autos zu sehen sind – hinsichtlich dessen haben die Entwickler es sich leider ein wenig leicht gemacht.

Herausragendes Voice-Acting (Dual Audio!) und phänomenale Musik

Die Karte von Tokyo öffnet ihr nur zu bestimmten Zeitpunkten und nur gelegentlich habt ihr die Freiheit, wählen zu können, zu welchen Orten ihr wann gehen wollt. Dies ist aufgrund des starken Fokus auf eine kohärente Geschichte allerdings auch verständlich und soll keinen Kritikpunkt darstellen. Die Orte im Spiel wie beispielsweise Akihabara, Ariake oder Shinjuku sind auch in der echten Welt in Tokyos Innenstadt zu finden. Auch andere im Spiel erwähnte Ortschaften und Städte sind meist an echte Orte in Japan angelehnt und Japanfreunde werden sich sofort heimisch fühlen.

Auf Tokyos Stadtkarte könnt ihr euer nächstes Reiseziel auswählen. © Spike Chunsoft

Nicht nur sieht das Spiel visuell sehr ansprechend aus, auch akustisch macht AI: The Somnium Files sehr viel richtig. Das textlastige Adventure im Visual-Novel-Stil bietet löblicherweise eine vollständige Sprachausgabe – alle von Charakteren gesprochenen Dialoge sind vertont. An insgesamt zwei oder drei Stellen im Spielverlauf wurde jedoch jeweils ein Satz in der englischen Version von AI: The Somnium Files verschluckt und nicht ausgesprochen. In der japanischen Vertonung lief hingehen alles problemlos. Das Voice-Acting ist sowohl auf Japanisch als auch auf Englisch großartig – anders als bei so manch anderem Spiel klingen die jeweiligen Charaktere ihrer Persönlichkeit und ihrem Alter entsprechend sehr überzeugend. Der als englische Revali-Stimme aus The Legend of Zelda: Breath of the Wild bekannte Synchronsprecher Sean Chiplock vertont in AI: The Somnium Files den Wissenschaftler Pewter. Besonders gelungen ist auch die englische Stimme von Boss (Allegra Clark), Mizuki (Corinna Böttger) und des Protagonisten Kaname Date (Greg Chun). Zu bemängeln ist leider die Tatsache, dass die Lippensynchronisation der englischen Texte in vereinzelten Szenen – meist während Rückblenden– nicht immer optimal ist, während die japanische Version an denselben Stellen eine perfekte Lippensynchronisation bietet. Die größten Teile des Spiels sind davon allerdings zum Glück nicht betroffen und teilweise war ich sogar erstaunt, wie gut die gesprochenen Worte zu den Mund-Bewegungen der Charaktere gepasst haben. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist eine bestimmte Rückblende von Iris, welche für meinen Geschmack im Spiel zu oft gezeigt und zudem viel zu laut gesprochen wird, sodass ich stets nur für diese Szene die Lautstärke stark herabfahren musste.

Im Menü könnt ihr mitten im Spiel jederzeit nach Belieben zwischen englischer und japanischer Synchronisation wechseln, die Textsprache ist auf Englisch, Japanisch und Chinesisch, jedoch leider nicht auf Deutsch verfügbar. Das Spiel ist zwar extrem textlastig, die Zahl der schwierigen Fremdwörter und Begriffe hält sich jedoch in Grenzen, sodass fortgeschrittenes Schulenglisch ausreichen sollte, um die Geschichte verstehen zu können. Ein Patch mit neuen Sprachen ist leider nicht in Planung und ziemlich unwahrscheinlich.

Wer bereits selbst in einem Maidcafé in Akihabara war, weiß, dass hinter diesem humorvollen Satz zumindest ein bisschen Wahrheit steckt. © Spike Chunsoft

Drückt ihr die rechte Schultertaste, so könnt ihr in den Automatik-Modus wechseln, welcher dafür sorgt, dass gesprochene Texte automatisch weiterlaufen, ohne stets den A-Knopf drücken zu müssen. Dass ihr jederzeit per einfachem Knopfdruck zwischen dem manuellen und automatischen Modus wechseln könnt, ist extrem praktisch und war eine meiner am häufigsten genutzten Funktionen. Die linke Schultertaste erweist sich ebenfalls als sehr nützlich, denn dadurch ist es möglich, zuvor gesprochene Konversationen erneut durchzulesen oder euch nochmals anzuhören. Fans des schnellen Klickens müssen allerdings mit dem daraus resultierenden Defizit leben, dass gesprochene Dialoge abrupt abgebrochen werden – ihr könnt bei Bedarf aber auch die Vertonung komplett abstellen. Auch gibt es unterschiedliche Skip-Funktionen und Anpassungen zur Einblendung des Textes sowie der Cursorgeschwindigkeit, die ihr ganz nach eurem Geschmack einstellen könnt. Beim Design der unterschiedlichen Menüs haben sich die Entwickler einige Gedanken gemacht, so ist das Einstellungsmenü im Stile eines ABIS-Spezial-Antragsformulars ausfüllbar. Löblicherweise kann im Einstellungsmenü auch das Verhältnis zwischen Soundeffekten, Musik und Sprachausgabe angepasst werden. Die Soundeffekte in AI: The Somnium Files sind stets sehr gut gewählt und sorgen für ein stimmiges Erlebnis – zum Teil wurden sogar Effekte aus den Zero Escape-Spielen wiederverwendet.

Die Musik des bekannten Videospielkomponisten Keisuke Ito – unter anderem verantwortlich für den Endbosstrack von Super Smash Bros. Ultimate – ist hingegen komplett neu und ebenso sehr zu loben. Zwar werden euch im Nachhinein nicht viele Melodien im Kopf bleiben, doch als Hintergrundmusik passt jede Musik zur jeweiligen Szenerie wie Aiba in die leere Augenhöhle von Date. Das Interrogation-Theme, welches beim Verhören von Verdächtigen gespielt wird, erinnert stark an die charakteristischen Cross-Examination-Stücke aus der Ace-Attorney-Reihe und sorgt für eine unglaubliche Spannung. Seien es nostalgische bzw. romantische Musikstücke bei Interaktionen zweier Charaktere, die sich sehr nahe stehen oder dramatische Musikstücke bei Passagen des Spiels, in denen es um Leben und Tod geht – der ca. 70 Stücke umfassende Soundtrack lässt kaum Wünsche offen. Am meisten beeindruckt war ich von den zahlreichen, fantastischen Traum-Melodien wie beispielsweise "Psyncin' in the Sustain" oder "Sinkin' in the Brain", welche leider meist nur an jeweils einer einzigen Stelle in der gesamten Geschichte zu hören sind. Die Soundtrack-CD "Reveries in the Rain" (Träumereien im Regen) mit knapp 40 ausgewählten Stücken ist übrigens in der "Special Agent Edition" des Spiels enthalten, welche in limitierter Auflage auch in Europa erhältlich ist.

Redaktionswertung

9

Geniales Spiel

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu AI: The Somnium Files

Meinung von Felix Eder
Als ich das erste Mal AI: The Somnium Files startete, verharrte ich zunächst minutenlang am Startbildschirm, denn die wunderschön-schaurige Titelmelodie in Kombination mit dem sich bewegenden Hintergrund erzeugte Gänsehaut und gab mir das Gefühl, dass dieses Spiel ganz besonders werden würde. Glücklicherweise hat mich dieses Gefühl nicht getäuscht: Euch erwartet eine großartige, interaktive Krimi-Geschichte voller Dramatik, Emotionen und Überraschungen, welche euch abhängig von eurem Spieltempo 20 bis 40 Stunden an den Bildschirm fesseln wird. Die textlastigen Charakter-Interaktionen machen den Großteil des Spiels aus: Über 20 Charaktere mit einzigartigen Persönlichkeiten spielen eine wesentliche Rolle in der Geschichte, glänzen mit exzellenten Dialogen und machen es dem Spezialagenten Kaname Date nicht immer leicht, der Wahrheit näher zu kommen. Aufgelockert wird das Spiel durch diverse Gameplay-Elemente: Das puzzleartige Gameplay in den Träumen macht Spaß, ist jedoch relativ simpel und nicht mit den Rätseln aus der Zero-Escape-Reihe zu vergleichen. Auch die vereinzelten Action-Passagen sowie das Verhören und Konfrontieren von verdächtigen Personen mit Beweisen sind unterhaltsam, jedoch anspruchslos. Das Mystery-Adventure brilliert allen voran mit der großartigen Geschichte, welche gegen Ende des Spiels richtig an Fahrt aufnimmt und durch einen atmosphärischen Soundtrack sowie einer ausgezeichneten Vertonung perfekt untermalt wird. Auch Artstyle, Charakterdesign, Animationen und Grafik können voll und ganz überzeugen. Leider ist das Spiel nicht auf Deutsch erhältlich und erfordert gute Fremdsprachenkenntnisse (Englisch, Japanisch oder Chinesisch). Vereinzelte Probleme mit der Lippensynchronisation sowie leichte Framerate-Probleme im Finale des Spiels trüben den Spielspaß nur ganz leicht. Retail-Käufer sollten unbedingt das bereits verfügbare Update 1.0.1 zum Spiel herunterladen, welches die Performance signifikant verbessert. Trotz kleiner Mängel ist AI: The Somnium Files ein herausragendes Abenteuer, welches den spirituellen Vorgängern aus der Zero-Escape-Reihe um nichts nachsteht und unbedingt in jede Sammlung von Fans des Genres gehört.
Mein persönliches Highlight: Die emotionalen Momente und Wendungen sorgen für Gänsehaut und feuchte Augen
Meinung von Niels Uphaus
Die Zero-Escape-Reihe gehört für mich zu den besten Visual Novels aller Zeiten. Die komplexe Story und die faszinierenden Charaktere sind ziemlich einzigartig. Die Vorfreude auf AI: The Somnium Files war daher enorm. Konnte mich das Spiel überzeugen? Auf jeden Fall. Zwar ist die Story des Nintendo Switch-Titels weitaus weniger komplex als bei Zero Escape oder Ever17 und auch das Gameplay ist deutlich einfacher, dennoch haben wir eine phänomenale Visual Novel vor uns. Die Geschichte ist toll geschrieben, es gibt viele Referenzen zu anderen Spielen, Filmen und mehr, auch der typische Humor von Uchikoshi ist vorhanden. Die diversen Plottwists konnten mich ebenfalls überzeugen. AI: The Somnium Files ist ein komplett eigenständiges Spiel mit abgeschlossener Geschichte. Damit unterscheidet es sich drastisch von den Zero-Escape-Spielen wie 999, die geradezu nach einem Nachfolger geschrien haben. Auch wenn die Geschichte von Date abgeschlossen ist, hoffe ich dennoch, dass das sehr gelungene Gameplay erneut verwendet wird.
Mein persönliches Highlight: Die Rezeptionistin ist die wahre Heldin der Geschichte!

Kommentare 9

  • Maluigi | Leon 500.Beitrag - 04.10.2019 - 19:11

    Danke für diesen sehr ausführlichen Test.
  • Solaris ntower zertif. Kommentator - 04.10.2019 - 19:15

    Ich mag die Spiele und Humor von Spike Chunsoft. Egal ob die Danganronpa Reihe oder Zero Escape, nach diesem Test darf ich wohl ein weiteres Meisterwerk erwarten und ist somit gekauft.
  • Oblomov der Endboss - 04.10.2019 - 19:17

    Wow, als Fan von 999 und Co. freue ich mich spätestens nach diesem Test richtig drauf! Und dann sogar noch als Retail erhältlich - vorbildlich :thumbsup:
  • GreyMatter Turmknappe - 04.10.2019 - 19:39

    Leute, kauft dieses Spiel. Habe es nach 25 h durch und keine Sekunde davon bereut. Es ist auf jeden Fall leichter zugänglich als die Zero Escape Serie aber nicht minder packend.
  • Aya Turmheldin - 04.10.2019 - 21:57

    Ich hatte das Spiel ja von Anfang an im Auge aber das es SO GUT wird, hatte ich nicht geahnt! Muss ich haben, leider gibts dafür noch nicht wirklich Angebote, besonders nicht für die PC Fassung, nicht mal Key Händler haben das Spiel. =O
  • Samus_Fan Metroid-Killer - 04.10.2019 - 22:43

    Ab 18? Auf der Nintendo eShop Seite steht ab 16, schaue ich nur falsch? AI: Somnium Files eShop

    Egal, freut mich, dass das Spiel oftmals gut in Tests ankommt. Werde ich mir eh zukünftig kaufen, aber wahrscheinlich für PC.
  • TheSchlonz Turmheld - 04.10.2019 - 23:56

    Als Fan der Zero Escape Reihe war das Game sowieso ein Pflichtkauf. Freue mich aber auf jeden Fall über die gute Bewertung und hoffe, dass sich die 3 Zero Teile auch noch auf der Switch einfinden.
  • Felix Eder SSB #hypebrigade - 05.10.2019 - 00:00

    Zitat von Samus_Fan:

    Ab 18? Auf der Nintendo eShop Seite steht ab 16, schaue ich nur falsch? AI: Somnium Files eShop
    Als ich den Test schrieb, war auf der Nintendo-Webseite noch kein deutscher eShop-Eintrag auffindbar und im eShop auf meiner Switch (in Österreich) ist das Spiel ab 18 Jahren freigegeben. Meine beiden deutschen Kollegen aus der Redaktion hatten sich die europäische Special Agent Edition des Spiels gekauft, welche ebenfalls ab 18 freigegeben ist.
    Vielen Dank für den Hinweis, ich habe die dementsprechende Passage im Test aktualisiert (ab 18 in weiten Teilen Europas, ab 16 in Deutschland).
  • Kell Conerem Xenoblade Ultra. - 06.10.2019 - 08:46

    Schade... Wegen der Sprache leider nix für mich.