H. P. Lovecraft und Cthulhu statten der Nintendo Switch einen Besuch ab!

Vor einem Jahr veröffentlichte das französische Duo Cyanide Studio und Focus Home Interactive das Horrorspiel Call of Cthulhu für die PlayStation 4, die Xbox One und den PC. Dabei handelt es sich um eine Videospieladaption des gleichnamigen Pen & Paper-Rollenspiels aus dem Jahre 1981 und ist von der weltweit bekannten Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft inspiriert. Seit wenigen Wochen wartet das mythologische und psychologische Horrorspiel im Nintendo eShop und als Handelsversion darauf, die Nintendo Switch und dessen Besitzer heimzusuchen. Wir haben uns auf die virtuelle Reise nach Darkwater Island gemacht, um für euch dem Cthulhu-Mythos auf den Grund zu gehen und die Nintendo Switch-Version des Horrorspiels unter die Lupe zu nehmen. In den nachfolgenden Zeilen verraten wir euch, ob uns Call of Cthulhu auf dem Hybriden von Nintendo überzeugen konnte oder ihr eure Freizeit lieber auf einer anderen Insel verbringen solltet.


Ein Privatermittler mit einer Alkoholsucht und finsteren Träumen ...


In Call of Cthulhu schlüpft ihr in die Rolle des Privatermittlers Edward Pierce – einem Kriegsveteranen mit Depressionen, Angstzuständen und einer verheerenden Alkohol- und Tablettensucht –, dessen berufliche Existenz auf dem Spiel steht. Sichtlich von den vergangenen Jahren, ausbleibenden Fällen und dem bevorstehenden Verlust der Privatermittlerlizenz gezeichnet, stattet eines Tages ein Mann der Detektei einen Besuch ab, um die Hilfe des Privatermittlers in Anspruch zu nehmen – trotz des zweifelhaften Rufes von Edward Pierce.


Die Interaktionen mit den Charakteren haben direkten Einfluss auf das weitere Spielgeschehen und dem Ende von Call of Cthulhu. © Focus Home Interactive

Der unbekannte Mann kommt mit der verzweifelten Bitte, den mysteriösen Tod der Familie Hawkins aufzuklären, die bei einem schrecklichen Brand auf der Insel Darkwater Island ums Leben kam – die Familie seiner verstorbenen Tochter. Der Privatermittler soll nun dem Fall auf den Grund gehen und auf der Insel Beweise finden, dass die Tochter des Mannes, entgegen der Gerüchte auf Darkwater Island, weder verrückt noch für den Tod der eigenen Familie verantwortlich war. Der einzige Hinweis: Ein ziemlich abstraktes Bild, welches die Künstlerin vor ihrem Tod gezeichnet hat. Schnell wird dem Privatermittler bewusst, dass die Ermittlungen um den mysteriösen Tod der Familie Hawkins von einem schicksalhaften Ereignis überschattet werden. Von finsteren Alpträumen heimgesucht, braut sich im Hintergrund ein gewaltiger Sturm zusammen. Die Wiederbelebung des Gottes Cthulhu steht bevor und Edward Pierce steht genau im Auge des Sturmes …


Im ersten Moment könnte Call of Cthulhu durchaus den Eindruck erwecken, es handelte sich hierbei um ein weiteres Horrorspiel in der Egoperspektive, welches die Spieler mit möglichst viel Grusel, Blut und Jumpscares in den Wahnsinn treiben möchte. Allerdings verzichten die Entwickler bewusst auf derartige Klischees und setzen den Fokus auf das Aufspüren von Hinweisen zu dem Tod der Familie Hawkins, das Lösen von kleinen Rätselpassagen und Interaktionen mit den Bewohnern der Insel. Das erinnert weniger an ein klassisches Horrorspiel, sondern mehr an ein Sherlock Holmes-Abenteuer mit Horror-Elementen – im positiven Sinne.


Die Vorstellungskraft ist der wahre Horror in Call of Cthulhu!


Call of Cthulhu versucht nicht, die Spieler mit unzähligen Schreckmomenten in die Irre zu treiben, sondern spielt bewusst mit der Psyche und Vorstellungskraft des Spielers. Die Geschichte von Call of Cthulhu bedient sich an der gleichnamigen Vorlage von H. P. Lovecraft und konfrontiert euch mit den Angstzuständen und Illusionen des Protagonisten, ohne die eigentliche Geschichte aus den Augen zu verlieren. Die Reaktionen des Protagonisten und der anderen Figuren sorgen für ein stets mulmiges und bedrückendes Gefühl im Magen. So kommt es häufiger vor, dass der Protagonist in den unpassendsten Momenten eine Angstattacke bekommt und ihm für wenige Augenblicke schwarz vor Augen wird. Dies lässt den Moment realistisch und die Reaktionen authentisch wirken.


Die vielen Zwischensequenzen erzählen Teile der Geschichte und sind teilweise gruseliger als so manches vom Spieler gesteuerte Spielgeschehen. © Focus Home Interactive

Im Laufe der Geschichte – welche in vierzehn Kapiteln erzählt wird – müsst ihr stetig dabei zusehen, wie Edward Pierce mit der Zeit seinen Verstand verliert. Irgendwann fällt es euch schwerer, herauszufinden, ob die aktuelle Situation wirklich passiert ist, oder ihr dem Surrealismus zum Opfer gefallen seid. Dem könnt ihr ein wenig entgegenwirken, indem ihr durch das Lösen von Aufgaben oder in der Welt versteckte Fähigkeitenpunkte nutzt, um die Fähigkeiten, die Kenntnisse in der Medizinkunde und die Kampfstärke zu verbessern oder die geistige Gesundheit des Privatermittlers auf einem normalen Niveau zu halten. Diverse Versteck-, Schleich- und Shooter-Passagen sorgen zwar für ein wenig Abwechslung, strotzen aber weder vor Innovation, noch reißen sie Bäume aus. Die Spielzeit der vierzehn Kapitel beträgt im Durchschnitt etwa 11 Stunden, abhängig von eurer Spielgeschwindigkeit und der Sorgfalt bei den Dialogen und Ermittlungen.


Es ist Call of Cthulhu durchaus anzumerken und auch anzusehen, dass der Schwerpunkt nicht auf den Schwierigkeitsgrad oder der Grafik, sondern vielmehr auf das Erzählen der packenden Geschichte und die Charakterentwicklung gelegt wurde. Natürlich sieht man dem Spiel an, dass es ursprünglich für die PlayStation 4, Xbox One und den PC entwickelt wurde, denn schwammige Texturen und etwas hölzerne Bewegungen und Gesichtsausdrücke der Charaktere sind weder im TV- noch im Handheld-Modus der Nintendo Switch eine Seltenheit. Ebenfalls keine Seltenheit sind kurze Ruckler, die dem aufmerksamen Spieler hin und wieder auffallen werden. Im Großen und Ganzen macht die Portierung aber eine gute Figur und sorgt in den meisten Fällen für einen angenehmen Spielfluss, sofern dieser nicht regelmäßig von den etwas längeren Ladezeiten unterbrochen wird – ein Teufelskreis.


Eine Lobeshymne für den großartigen Soundtrack


Obwohl die technischen Aspekte der Nintendo Switch-Version von Call of Cthulhu nicht unbedingt ein Aushängeschild für die Leistungsfähigkeit der Konsole ist und augenscheinlich auch nicht sein möchte, konnte vor allem der wirklich großartige und stimmige Soundtrack überzeugen. Dieser sorgt für die richtige Atmosphäre und passt sich dem aktuellen Spielgeschehen wunderbar an. Selbst wenn eine Situation im Spiel auf dem ersten Blick nur wenig besorgniserregend erscheint, vermittelt der Soundtrack das Gegenteil und aus einer eigentlich harmlosen Situation entsteht plötzlich ein angespanntes und beklemmendes Gefühl. Trotzdem hält sich der Soundtrack in den meisten Fällen eher im Hintergrund, tritt aber auf den Punkt genau in den Vordergrund, um dem Spieler ein Gefühl von Angst zu übermitteln – inklusive kurzer Gänsehautmomente.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Krispin Berndt

Call of Cthulhu ist wahrlich kein normales Horrorspiel, welches nur darauf abzielt, dem Spieler möglichst im Sekundentakt irgendein blutüberströmtes Monster in die Linse springen zu lassen. Vielmehr geht es hier um die menschliche Psyche, um die glaubhaften Angstzustände und Reaktionen des Protagonisten sowie die Vorstellungskraft des Spielers. Das Spiel vermittelt dem Spieler in einem Moment das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, nur um innerhalb eines Sekundenbruchteils umzuschlagen und Beklemmung auszulösen, was durch einen großartigen Soundtrack unterstützt wird. Wer auf besonderen Nervenkitzel steht, sollte das Spiel in einer dunklen Umgebung und mit Kopfhörern spielen! Leider sind die oftmals längeren Ladezeiten und der zum Teil zu leichte Schwierigkeitsgrad von Call of Cthulhu einige meiner größten Kritikpunkte an dem Horrorspiel. Besonders bei einem Großteil der Rätsel sind die Lösungen viel zu offensichtlich und forderten meine grauen Hirnzellen nur in den seltensten Fällen. Die technischen Aspekte der Portierung sind in Ordnung, auch wenn dahingehend sicherlich noch etwas mehr machbar gewesen wäre. Trotzdem kann ich Call of Cthulhu jedem empfehlen, der H. P. Lovecrafts Werke oder das Horrorgenre zu seinen Favoriten zählt. Doch auch Spieler, die auf eine tiefgründige Geschichte und eine glaubhafte Charakterentwicklung ohne große Jumpscares stehen, dürften durchaus einige gruselige Stunden auf Darkwater Island verbringen.
Mein persönliches Highlight: Die gesamte Atmosphäre und der großartige Soundtrack!

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • ACA8

    Turmknappe

    Steht schon auf meiner Liste. Aber erst mal die anderen Spiele im Regal noch abarbeiten. Den Preis finde ich jetzt auch nicht übertrieben, dürfte aber sicherlich noch ein wenig fallen.

  • XXXX

    Schöner Test, der sich auch mit meinen Eindrücken deckt.
    Das mit den Ladezeiten fand ich jetzt nicht so dramatisch, da sie nur vor jedem Kapitel etwas zu lang sind.


    Vampyr für Switch gefällt mir aber nochmal ne ganze Ecke besser.

  • JahJah192

    Turmritter

    das Spiel ist echt gelungen, habe das schon auf der One X gespielt. Sieht auch auf den großen Konsolen nicht wirklich toll aus, die Atmo ist aber klasse und als Lovecraft Fan bekommt man da ein echt schönes Game. Auf jedenfall sehr gut das nun auch auf der Switch zu haben.