Heavy Metal trifft Action-Platformer

Bei Valfaris handelt es sich um einen Action-Platformer aus dem Hause Steel Mantis, der vor ein paar Wochen im Nintendo eShop der Nintendo Switch erschienen ist. Das Spiel ist ein indirekter Nachfolger von Slain: Back from Hell, dem ersten Spiel von Steel Mantis aus dem Jahr 2017. Slain konnte seinerzeit mit seiner audiovisuellen Präsentation überzeugen, stolperte aber leider über einige technische Mängel, die bessere Wertungen verhinderten. Mit Valfaris haben sich die Entwickler offensichtlich vorgenommen, es diesmal besser zu machen. In unserem Spieletest findet ihr heraus, ob ihnen das auch gelungen ist.


Euer Waffenarsenal setzt sich aus Geschützen und Klingen zusammen. © Big Sugar Games

Von Beginn an macht euch Valfaris klar, welche Art von Spiel euch erwartet. Wir befinden uns in einer düsteren Sci-Fi-Welt, in der sich ein von Rache getriebener Krieger seiner Feinde mit höllischen Waffen auf brutale Art und Weise entledigt, während im Hintergrund der herrliche Sound des Heavy Metal läuft. Wer eine pointierte Story erwartet hat, ist hier definitiv fehl am Platz.


Unser Held hört auf den Namen Therion, ein langhaariger Mann in blutroter Rüstung. Seine Heimatwelt, Valfaris, ist zu einem außerirdischen Alptraum verkommen und Therion vermutet, dass sein eigener Vater etwas damit zu tun haben könnte. Also steigt er kurzerhand in ein Raumschiff und begibt sich auf seinem Heimatplaneten auf Spurensuche. Mit seinen großen Geschützen, einer Fülle an außerirdischen Monstern und den dazwischen liegenden Plattformabschnitten steht Valfaris ganz im Zeichen der frühen 90er Jahre, die von Spielen wie Contra und Turrican geprägt waren. Der Titel erreicht sicherlich nicht die Qualität, die diese Größen vor fast 30 Jahren erreicht haben, aber er tut sein Bestes, um einer Ära Tribut zu zollen, in der die Level schnell, hektisch und herausfordernd waren.


Gleichzeitig muss sich Valfaris natürlich vor allem an seinem Vorgänger Slain: Back from Hell messen lassen. Im Grunde folgt Valfaris seinem Vorgänger in Sachen Gameplay in den meisten grundlegenden Punkten: Ihr kämpft euch in diesem Action-Platformer durch eine lineare, pixelbasierte Welt und besiegt am Ende jedes Levels einen Boss. Valfaris versucht jedoch dort anzusetzen, wo Slain an vielen Stellen scheiterte. Zum Beispiel fällt die Steuerung viel reaktionsschneller aus als es noch bei Slain der Fall war. Zu häufig wurden Eingaben einfach nicht registriert, was teilweise so gravierend war, dass man unverschuldet zu Tode kam. Auch der Schwierigkeitsgrad ist längst nicht mehr so inkonsistent wie zuvor. Bei einigen Bossen ist man noch immer auf ein Quäntchen Glück angewiesen, im Wesentlichen steht aber eine strategische Herangehensweise an die Kämpfe im Vordergrund. Zwar sind einige Probleme in abgeschwächter Form auch in Valfaris noch vorhanden, bei den gröbsten Schwächen ist jedoch bereits ein spürbarer Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger zu erkennen.


Auf einen Knopf zum Ausweichen wurde in Valfaris leider verzichtet, was einen großen Unterschied macht, wenn man größeren und tödlicheren Feinden gegenübersteht. Therion ist eher ungelenkig, wodurch sein Spielraum etwas eingeschränkt ist, wenn es wirklich einmal zur Sache gehen sollte. Stattdessen verfügt ihr über einen Schild, mit dem ihr ankommende Geschosse auch absorbieren und mit dem richtigen Timing auf eure Gegner zurückwerfen könnt. Eine nette Mechanik, die dem Spiel ein wenig mehr spielerische Tiefe verleiht.


Therion ist ein leidenschaftlicher Headbanger. © Big Sugar Games

Waren in Slain noch geschickte Kombinationen von Nahkampfangriffen gefragt – einer der wenigen Bereiche, in denen sich das Spiel hervortun konnte – wurden diese Mechanik zugunsten einer Reihe von Klingenwaffen fallen gelassen, mit denen man einfach nur noch drauflos schnetzelt. Zusätzlich stehen euch in Valfaris als Ersatz für das Mana-System mächtige Geschütze zur Verfügung. Während Slain einen methodischeren Ansatz verfolgte, setzt swe geistige Nachfolger auf Einfachheit und Schnelligkeit. Es macht höllischen Spaß, die Gegner mit den unterschiedlichsten Geschützen über den Haufen zu schießen, etwa mit der Gatling-Waffe Hellwrath, die auf rasante Feuerrate setzt. Etwas weniger Spaß hatte ich hingegen mit den Klingen, da diese nur über eine geringe Reichweite verfügen und man schnell den Überblick verliert, wenn zig Gegner gleichzeitig auf einen zustürmen. Ihr könnt während des Spiels jederzeit zwischen drei beschiedenen Waffen über die Knöpfe "Y" (Hauptwaffe), "X" (Nahkampfwaffe) und "A" (Sekundärwaffe) wählen, zum Austauschen und aufwerten dieser Waffen müsst ihr jedoch erst einen Checkpoint aufsuchen.


Der Mangel an Kontrollpunkten war ein ernsthaftes Problem in Slain, doch die Entwickler haben sich mit der Einführung von Wiedererweckungsidolen und großzügig verteilten Checkpoints etwas einfallen lassen, um diese Problematik aus der Welt zu schaffen. Valfaris ist noch immer bretthart, aber die grünen Idole mildern zum einen diese unerbittlichen Momente und stellen gleichzeitig eine Belohnung für diejenigen dar, die mutig genug sind, Kontrollpunkte zu ignorieren. Alle gesammelten Idole werden auch nach dem Tod gespeichert, und je mehr ihr sammelt, ohne sie letztendlich auch zu benutzen (entweder um Checkpoints zu aktivieren oder im Austausch gegen Metall zur Verbesserung eurer Waffen), desto größer wird eure Lebens- und Energieleiste. Dies kann in einem schweren Kampf den nötigen Unterschied ausmachen, birgt allerdings auch das Risiko, an einem Kontrollpunkt wiederbelebt zu werden, der schon weit im Level zurückliegt. Es ist ein intelligentes System, das gut funktioniert und es euch erlaubt, selbst zu entscheiden, wie ihr am idealerweise vorgehen möchtet. Die Checkpoints haben mir oft das Leben gerettet, denn noch immer stellen sich euch schier unaufhörliche Wellen von Feinden entgegen. Leider plagt auch Valfaris noch das Problem, dass Gegner fast direkt wieder aus dem nichts auftauchen können, das Checkpoint-System setzt aber genau dort an und verhindert damit Schlimmeres.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Franke

Insgesamt ist Valfaris ein viel besseres Spiel als sein Vorgänger, das neue Spielmechaniken und Ideen einführt, und daher eine viel bessere Figur als klassischer Action-Platform-Formel macht. Die handgefertigte Pixeloptik und der brutale Metal-Soundtrack machen das Spiel zu einem echten Erlebnis, auch wenn am Ende einige Unzulänglichkeiten das reine Spielerlebnis doch ein wenig trüben. Eine etwas inkonsistenter Schwierigkeitsgrad und das willkürliche Spawnen von Gegnern kann einige Levels zu einer unfairen Zerreißprobe machen, aber insgesamt hinterlässt Valfaris einen mehr als ordentlichen Eindruck, der Lust auf weitere Projekte von Steel Mantis macht.
Mein persönliches Highlight: Therion wird zum Headbanger, wenn er eine neue Fähigkeit erlangt.

Die durchschnittliche Leserwertung

4 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • Mayhem89

    Turmritter

    Gerade wieder am durchspielen von Slain und hab echt spaß. Valfaris sieht nach Turrican trifft auf Metal aus und freu mich auf das game wenn im november das Modul hier reinflattert :)

  • Fabinho84

    Turmbaron

    Scheinen mittlerweile echt viele Trolle unterwegs zu sein.Unter jedem Testbericht ist eine richtig miese Leserbewertung zu sehen.

  • Tarik

    Turmbaron

    @Fabinho84
    Ist mir auch schon aufgefallen. Armselig.