Leb deinen Traum

Mit Digimon Story Cyber Sleuth: Complete Edition bedient Bandai Namco Entertainment nun auch die Plattformen Nintendo Switch und PC in Form eines Komplettpaketes. Dieses setzt sich aus zwei Spielen zusammen – Digimon Story Cyber Sleuth und Digimon Story Cyber Sleuth - Hacker's Memory. Ersteres wurde bereits im Frühjahr 2016 hierzulande für PlayStation 4 und PlayStation Vita veröffentlicht. Letzteres erschien im europäischen Raum erst im Frühjahr des letzten Jahres. Insgesamt kann man es als Rollenspiel analog der beliebten Pokémon-Reihe aus dem Hause GAME FREAK bezeichnen, doch bieten die beiden Spiele genug Alleinstellungsmerkmale und können so nicht als stumpfe Kopie der Taschenmonster-Erfolgsreihe bezeichnet werden. Was ihr von Digimon Story Cyber Sleuth: Complete Edition erwarten könnt, sollen euch nun die nachfolgenden Zeilen verraten.


Die Qual der Wahl


Nachdem ihr das Spiel gestartet habt, steht ihr ziemlich schnell vor einer Auswahl. Und zwar mit welchem Abenteuer ihr beginnen möchtet – Digimon Story Cyber Sleuth oder Digimon Story Cyber Sleuth - Hacker's Memory. Empfohlen wird Ersteres, da dort sozusagen die Grundstruktur, also das Spielsystem und die Welt erklärt werden. Letzteres stellt eher ein Standalone-Addon dar und demnach fällt die Einführung in Gameplay und Welt weniger detailliert aus, da man davon ausgeht, dass man das andere Spiel bereits kennt. Darüber hinaus stolpert man im Verlauf von Digimon Story Cyber Sleuth - Hacker's Memory vermehrt über Anspielungen und sogar Personen aus Digimon Story Cyber Sleuth. Erwähnen sollte man hier, dass ihr die beiden Speicherdaten verknüpfen könnt. Somit werden Inhalte des Digiführers, welcher eine Art Pokédex darstellt, und Medaillen, die überall in der Welt verstreut liegen und anderweitig erworben werden können, zwischen den beiden Spielen synchronisiert. Wichtig ist das nicht unbedingt, aber durchaus praktisch und daher eine nette Funktion. Übrigens, während ihr in Digimon Story Cyber Sleuth sowohl Charakternamen und Geschlecht wählen dürft, könnt ihr in Digimon Story Cyber Sleuth - Hacker's Memory nur den Namen eurer Spielfigur bestimmen.


Startet ihr einen längeren Dialog, seht ihr die teilnehmenden Charaktere im Vordergrund. Gestik und Mimik werden dort auch wiedergegeben. © Bandai Namco Entertainment

Der Schwierigkeitsgrad kann im Optionsmenü angepasst werden, welches ihr noch vor dem Beginn aufrufen dürft. Ihr habt die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Stufen, wobei die ersten beiden etwas zu leicht ausfallen, während die letzte Schwierigkeitsstufe durchwachsen daherkommt. Zufallsbegegnungen sind unterm Strich immer noch zu einfach, während Bossgegner nun deutlich zu viel einstecken und daher langes Grinding erfordern, bis ihr derer Herr werdet. Aber ähnlich wie bei den erwähnten Pokémon-Spielen liegt auch hier der Fokus weniger auf den anspruchsvollen Kämpfen gegen den Computer als auf dem dahinterliegenden Sammelspaß.


Bevor wir mit den einzelnen Geschichten der Spiele anfangen, sollten noch ein paar Worte zum Setting gesagt werden. Beide Titel spielen sowohl in der Realität als auch in der Virtualität. In einer nahen Zukunft ist die komplette Welt via Cyberspace verknüpft. Der digitale Ort namens EDEN von der Firma Kamishiro Enterprise hat das Internet abgelöst. Dort trifft man sich mit Freunden, nimmt Geschäftstermine wahr oder wickelt Transaktionen ab – EDEN ist essenzieller Bestandteil des modernen Lebens geworden. Die Benutzer betreten diese virtuelle Welt in Form ihres Avatars, der im Idealfall eine exakte Kopie der echten Person darstellt. Dieser ist an einen Account bzw. ein Konto gebunden, welches unter anderem der Identifizierung dient und dem in dieser Welt eine große Bedeutsamkeit eingeräumt wird. Verliert man den Account, verliert man seine Identität und wird fortan geächtet. Natürlich gibt es auch in dieser Welt schwarze Schafe – die Hacker. Diese tun dort, was sie auch in unserer Welt tun. So stehlen sie beispielsweise fremde Accounts, verhalten sich nicht regelkonform oder sorgen einfach nur für Chaos. Für die Normalbürger sind alle Hacker gleich und stellen ein Ärgernis oder gar eine Gefahr für das öffentliche Leben dar. Doch das ist so nicht richtig. Unter den Hackern gibt es auch Splittergruppen, die sich für die Sicherheit im Cyberspace einsetzen und dem Bösen Paroli bieten. Und die Digimon? Bei den Digimon handelt es sich scheinbar um Software, die zumeist von Hackern benutzt wird, um deren Ziele zu verfolgen und zu erreichen, daher haben auch sie keinen guten Ruf.


Das Abenteuer beginnt


Kommen wir nun zu den einzelnen Geschichten. In Digimon Story Cyber Sleuth seid ihr ein gewöhnlicher Teenager. Ihr unterhaltet euch ganz entspannt mit euren Freunden in einem Chatroom, bis euch inmitten eures Gesprächs ein ungebetener Gast unterbricht. Dieser fordert euch dazu auf, sich mit ihm zu treffen. Wer dieser Forderung nicht nachkommt, wird gehackt. Ihr und zwei eurer Freunde, Arata und Nokia, trefft euch in der zwielichtigen Gegend Kowloon, ein desolater Bezirk in EDEN, wo sich Hacker und wilde Digimon herumtreiben. Dort taucht euer Erpresser genauso plötzlich auf, wie er anschließend wieder verschwindet – doch natürlich nicht, ohne etwas zu hinterlassen. Er installiert auf eurem Digivice das Programm Digimon-Fang, welches ihr nicht mehr löschen könnt und euch gegenüber der Öffentlichkeit als Hacker brandmarkt, obwohl ihr keiner seid. Nachdem das geschehen ist, unterbricht eine mysteriöse Präsenz die ohnehin schon aufgekratzte Runde. Es handelt sich um den "bleichen Jungen", welcher laut einer urbanen Legende ein Geist sein soll, der EDEN heimsucht. Arata jagt diesem anschließend hinterher. Aus Angst, ihm könne etwas geschehen, folgt ihr ihm kurz darauf.


Die Anime-Zwischensequenzen können zweifelsfrei als optisches Highlight bezeichnet werden. © Bandai Namco Entertainment

Dort werdet ihr nicht nur mit der Person hinter dem "bleichen Jungen" Yuugo bekanntgemacht, sondern auch mit den Digimon. Es stellt sich heraus, dass ihr eine besondere Verbindung zu den Digimon habt und fortan werdet ihr von mindestens einem begleitet. Euer Freund Arata ist jedoch nicht aufzufinden und so kehrt ihr zurück zu Nokia, die während eurer Suche nach dem "bleichen Jungen" auf euch gewartet hat. Zusammen findet ihr letztendlich Arata, doch die Freude darüber soll nicht lange anhalten. Eine mysteriöse, bedrohliche Kreatur taucht auf und schlägt euch in die Flucht. Euren beiden Freunden gelingt gerade so die Abmeldung aus EDEN an einem in der Nähe gelegenen Portal, doch ihr habt weniger Glück. Während des Logouts packt euch eines der Tentakel des Monsters und stört somit den Abmeldeprozess. Das resultiert darin, dass ihr ins Koma fallt und ihr fortan ein digitales Dasein in der realen Welt fristet. Das erregt die Aufmerksamkeit der Leiterin einer Detektei Kyoko Kuremi. Unter deren Fittiche arbeitet ihr von nun an als Hilfsdetektiv, geht mysteriösen Cyberverbrechen auf den Grund und findet heraus, was es mit dem mysteriösen EDEN-Syndrom, welches ausgewählte Besucher befällt, auf sich hat.


Die Geschichte von Digimon Story Cyber Sleuth - Hacker's Memory beginnt etwas weniger verwirrend. Euer Protagonist wurde seines Accounts beraubt und sucht nun den verantwortlichen Hacker. Wie bereits erwähnt, sind die Konten in EDEN weitaus mehr als einfach nur ein User für eine digitale Plattform. Verliert man das Konto, verliert man seine Identität und büßt stark an Integrität – auch in der echten Welt – ein. Ein Übergangskonto soll Abhilfe schaffen, jedoch halten die Leute euch aufgrund dessen fälschlicherweise für einen Hacker. Ihr seid die Beschuldigungen leid und zieht auf eigene Faust los, um den Verantwortlichen hinter dem Diebstahl zu schnappen. Ziemlich bald stellt sich heraus, dass das einfacher gesagt als getan ist. Ihr geratet unfreiwillig in einen Digimon-Kampf und werdet von einem mysteriösen Mann gerettet. Dieser stellt sich als Ryuji Mishima vor, Anführer der Hackergruppe Hudie, deren Ziel es ist, Recht und Ordnung in EDEN zu bewahren. Er zeigt ebenfalls Interesse daran, den verantwortlichen Hacker zu finden und zur Rede zu stellen. Nachdem ihr euch ihm gegenüber erfolgreich bewiesen habt und Teil seiner Organisation wurdet, gelingt es euch auch recht schnell, die verdächtige Person zu fassen. Es stellt sich jedoch heraus, dass der Gefasste nicht für den Diebstahl verantwortlich ist. Dieser Erkenntnis folgt eine Überraschung. Scheinbar dasselbe Monster wie schon in Digimon Story Cyber Sleuth taucht auf, verschluckt den Unschuldigen und schlägt euch in die Flucht. Ihr steht also mit neuen Fragen wieder komplett am Anfang eurer Suche.


Star der Show – die Digimon


Die Geschichten der beiden Spiele geben solide Rahmenhandlungen ab. Der eigentliche Fokus der beiden Titel liegt jedoch auf den Digimon. Ihr verbringt jede Menge Zeit mit der Aufzucht und dem Training eurer digitalen Gefährten, um deren Stärke anschließend in rundenbasierten Kämpfen zu demonstrieren. Das erste Digimon stellt dabei nicht eine derartige Zäsur im Verlauf des Spiels dar, wie es die Starter bei den Pokémon-Spielen tun. Bereits euer erstes Digimon hat viele verschiedene Möglichkeiten, sich zu entwickeln – in Digimon nennt man diesen Vorgang "Digitieren". Je nachdem, welche Voraussetzungen euer Digimon erfüllt, kann es sich in ein anderes Monster einer höheren Stufe verwandeln. Jedes Digimon verfügt über eine eigene Statistik und unterschiedlich stark ausgeprägte Attribute. Diese steigern sich mit jedem Level-Up. Zudem verfügt jedes Digimon über einen Typ – Serum, Virus, Datei und Keiner. Außerdem gehört jedes Digimon einem der üblichen Elemente an – Feuer, Wasser, Erde, Elektro, Pflanze, Wind, Licht, Dunkelheit und Neutral. Abschließend wären da noch die einzelnen Stufen Baby, Ausbildung, Rookie, Champion, Ultra und Mega. Insgesamt könnt ihr über 300 verschiedene Digimon im Spiel treffen und aufziehen. All diese Informationen und noch viele mehr bietet der Digiführer. Das Fangen der verschiedenen Digimon geschieht übrigens via Scanner. Geratet ihr in einen Kampf, wird euer Gegenüber gescannt, noch bevor die Fäuste fliegen. Der Scan wird jedoch nicht nach einer Begegnung abgeschlossen. Ihr müsst demselben Digimon mehrmals begegnen, um den Analysevorgang vollständig abzuschließen. Sind die hundert Prozent voll, dürft ihr das jeweilige Digimon im DigiLab erzeugen und in euer Team aufnehmen. Ihr könnt maximal bis 200 Prozent scannen. Je weiter ihr über hundert Prozent seid, desto stärker wird das Digimon, dass ihr aus den Daten erschafft.


Gleich in eurem ersten Kampf setzt euer Verbündeter Machinedramon, ein Digimon der höchsten Stufe Mega, ein – ziemlich beeindruckend. © Bandai Namco Entertainment

Allgemein werdet ihr das DigiLab oft aufsuchen. Dort verwaltet ihr eure Digimon. Darüber hinaus habt ihr Zugriff auf einen kleinen Laden, die DigiFarm und auf ein Terminal zum Heilen eurer Digimon gegen Yen. Hier könnt ihr auch in den Mehrspielermodus wechseln, der sich auf das Kämpfen gegen Spieler aller Welt oder innerhalb desselben Raumes beschränkt. Besonders wichtig ist jedoch, dass man im DigiLab Digimon aus abgeschlossenen Scans erzeugen, digitieren und de-digitieren kann. Außerdem ist es möglich Digimon permanent zu opfern, um ein anderes Digimon damit zu stärken. Jedoch lohnt sich diese makabre Prozedur kaum, da kleine Digimon nur wenige Erfahrungspunkte abwerfen. Ihr könnt Digimon in ein Monster mit höherer Stufe digitieren lassen. Welches Monster das wird, hängt von eurer Auswahl ab und ob euer Digimon die Voraussetzungen für die jeweilige Weiterentwicklung erfüllt. So muss ein Digimon beispielsweise mindestens einen gewissen Intelligenzwert oder ein bestimmtes Level haben, um den Anforderungen einer bestimmten Digitation zu entsprechen. Habt ihr euch entschieden, könnt ihr die Digitation initiieren. Das neue Digimon hat dann wieder Level 1, behält jedoch die Attacken seines vorherigen Daseins. Das maximale Level liegt bei 99, das könnt ihr jedoch nicht so einfach erreichen. Mehrere Digitations- und De-Digitationsvorgänge sind hierfür von Nöten, wobei das Digimon aber immer einen Teil der Werte behält. Das Ganze verhält sich analog zur Zucht in Pokémon. Nur dass es hier mit wenigen Knopfdrücken und ohne Wartezeit gemacht werden kann. Das DigiLab ist über Punkte zu erreichen, die überall in der Welt und deren Dungeons verstreut sind.


Der Digiführer sorgt dafür, dass bei all dem Wust rund um Digitation und De-Digitation nicht die Übersicht verloren geht. Er ist ein reichhaltiges Nachschlagewerk und lässt kaum Fragen offen. Jedes Digimon hat dort einen Eintrag. Bevor ihr diesen jedoch komplett einsehen könnt, müsst ihr dieses Digimon schon mal besessen haben und selbst dann kommen im Laufe des Abenteuers noch Einträge für vererbte Fähigkeiten hinzu.


Euer Digimon folgt euch auf Schritt und Tritt. Hier begleitet mich Gabumon durch einen kleinen Dungeon. © Bandai Namco Entertainment

Ihr könnt bis zu elf Digimon mitnehmen, von diesen könnt ihr drei in den Kampf schicken. Das ist jedoch nur der Idealfall. Euer Inventar hat nämlich nur begrenzt Speicher. Diesen könnt ihr zwar im Laufe des Abenteuers erhöhen, reduziert jedoch bis dahin, wie viele Digimon von welcher Stärke ihr mitnehmen könnt. Ein Digimon der Stufe Mega frisst beispielsweise mehr Speicher als ein Digimon der Stufe Rookie. In EDEN könnt ihr euch von eurer Kampftruppe verfolgen lassen. Wahlweise könnt ihr das auf das erste Digimon im Team beschränken oder ganz und gar abstellen, wenn es euch nervt oder eure Übersicht darunter leidet, denn meist verhält sich die Stufe der Digimon proportional zu ihrer Größe. Im DigiLab verstaut ihr den Rest eurer digitalen Monster. Dort könnt ihr sie ganz einfach ablegen oder in die DigiFarm stecken. Letztere ist eine Insel auf der eure Digimon herumrennen, trainieren, essen und allgemein leben können. Diese könnt ihr mit Dekorationsgegenständen, die ihr im Verlauf des Spiels erwerbt, ausschmücken, die einen positiven Einfluss auf die dort lebenden Digimon haben, sollten diese den Anforderungen entsprechen. So erhöht ein Vulkan die Erfahrungspunkte von Feuer-Digimon, während ein riesiger Springbrunnen eher den Wasser-Digimon zugutekommt. Außerdem schreiben die dort lebenden Digimon regelmäßig mit euch über das Digiline, eine Art Messenger in der dortigen Welt.


Über das Digiline erhaltet ihr Nachrichten von Bekannten, Freunden und euren Digimon. Das beginnt bei Small Talk und hört bei Quizfragen, deren Antwort ihr erraten müsst auf. Auf manche Nachrichten könnt ihr antworten. Hierbei stehen euch verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Ihr könnt das komplette Feature Digiline auch ignorieren. Jedoch profitieren zumindest eure Digimon von euren Antworten, denn diese steigern ihren Kameradschaftswert, der für manche Digitationen ausschlaggebend ist oder dafür, ob euch im Kampf eine Kombo-Attacke gelingt. Allerdings zeigt sich gerade bei den Antworten auf Mitteilungen von Bekannten und Freunden, dass die Funktion arg oberflächlich ist. Auf die Frage, ob man sich mal wieder treffen wolle, folgt eine Zusage – nur leider ohne Konsequenz. Manchmal machen Antworten so wenig Sinn, dass es den Verdacht erweckt, auf Spiel- oder Übersetzungfehler gestoßen zu sein. Das Digiline ist nett, könnte aber durchaus etwas mehr Tiefe und Sinn vertragen.


Es gibt einiges zu tun


Natürlich wird in Digimon Story Cyber Sleuth: Complete Edition auch viel gekämpft. Ihr kämpft gegen wilde Digimon, die ihr in Zufallsbegegnungen innerhalb von Dungeons trefft, gegen das Team anderer Hacker oder gegen widerstandsfähige Bosse. Ihr schickt bis zu drei Digimon in den Kampf. Je nachdem, welche Digimon auf dem Spielfeld stehen, wirkt deren Bonus. Jedes Digimon kommt mit einer Fähigkeit daher, die aktiv wird, befindet sich dieses im Kampf. All das lässt sich natürlich im Digiführer nachschauen. Am Rand des Bildschirms erscheint die Zugreihenfolge. Während eures Zuges stehen euch folgende Optionen zur Auswahl: Ihr könnt einen gewöhnlichen Angriff ausführen, der moderat viel Schaden macht und euch nichts kostet. Eine Spezialattacke bzw. -fähigkeit hingegen kostet euch Spezialpunkte – kurz SP –, macht dafür aber meist mehr Schaden. Spezialpunkte verhalten sich hier analog zu Mana bzw. Magiepunkten, wie man sie aus anderen Rollenspielen her kennt. Darüber hinaus könnt ihr ein Item verwenden, euer Digimon austauschen, fliehen oder komplett die Kontrolle abgeben und eure Digimon automatisch agieren lassen. Von Letzterem ist eher abzuraten, da es euch unnötig Spezialpunkte kostet, die ihr danach mithilfe von Items oder im DigiLab regenerieren müsst, um einer Knappheit vorzubeugen.


Die einzelnen Areale in der Realität sind zumeist liebevoll gestaltet und belebt. © Bandai Namco Entertainment

Habt ihr euch entschieden anzugreifen, gilt es, ein Ziel auszuwählen. Bei der Auswahl des Ziels sollte man unbedingt auf die Farbe achten, die der – nennen wir es mal – Cursor bei der Auswahl annimmt. Ist dieser blau, signalisiert dies eine Elementar- bzw. Typ-Schwäche und euer Angriffsschaden wird um die Hälfte reduziert. Sollte der Cursor weiß bleiben, verhalten sich die beiden Digimon neutral zueinander. Verfärbt dieser sich jedoch rot, könnt ihr mit einem Vielfachen eures eigentlichen Angriffsschadens rechnen. Dasselbe gilt auch für den Gegner, weshalb euch die Farbe des Cursors' vielleicht zusätzlich als Indikator dienen soll, das benachteiligte Digimon blocken zu lassen oder gar auszuwechseln. Folgen in der Reihenfolge mehrere eurer Digimon hintereinander, lässt sich anhand eines Balkens erkennen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer äußerst mächtigen Kombo-Attacke ist. Eine Kombo-Attacke besteht aus dem Angriff von mindestens zwei eurer Digimon gegen das ausgewählte gegnerische Digimon, welche euch nur den Zug des einen Digimon kostet, welches gerade an der Reihe ist. Wirklich spektakulär fallen diese leider nicht aus, weil es sich zumeist um zwei Standardangriffe handelt, die visuell wenig bieten, aber effektiv sind diese allemal.


Am Ende eines erfolgreichen Kampfes gibt es Erfahrungspunkte für jedes Digimon, was der Spieler bei sich trägt, also nicht nur für diejenigen, die auch am Kampf teilgenommen haben. Wie bereits erwähnt, erhöhen sich bei Level-Ups die einzelnen Attribute, selten passiert es, dass ein Digimon eine neue Spezialfähigkeit bzw. einen neuen Spezialangriff lernt. Es wird allerdings niemals geschehen, dass ein Digimon aufgrund eines Level-Ups digitiert. Diesen Vorgang müsst ihr selbst im DigiLab initiieren.


Das Anschlagbrett versorgt euch mit neuen Aufträgen. © Bandai Namco Entertainment

Die Kämpfe gegen Zufallsbegegnungen fallen oft sehr einfach aus und da man meist denselben Digimon in anderer Zusammenstellung gegenübersteht, kann das sehr schnell etwas anstrengend werden. Zwar müsst ihr euch nicht alle drei Schritte auf eine Zufallsbegegnung gefasst machen, manchmal wünscht man sich jedoch die Möglichkeit, Begegnungen gezielt auszuweichen. Kämpft ihr gegen Hacker sieht das Ganze schon anders aus. Die setzen auch mal exotischere Wesen ein, die stellenweise ordentlich austeilen und einstecken können. Insgesamt werdet ihr aber viel zu selten mit solchen Kämpfen konfrontiert, vor allem im Vergleich zu den Zufallsbegegnungen. Die Bosskämpfe gegen ein besonders starkes Monster oder einen besonders starken Hacker sind ebenfalls gelungen, wobei deren Ankündigung manchmal etwas zu subtil erfolgt. Da ist der verhältnismäßig leichte Schwierigkeitsgrad doch von Vorteil.


Neben den Hauptaufgaben habt ihr die Möglichkeit, euch mit Nebenaufgaben zu beschäftigen. Diese bestehen meist darin, dass ihr irgendwelchen Hackern nachjagt, diese bekämpft oder verlorene Gegenstände wiederbeschafft. In Digimon Story Cyber Sleuth findet ihr diese in Kyokos Detektivbüro, in Digimon Story Cyber Sleuth - Hacker's Memory auf dem Rechner im Internetcafé, welches von eurer Truppe als Unterschlupf verwendet und betrieben wird. Auftraggeber sind Personen aus der Umgebung oder Digimon. Während Erstere zumindest mit einer kleinen Geschichte zur jeweiligen Aufgabe daherkommen, sind die Digimon-Quests verhältnismäßig schmucklos.


Häufig wird von euch verlangt, Dialoge mit NPCs zu führen. Ihr erhaltet dafür ein Schlüsselwort, welches ihr bei den entsprechend gekennzeichneten Personen anwenden könnt. Ähnlich wie das Digiline ist dieses Feature, so gut es auch zur Cyber-Detektiv-Thematik passen mag, recht oberflächlich. Ihr sucht entsprechende Personen auf, initiiert eine Unterhaltung, ein Fenster ploppt auf, ihr wählt den Schlüsselbegriff aus – in den meisten Fällen gibt es gar keine Alternative – und spult den Dialog ab. Wirklich steuern könnt ihr da nichts, die Interaktivität entpuppt sich größtenteils als eine Farce.


Eine durchwachsene Präsentation


Neben EDEN findet die gesamte weitere Handlung in Tokio statt. Ihr besucht via Oberwelt oder Auswahl einzelne Bereiche von ebendieser Stadt oder des Cyberspaces. Ihr habt es hier nicht mit einer zusammenhängenden Welt zu tun. Viele Areale in der Realität wirken einladend, belebt und liebevoll gestaltet. Ihr treibt euch in Einkaufspassagen, einem Einkaufszentrum, in Wohnblöcken, in U-Bahn-Stationen und vielerlei anderen Orten herum. Die Gebiete im Cyberspace EDEN fallen im Verhältnis dazu etwas arg steril aus. Das mag vielleicht Sinn der Sache sein, jedoch kann man den Wunsch nach Abwechslung nicht leugnen. Dieser wird vor allem deutlich, sobald ihr den korrumpierten Untergrund von EDEN betretet. Dieser mit Hackern verseuchte Bereich schreit stellenweise nach "Monotonie". Das ist irgendwie schade, verbindet man Digimon doch automatisch mit der Digiwelt und deren bizarren Erscheinung. Dort trifft sich Technologie und Natur, welche trotz des scheinbaren Widerspruchs seltsamerweise eine homogene Umgebung bilden. So etwas sucht man jedoch vergeblich, obwohl doch der Cyberspace und dessen Störung durch Hacker ebenfalls Potenzial für verrückte Welten bietet, welches jedoch zu keinem Zeitpunkt voll ausgeschöpft wird. Orientieren könnt ihr euch übrigens größtenteils via Mini-Map und aufrufbarer Karte. Jedoch zeigt Letztere nicht euren Standort an, was deren Nutzen stark einschränkt.


Das ist leider ein Paradebeispiel dafür, wie die Texturenqualität im Spiel schwankt. Man achte auf den Inhalt des Schaufensters. © Bandai Namco Entertainment

Die Optik gestaltet sich in Digimon Story Cyber Sleuth: Complete Edition als zweischneidiges Schwert. Während die Modelle der Digimon und Charaktere super aussehen und sich auch Bereiche der Welt durchaus sehen lassen können, wird man immer wieder mit der Inkonsistenz der Texturenqualität konfrontiert. Knackig scharfe Geschäftsreklamen beißen sich beispielsweise im selben Bild mit dem extrem verwaschenen Schaufensterinhalt. Außerdem kann die Gestaltung der meisten Dungeons nicht überzeugen. Diese präsentieren sich sehr eintönig und lassen Einfallsreichtum vermissen. Wiederum sehr ansprechend sind die seltenen Zwischensequenzen in Anime-Optik. Diese leiten meist wichtige Personen und Ereignisse ein. Darüber hinaus gibt es noch Zwischensequenzen in Spielgrafik. Die sind zwar weniger eindrucksvoll, erfüllen aber dennoch gut ihren Zweck. Das Spiel läuft weitgehend flüssig, kurioserweise geht gerade in den tristen Dungeons oftmals die Bildrate in die Knie, aber niemals derartig stark, dass es den Spielspaß trübt. Dieses Ruckeln ist übrigens sowohl in Handheld- als auch TV-Modus der Nintendo Switch zu verzeichnen. Unterschiede in der Optik, bis auf die höhere Auflösung auf dem Fernseher, sucht man vergeblich.


Musikalisch gab es wenig auszusetzen. Vielleicht sollte man keine extreme Abneigung gegenüber elektronischer Musik mitbringen. Die Melodien besitzen teilweise Ohrwurmcharakter. Vor allem das Thema des DigiLabs tat es mir an. Es spielt zwar nicht in derselben Liga wie der Jingle in einem Pokémon Center oder die düstere, mysteriöse Tonabfolge im Schreibmaschinenraum eines Resident Evil, das muss es aber auch nicht. Die Dialoge zwischen den Charakteren sind stellenweise vertont, allerdings ausschließlich auf Japanisch. Doch keine Sorge, deutscher Bildschirmtext schafft Abhilfe. Die Vertonung ist gut gelungen und authentisch.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Kraus

Mit Digimon Story Cyber Sleuth: Complete Edition erhaltet ihr zwei durchaus unterhaltsame Abenteuer, die auf derselben Mechanik beruhen. Der eigentliche Fokus des Spiels – die Aufzucht und das Trainieren unterschiedlicher Digimon – wird vor allem Fans des Universums eine Freude bereiten. Während ein paar Ruckler noch problemlos hingenommen werden können, trübt die schwankende Texturenqualität schon etwas das Gesamtbild. Auch die Umgebung kann mit einer Digiwelt, wie man sie aus der World-Reihe kennt, nicht mithalten. Insgesamt wirkt das Spiel vollgestopft mit Funktionen, die es eigentlich nicht benötigt und daher nur oberflächlich behandelt. Hätte man sich stattdessen noch mehr auf die ohnehin schon gelungenen Kämpfe und die allgemeine Präsentation konzentriert, hätte dabei durchaus ein Hit entstehen können. So bleibt zwar immer noch eine Menge Spielspaß, der jedoch durch das ein oder andere Ärgernis getrübt wird.
Mein persönliches Highlight: Das Auftreten von Machinedramon gleich zu Beginn des ersten Abenteuers – will ich haben!

Die durchschnittliche Leserwertung

6 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • xdominik

    Be 3D!

    Also ich hab die Platin-Trophäe auf der PS4 geholt und muss sagen, dass es teilweise schon ein Kampf war. Die Dungeons sind allesamt recht lieblos gestaltet und sehen sich zum Großteil einfach viel zu ähnlich. Die Random-Encounter sind quasi alle fünf Sekunden und nerven nach der Zeit auch ein wenig.


    Das aufziehen und sammeln hingegen macht echt Spaß, sobald man das Prinzip richtig verstanden hat. Man levelt quasi hoch, wieder runter, wieder hoch, usw. Die späteren Kämpfe werden dann auch teilweise knackig, aber es gibt immer ein Digimon, was abhilfe verschaffen kann (Stichwort Jesmon). Und die Musik ist auch stellenweise echt top! Story fängt langsam an, wird später dann doch interessant aber ist overall viel zu gestreckt.


    Das mit der schwankendem Texturen-Qualität ist halt auf den anderen Plattformen auch so. Teilweise sehen Dinge so schön aus, aber dann hat man z.B. im Einkaufszentrum, wo man ja wirklich einen Großteil des Spiels verbringt, einfach mal Wände die aussehen als wurden sie mit 128x128px Texturen versehen worden.


    Ne 7 von 10 ist schon okay denke ich, ne 6 von 10 wäre aber auch klar gegangen.

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    @xdominik Die Ironie ist halt dass für Pokemon man Geld zu Hauf hat aber nicht die volle Qualität aussschöpfen will die möglich ist und bei Digimon ist es umgekehrt dass man mit dem was man hat das bestmögliche wohl schaffen will auch wenn die Mittel und die Umsatzerwartung deutlich geringer als bei Pokemon ist :dk:
    Theoretisch könnten die beiden das Budget tauschen und dann dürfte ein gleich gutes Pokemon Spiel entstehen wie sonst auch und ein sehr gutes Digimon Spiel :troll:

  • HonLon1

    Ich kann nur für Teil 1 sprechen, aber den kann ich jedem alten Digimon Fan oder Fan von rundenbasierten Kämpfen wärmstens empfehlen.
    Sich der Pokémon typische Sammelwahn kommt nicht zu kurz. Eigentlich also im Gegensatz zum Anime eine wirkliche Pokémon Alternative.


    Die Wertungen mit 6 oder 7 schrecken vielleicht ein wenig ab, aber der Hauptabzug wurde stets technisch begründet und eben damit, dass rundenbasierte Kämpfe letztlich out oder zu oft gesehen wurden.


    Ich hatte damit aber genauso viel Spaß wie mir Pokemon Ultramond und mehr Spaß als mit xy.