Niedliches Crossover

Viele werden überrascht gewesen sein, als ein Crossover zwischen Doraemon, dem blauen katzenähnlichen Roboter, und dem Landwirtschaftssimulator Story of Seasons angekündigt wurde. Da Doraemon außerhalb Japans keinen allzu hohen Bekanntheitsgrad genießt, möchte ich an dieser Stelle genauer darauf eingehen, da die Welt von Doraemon im Spiel natürlich auch eine große Rolle einnimmt.


Doraemon und seine Freunde blicken auf den riesigen Baum, der im Mittelpunkt der Geschichte des Spiels steht. © Bandai Namco Entertainment

Zunächst sei erwähnt, dass Doraemon Story of Seasons die erste Veröffentlichung eines Doraemon-Spiels im Westen markiert. Nach über 60 Japan-exklusiven Videospielen wird die blaue Robo-Katze damit auch hier einem breiteren Publikum bekannt, was ohne das Crossover mit Story of Seasons wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Bei Doraemon handelt es sich ursprünglich um eine Mangaserie aus dem Jahr 1969 aus der Feder von Hiroshi Fujimoto und Motoo Abiko. Im Mittelpunkt steht die titelgebende Roboter-Katze Doraemon, die aus dem 22. Jahrhundert in die Gegenwart geschickt wurde, um einem tollpatschigen Jungen namens Nobita Nobi zu helfen. Doraemon selbst zeichnet vor allem eine vierdimensionale Tasche aus, die er am Bauch trägt und unendlich viel Platz bietet. Daraus kann er bei Bedarf allerlei Gegenstände aus der Zukunft hervorzaubern, darunter zum Beispiel eine Überall-hin-Tür, mit der er von Ort zu Ort springen kann und welche auch in Doraemon Story of Seasons Verwendung findet. Über die Jahre ist Doraemon in Japan zu einem festen Bestandteil der Popkultur geworden und wurde vom japanischen Außenministerium im Jahr 2008 sogar zum ersten Anime-Botschafter des Landes, um Verständnis für die japanische Kultur zu verbreiten. All das macht es so aufregend, mit Doraemon und seinen Freunden spannende Abenteuer in der Idylle eines kleinen Dorfes zu erleben. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine vielversprechende Prämisse.


Wie zu erwarten war, bringt die Einbindung von bekannten Charakteren und Gadgets aus Doraemon auch einige Änderungen in der Welt von Story of Seasons mit sich. Im Gegensatz zu klassischen Story of Seasons-Spielen bietet der vorliegende Titel eine lineare Geschichte mit dem Fokus auf Familie und Kameradschaft. Die Handlung beginnt damit, dass Nobita zufällig einen mysteriösen Samen findet und mit seinen Freunden für ein Sommerprojekt einpflanzt. Dieser wächst plötzlich zu einem riesigen Baum heran und die gesamte Gruppe landet daraufhin in einer anderen Dimension – zu allem Übel verliert Doraemon dabei zudem alle seine nützlichen Gadgets. Während ihr gemeinsam einen Weg sucht, in eure ursprüngliche Welt zurückzukehren, macht ihr euch als Nobita mit dem Leben auf einem Bauernhof vertraut. Seine Freunde erscheinen fortan als Nebencharaktere im nahegelegenen Dorf und unterstützen ihn bei seinen Abenteuern. Mit dem Voranschreiten der Geschichte können zudem Gadgets von Doraemon freigeschaltet werden, die brauchbare Fähigkeiten gewähren – unter anderem die schon angesprochene Überall-hin-Tür, die es Nobita ermöglicht, schnell zwischen den Gebieten hin und her zu reisen.


Unser Protagonist kann sich durchaus für die Landwirtschaft begeistern. © Bandai Namco Entertainment

Grundsätzlich passen die kinderfreundlichen Geschichten aus Doraemon, die geprägt sind von einem Sinn für Gemeinschaft, unschuldigem Humor und ökologischen Botschaften, wunderbar zum landwirtschaftlichen Alltag in Story of Seasons. Gleichzeitig zeigen die Gadgets von Doraemon die Aufgeschlossenheit gegenüber technologischem Fortschritt, der auch in der Landwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die Gegenstände finden im Spiel eine sinnvolle Verwendung und machen aus der Welt von Story of Seasons eine etwas interaktivere Landwirtschaftssimulation. Kurz gesagt ist dieses Crossover thematisch sehr stimmig und vereint die Besonderheiten beider Marken gekonnt miteinander, sodass sich zusammen ein großes Ganzes ergibt. Es hilft beim Spielen durchaus, zumindest etwas mit Doraemon vertraut zu sein, aber die Themen und der Ton des Spiels sind im Grunde universell. Auch wenn die Zwischensequenzen im Spiel alle humorvoll und niedlich sind und dem Ausgangsmaterial mehr als gerecht werden, zieht sich gerade der Einstieg in das Spiel am Anfang etwas in die Länge. Das Spiel nimmt sich sehr viel Zeit, die Geschichte zu erzählen, die verschiedenen Charaktere vorzustellen und in einem Tutorial die Grundlagen für die Arbeit auf dem Bauernhof zu erklären. Es dauert daher mehr als eine Stunde, bis ihr euch frei im Spiel bewegen und das Spiel endlich speichern könnt. Keine Sorge, ihr könnt Sequenzen zwar auch überspringen, als Neuling wollte ich mir die Geschichte und die Dialoge allerdings nicht entgehen lassen. Wer übrigens der englischen Sprache nicht mächtig ist, braucht sich keine Sorgen zu machen. Das Spiel wurde für unsere Breitengrade ins Deutsche übersetzt.


Aus Sicht von Story of Seasons treibt es das Crossover meiner Meinung nach nicht zu weit. Zwar musste der Titel in Japan ein wenig Kritik einstecken, beispielsweise weil der Protagonist Nobita nicht aus der Serie stammt und sonst übliche Elemente wie Romantik und Heirat des gemeinschaftlichen Aspektes aus Doraemon wegen gestrichen wurde. Doch abgesehen davon erhaltet ihr immer noch ein Stück Land, das ihr im Laufe des Spiels zu einem florierenden Bauernhof machen könnt. Ihr pflügt Felder, baut Nutzpflanzen an, pflegt eure Tiere, handelt mit Waren, richtet eure eigenen vier Wände ein, sammelt Insekten, bereitet leckere Gerichte zu oder baut Beziehungen zu anderen Einheimischen auf. Es gibt Festivals, an denen ihr teilnehmen könnt, viele Gewässer, in denen man angeln kann, und abgesehen davon habt ihr das Ziel, Doraemon und seine Freunde zurück nach Hause zu bringen. Story of Seasons bewegt sich also im gleichen entspannten Tempo fort, das die Fans an der Serie lieben.


Pflügen, säen und ernten, wie wir es von Story of Seasons gewohnt sind. © Bandai Namco Entertainment

Dementsprechend findet sich in Doraemon Story of Seasons auch kein Antagonist oder schwierige Stellen, wo eure spielerischen Fähigkeiten gefragt wären. Es gibt kleine Dinge, die ihr tun könnt, um den Bauernhof effizienter zu gestalten, die Produktion zu maximieren und die Qualität zu verbessern. Dazu stehen euch eine Reihe von Werkzeugen, Düngemitteln, Saatgut und viele weitere Dinge zur Verfügung, die ihr natürlich ebenfalls Upgrades unterziehen und so verbessern könnt. Kauft die richtigen Samen für die Saison, gießt sie jeden Tag und stellt sicher, dass die Tiere gepflegt werden. Es klingt simpel, aber ihr werdet garantiert euren Spaß damit haben. Das Herz des Spiels ist allerdings nicht euer Bauernhof, sondern die Stadt Shizen Town, in die es Doraemon und seine Freunde verschlagen hat. Alles wirkt lebendig, es gibt viele familiengeführte Läden und ihr könnt hier regen Handel mit den Einheimischen treiben. Zusätzlich bieten die verschiedenen Gebiete, die ihr wie bereits erwähnt dank der magischen Tür später unkompliziert aufsuchen könnt, auch die Möglichkeit zur Erkundung. So wechseln sich dichte Wälder mal mit Stränden, Bergen oder Höhlen ab und ihr könnt außerhalb der Stadt viel Zeit damit verbringen, umherzustreifen und neue Materialien zu entdecken, die ihr wiederum für euren Bauernhof verwenden könnt.


Doraemon Story of Seasons ist dank der passenden Pastellfarben auch ein wirklich hübsches Spiel. Bei Retro-Plattformern bevorzuge ich eigentlich die Pixelkunst, in diesem Genre würde ich den warmen und comichaften Look von Doraemon Story of Seasons aber jederzeit dem von zum Beispiel Stardew Valley vorziehen. Beim näheren Hinschauen nimmt man zwar durchaus ein paar Ecken und Kanten wahr, insgesamt hat das Spiel in dieser Hinsicht aber einen guten Eindruck auf mich gemacht. Vor allem in den Zwischensequenzen sehen die Charaktere super aus und werden ihrem Ursprung mehr als gerecht. Die Musik ist eine schöne Mischung aus Doraemons ikonischen Melodien und dem ruhigen, ländlichen Soundtrack von Story of Seasons. Entspannung ist da vorprogrammiert und man verbringt jedes Mal ein bisschen mehr Zeit mit dem Spiel als man ursprünglich geplant hat.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kevin Franke

Doraemon Story of Seasons bringt das Beste aus zwei Welten zusammen. Das Spiel kratzt nicht einfach an der Oberfläche, sondern verbindet gekonnt zwei verschiedene Marken, was sich letztlich überaus positiv auf das Spiel auswirkt. Der Titel hangelt sich lose an einer linearen Geschichte entlang, die dank Doraemon und seiner Freunde voller Humor ist und den gemeinschaftlichen Aspekt gut zu vermitteln weiß. Gleichzeitig kann sich auch die Stärke von Story of Seasons voll entfalten, es gibt reichlich zu tun auf eurem Bauernhof und der vielen umliegenden Gebiete. Bis auf die Heirat sind zudem fast alle wichtigen Komponenten der Reihe enthalten und bieten die Tiefe, die sich ein Veteran der Reihe wünschen würde. Mehr noch lockern Gadgets wie die Wetterkarte oder die Überall-hin-Tür das Geschehen zusätzlich auf und machen das Gameplay damit umso interessanter. Vielleicht wird es einige geben, die lieber auf den nächsten Hauptteil warten, ich hatte hingegen sehr viel Spaß mit Doraemon Story of Seasons und würde es jederzeit weiterempfehlen.
Mein persönliches Highlight: Endlich zeigt sich Doraemon auch in westlichen Gefilden.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

6 User haben bereits bewertet

Kommentare 14

  • byJannik

    Turmritter

    Zitat

    "Wer übrigens der englischen Sprache nicht mächtig ist, wird leider enttäuscht werden. Für unsere Breitengrade wurde das Spiel nicht ins Deutsche übersetzt."

    Nanu, das stimmt aber doch gar nicht. Ich kann das Spiel auf deutsch spielen.

  • VogelSwitcher

    Turmheld

    Also ich hab es mal gezockt. Optisch ist es wohl das schönste Story of Seasons spiel. Obwohl ich Doraemon nicht kenne finde ich das aber absolut gar nicht störend. Das ganze läuft meistens auch in 60fps was ich sehr sehr wichtig finde!


    Kann das Game nur jedem empfehlen. Das einzige was mich aber stört sind 2 Sachen:


    -Kein heiraten. Irgendwo logisch, da es keinen Sinn in der original Serie geben würde. Dennoch ein feature das fehlt. Schade.
    -Objekte verschieben. Man konnte in anderen Teilen den Stall, Haus und sonst was verschieben. Das geht hier nicht mehr. Man kann einige Objekte wie Bänke aber auf der Farm platzieren (auf dem Feld...). Das Manko ist aber nicht wirklich schlimm, das ist sehr verkraftbar.


    Gebt dem ganzen eine Chance es ist echt gut.

  • Zegoh

    Feuer ♥ Eis

    Nanu, das stimmt aber doch gar nicht. Ich kann das Spiel auf deutsch spielen.

    Kann ich bestätigen, das Spiel besitzt deutsche Untertitel.
    Und die Übersetzung ist bisher sehr gut.


    in diesem Genre würde ich den warmen und comichaften Look von Doraemon Story of Seasons aber jederzeit dem von zum Beispiel Stardew Valley vorziehen

    Sehe ich genauso, die Grafik ist wirklich wunderschön. Alles ist super "gezeichnet" und auch die Details sind zum Verlieben.


    Die Musik ist eine schöne Mischung aus Doraemons ikonischen Melodien und dem ruhigen, ländlichen Soundtrack von Story of Seasons. Entspannung ist da vorprogrammiert und man verbringt jedes Mal ein bisschen mehr Zeit mit dem Spiel als man ursprünglich geplant hat.

    Stimme ich auch zu, das ganze Spiel ist so mega entspannt.
    Was man bei "Musik" aber wohl negativ einordnen sollte, ist das Gestöhne von Nobita, bei fast jeder Aktion die man macht. Bei jedem Gießen nervt es besonders.

  • Dennis Meppiel

    Administrator

    @byJannik Die Stelle haben wir verbessert. Danke Dir.

  • Kylar

    Turmbaron

    Ich bin auch verliebt in das Spiel, das setting bringt auch etwas frischen Wind in das Genre :*


    klare Kaufempfehlung meinerseits ^^

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    @VogelSwitcher Bin zwar kein Fan des Genres habe aber nie verstanden warum da Heiraten überhaupt wichtig ist oder überhaupt geht. Mir scheint dieses Feature überbewertet zu sein. Würde ja verstehen wenn es Sims wäre oder so wo es zum Leben dazugehört aber bei diesem genre?

  • Rei

    Turmheld

    Wie ist es denn in Vergleich zu Stardew Valley?

  • Kylar

    Turmbaron

    @Rei


    Es ist anders, aber dennoch vergleichbar, man hat wesentlich mehr Story Anteil (skipbar) mehr Anleitungen (skipbar) weniger crafting Möglichkeiten (was ich bis jetzt gesehen habe)


    du solltest einfach mal die Demo spielen, die gibt dir relativ gut einen Einblick :)

  • VogelSwitcher

    Turmheld

    @Rei
    Anders.
    Beides gut, Stardew Valley hat ein paar mehr features (Sachen verschieben, Tiere usw), Story of Seasons punktet aber mit Story. Es ist schwer zu erklären aber wenn man anfängt zu zocken, findet man die Charaktere direkt sympathisch und selbst Dorfbewohner bleiben beim Intro ALLE (!) direkt im Kopf hängen.


    Würde dir die Demo sonst empfehlen, aber die Demo gab nicht das wieder wie das richtige Spiel es tut. Man hängt da fast nur im Tutorial xD

  • Karooooo

    Nintendo-Fan <3

    Ich lese nur Lob im Fazit und trotzdem bekommt das Spiel nur 8 Punkte? Wofür wurden denn die 2 Punkte abgezogen? Würde mich einfach mal interessieren, da ich das so nicht nachvollziehen kann und auch nicht gerechtfertigt finde.

  • dbaf14

    Turmknappe

    @Zegoh


    "das Gestöhne von Nobita, bei fast jeder Aktion die man macht. Bei jedem Gießen nervt es besonders."


    Das war erst der Grund weshalb ich vor dem Kauf dachte, dass ich mit dem Spiel vielleicht nicht ganz so glücklich werde.
    Aber zum Glück kann man das in den Toneinstellungen ausschalten.


    Super Spiel.

  • Aya

    Danke für den Test, jetzt will ich das Spiel nur noch mehr. :D Alleine das zweite bild im Test mit dem süßen Vogel oh mein Gott ich könnte schmelzen so süß wie das ist. :love:

  • Knusel

    Turmbaron

    Seit langem ein wirklich gutes farming Spiel


    Top...
    Schöner Grafik Stil
    Tolle Melodien
    Viel Story
    Freundschaften schließen ist weniger nerfig
    Großes Gebiet zum erkunden
    Seit langem mal wieder tolle Feste (Mini Spiele)
    Viele Dekorations Objekte für drinnen und draußen
    Das Dorf wirkt sehr lebendig



    Flop....
    Kein Hochzeit
    Nur die üblichen 3 Standart Tiere




    Mein persönlich größter Kritik punkt ist
    Wenn ich laufe dann wirkt die Umgebung bei mir unscharf
    Was nach kurzer Spielzeit bei mir zu Kopfschmerzen führt...
    Geht's nur mir so???

  • Kylar

    Turmbaron

    @Knusel


    also ich habe keine Kopfschmerzen, dafür geht mir das bis heute mit dem ersten Teil von Metroid Prime so, ich kann mir das aber auch nicht erklären.


    ich empfinde die Umgebung aber auch nicht als unscharf, wenn ich mich in Bewegung setze.