Handlungsmonster trifft auf Taktik-Kämpfe

Parallel zur Spielesammlung Baldur’s Gate + Baldur’s Gate II: Enhanced Edition hat der Entwickler Beamdog eine Sammlung veröffentlicht, die sich zwei weiteren BioWare-Titeln vergangener Tage widmet. Doch während die beiden Baldur‘s Gate-Spiele durchaus über eine gewisse Bekanntheit jenseits ihre Fankreise verfügen, sieht das bei der Planescape: Torment + Icewind Dale: Enhanced Edition ein wenig anders aus. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass beide Titel jeweils einen etwas anderen Ansatz als die Abenteuer von der Schwertküste wählen. Während die Baldur‘s Gate-Reihe für eine gelungene Mischung aus anspruchsvollen Kämpfen und einer epischen und tiefgründigen Story steht, haben wir es hier mit zwei Vertretern des Genres zu tun, die sich, jeder ganz individuell, auf ein Extrem konzentrieren und dieses jeweils bis zum Äußersten ausreizen. Während Planescape: Torment sich vor allem an hartgesottene Rollenspiel- und Storyfans richtet, sprechen die Icewind Dale-Spiele seit jeher all diejenigen an, denen eine Handlung nicht ganz so wichtig ist und eher nach einer taktischen und kämpferischen Herausforderung suchen. Können diese beiden Extreme im Gesamtpaket überzeugen? Lasst uns gemeinsam einen Blick auf die Planescape: Torment + Icewind Dale: Enhanced Edition werfen.


Bevor wir uns jedoch auf die einzelnen Titel fokussieren, möchte ich auf die Gemeinsamkeiten beider Spiele eingehen. Sowohl Planescape: Torment als auch Icewind Dale basieren, wie schon die Baldur‘s Gate-Spielereihe (deren Test ihr übrigens hier nachlesen könnt), auf dem Rollenspiel-Regelwerk von Advanced Dungeons & Dragons (kurz AD&D). Dieses Sammelsurium an Regeln deckt alle Bereiche des Rollenspielsystems ab, seien es die nötigen Schritte für die Erstellung eines Charakters oder die Voraussetzungen für einen erfolgreichen magischen Angriff gegen eure Gegner. Für jede größere Aktion einer eurer Charaktere „wirft“ das Spiel im Hintergrund einen oder mehrere virtuelle Würfel, deren Werte mit euren Fertigkeiten oder Attributen zusammengezählt werden. Das jeweilige Endergebnis entscheidet darüber, ob eure Aktion erfolgreich war oder nicht.


Um dies an einem kurzen Beispiel zu verdeutlichen: Ihr habt euch einen Krieger erstellt, der im Umgang mit Äxten geübt ist und über die entsprechende Waffenfertigkeit verfügt, die ihm einen Bonus von +1 auf alle Axtwaffen verleiht. Nun wollt ihr auf einen Gegner einschlagen – in diesem Fall würfelt das Spiel mit einem zwanzigseitigen Würfel und zählt euren Stärkeattribut sowie eure Bonusfertigkeit zum Ergebnis dazu. Habt ihr einen gewissen Wert erreicht, sitzt der Schlag und ihr verursacht Schaden, der ebenfalls ausgewürfelt wird. Je nach Ergebnis wird eurem Widersacher eine gewisse Anzahl an Trefferpunkten abgezogen.


Puh, kling kompliziert, oder? Doch keine Sorge, damals wie heute hat der ursprüngliche Entwickler der Spiele, BioWare, das komplexe Regelwerk sehr gut in die Spielengine übertragen, sodass ihr von all dieser Würfelei nichts mitbekommt und zumindest für einen einfachen Spieldurchlauf nicht seitenweise Regeln pauken müsst. Wer aus seinen Charakteren allerdings das absolute Maximum herauskitzeln möchte, wird nicht umhinkommen, sich mit den Spielregeln auseinanderzusetzen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf wollen wir uns nun als Erstes mit Planescape: Torment beschäftigen, ein Titel, der sich unter Rollenspielfans im PC-Bereich durchaus einiger Bekanntheit erfreut.


Planescape: Torment – Auf der Suche nach euch selbst


Stellt euch vor, ihr wacht plötzlich auf, euer Kopf dröhnt, alles in eurem Körper schmerzt und zu allem Überfluss liegt ihr auch nicht in eurem warmen Bett, sondern auf dem Seziertisch einer Leichenhalle – ganz sicher kein Ort, an dem man die Augen aufschlagen möchte. Doch genau dieses Szenario wird für den Namenlosen, so der „Name“ eures Protagonisten, zur Realität. Ohne Erinnerungen und auch nur den Hauch einer Ahnung, was das alles soll, muss er einen Weg aus dem Leichenschauhaus finden. Als wäre das noch nicht schräg genug, trifft er gleich zu Beginn auf einen fliegenden Schädel namens Morte, der allem Anschein nach auch hier gefangen ist und dem Verwirrten seine Hilfe anbietet.


Barkeeper! Da brennt ein Gast! © Skybound Games

Ihr merkt schon, Planescape: Torment schlägt eine etwas andere Richtung ein als es viele High-Fantasy-Spiele. Zwar spielt der Titel ebenfalls in den Vergessenen Welten, eine Welt, in der sowohl die Handlung der Baldur‘s Gate-Spiele als auch Icewind Dale stattfindet, doch befindet ihr euch in Sigil, einer Stadt, die auch als „Stadt der Tore“ bekannt ist und in der sich Wesen aus allen Universen tummeln. Das führt dazu, dass Planescape einen deutlich düsteren und dreckigeren Ton anschlägt, als man es von anderen Vertretern der Spielesammlungen gewohnt ist. Statt Elfen und Zwergen begegnet ihr hier hauptsächlich Dämonen, mehrdimensionalen Wesen, Echsenmenschen und einer Vielzahl an Humanoiden, die sich mit dem täglichen Wahnsinn der Stadt auseinandersetzen müssen. Inmitten dieses Settings ist es eure primäre Aufgabe, herauszufinden, wer ihr seid, warum ihr in der Leichenhalle gelandet seid und was das mit der Tatsache zu tun hat, dass ihr nicht sterben könnt. Ja, ihr habt richtig gelesen, der Namenlose ist mit einem Fluch (oder gar einem Segen?) belegt, der ihm den endgültigen Tod verwehrt, und so scheint diese Form, in der ihr erwacht, auch nicht eure erste Inkarnation zu sein. All dies führt euch auf eine Reise, die sich auch mit sehr philosophischen und ernsten Themen auseinandersetzt, wie zum Beispiel der Frage, ob das ewige Leben tatsächlich erstrebenswert ist oder wieweit man für seine Ziele gehen kann und sollte.


Abseits von dem deutlich abgehobenen Szenario, in das ihr geworfen werdet, unterscheidet sich Planescape: Torment auch spielerisch von den übrigen Spielen, die auf dem AD&D-Regelwerk basieren. So habt ihr zu Beginn so gut wie keinen Einfluss auf euren Charakter. Während ihr bei Icewind Dale und Co eure Rasse, Klasse und Fertigkeiten bis ins kleinste Detail herausarbeiten könnt, ist euch beim Namenlosen nur die Möglichkeit gegeben, eine gewisse Anzahl an Attributspunkten auf seine Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution, Intelligenz, Weisheit oder sein Charisma zu verteilen. Ihr startet das Spiel mit der Klasse des Kriegers und bekommt erst im Verlauf des Spiels die Möglichkeit, euch zum Magier oder Dieb ausbilden zu lassen. Das hat für Anfänger den deutlichen Vorteil, dass sie nicht bereits bei der Charaktererstellung von lauter Möglichkeiten erschlagen werden, hinterlässt bei erfahreneren Spielern anfangs jedoch einen etwas faden Beigeschmack.


Das Spiel weicht jedoch in einem anderen Bereich noch viel extremer von seinen Genre-Vertretern ab, nämlich der Komplexität der Handlung. In Fankreisen wurde Planescape: Torment damals wie heute gerne auch als „spielbarer Roman“ betitelt und dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr. Ihr werdet im Laufe des Spiels viel lesen; die einzelnen Gespräche zwischen euch und euren Gefährten, eurer Umwelt und auch den Widersachern, die sich euch in den Weg stellen, fallen teils sehr lang und detailliert aus. Und hier haben wir die größte Stärke von Planescape: Torment, denn mir ist bisher in meiner Spielerkarriere kein Titel begegnet, der solch gut ausformulierte und narrativ spannende Beschreibungen und Dialoge aufweist. Das muss man jedoch mögen und sollte auch eine gewisse Affinität fürs Lesen mitbringen, denn wer die Textpassagen einfach nur wegdrückt, wird schnell den Überblick verlieren und frustriert sein. Im Gegensatz zu den Baldur‘s Gate-Spielen oder Icewind Dale lässt euch das Spiel anfangs nämlich ziemlich im Dunkeln tappen. Ihr bekommt zwar ein klares Ziel vorgegeben, nämlich einen Mann namens Pharod zu finden, doch die Umsetzung dieser Aufgabe gestaltet sich schwierig, denn die Stadt Sigil ist groß und ihr werdet viele Gespräche führen, ehe sich euch langsam eröffnet, wohin die Reise letztendlich gehen soll. Hinzu kommt, dass ihr bei einigen Individuen in Sigil anscheinend bereits bekannt und berüchtigt seid und mit diesen in einem eurer früheren Leben interagiert habt – was zu teils unangenehmen Situationen führen kann.


Ihr begegnet immer wieder Gestalten aus eurer Vergangenheit und erfahrt somit mehr über euch selbst. © Skybound Games

Neben den gut geschriebenen Dialogen trumpfte das Spiel damals auch mit einem anderen Novum auf: der Tatsache, dass man den Großteil des Spiels ohne einen Kampf hinter sich bringen kann. Während bei den Kollegen aus der Schwertküste ein paar gute Waffenfertigkeiten und Zaubersprüche das A und O sind, kann es sich beim Namenlosen durchaus lohnen, stattdessen die Intelligenz-, Weisheits- und Charismawerte auf die höchsten Stufen zu setzen. Denn je intelligenter, wortgewandter oder weiser ihr seid, desto mehr Dialogoptionen ergeben sich in den einzelnen Gesprächen. So erhaltet ihr zum Beispiel im Laufe des Spiels den Auftrag, einen Schuldeneintreiber davon zu überzeugen, einen seiner Schuldner aus einem Knebelvertrag zu lassen. Ist euer Intelligenzwert hoch genug, entdeckt ihr ein Schlupfloch in dem Vertrag und könnt euch dieses zunutze machen. Alternativ hättet ihr den Halunken auch bestechen oder ihn eliminieren können, die Wahl liegt oft bei euch. Der Ansatz, die Handlung letztendlich möglichst gewaltfrei und pazifistisch zu spielen, ist sehr erfrischend und kommt all denjenigen zugute, die mit dem Kampfsystem des AD&D-Regelwerks nicht ganz so viel anfangen können. Trotz allem kann Gewalt nicht immer vermieden werden, und gelegentlich müsst ihr euch mit euren Gruppenmitgliedern zur Wehr setzen. Hier laufen die Kämpfe wie bereits beschrieben ab: Ihr teilt euren Gruppenmitgliedern Aufgaben zu, welche diese ausführen – die Würfel entscheiden letztendlich, ob ihr siegreich hervorgeht oder nicht. Damit die ganze Angelegenheit nicht in einem unübersichtlichen Gemetzel endet, habt ihr jederzeit die Möglichkeit, das Kampfgeschehen zu pausieren und euren Gefährten in aller Ruhe neue Anweisungen zu geben. Sollte der Namenlose dabei ins Gras beißen, ist der Kampf beendet – anstatt jedoch beim Game-over-Bildschirm zu landen, wacht ihr an einem festgelegten Punkt auf. Das gilt jedoch nicht für eure Begleiter: Sterben diese, müsst ihr sie neu beleben, was der Namenlose zum Glück als Fähigkeit beherrscht.


Die Planescape Torment: Enhanced Edition ist ein ziemlich eigenes und wuchtiges Rollenspiel-Monstrum, das Anfänger und Genre-Neulinge anfangs ziemlich verschrecken kann. Die gewaltigen Textmassen sind sicher nicht jedermanns Sache und auch die Tatsache, dass das Spiel euch zu Beginn nicht gerade an die Hand nimmt und euch zeigt, wohin ihr gehen müsst, mag vielleicht abschrecken. Doch wer sich auf das Spiel einlässt und den zähen Einstieg hinter sich gebracht hat, wird mit einer sehr erwachsenen und komplexen Geschichte belohnt, die es in diesem Ausmaß selbst heute kaum noch zu finden gibt.


Icewind Dale: Das ganz andere Extrem


Wo Planescape: Torment seinen Fokus auf eine tiefgründige Handlung setzt, richtet Icewind Dale seinen Blick eher auf einen ganz anderen Aspekt: nämlich die taktischen Kämpfe. Die Reihe ist unter Fans seit jeher für seine knackigen Herausforderungen und besonderen Gegnerkonstellationen bekannt, weswegen die Handlung eher nebensächlich ist. Trotzdem wollen wir zumindest kurz auf diese eingehen.


In Icewind Dale verschlägt es euch in das namensgebende Eiswindtal. © Skybound Games

Die Geschichte von Icewind Dale spielt im hohen Norden von Faerun, der gleichen Welt, in der auch die Handlung der beiden Baldur‘s Gate-Spiele verankert ist. Eure Gruppe reist in das kleine Dörfchen Fischbachtal, wo sie sich einer Expedition nach Kuldahar anschließt. Die Ortschaft leidet unter der Schwächung ihrer magischen Eiche sowie diversen Angriffen durch Monster. Nachdem die Karawane, mit der ihr reist, in einen Hinterhalt gerät und ihr die einzigen Überlebenden seid, stellt ihr Nachforschungen an, was es mit den Angriffen auf sich hat. So weit, so simpel, und viel mehr solltet ihr im Verlauf des Spiels auch nicht erwarten, denn die Handlung dient tatsächlich nur als grober Rahmen für das eigentliche Kernelement von Icewind Dale, den vielen Scharmützeln gegen die unterschiedlichsten Gegner.


Vielleicht hat euch die Tatsache stutzig gemacht, dass ich gleich zu Beginn von einer ganzen Gruppe und nicht von einem einzelnen Protagonisten gesprochen habe. Vergleicht man die Abenteuer im frostigen Norden mit den anderen Titeln im AD&D-Universum, ist das nicht unberechtigt, doch in diesem Punkt weicht das Spiel bereits von seinen Kollegen ab. Statt nur einem Charakter erstellt ihr vor Spielbeginn eine komplette Gruppe, bestehend aus sechs Mitgliedern. Hier beginnt schon die erste große Aufgabe, denn ihr müsst darauf achten, eine möglichst ausgeglichene Bande auf die Beine zu stellen, die alle Eventualitäten abdeckt. So reicht es nicht aus, einfach nur eine Gruppe aus sechs Kriegern aufzustellen, die alle möglichst viel an Schaden einstecken und genauso viel austeilen können. Wer nicht wohlüberlegt an die Charaktererstellung herangeht, wird vor allem im späteren Verlauf des Spiels kein Land sehen. Denn so eine Bande an Helden sollte neben dem obligatorischen Krieger auf jeden Fall einen Fernkämpfer und einen Heiler beinhalten. Doch wer soll heilen? Der Kleriker, der mitunter die mächtigsten Heilzauber innehat und sich auch noch in mittelschwerer Rüstung kleiden kann, dafür aber weniger Offensivzauber beherrscht? Oder doch lieber der Druide, der sich im Notfall in seiner Tiergestalt mit ins Getümmel stürzen und die Mächte der Natur anrufen kann? Vielleicht könnt ihr auch beide Klassen mitnehmen und verzichtet dafür auf einen Schurken. Doch wer entdeckt und entschärft dann all die Fallen und knackt die verschlossenen Truhen voller Schätze? Natürlich darf auch ein Magier nicht fehlen, allerdings könnte stattdessen auch der Hexenmeister mitgehen, der zwar über weniger Zaubersprüche verfügt, diese aber öfter am Tag wirken kann. Oder doch lieber den Barden … ? Ihr seht schon, allein die Überlegungen, wie eure Gruppe aufgestellt werden sollte, kann eine ganze Weile in Anspruch nehmen. Wer sich darüber nicht den Kopf zerbrechen möchte, kann auch auf eine der vorgefertigten Truppen zurückgreifen – aber damit geht auch einiges an Individualität verloren.


So nicht! Wer sich kopflos ins Getümmel stürzt, wird nicht lange überleben. © Skybound Games

Mit euren Recken zieht ihr letztendlich ins Ungewisse und geht dem finsteren Treiben im Eiswindtal nach. Dabei gibt es diesmal auch keinen Helden, um den sich die komplette Handlung dreht, und entsprechend fehlt auch eine ausgearbeitete Interaktion eurer Gruppenmitglieder wie bei Planescape: Torment oder Baldur‘s Gate II, das besonders durch seine tiefgründigen Charaktere überzeugen konnte. Doch das braucht es im kalten Norden nicht. Romanzen? Pah, was zählt, ist der kalte Stahl und die Scharmützel, in die man sich stürzen kann. Und genau solche finden sich bereits kurze Zeit nach Beginn der Handlung. Bei Icewind Dale erwarten euch vor allem herausfordernde Kämpfe, die euch zwingen, euch mit den Stärken und Schwächen eurer einzelnen Helden auseinanderzusetzen. Wer hier nicht jede einzelne Aktion selbst bestimmt, wird vor allem im Laufe der späteren Kämpfe seine Schwierigkeiten haben. Zwar könnt ihr auch die künstliche Intelligenz agieren lassen, was zu Beginn noch ganz gut funktioniert, aber früher oder später werden spezielle Gegner mit bestimmten Resistenzen, Immunitäten sowie besonderen Stärken und Schwächen all euer taktisches Denken erfordern.


Wie auch in den anderen Spielen erhaltet ihr für das Erledigen von Gegnern und den wenigen Nebenquests, die es gibt, Erfahrungspunkte. Erreichen diese eine gewisse Summe, steigt ihr im Level auf und könnt euren Charakteren neue Fertigkeiten, Zaubersprüche oder Fähigkeiten beibringen. Alle vier Stufen könnt ihr zudem eines eurer Attribute erhöhen, was sich mitunter auf ganze Fertigkeitsbäume auswirken kann. Ihr startet dabei wie schon beim ersten Baldur‘s Gate auf Stufe 1 und könnt bis zur Stufe 15 aufsteigen, was besonders euren Magiern im Verlauf des Spiels ermöglicht, einige mächtige Zauber zu wirken und Tod und Verderben auf eure Feinde regnen zu lassen.


Ihr seht also, Icewind Dale stellt tatsächlich das krasse Gegenstück zu Planescape: Torment dar und dürfte daher all denjenigen gefallen, denen die Abenteuer des Namenlosen zu textlastig und zu langatmig waren. Dafür dürften all diejenigen, die auf eine komplexe Handlung und tiefgründige Charaktere hoffen, ziemlich enttäuscht werden. Beigefügt ist auch die Erweiterung „Herz des Winters“, welche neue Herausforderungen für Helden ab der neunten Stufe bietet und die euch gegen Barbarenstämme in den Kampf schickt, die sich unter dem Banner eines untoten Barbarenfürsten zusammengeschlossen haben.


Was bleibt: Die Technik


Selbst aufgehübscht kann die Infinity-Engine heute nicht mehr ganz so sehr überzeugen. © Skybound Games

Die Planescape: Torment + Icewind Dale: Enhanced Edition unterscheidet sich vom technischen Grundgerüst nicht sonderlich von der Spielesammlung rund um die Baldur‘s Gate-Spiele. Das heißt im Endeffekt, dass ihr eine recht altbackene Grafik im aufgehübschten Gewand vorgesetzt bekommt. Wie auch schon bei den Baldur‘s Gate-Spielen lässt sich das Alter von Planescape: Torment und Icewind Dale einfach nicht leugnen, auch wenn der Entwickler Beamdog alles getan hat, um beide Spiele mithilfe einer höheren Auflösung und schärferen Texturen aufzuhübschen. Das gelingt interessanterweise bei Planescape: Torment deutlich besser als bei allen anderen Spielen des AD&D-Universums. Hier wirken die Farben allesamt etwas satter und das Gesamtbild an sich erscheint deutlich harmonischer. Nichtsdestotrotz gewinnt heutzutage keiner der beiden Titel einen Schönheitspreis und beide überzeugen eher durch ihre inneren Werte.


Die Steuerung fällt überraschend solide aus. Den Entwicklern ist es gelungen, das Gruppenmanagement so für die Nintendo Switch umzusetzen, dass man beide Spiele größtenteils problemlos ohne Maus und Tastatur spielen kann. Was bei Planescape: Torment reibungslos funktioniert, entwickelt sich jedoch bei den kleinschrittigen Kämpfen in Icewind Dale, bei denen ihr teils laufend das Spiel pausieren und einzelnen Helden neue Aufträge geben müsst, zu einem mühseligen Akt. Zwar geht die Steuerung gut von der Hand und lässt sich auch schnell und intuitiv erlernen, trotz allem habe ich mir des Öfteren den guten alten PC-Nager in die Hand gewünscht, um schneller die einzelnen Aktionen abhandeln zu können.


Beide Spiele können mit einer guten musikalischen Untermalung aufwarten, die jedoch nicht an Genre-Konkurrenz wie Dragon Quest XI oder andere heranreicht. Die Texte wurden allesamt ins Deutsche übersetzt, was gerade bei Planescape: Torment ein absolutes Muss darstellt. Die Sprachausgabe gibt es jedoch nur auf Englisch, was nicht ganz nachvollziehbar ist, da beide Titel bereits ins Deutsche übersetzt wurden. Wieso hier auf eine Implementierung der deutschen Tonspur verzichtet wurde, erschließt sich mir nicht ganz.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Die Planescape: Torment + Icewind Dale: Enhanced Edition setzt zwei komplett unterschiedliche Schwerpunkte und versucht damit, ein möglichst breites Spektrum im AD&D-Spieleuniversum abzudecken. Während Planescape: Torment, das auch den liebevollen Beinamen „spielbarer Roman“ erhalten hat, seinen Fokus auf eine sehr tiefgründige und komplexe Handlung in einem düsteren und dreckigen Fantasy-Setting setzt, richtet sich Icewind Dale eher an all diejenigen unter euch, die mehr Wert auf eine taktische und eher kampflastige Herausforderung legen. Beide Spiele können auf ihre eigene Art und Weise überzeugen, auch wenn Planescape: Torment deutlich mehr von der auf die Konsolen portierten Steuerung profitiert, da das Gruppenmanagement bei Icewind Dale mitunter in Arbeit ausarten kann. Die Idee, die Entwickler Beamdog mit dieser Sammlung verfolgt, ist eigentlich keine schlechte: So sollen sowohl die Bereiche Rollenspiel und Handlung sowie Taktik und Kampf abgedeckt werden. Problematisch wird es jedoch dann, wenn ihr mit einem dieser beiden Bereiche gar nichts anfangen könnt – hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, die beiden Spiele für einen jeweils geringeren Einzelpreis getrennt voneinander anzubieten. Trotz allem kann ich beide Spiele empfehlen, denn sie lassen in ihren jeweiligen Domänen die Muskeln spielen. Wem es jedoch eher nach einem abgerundeten Allrounder-Paket verlangt, ist mit der Spielesammlung Baldur’s Gate + Baldur’s Gate II: Enhanced Edition deutlich besser bedient.
Mein persönliches Highlight: Die komplexe Handlung von Planescape: Torment, die bis heute ihresgleichen sucht.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 15

  • Rei

    Turmheld

    Sind die Spiele auch auf Deutsch spielbar?

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    @Rei Wie im Test erwähnt, die Texte sind auf Deutsch, die Sprachausgabe auf Englisch

  • DecTher

    Turmheld

    Was mich stört ist, dass der Herz des Zorn Modus bei Icewind Dale fehlt.
    Ich habe extra nochmal die IWD EE Version am PC installiert, weil ich nicht den Menüpunkt bei der Switch Version, gefunden habe.


    Er fehlt einfach bei der Switch.
    Ich hoffe da kommt noch n Update für.

  • Mayhem89

    Turmritter

    Ich hoffe sie besinnen sich darauf die Titel auch einzeln zu veröffentlichen. Kann mit dem D&D kampfsystem nichts anfangen aber liebe planescape mit den mega interessanten Figuren und herrlichen Dialogen. Einer meiner All time favorites

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Muss wohl auch in die Sammlung, da ich damals schon neidisch zum PC schielte.
    Ich werde aber vermutlich warten, bis die LE's erschienen sind, da bin ich ja anfällig für. :facepalm:


    Sollte nicht noch ein fünftes Spiel kommen? Jetzt sind es ja erst vier.

  • Entwickler

    Turmheld

    Hm. Ihr hättet beide Spiele getrennt testen und bewerten können, davon hätte euch nichts abgehalten, und dann hätte jeder für sich entscheiden können ob es einem das Wert ist.
    Eine 6 für diese beiden Games in einem Pack, obwohl eines davon als absolutes Meisterwerk zählt kommt mir schon auch arg niedrig vor.

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    @Entwickler Die Sache ist die, dass beide Spiele nun einmal zusammen angeboten werden und dementsprechend meiner Meinung nach auch zusammen bewertet gehören. Ansonsten hätte Planescape aber trotz allem höchstens eine 8, wahrscheinlich eher eine 7, erhalten, da der Titel auch unter heutigen Begebenheiten bewertet werden müsste. Persönlich und rein subjektiv würde ich dem Spiel mindestens eine 9 geben.

  • Entwickler

    Turmheld

    @Florian McHugh Ich versteh den Gedanken, aber mich interessiert z.B. Planescape, Icewind Dale nicht. Bei einer getrennten Bewertung beider Spiele hätte ich eher eine Idee obs mir das Wert wär, und dass beide Spiele irgendwann mal einzeln kommen glaub ich nicht.


    Dass du Planescape nicht mit 10 bewerten würdest - geschenkt, versteh auch eine 7 oder 8. Aber das bedeutet dann, dass Icewind Dale bei dir nur eine 4 oder 5 bekommen würde, um auf den Durchschnittswert von 6 zu kommen - also ist das Package eher was für Fans von Spielen wie Planescape.
    Darum gings mir, ich wollt auch sonst hier gar nix kritisieren, nur anmerken.


    Um auch mal eines nicht wegfallen zu lassen: Danke dir und all den anderen ntower-Redakteuren für eure tolle Arbeit, ich bin seit Jahren ein Dauergast hier und das nicht ohne Grund!

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    @Entwickler Ich hab schon verstanden was du meinst, wir standen intern kurz vor der selben Diskussion. Letztendlich haben wir uns dann für diese Herangehensweise entschieden aber ich freue mich jedesmal auf konstruktives Feedback, egal in welcher Form.


    Und es freut mich, wenn dir unsere Arbeit gefällt, das ist tatsächlich die schönste Art von Lohn (ohne jetzt die Klischee-Kiste zu öffnen)

  • Ziz_

    Champignon der Dunkelheit

    Irgendwie klingt der Text mehr nach ner 8 als nach einer 6. Zumal das technisch ähnliche (identische?) Baldurs Gate auch eine 7 bekommen hat. :dk:


    Ich habe jüngst gemerkt, dass ich es schade finde durch die Switch weniger (unterwegs) zu lesen. Planescape spricht mich wirklich an, denn mittlerweile fehlt mir für solch intensiven und langen PC-Spiele die Zeit – weshalb ich auch Skyrim erst auf der Switch spiele. Ich denke, an den D&D Spielen werde ich auf lange Sicht auf der Switch nicht vorbeikommen. :D

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    @Ziz_ Die Sache ist die, dass die Baldur's Gate Spiele an sich das bessere und ausgewogenere Gesamtpaket bieten, daher "nur" die 6 im Vergleich. Wobei man immer noch viel Spaß vor allem mit Planescape haben kann.

  • EmpireOfSilence

    Turmbaron

    Finde es schade das sie die deutsche Synchro nicht mit anbieten, denn die gab es seit jeher ja bei den Spielen, ebenso Baldur's Gate.


    @henni4u


    Ja Anfang Dezember erscheint noch Neverwinter Nights. Das hat zwar auch iso Perspektive aber war bereits 3D.



    Hoffe mal Beamdog nimmt sich mal noch ein paar andere altehrwürdige RPG Perlen vor, ich hätte so gerne endlich mal Summoner für aktuelle Systeme gut spielbar. Wobei die Lizenz ja bei THQ Nordic noch vorhanden ist und die damit mal was machen könnten, zumal ja Volition auch unter deren Banner arbeitet.

  • Ziz_

    Champignon der Dunkelheit

    Wobei man immer noch viel Spaß vor allem mit Planescape haben kann.

    Hm, klingt für mich nach einer Geschmacksfrage. Was ich aber eingestehen muss – was auch schon bei ersten Nachrichten über die 4 Ports oft erwähnt wurde – das Set beinhaltet zwei wirklich unterschiedliche Spiele. Ich kann mir generell nicht vorstellen, wieso es überhaupt ein Set gibt.

  • Tarik

    Turmbaron

    @ntower: Unter dem Test ist mal wieder die Kommentarfunktion deaktiviert.
    Übrigens werden die deutschen Sprachausgaben noch nachgereicht, das ist schon lange bekannt. ;)

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    Wird gleich geändert, vergesse regelmäßig die Kommentare zu verlinken. Danke @Tarik