Zwischen Zeit, Raum und Kameraperspektiven

Aeternoblade 2 ist der Nachfolger zu Aeternoblade und macht augenblicklich da weiter, wo sein Vorgänger aufhörte. Nachdem die junge Frau Freyja den Schurken Beladim mit dem Aeternoblade in die Knie zwang und scheinbaren Frieden wiederherstellte, zeigen sich bald schon die Auswirkungen der Schlacht. Als die Dimensionen instabil werden und Monster erneut auftauchen, versucht Freyja ein weiteres Mal dem Unheil Herr zu werden. Auf der anderen Seite der Dimension stehen Felix und Bernard, die durch ein Orakel erfahren haben, dass eine mysteriöse Festung mit den Ereignissen zusammenhängen soll und das Geheimnis für den Dimensionsbruch berherbergt.


Das Kampfsystem verlangt Positionierung und schnelle Reaktionen. © PQube

Als jemand, der den Vorgänger nicht gespielt hat, fängt das Spiel thematisch verwirrend an und geht davon aus, dass ihr euch in irgendeiner Weise mit dem Vorgänger auseinandergesetzt habt. Für gewöhnlich sollte man nicht inmitten einer zusammenhängenden Reihe starten, weswegen es diskutabel ist, inwiefern sich dieser schnelle Anfang ohne Expositionen als fehlerhaft herausstellt, doch sollte jeder gewarnt sein, dass die Charaktere an sich nicht noch einmal groß erklärt werden. Fans hingegen freuen sich auf einen übergangslosen Einstieg, der sie sofort in ein neues Szenario wirft und keine Zeit verliert, das Spielgeschehen vorzustellen. Die Sprache ist nach jedem Neustart auf Englisch gesetzt und muss jedes Mal erneut auf Deutsch umgestellt und anschließend sogar kurz geladen werden. Es ist erfreulich, dass deutsche Bildschirmtexte vorhanden sind – dieser scheinbar kurze Wechsel vor dem Beginn ist aber unnötig nervig und verzögert stets den Start. Die Sprachausgabe wird von einer englischen und japanischen Synchronisation unterstützt. Während die japanische durchaus ordentlich ist, scheint weniger Mühe im englischen Pendant zu stecken. Charaktere klingen wie Roboter, sind vom Sound manchmal merkwürdig abgemischt oder passen in ihrer Ausdrucksweise oftmals nicht ganz zur Mimik der Figuren. Obwohl Freyjas Darstellerin auch dazu neigt etwas künstlich monoton zu klingen, um die Gelassenheit des Charakters näherzubringen, ist sie eine der wenigen Sprecher/Innen, die ihre Rolle einigermaßen glaubwürdig rüberbringen.


Aus der zweidimensionalen Perspektive steuert ihr nicht nur Freyja, sondern auch die neuen Charaktere Felix und Bernard, die allesamt mit verschiedenen Waffen und Techniken daherkommen. Hauptsächlich unterscheiden sich die spielbaren Kämpfer in ihren Waffen: Freyja benutzt beispielsweise ein Schwert während Felix eine klingenartige Peitsche führt. Die Differenzierungen sind oberflächlich betrachtet nicht allzu groß – bis auf die Schadensverteilung und Kombos besitzen alle Charaktere im Grunde ein ähnliches Spielgefühl. Wer sich jedoch etwas tiefer mit dem actionreichen Kampfsystem auseinandersetzt und die Kombos ein wenig trainiert, wird schnell Besonderheiten entdecken, die dazu führen einen Liebling zu finden. Wesentlich spannender sind besondere Kräfte, die mit Zeit und Raum spielen. So ist es möglich mit einem kurzen Spurt, der einen Zeitpunkt verbraucht, gegnerischen Attacken schnell auszuweichen und zurückzuschlagen. Alternativ kann ein Angriff auch im richtigen Timing pariert werden, womit sich Gegner kurz eine Blöße geben.


Die Mixtur aus 2D und 3D zeigt das Kampfsystem von zwei unterschiedlichen Seiten


Der schnelle Zeitrausch ermöglicht es euch Feinde anzugreifen, die Zeit zurückzuspulen und diese alternierende Zeitlinie als eine Art Doppelgänger einzusetzen, der die Abfolge eurer Angriffe ausführt, während ihr nebenbei zusätzlich agieren könnt. Doch vorsicht: Steckt ihr in diesem Zeitrausch Schaden ein, wird der Verlust von Leben ebenfalls gespeichert und bei einer Ausführung erzeugt. Möchtet ihr also diese Zeitlinie nun nicht verwenden, verschwendet ihr einen Zeitpunkt, wodurch ein ständiges Management von offensiven und defensiven Optionen entsteht. Leider ist die Technik etwas zu stark und Zeitpunkte regenerieren sich deutlich rasant, womit es keine ausgeglichene Balance zwischen Nutzen und Risiko gibt. Verwende ich einen Punkt, um einer Attacke flott auszuweichen oder riskiere ich den Zeitrausch für maximalen Schaden? Hier hätte das Spiel ein stärkeres Gegengewicht in Form von Strafen bei unüberlegter Ausführung gut vertragen. Am besten funktioniert ein solches Element, wenn es mit gleicher Ausführung mehrere Aufgaben erfüllen kann. So wird der Zeitrausch nicht nur im Kampf verwendet, selbst Rätsel müssen damit gelöst werden. Muss zum Beispiel ein Hebel betätigt werden, der ein zu weit entferntes Tor nur für einen Moment öffnet, dass sich dann wieder schließt, kann der Zeitrausch eingesetzt werden, um eine alternative Dimension entstehen zu lassen, die dauerhaft auf den Schalter drückt, bis ihr durch das Tor schreitet. Die Teleportation beinhaltet einen ähnlichen vielschichtigen Effekt, ohne je das Gameplay stark zu verkomplizieren. Markiert euren Standort mit einem Siegel, zu dem ihr mit einem einfachen Knopfdruck jederzeit wieder wechseln könnt. Nicht nur eignet sich diese Fähigkeit zum agilen Ausweichen von Attacken, auch Hindernisse können damit umgangen werden, was die beiden Kräfte letztendlich zu passend eingefügten Ideen macht.


In 3D erscheint die Spielwelt ganz anders. © PQube

Die Level selbst erinnern in ihrer Komplexität und ihrem Aufbau teilweise an das Castlevania-Franchise mit seinen verzwickten Passagen und sammelbaren Items. Heilflaschen können mit einem augenblicklichen Knopfdruck verwendet werden und sind glücklicherweise nicht hinter einem Menü versteckt, was den Gameplayfluss gestört hätte. Durch gelbe Orbs wertet ihr die Attribute eurer Charaktere auf und passt sie an die eigenen Bedürfnisse an. Wie man sieht, gibt es in der Welt einige nützliche Gegenstände zu entdecken, weswegen es immer ratsam ist, auch manchmal ein wenig vom Weg abzuschweifen. Highlight-Momente stellen gesonderte 3D-Abschnitte dar, wo ihr aus der dreidimensionalen Perspektive Kontrahenten besiegt und das Kampfsystem von einer anderen Seite betrachtet. Grundsätzlich erinnert das Spiel hier etwas an Nier: Automata oder die Drakengard-Spiele, auch wenn natürlich nicht so sorgfältig umgesetzt. Die Kamera verliert ihre eigene Orientierung, das Anvisieren will nicht immer zuverlässig klappen und die 3D-Abschnitte beschränken sich fast ausschließlich auf das reine Kämpfen anstatt sich auch an Rätseln zu versuchen. Trotz einer etwas wackeligen Umsetzung, fühlt sich das Gameplay überraschend gut in der freieren Darstellung an und bringt genug Abwechslung ins Erlebnis. Das Kampfsystem spielt sich nicht wesentlich anders, wodurch der Übergang meistens überraschend fließend abläuft und dieser Einfall weniger wie ein Gimmick wirkt.


Optisch werden mit dem etwas groben Stil und ausdruckslosen Charakteranimationen keine Bäume aus dem Boden gerissen. Die Grafik erinnert teilweise an ein aufpoliertes PlayStation 2-Spiel und obwohl die Performance meist stabil ist, sollte hier kein visuelles Wunderwerk erwartet werden. Melodisch erfüllt der Soundtrack seine Aufgabe schon merklich besser und gleicht die triste optische Natur des Spiels mit atmosphärischen Klängen aus. Auffallend ist dies während dem wohl stärksten Aspekt: Den Bosskämpfen. Sämtliche Hauptgegner haben genug Energie, um einen zufriedenstellenden, langen Kampf auf den Tisch zu bringen. Die Angriffsmuster sind divers, bringen euch ständig dazu, in Bewegung zu bleiben, sehen inszenatorisch eindrucksvoll aus und geben der Präsentation des Spiels die Prise Spannung, die aufgrund begrenzter Mittel hin und wieder als fehlend aufgefasst werden kann.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Obwohl Aeternoblade 2 auf dem ersten Blick als altbacken, kantig oder leblos wirken kann, ist die Steigerung im Vergleich zum Vorgänger unerwartet hoch. Das Spielgefühl profitiert von unterschiedlichen Charakteren, besseren Kombos und neuen Ideen, die sich gleichermaßen für Gefechte und Rätsel einsetzen lassen, ohne dabei aufgezwungen zu erscheinen. Der Soundtrack unterstützt die leblose Optik und funktioniert in Verbindung mit den pompösen Bosskämpfen als Zusammenspiel gut. Besondere 3D-Passagen ergänzen die 2D-Abschnitte und trotz ihrer ausbaufähigen Ausführung ergeben sie einen passenden Zusatz, der dem Nachfolger die nötige Eigenständigkeit gibt. So schön die Neuheiten auch eingeführt werden, so auffällig brauchen fast alle von ihnen einen Feinschliff, der sich bemerkbar machen würde. Die Charaktere könnten in ihrem Gameplay mehr Abwechslung vertragen, um sich besser zu unterscheiden – essenzielle Funktionen, wie das Anvisieren von Feinden in 3D-Segmenten sind nicht zuverlässig und schwächelnde Animationen und Synchronisationen lassen die Figuren unnötig steif wirken. Aeternoblade 2 ist ein kompetenter Nachfolger, der in seinen ganzen Verbesserungen und Neueinführungen nicht vergessen sollte, dass eine ausgearbeitete Idee besser sein kann, als gleich nach den Sternen zu greifen.
Mein persönliches Highlight: Die 3D-Passagen.

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