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Test zu The Bradwell Conspiracy - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: The Bradwell Conspiracy
  • USA USA: The Bradwell Conspiracy
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
10.10.2019
Vertrieb
Bossa Studios
Entwickler
A Brave Plan
Genre
Adventure, 3D
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Museumsbesuche sind langweilig – von wegen

Von Felix Kraus () Mit The Bradwell Conspiracy möchte A Brave Plan die Spielerschaft mit einem mysteriösen Puzzle-Abenteuer unterhalten. Der seit dem 10. Oktober erhältliche Titel weckt auf den ersten Blick Erinnerungen an Valves Portal und die Vermutung, hiermit etwas Ähnliches geliefert zu kommen, liegt gar nicht mal so fern. Die folgenden Zeilen sollen Aufschluss darüber geben, ob sich der Rätselspaß auf der Nintendo Switch lohnt und eine gute Alternative zum großen Vorbild darstellt.

Ein vielversprechender Einstieg

Das Spiel beginnt dramatisch. Ihr kommt allmählich zu Bewusstsein und findet euch in einem völlig zerstörten Festsaal wieder. Eine elektronische Stimme, die sich als Guide vorstellt, analysiert eure körperliche Verfassung und kommt zum Ergebnis, dass euch nichts fehlt bis auf die Ausnahme. Da ihr aufgrund der Menge an Rauch, die ihr inhaliert haben müsst, nicht sprechen könnt, steuert ihr in The Bradwell Conspiracy einen stummen Protagonisten – eine raffinierte Erklärung. Außerdem erhaltet ihr Nachrichten, dass es eine Explosion im Stonehenge Museum gegeben habe und eine terroristische Gruppe unter Verdacht stehe, deren Ziel es sei, die 0,1 Prozent der reichsten Bürger dieser Welt zu stürzen. Ein Blick aus dem Fenster genügt, um zu erahnen, wo ihr euch befindet – nämlich in besagtem Museum. Eure Aufgabe ist es nun, aus den einstürzenden Trümmern zu fliehen. Ein wenig später meldet sich eine weitere Stimme über Guide zu Wort. Dabei handelt es sich um Amber, ein weiteres Opfer, was seinen Weg aus den Trümmern sucht. Mit ihrer Hilfe schafft ihr es beinahe, zu entkommen. Kurz bevor es euch gelingt den nötigen Ausgang zu öffnen, bricht der Boden unter euren Füßen weg und ihr fallt in die Tiefe. Euer Abenteuer hat gerade erst begonnen.

Das Intro gestaltet sich attraktiv und präsentiert euch eine ansprechende Kulisse. Jedoch lässt ein solcher Anblick die Bildrate in den Keller rauschen – so wie es euch nach wenigen Minuten im Spiel auch ergeht. © Bossa Studios

Euer Fall endet unsanft in einem Untergrundkomplex. Dieser gestaltet sich ähnlich schick wie das Museum an der Oberfläche. Dasselbe Schicksal ereilte übrigens auch Amber, weswegen ihr erneut am Anfang eures Planes, zu entkommen, steht. Da ihr Amber nicht antworten könnt, weil eure Stimmbänder durch den Rauch in Mitleidenschaft gezogen wurden, verständigt ihr euch anhand von Fotos. Mithilfe dieses Bildmaterials fragt ihr nach dem Weg, sendet euch hilfreiche Tipps und teilt euren Standort. Dieses Gimmick wurde gut in das Spiel integriert. Ihr sendet mal mehr, mal weniger sinnvolle Informationen in Form von Bildern an Amber und diese reagiert anschließend darauf. Allgemein ist Amber eine angenehme Zeitgenossin, hat immer wieder mal einen Scherz auf Lager und nimmt euch etwas das Gefühl der Einsamkeit in der verwüsteten Anlage – ähnlich wie GLaDOS in Portal, nur weniger zynisch und auf euer Überleben bedacht. Nachdem sich eure erste Idee frühzeitig als Schuss in den Ofen entpuppt und ihr eine falsche Identität angenommen habt, um Zugang zu diversen Bereichen des Komplexes zu erlangen, erhaltet ihr das eigentliche Werkzeug, worum sich der Großteil des Spiels dreht: Den "Substance Mobile Printer" – kurz SMP. Dessen Nutzung ist fortan essenziell für die Lösung kommender Rätsel. Nach dessen humorvoller Einführung schlagt ihr euch unter Ambers Anleitung weiter durch den Untergrund.

3D-Drucker to go

Der SMP benötigt Munition in Form eines neu entdeckten Elements. Das Bradwellium, welches nach der Familie benannt wurde, deren Unternehmen ihr im Laufe des Abenteuers kennenlernt und durchquert, wird in glitzernden Blöcken dargestellt, kann aber auch aus bereits gedruckten Objekten recycelt werden. Diese findet ihr verstreut in den jeweiligen Arealen, in denen ihr euch gerade aufhaltet. Zudem braucht ihr Blaupausen der Objekte, die ihr mit dem SMP erzeugen wollt. Solche findet ihr in Mailanhängen, auf Festplatten oder erhaltet sie, sobald ihr ausgewählte Objekte wiederverwertet. Das System hinter der pistolenförmigen Apparatur klingt zunächst kompliziert, geht aber relativ zügig in Fleisch und Blut über, obwohl es sich allgemein etwas sperriger bedienen lässt als Valves Portal Gun. Müsst ihr beispielsweise eine eingestürzte Brücke überqueren, wählt ihr die passende Blaupause, in diesem Fall etwas in Form einer Planke, aus und druckt unter Berücksichtigung der räumlichen Ausrichtung drauflos. Habt ihr das Hindernis überquert, solltet ihr eure neu geschaffenen Objekte wiederverwerten, sodass euch auf eurem weiteren Weg das Bradwellium, häufig nur Substanz genannt, nicht ausgeht. Das könnt ihr allerdings nur, sofern es sich hierbei nicht bereits um korrekt eingesetzte Gegenstände zur Lösung eines Rätsels handelt. Diese können zugunsten des Spielflusses nicht wieder entfernt werden. Der SMP verweigert dann aufgrund eines Sicherheitsrisikos den Dienst. Zwischen den stellenweise weitläufigen Arealen gebt ihr sämtliche Substanz und Blaupausen ab und startet sozusagen wieder bei null.

Die Einführung des SMP gestaltet sich humorvoll. Hier seht ihr einen Klassiker: Der Boden ist Lava. © Bossa Studios

Die Rätsel in The Bradwell Conspiracy sind selten richtige Kopfnüsse. Eure grauen Zellen werden schon gefordert, aber primär beschäftigt ihr euch mit der Beschaffung von Blaupausen und der benötigten Substanz, um anschließend an vorgesehenen Stellen zu drucken, wenn euch das der SMP gestattet. Im Wasser funktioniert euer Instrument gar nicht, was euch zum einen oder anderen Workaround zwingt.

Der SMP ist definitiv eine tolle Idee, jedoch scheitert hier die Umsetzung an Kleinigkeiten. Physik spielt in The Bradwell Conspiracy keine großartige Rolle. Während anfangs das Museum eindrucksvoll vor euren Augen in sich zusammenfällt, bleibt die Tatsache, dass sich eure gedruckte Planke gerade mal einen Fingerbreit auf dem Boden und sonst in der Luft befindet unbeachtet – ihr spaziert einfach drüber, als sei es eine massive Brücke. Rätsel hätten definitiv mehr Tiefe, wenn man die Physik berücksichtigt hätte, außerdem zehrt es ungemein an der Glaubwürdigkeit des sonst so spannenden Titels. Dass man mit dem Bradwellium eine mysteriöse Komponente mit ins Spiel bringt, ist toll, jedoch kann die Suche nach der einen Substanz, die zum Lösen des Rätsels führt, gewaltig auf die Nerven gehen. Wie bereits erwähnt, gestalten sich manche Areale ziemlich weitläufig und infolgedessen die Suche nach Munition mühselig. Das liegt nicht zuletzt an der eher weniger tollen Technik des Titels, worauf aber später noch eingegangen wird. Der SMP hat Potenzial, jedoch sind es diese Kleinigkeiten, die am Spaß nagen, welcher ein solches Werkzeug verspricht.

Technik aus dem Museum

Die Optik des Spiels weiß zu gefallen, jedoch merkt man, dass diese aufgrund der Portierung eine Menge Federn lassen musste. Der Bürokomplex ist toll gestaltet und erweist sich trotz des Untergrund-Settings als sehr abwechslungsreich. Jedoch mussten viele Schatteneffekte weichen, was letztendlich nicht richtig aussieht. Texturen auf Briefen und Flyern sind unscharf, was das Lesen etwas erschwert, da auch eine Funktion fehlt, die den abgebildeten Text in Bildschirmtext ausgibt. Hier und da schleicht sich auch mal ein Grafikfehler ein, beispielsweise verweilen Spuren im sowieso nicht so schönen Wasser, obwohl ihr das kühle Nass schon lange verlassen habt. Zudem ist die Bildrate leider nicht wirklich stabil. Das Spiel läuft zu etwa 60 Prozent ruckelig. Die Bildrate bricht zeitweise sogar so stark ein, dass der Spaß am Erkunden darunter leidet. Das Problem lässt sich geringfügig beheben, indem man in den Handheld-Modus der Nintendo Switch wechselt, aber selbst dort kommt es häufig zu Einbrüchen.

Diese führen auch dazu, dass der sonst gute Sound so verzerrt ausgegeben wird, dass man Angst um die Konsole bekommt. Außerdem hatte ich während meines Durchgangs das Problem, dass sich aufgrund eines Fehlers eine Tür nicht öffnete, weswegen ich nicht mehr vorankam. Ein Laden des letzten Spielstandes, wovon es nur einen gibt, brachte keine Besserung, ebenso wenig ein Neustart meiner Konsole. Es mussten also volle zwanzig Minuten erneut gespielt werden. Dabei konnte ich dann auch einen Absturz der Nintendo Switch verzeichnen, weil sich in meiner Eile die Dialoge stapelten und dies schlussendlich zur Überforderung führte. Zumindest ging am Ende die erwähnte Tür auf, ich konnte mein Abenteuer fortsetzen und nach etwa vier Stunden abschließen. Länger benötigt ihr nicht für einen Durchgang.

Trotz des Settings gestaltet sich eure Umgebung abwechslungsreich. Man merkt, dass darin viel Zeit und Mühe investiert wurde. © Bossa Studios

Der Sound ist gelungen. Dieser setzt sporadisch ein und sorgt für eine mysteriöse, gar etwas unheimliche Atmosphäre. Ihr werdet nicht permanent damit beschallt, weswegen der vereinzelte Einsatz immer besonders wirkt. Leider leidet auch dieser, wie bereits erwähnt, unter der sonstigen Technik des Titels. Übrigens verfügt The Bradwell Conspiracy ausschließlich über eine englische Sprachausgabe. Abhilfe verschaffen hierbei deutsche Untertitel. Die Vertonung ist jedoch rundum gelungen, vor allem die der pfiffigen Amber. Wohingegen der Sound glänzt, lässt der Verlauf der Geschichte etwas zu wünschen übrig. Irgendwie implizieren die merkwürdigen Melodien und Geräusche einen folgenschweren Twist. Diesen erhaltet ihr auch, jedoch wird dieser der Atmosphäre des Titels nicht gerecht. Aus irgendeinem Grund fehlte der erhoffte Einschlag.

Die etwas hakelige und sperrige Steuerung lässt neben der Performance ebenfalls vermuten, dass der Titel primär auf dem PC zu Hause ist. Die Scrollgeschwindigkeit beim Lesen von Mails ist viel zu sensibel, was dazu führt, dass man längere Unterhaltungen einfach liegen lässt, egal wie interessant der Inhalt sein mag. Außerdem fühlt sich das Zielen nicht zuletzt aufgrund der durchwachsenen Bildrate sehr schwammig an. Klar kann man von den Analogsticks nicht dieselbe Präzision einer Maus erwarten, jedoch haben gerade die Konsolenumsetzungen von Valves Portal bewiesen, dass eine Adaption durchaus möglich ist.

Redaktionswertung

6

Überzeugend

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Unser Fazit zu The Bradwell Conspiracy

Meinung von Felix Kraus
The Bradwell Conspiracy bietet durchaus ein spaßiges und spannendes Rätselabenteuer, dem jedoch die Technik einen Strich durch die Rechnung macht. All die anderen Kritikpunkte mögen vorhanden sein, können jedoch durch die gute Narrative und Darstellung kaschiert werden. Die ständigen Bildrateneinbrüche und Soundfehler trüben jedoch das Spielerlebnis erheblich, da beispielsweise die mühselige Suche nach Substanz durch Erstere zur echten Tortur wird. Außerdem lebt man in ständiger Angst, dass ein weiteres fehlerhaftes Skript zum Neustart zwingt. Wer sich für diese Art von Spielen interessiert, dem kann ich The Bradwell Conspiracy empfehlen, solange man nicht viel Wert auf eine lange Spielzeit legt. Habt ihr jedoch irgendein anderes System zu Hause stehen, wofür das Spiel erhältlich ist, holt es euch für dieses.
Mein persönliches Highlight: Die sympathische Dame, die euch das Abenteuer über begleitet – Amber.

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