Bon Voyage!

Hat Kids Reise mag mit dem Hauptabenteuer abgeschlossen sein, doch spricht nichts dagegen, ein wenig die Füße baumeln zu lassen und es sich auf einem Kreuzfahrtschiff gemütlich zu machen. Mit Seal the Deal laden euch die Entwickler von Gears for Breakfast zum Ersten von zwei Zusatzpaketen ein, welches mit einer brandneuen Welt, weiteren Hüten, frischen Verkleidungen und dem Death Wish-Modus – eine teuflisch schwere Ansammlung bereits bekannter Missionen in veränderten Zuständen – überzeugen sollen und das Spiel erweitern. Selbstverständlich beinhaltet der DLC noch viele zusätzliche kleine Überraschungen, die allesamt im folgenden Text unter die Lupe genommen werden. Um vorweg für Klarheit zu sorgen: In der Retail-Fassung ist der DLC bereits im Spiel inbegriffen. Digitale Käufer können in einem gemeinsamen Paket das Hauptspiel + Seal the Deal erwerben oder die Erweiterung auch getrennt herunterladen.


Unterstützt den Kapitän und seine Besatzung beim Management des Schiffs © Humble Bundle

Der wohl offensichtlichste Zusatz ist die komplett neue Welt, das arktische Schiff. Mit insgesamt drei Missionen erkundet ihr den gigantischen Kreuzer und seine Etagen nach unbekannten Geheimnissen und begegnet sowohl neuen als auch bekannten Gesichtern. Egal ob der Schaffner, Snatcher oder Mafia-Boss – sie alle möchten einen Urlaub auf dem Meer verbringen und erinnern mit lustigen Dialogen an vergangene Konfrontationen. Das Highlight sind die kleinen Neffen des Schaffners, die mehr als einmal aus dem Kinderparadies ausbrechen können und eingesammelt werden müssen. Für euren Wohlstand auf der Reise sorgen niedliche kleine Robben, die mit ihrem Akzent und der Tollpatschigkeit perfekt zur restlichen Charakterbesetzung passen. Dies zeigt sich auch im Verhalten, wenn die Robben sich abermals für verschüttete Getränke entschuldigen oder rücksichtslose Poolbesucher nur ganz vorsichtig und zu freundlich für falsches Benehmen ermahnen. Der Kapitän des Schiffs, ein adipöses, depressives Walross, steht im kompletten Kontrast zu seinem Team und scheint der einzige kompetente Arbeiter zu sein. Das erhöhte Budget für die Entwicklung der Zusatzpakete bei Gears for Breakfast merkt man diesem Charakter augenblicklich an.


Seine Animationen, Ausdrücke und das Charaktermodell heben sich qualitativ auffällig vom Rest des Spiels ab. Ebenso schöner ist die allgemeine Grafik des Schiffs. Die unterschiedlichen Räume wirken sehr viel lebendiger und detailreicher, der Fortschritt innerhalb des Entwicklerteams ist nicht von der Hand zu weisen. Selbst der Zeithut, welcher im Hauptabenteuer viel zu kurz kommt, findet in dieser Welt seinen Nutzen und ist in seinem Wert wesentlich präsenter. Zu schnelle Propeller werden durch ihn langsamer und rasende Besteckwagen können leichter überquert werden. Es ist schön zu sehen, dass der Hut das Gameplay nicht nur einfacher macht, sondern dieses Mal auch ins Leveldesign eingebaut wird.


Die Missionen selbst sind in ihrer Ausführung in Ordnung, hätten in der Anzahl aber mehr sein können und passen zum Setting – gerade das Finale nimmt eskalierende Züge an und ist spannend inszeniert. Dennoch bleibt das Kapitel recht bodenständig und möchte hauptsächlich frei erkundet werden, anstatt außergewöhnliche Missionen zu zeigen. Passend zu vorherigen Welten kann erneut ein Zeitriss gefunden werden, der den Hintergrund des Kapitäns und seiner Mannschaft preisgibt, welcher überraschend tragisch ausfällt. Doch nicht nur das Walross wird in einem neuen Bilderbuch näher beleuchtet, weitere bisher weniger ausgeführte Charaktere – wie der Antagonist Mustache Girl oder Disco Pinguin DJ Grooves zum Beispiel – erhalten weitere Zeitrisse, die inhaltlich zur Figur passen und ebenso um anregende Storydetails ausgeführt werden. Besonders lobenswert ist hier die Nähe zur Community seitens der Entwickler. Manche Zeitrisse stammen aus der Feder talentierter Modder, die sich durch ihre interessanten Ideen einen Platz im endgültigen Spiel verdient haben. Weitere Sternenmünzen geben euch die Chance neue Kostüme, wie ein Nintendo 64-Look beispielsweise, freizuschalten – selbst der Händler verkauft neue Badges, die als Filter die grafische Darstellung beeinflussen und mit ihr spielen. Insgesamt fügt sich das Schiff passend in die restliche Welt von A Hat in Time und ist trotz seines etwas verwirrenden Aufbaus eine schöne Ergänzung für das Hauptspiel. Da es sich hierbei um Welt fünf handelt und dementsprechend am Ende erst zu erreichen ist, fügt sich der Schwierigkeitsgrad entsprechend dem Niveau und bietet vor allem mit der zweiten und dritten Mission eine relativ angenehme Herausforderung. Allerdings macht sich zur gleichen Zeit ein neuer Besucher im Raumschiff gemütlich und will euch leiden sehen.


Der Death Wish-Modus unterscheidet sich in seinem Aufbau von anderen Hardmodes und beinhaltet ausgeklügelte Herausforderungen


Der Snatcher gibt nach seiner Niederlage nicht auf und bietet mit einer ordentlichen Anzahl an teilweise extrem schwierigen Aufträgen die nervenaufreibendsten Missionen im Spiel. Death Wish ist im Grunde ein Hardmode und stellt bisher absolvierte Mission mit veränderten Umständen und Regeln völlig auf den Kopf. Davon betroffen sind auch die Zeitrisse, die atmosphärisch so verändert werden, dass es wirkt, als würde die Zeit unter einem strengen Timer zusammenbrechen – was stark im allgemeinen Design und der Musik an die Fluchtsequenzen am Ende der Level aus Wario Land 4 erinnert. Die normalen Missionen werden in einen interessanten neuen Kontext versetzt. „Lava in Mafia-Stadt“ besteht dabei nicht nur mehr aus gefährlichem flüssigen Gestein, die Hitze wird im Death Wish so unerträglich, dass ihr immer wieder kleine Wasserquellen finden müsst, um euch abzukühlen. „Die große Parade“ wird um einige Musikanten, die jeden Schritt eurerseits verfolgen, um eine nicht zu unterschätzende Anzahl erweitert, die eure Bewegungsfreiheit stark einschränkt. Bosskämpfe verschonen euch in ihrem neuen Anstrich genauso wenig. Mehr Leben, schnellere, stärkere Angriffe und neue gelungene Musikstücke lassen die Gegner um einiges bedrohlicher werden und zeigen, um wie viel einfacher die normalen Bosskämpfe eigentlich sind.


Ihr belästigt ihn in seinem Wald, er bedrängt euch auf eurem Schiff © Humble Bundle

Sind einem die Aufträge noch immer zu anspruchslos, würzen kleine Nebenaufforderungen innerhalb der Mission die Schwierigkeit etwas. So dürft ihr innerhalb eines Bosskampfs keinen einzigen Gegentreffer einstecken oder müsst einen Death Wish in einem bestimmten Zeitraum schaffen. Der Hardmode beschränkt sich allerdings nicht nur auf diesen gesonderten Modus, Snatcher Münzen können in den herkömmlichen Welten an besonders trickreich versteckten Orten gefunden werden, was zu netten Belohnungen führt. Das gemeine Phantom selbst kommentiert eure Versuche immer wieder mit provozierenden, sarkastischen Kommentaren, wenn er zum Beispiel eine Einladung für Super Smash Bros. einfach einer Pflanze im Topf gibt und stets nachfragt, ob das ständige Versagen überhaupt Spaß macht. Dass die Tode ständig mitgezählt werden, ist weiterhin ein netter Nebenfaktor, der euch realisieren lässt, um wie viel Spielstunden Death Wish das Erlebnis erweitern kann.


Es wäre ein simples Unterfangen gewesen eure Lebensvorräte einzuschränken und Schurken ganz primitiv stärker zu machen, doch beweist Death Wish durch das genaue Auseinandersetzen mit der Thematik, wie ein Hardmode aussehen kann. Niemand hat festgelegt, dass neue Herausforderungen im Startmenü mithilfe eines weiteren Speicherstands angelegt werden müssen. Alle harten Missionen werden in einer Karte auf einem Blick präsentiert, die zu jederzeit und von überall ausgewählt werden können. Spieler kennen nach einem Spieldurchlauf die Geschichte und Zwischensequenzen, weswegen es absolut nicht notwendig ist, sie ein erneutes Mal in einer anderen Spieldatei davorzusetzen. Ist die Schwierigkeit zu hart, bleibt es außerdem leicht ironisch sich über Unfairness zu beschweren. Immerhin unterschreibt ihr die Verträge und Umstände des Snatchers, die Entscheidung liegt also ganz bei euch. Der Death Wish ist schnell und spontan auswählbar, redet nicht lange drumherum, haucht den Missionen neue Lebendigkeit ein und ist genau das Richtige für Fans besonders schwieriger Problemstellungen.

Unser Fazit

Meinung von Kevin Becker

Seal the Deal ist, neben seiner cleveren Namensgebung, eine wunderbar passende Ergänzung, die sich sowohl inhaltlich als auch thematisch schön ins A-Hat-in-Time-Universum einfügt. Der knuffigen Crew rund um den arktischen Dampfer kann man bei der Unbeholfenheit den ganzen Tag zuschauen und der grimmige Kapitän stellt als einzig vernünftiger, tragischer Charakter einen geeigneten Gegensatz dar, der sich prima von der restlichen Charakterbesetzung abhebt. Das Missionsdesign ist zwar gerade in Anbetracht des etwas zu mageren Umfangs überraschend simpel gestrickt, besticht dafür durch ein detailreiches Kreuzfahrtschiff voller Entdeckungen. Kritikpunkte aus dem Hauptspiel, wie der magere Einsatz des Zeithuts, finden hier ihre Bestimmung, wenn das Leveldesign an diese Fähigkeit besser abgestimmt ist. Obwohl die fünfte Welt für viele das Hauptaugenmerk sein sollte, überzeugt der anspruchsvolle Death Wish-Modus mit altbekannten Missionen in einem neuartigen, besonders schwierigen, jedoch zu jederzeit fairen Kontext am meisten und belohnt euch mit neuen Kleidungen und Grafikfiltern. Besonders positiv gefällt mir hierbei die unkomplizierte Natur des Hardmode, der alle Herausforderungen auf einen Blick sammelt, keinen anderen Speicherstand voraussetzt und sich einzig und allein auf sein Ziel konzentriert: Euch leiden zu lassen. Wer mit dem Hauptabenteuer bereits Spaß hatte, kann mit Seal the Deal die Spielzeit um einiges erhöhen und mit dem fairen Preis nichts falsch machen.
Mein persönliches Highlight: Der Death Wish-Modus

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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