Ein gnadenloser Mix aus Dark Souls und Rogue-like

Spiele wie die berüchtigte Dark Souls-Reihe, sogenannte Souls-like-Titel, haben sich aufgrund des erstaunlichen Erfolgs des Ursprungsspiels schnell vermehrt und sind zu einem eigenen Genre geworden, das auch auf der Nintendo Switch mittlerweile zahlreich vertreten ist. Es stellt sich heraus, dass Menschen es scheinbar wirklich mögen, in Videospielen immer wieder bestraft zu werden, bis sie vor lauter Frustration den Controller weglegen. Auch wenn dieses Genre erst seit kurzer Zeit existiert, gibt es bereits eine Menge verschiedener neuer Ansätze. Dark Devotion ist ein solcher Titel, der aus dem Indie-Bereich kommt und eine Alternative zum klassischen Action-Adventure bietet. Wie also schlägt sich Dark Devotion im Vergleich zur Konkurrenz?


Präzises Austeilen wechselt sich mit gekonnten Ausweichmanövern ab. © The Arcade Crew

In Dark Devotion schlüpft ihr in die Rolle einer Templerin und müsst euch den Gefahren eines mysteriösen Tempels stellen sowie die Welt von der Dunkelheit befreien. Es dauert nach dem Start des Spiels nicht lange, bis ihr einer imposanten Gestalt begegnet, für die ihr kein Gegner seid. Doch in Dark Devotion ist der Tod erst der Anfang eures Abenteuers. Ihr erwacht nach den ersten Spielminuten an einem unbekannten Ort, der sich als Oberwelt für den Rest des Spiels herausstellt. Von hier aus werdet ihr fortan die Untiefen des Tempels erkunden.


Die Entwickler versprechen ein anspruchsvolles Kampfsystem, allerlei unterschiedliche Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Items, epische Bosskämpfe und einen hohen Wiederspielwert. Auf den ersten Blick vereint Dark Devotion also alles, was dieses Genre ausmacht: Eine eindringliche Atmosphäre, wo man sich in der Dunkelheit verliert und jeder Schritt der letzte sein könnte, herausfordernde Kämpfe und ein Schwerpunkt auf die Erforschung einer labyrinthartigen Tempelanlage. Es ist ziemlich naheliegend, Dark Devotion mit Dark Souls zu vergleichen. Beide Spiele haben viele Ähnlichkeiten, zum Beispiel die miteinander verbundene Welt, die ihr erforschen könnt, und ein Kampfsystem, das auf Timing und Können basiert. Beide nutzen zudem den Tod als Lernprozess. Aber Dark Devotion ist kein 3D-Abenteuerspiel, es ist ein 2D-Sidescroller. Auch fehlen die Genre-typischen RPG-Elemente. Es handelt sich im Grunde genommen also eher um ein Rogue-like, das euch für jeden Tod bestraft.


Die Karte ist übersichtlich gestaltet, die Schrift kann man allerdings kaum erkennen. © The Arcade Crew

Jede Reise in Dark Devotion beginnt in der Oberwelt, dem Knotenpunkt des Spiels. Von dort aus könnt ihr mit einer Reihe von NPCs interagieren, bevor ihr euch auf den Weg macht, um den alten Tempel zu erkunden. In der Oberwelt findet ihr zum einen ein Teleportationsportal, das euch zum letzten aktivierten Portal innerhalb des Tempels führt. Außerdem einen Altar, der es euch ermöglicht, eine Reihe von Dingen mit der Währung freizuschalten, die ihr im Kampf gegen Feinde verdient habt. Weiterhin einen Fährmann, der euch mit Aufträgen versorgt, und letztlich auch einen Schmied, der euch mit Ausrüstung und Gegenständen ausstattet, wenn ihr die entsprechenden Rezepturen als Gegenleistung anbieten könnt. Ihr werdet viel Zeit damit verbringen, die verschiedenen Anlaufstellen abzuklappern, um für den nächsten Lauf vorbereitet zu sein. Kein Wunder also, dass dies auch der Ort ist, an den man jedes Mal zurückkehrt, wenn man stirbt. Ihr werdet euch daran gewöhnen müssen, denn trotz Teleportation sind die Wege oft lang und ihr müsst nach jedem Tod erneut den Schmied aufsuchen, um euch aufs Neue mit eurem Equipment auszurüsten. Wege, die das Spiel teilweise langatmig und mühsam machen, vor allem da der Tod hinter jeder Ecke lauern kann.


Die kämpferischen Auseinandersetzungen in Dark Devotion sind offensichtlich der wichtigste Aspekt des Gameplays. Eine taktische Mischung aus Angreifen, Ausweichen, Parieren und Blocken ist der Schlüssel zum Überleben in den dunklen Gängen des weit verzweigten Tempels und muss je nach Waffentyp angepasst werden. Mit der Zeit lernt man, die Angriffe der Feinde zu lesen und kann mit etwas Geschick gekonnt mit der entsprechenden Eingabe auf dem Controller ausweichen und anschließend zum Gegenschlag ausholen. Die Feinde sind trotz allem oft schwer zu besiegen, weshalb Trial and Error der Schlüssel zum Erfolg ist, vor allem wenn man in einem neuen Lauf einmal nicht direkt die beste Ausrüstung findet. Was dann nach dem Tod bleibt, ist die bereits angebrochene Währung, mit der ihr Upgrades für eure Protagonistin erwerben könnt. Abgesehen von diesen Gegenständen und Waffen, die ihr beispielsweise mit eurer Hingabe selbst aufgerüstet habt, startet ihr nämlich in jedem neuen Lauf bei null. Je weiter ihr also in die Tempelanlage vordringt, desto mehr verschiedene Szenarien können sich abspielen, was der Abwechslung definitiv nicht abträglich ist.


Die Bosse können imposant und furchteinflößend sein. © The Arcade Crew

Wenn ihr dann doch irgendwann das Zeitliche segnet, geht es also zurück an den Ausgangspunkt, allerdings ohne die Gegenstände, die ihr im jeweiligen Lauf gesammelt habt. In Kombination mit den langen Laufwegen ist dieses System gerade am Anfang des Spiels abschreckend, da man das Gefühl hat, für einen Tod zu hart bestraft zu werden. Dark Devotion beginnt leider erst dann Spaß zu machen, wenn man ein paar Dutzend Tode gestorben ist und man sich mit den Feinheiten des Spiels vertraut gemacht hat. Bis dahin könnten sich einige Spieler jedoch bereits von Dark Devotion abgewendet haben. Dazu trägt auch bei, dass der Einstieg in das Spiel sehr kryptisch gestaltet wurde. Keine der oben genannten Vorgänge werden wirklich erklärt, ein Großteil der ersten Spielstunden besteht daraus, sich einen Reim aus all den verschiedenen Elementen zu machen, die man vorfindet.


Dunkelheit wird in Dark Devotion großgeschrieben. Leider kann sich dieser Umstand aber auch negativ auf das Spielgeschehen auswirken – und zwar nicht so, wie es sich das Entwicklerteam womöglich gewünscht hätte. Es gibt Momente, in denen man buchstäblich die Hand vor den Augen nicht mehr sehen kann. Das dürfte auch ein wenig an der Nintendo Switch liegen, denn selbst auf der maximalen Helligkeitsstufe kann man auf dem Bildschirm teilweise kaum etwas erkennen. Das Spiel ist bewusst düster, aber in der vorliegenden Form werden selbst kleine Hindernisse zu echten Todesfallen. Daher ist Dark Devotion in vielerlei Hinsicht ein hartes Spiel. Neben der Dunkelheit, die das Spiel gerade im Handheld-Modus beeinträchtigt, sind zu allem Übel die Texte im Spiel viel zu klein geraten und im Kartenbildschirm beinahe unleserlich. Gerade weil sich die Story und die Funktionen aber erst über die Gespräche mit NPCs entfalten, hilft es wirklich nicht, dass man häufig Probleme hat, diese überhaupt lesen zu können.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Franke

Keine Frage, Dark Devotion hat seine lichten Momente. Das Spiel vereint Elemente aus Dark Souls mit dem Spielprinzip eines Rogue-like, in dem ihr umso mehr belohnt werdet, je mehr Zeit ihr euch mit dem Spiel beschäftigt. Die düstere Atmosphäre und das auf gutes Timing und Geduld ausgelegte Kampfsystem haben durchaus ihren Reiz, Dark Devotion wird mir aber letztlich vor allem als ein sehr mühsames Spielerlebnis in Erinnerung bleiben. Bis sich echter Spielspaß einstellt, sind einige Hürden zu überwinden, etwa der kryptische Einstieg in das Geschehen, die viel zu kleinen Bildschirmtexte und der mühsame Weg zurück in den Tempel, nachdem man gestorben ist. Vor allem aufgrund des großen Potenzials, das dieses Spiel zweifelsohne hat, schmerzen diese negativen Punkte umso mehr. Um Dark Devotion genießen zu können, ist tatsächlich viel Hingabe gefragt. Gerade auf der Nintendo Switch ist die Konkurrenz aber einfach zu groß, um dieses Spiel uneingeschränkt empfehlen zu können.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • Mayhem89

    Turmritter

    Wenn ich persöhnlich eine sache nichtmehr lesen kann ist das Rogue-lite sowie rogue-like. Super für fans des genres aber ein paar adventure und rpgs mit tollen kampfsystem aber ohne diese elemente wären auch mal wieder toll