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Test zu 80 Days - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: 80 Days
  • USA USA: 80 Days
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
01.10.2019
Vertrieb
inkle
Entwickler
inkle
Genre
Simulation
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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In 80 Tagen durch eine alternative Welt

Von Kevin Becker () Angelehnt an den französischen Roman „Reise um die Erde in 80 Tagen“ erzählt 80 Days die Geschichte des britischen Gentlemans Phileas Fogg, der in einer Wette behauptet, die Erdkugel innerhalb von 80 Tagen einmal umkreisen zu können. Stets an seiner Seite ist Foggs Diener Passepartout, dessen Rolle ihr übernehmen werdet. Nachdem der Koffer gepackt ist, begibt sich das abenteuerlustige Duo nach Paris, von wo aus die Reise mit all ihren Möglichkeiten und Entscheidungen starten soll. Bevor es an den Spieleinhalt geht, muss ausdrücklich betont werden, dass 80 Days nur mit englischen Bildschirmtexten verfügbar ist und deswegen für alle, die der Sprache nicht mächtig sind, zu keinem Zeitpunkt verständlich oder unterhaltsam sein wird.

Von hier aus kann die Reise alle möglichen Formen annehmen. © inkle

80 Days ist ein reines Textabenteuer und bietet nicht einen einzigen klassischen Gameplaymoment. Stattdessen lebt die Reise von euren Entscheidungen, die immer wieder getroffen werden müssen, um möglichst effizient das Ziel im angegeben Zeitraum zu erreichen. Die drei Grundfaktoren, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, sind das Budget, die Zeit an sich und die Körperhygiene eures Meisters. Eine kleine Anzeige am unteren Bildschirmrand gibt in Punkten von null bis 100 an, wie es um den Wohlstand Foggs steht und ob ihr euch um ihn kümmern solltet. So pflegt ein Kamm beispielsweise seinen Schnauzbart, während das passende Parfüm für einen angenehmen Körperduft sorgt. Wie ihr euren Koffer füllt, ist ganz euch überlassen und sollte immer an die jeweilige Situation angepasst werden. Glücklicherweise lassen sich im Verlauf des Abenteuers weitere Koffer erwerben; im Gegenzug können bestimmte Transportmaschinen jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Gepäck mitnehmen. Wer hier an die Kapazitätsgrenze stößt und nichts wegwerfen möchte, kann sich in den Städten ein wenig umhören, ob alternative Routen möglich wären, die allerdings deutlich mehr Zeit beanspruchen. Nebenbei fahren bestimmte Vehikel zu unterschiedlichen Zeiten los, in der Nacht ist es also ratsamer ein wenig zu ruhen, um Fogg etwas Erholung zu geben. Durch das ständige Ausbalancieren von Ressourcen und Möglichkeiten lässt sich jeder Durchlauf anders gestalten, wodurch das Spiel praktisch endlosen Umfang bietet, der unzählige Wege zulässt.

Obwohl es um Foggs Wette geht, steht eindeutig Passepartout im Fokus des Abenteuers. Durch Entscheidungen eurerseits lässt sich selbst der Charakter des Dieners formen, was in neuen Antwortmöglichkeiten mit Fremden resultiert. In Form eines Tagebuchs dokumentiert euer Charakter jedes Event und sorgt mit seinem angenehmen Schreibstil für die ein oder andere interessante Begegnung, aus der später ein Nutzen gezogen werden könnte. So kann es durchaus sein, dass das Duo gefangen genommen wird und ihr mithilfe eurer Gegenstände überleben müsst. Habt ihr anderen Menschen während der Reise in optionalen Nebenaufgaben geholfen, können sie zur Rettung kommen und euch dabei helfen, eure Reise fortzusetzen. Wer jetzt Angst hat, dass der Zeitdruck einen durch das Spiel hetzt, den kann ich beruhigen. In meinem ersten Durchlauf bin ich nach 62 Tagen wieder in London angekommen und hatte eigentlich mehr als genug Zeit, mich ausführlich mit Leuten zu unterhalten. Doch selbst wenn ein Versuch in die Hose geht, ist es trotzdem ein legitimer Abschluss, der einfach als Niederlage zählt und kein „schlechtes Ende“ darstellt. Da 80 Days primär von seinen vielfältigen Wahrscheinlichkeiten und Texten lebt, möchte ich nicht zu viel verraten, doch reicht es zu sagen, dass man selbst nach der fünften Reise um die Erde noch lange nicht alles gesehen hat und es sich immer wieder lohnt, einen neuen Versuch zu starten.

Packt eure Koffer möglichst effizient. © inkle

Leider ist es nicht möglich innerhalb einer Odyssee zwischenzuspeichern. Das bedeutet, dass einmal angefangen, ein Durchlauf auch zu Ende gebracht werden muss, ansonsten startet alles von vorne. Eine Runde kann je nach Spielweg allerdings bis zu drei Stunden dauern, die natürlich nicht jeder in einem Rutsch aufbringen kann. Eine Speicherfunktion in Städten anzubieten hätte nicht geschadet und vor allem thematisch Sinn ergeben, wenn nicht nur Fogg und Passepartout eine Pause einlegen, sondern auch der Spieler. Hinzu kommt die etwas verwirrende Darstellung des Globus. Zoomt man aus dem Geschehen, kann es etwas unübersichtlich werden, welche Route der nächste sinnvolle Schritt ist. Nebenbei wäre eine Funktion, per Knopfdruck wieder sofort zum aktuellen Standort zu gelangen, äußerst nützlich, da es nach ständigem Drehen und Suchen passieren kann, dass man sich auf dem gigantischen Planeten erst einmal wieder selbst finden muss. Der Soundtrack lässt ein abenteuerliches Gefühl aufkommen, hätte allerdings etwas mehr Abwechslung vertragen können. Die Musik hätte sich zum Beispiel je nach Standort und Kontinent instrumental etwas anpassen können, selbst wenn das grundsätzliche Stück in seiner Melodik unverändert bleibt.

Das Highlight stellen aber die zahlreichen Städte unserer Welt dar. Auch wenn das Abenteuer einen einigermaßen realistischen Ton annimmt, wurde das Setting mit einem Steampunk-Flair und einigen Neuinterpretationen gewürzt. So findet ihr in der Antarktis eine komplett bevölkerte Stadt vor oder besucht eine mechanische Metropole, die auf vier Beinen getragen wird und ständig in Bewegung ist. Die pure Neugierde, wie die zwei ungleichen Gentleman auf die für sie unbekannten Gesellschaften reagieren, ist es eigentlich wert, jeden Ort mindestens einmal zu besuchen, was natürlich nicht möglich ist. So kann das Spiel auch als simpler Roadtrip verstanden werden, um die unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen – völlig egal, ob man das Ziel in 80 Tagen letztlich erreicht.

Redaktionswertung

7

Spaßgarant

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Unser Fazit zu 80 Days

Meinung von Kevin Becker
80 Days ist ein wunderbar funktionierendes Textabenteuer, das euch vor vielfältige Möglichkeiten stellt, euer Abenteuer ganz nach euren Entscheidungen zu gestalten. Der scheinbare Zeitdruck ist mehr als großzügig und lässt die Erfüllung interessanter, optionaler Nebenaufgaben zu, die sich auf den Spielverlauf auswirken. Das Management zwischen Zeit, Geld und Wohlergehen eures Meisters stellt eine dynamische Komponente dar, die komplett aufgeht, wenn sich beispielsweise zu viel Gepäck auf die Transportwege auswirkt und dadurch mehr Zeit beansprucht oder Gegenstände für einen nützlichen Preis verkaufen lassen. Leider kann während eines Spieldurchlaufs, der gerne mal drei Stunden umfassen kann, nicht gespeichert werden, weswegen das Spiel kaum etwas für zwischendurch ist. Der Globus mit all seinen Städten sieht optisch zwar schön aus, hätte allerdings etwas übersichtlicher gestaltet werden können. Sämtliche Metropolen beinhalten wiederum interessante Informationen und punkten vor allem mit ihren kleinen fantasiereichen Steampunk-Einflüssen und alternativen, historischen Entwicklungen. Der Weg ist das Ziel und 80 Days macht daraus kein Geheimnis mit seiner komplexen Struktur, die jede Form eures persönlichen Tagebuchs annehmen kann.
Mein persönliches Highlight: Die vielen verschiedenen Formen, die ein Spieldurchlauf annehmen kann.

Kommentare 1

  • AinoHinode Turmamazone - 10.10.2019 - 22:47

    Danke für den informativen Test. :)
    Ich hatte schon ein Auge auf das Spiel geworfen. Das einzige was nicht so gut klingt, ist die fehlende Möglichkeit während eines Durchgangs zu speichern. Aber ich denke mal, man kann zumindest pausieren, indem man ins Home-Menü der Switch geht und es dann später weiterspielt. Ich werde es mir sicher irgendwann mal kaufen, aber habe gerade noch recht viel zum zocken. Höchstwahrscheinlich schlage ich bei einem Sale zu. :)