Brenn, kleine Kerze.

Platformer gibt es wie Sand am Meer. Viele folgen dem stetig gleichen Schema und bieten zu wenig Herausforderungen oder sind viel zu schwer. Auch fehlt den meisten Titeln das gewisse Etwas, ein Alleinstellungsmerkmal, das dem Spieler auch nachträglich in Erinnerung bleibt. Auch Candleman ist ein dreidimensionaler Plattformer, der nun für die Nintendo Switch erscheint. Mit einem sehr außergewöhnlichen Hauptcharakter, nämlich einer Kerze, hat das Spiel zumindest schon einmal einen der genannten Punkte erfüllt. Erfahrt in den nächsten Absätzen, wie sich das Spiel sonst so schlägt.


Der natürliche Feind der Kerze: Feuer. ©Indienova

Wie eingangs schon erwähnt, schlüpft ihr in den wachshaltigen Körper einer kleinen Kerze. Sie ist die Einzige unter den vielen Kerzen, die in einem alten Schiffswrack noch aufleuchten kann, denn alle anderen Kerzen sind ausgebrannt. Warum ist ausgerechnet sie übrig geblieben? Hat sie noch etwas zu erledigen? Und wenn ja, was ist ihre Bestimmung? All diese Fragen gehen dem kleinen Wachslicht durch den Docht und daher ist klar: Sie muss raus aus dem alten, rostigen Kahn und ihren Platz in dieser Welt finden. Doch wohin soll sie gehen? Am Bullauge des Schiffs erkennt sie ein helles Leuchten aus der Ferne, vielleicht ist das ein Zeichen. Bei dem Schein handelt es sich um das Licht des großen Leuchtturms, das immer wieder in der Entfernung aufflammt und dieses soll ihr den Weg leiten, da ist sie sich sicher und vielleicht kann sie eines Tages so hell leuchten, wie der große Turm. Jedoch ist der Weg dahin lang, gefährlich und vor allem sehr dunkel und ihr Licht reicht für gerade einmal zehn Sekunden.


Um die Kerze durch die Level zu bewegen, sind nur wenige Tasten notwendig. Mit dem linken Stick bewegt ihr euch durch die durchweg düsteren Abschnitte. Die Kamera ist dabei immer fixiert und lässt sich nicht bewegen, was euch zumindest immer eine grobe Richtung vorgibt, in die Ihr laufen müsst. Mit dem A-Knopf lasst ihr euren Wachskopf springen, um Abgründe zu überwinden oder Absätze zu erklimmen. Sobald ihr den B-Knopf drückt, wird das Licht der Kerze entzündet, bis ihr den Knopf wieder loslasst. Dabei solltet ihr aber sehr sparsam sein, denn wie schon erwähnt, ist die Brenndauer für jedes Level auf zehn Sekunden begrenzt. Dass jeder Tastendruck eine Auswirkung hat, sieht man auch dem Protagonisten an, da ihr immer mehr an Wachs verliert und somit immer kleiner werdet. Sobald nichts mehr von dem Wachs übrig ist oder ihr einen Abgrund hinabgestürzt seid, verliert die Kerze eines ihrer zehn Leben und ihr müsst am letzten Checkpoint wieder von vorne anfangen. Vor allem in den späteren Sprungpassagen werden diese Leben deutlich strapaziert, was eine hohe Frustrationstoleranz voraussetzt. Sind alle Kerzen erloschen, müsst ihr den Abschnitt komplett von vorne beginnen. In jedem Level erwarten euch eine Vielzahl an Rätseln, die es zu lösen gilt, um weiterzukommen. Diese Rätsel werden von Kapitel zu Kapitel schwerer und sorgen dafür, dass euer Hirn mitunter ganz schön dampft. Am Ende eines jeden Levels erwartet euch ein Licht, das ihr betreten müsst, um den nächsten Abschnitt freizuschalten.


Schön aber auch sehr gefährlich! ©Indienova

Euer Licht wird während eures Abenteuers auf unterschiedliche Weise benötigt. Einerseits natürlich, um eure Umgebung besser erkennen zu können, denn ohne Licht müssen viele Sprünge quasi blind versucht werden, was so manchen Tod mit sich bringen würde. Andererseits könnt ihr mit dem hellen Schein die erloschenen Kerzen anzünden, die überall im Level verteilt sind. Die meisten davon stehen direkt auf dem Weg zum Ziel aber manche müsst ihr auch in den dunklen Ecken und Gängen abseits des Wegs suchen, was wiederum etwas von eurer kostbaren Brenndauer verbraucht. Habt ihr alle Kerzen in einem Abschnitt entzündet, bekommt ihr eine kleine Textzeile freigeschaltet, die aber nicht viel zur Story beiträgt oder andere relevante Informationen preisgibt. Im Verlauf des Spiels werdet ihr also sehr schnell feststellen, dass diese Mechanik als Ansporn, um immer nach allen Kerzen zu suchen, nicht ausreicht und ihr euch so wahrscheinlich lieber der guten Atmosphäre zuwendet.


Denn die Inszenierung ist wirklich sehr gut gelungen und hat den Hauch eines düsteren Märchens. Einen Teil dazu trägt auch die sanfte Erzählerstimme bei, die immer mal wieder den Weg des Protagonisten kommentiert. Dazu kommt noch die traurig-düstere Hintergrundmusik, die das dunkle Setting noch weiter unterstreicht. Grafisch kann das Spiel wirklich überzeugen. Es wird natürlich viel mit Licht und Schatten gespielt, was eine wirklich gute Atmosphäre und auch ein beklemmendes Gefühl mit sich bringt. Jedes der zwölf Kapitel bedient ein anderes Setting, wodurch neue Spielmechaniken eingeführt werden, die für eine gute und nötige Abwechslung sorgen. Viele Dinge innerhalb eurer Umgebung reagieren darauf, wenn es heller wird und sobald ihr das Schiff verlassen habt und im Dschungel seid, blühen beispielsweise die Blumen in eurer unmittelbaren Umgebung auf. Doch Vorsicht: Eine Berührung mit diesen bringt unweigerlich den Tod mit sich. Doch nicht nur die Flora stellt sich euch in den Weg, denn im späteren Verlauf haben es auch Geister auf euch abgesehen. Es scheint, als würde die Welt sich immer mehr gegen die kleine Kerze stellen. Oder sind es nur Prüfungen, die man euch auf eurem Weg entgegenstellt?

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Thomas Kurth

Candleman ist einer der Platformer, die es verdient haben, dass man mal ein Auge auf sie wirft. Allen voran steht der einzigartige Protagonist im Mittelpunkt, mit dem man mitfühlt, obwohl es nur ein Gegenstand ist. Man will eigentlich gar kein Licht entzünden, um das Licht der Kerze nicht für immer ausgehen zu lassen. Andererseits ist genau das notwendig, damit ihr euer Ziel erreichen könnt und um all die Fragen zu beantworten, die sich die Kerze stellt. Dazu erinnert mich die kleine Kerze immer wieder an Lumière aus „Die Schöne und das Biest“. Die Entwickler haben wirklich viel Kreativität in ihr Spiel einfließen lassen, was man vor allem den unterschiedlichen Kapiteln mit ihren unterschiedlichen Mechaniken anmerkt. Schade nur, dass das entzünden der Kerzen eher zur Nebensache wird, weil der Ansporn nicht gegeben wird. Wie jeder Platformer verfügt natürlich auch Candleman über ein gewisses Frustpotenzial, wenn man zum wiederholten Male an ein und derselben Stelle scheitert, jedoch möchte man unbedingt wissen, wie die Geschichte, oder eher das Märchen, ausgeht.
Mein persönliches Highlight: Die märchenhafte Erzählung

Awards

Spiele-Hit

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