Unterstützt Scrat bei seiner Suche nach den Kristallnüssen

Ich erinnere mich noch sehr genau an die Zeit zurück, als der erste Ice Age-Film in die deutschen Kinos kam. Bis heute verbinde ich positive Erinnerungen an das mürrische Mammut Manny, das Faultier Cid und den herzensguten Säbelzahntiger Diego. Schon damals gehörte auch Säbelzahneichhörnchen Scrat zu dieser Riege und konnte durch seine Tollpatschigkeit für viel Gelächter in den Kinosälen sorgen. Umso erfreuter war ich, als ich von der Veröffentlichung von Ice Age: Scrats Nussiges Abenteuer erfahren habe, um auch meinem Sohn die Reihe und den damit verbundenen Charme näherzubringen. Ob mein Versuch glückte und wie das Vater-Sohn-Abenteuer endete, erfahrt ihr in den kommenden Zeilen.


Das Leben als Säbelzahneichhörnchen!


Die Geschichte rund um Ice Age: Scrats Nussiges Abenteuer ist schnell erzählt. Wieder einmal folgt Scrat seiner Obsession und möchte seine geliebte Eichel in einem Baumstumpf verstecken. Als in diesem plötzlich der Boden einstürzt, offenbart sich ihm ein im Verborgenen liegender Tempel inklusive mysteriöser Stimme, welche Scart den Auftrag erteilt, Kristallnüsse zu finden, welche sich im gesamten Land befinden. Diese Nüsse befähigen den Finder dazu, zum Champion zu werden. Was dies genau bedeutet, bleibt jedoch offen ...


Kurzerhand übernehmt ihr bereits die Rolle von Scrat und findet euch in einer kleinen Oberwelt wieder, in welcher euch die Grundlagen des Titels vermittelt werden. Es wird gesprungen, getreten, geklettert und gerollt. Auch ist Scrat in der Lage, Nüsse zu werfen, um sich Feinde vom Leib zu halten. Das Repertoire an Fähigkeiten ist somit zu Beginn bereits sehr ordentlich, erweitert sich im Verlauf der Geschichte jedoch pro gefundener Kristallnuss noch weiter. So kommen Klassiker des Jump 'n' Run-Genres wie der Doppelsprung oder die Fähigkeit, schwere Objekte zu bewegen, hinzu. Insgesamt fühlen sich die einzelnen Fähigkeiten sehr gut und ausgewogen an und machen auch dem jüngeren Publikum Spaß beim Ausprobieren.


Einen charmanteren Helden gibt es wohl kaum. © Outright Games

Sobald die Grundlagen gemeistert sind, geht es in den ersten Level. Diese sind insgesamt sehr schlauchartig aufgebaut, können jedoch immer wieder mit kleineren Ebenen überzeugen, welche den Erkundungsdrang etwas reizen. Ansonsten trefft ihr auf unterschiedliche Gegner wie Käfer und Mäuse, welche durch das Hämmern auf den X-Knopf schnell ausgeschaltet sind. Doch auch so mancher bekannter Charakter taucht im Spielverlauf auf, was Fans der Serie freuen dürfte. Ebenso müsst ihr euch in den Leveln Bosskämpfen stellen, welche nicht sonderlich schwierig sind, jedoch kleinere taktische Finessen aufweisen, sodass ein einfaches Hämmern auf die Angriffstaste nicht mehr hilft. Leider sehen sich viele Bereiche sehr ähnlich, sodass die Umgebungen nicht wirklich überzeugen können. Zwar gibt es kleinere Lichtblicke, wenn im Hintergrund eine Herde Mammuts auftaucht, eine wirkliche Spieltiefe bieten die Level jedoch nicht. Erfreulich ist allerdings, dass immer wieder neue Elemente in die Level integriert werden und zumindest für ein bisschen Abwechslung sorgen. Im Kopf geblieben sind mir hierbei kleinere Luftströme aus Erdlöchern, welche unseren Helden in die Luft werfen. Der Schwierigkeitsgrad ist hierbei nie wirklich fordernd, sodass auch Anfänger die Kämpfe problemlos überstehen.


Doch kommen wir zu den Problemen des Titels. Bereits die Anfangssequenz des Spiels lässt euch die Nackenhaare aufstellen, da es bereits hier zu Asynchronität zwischen Bild und Ton kommt. Somit ist der erste Eindruck getrübt und als wachsamer Spieler achtet man daraufhin umso mehr auf Ungereimtheiten. Eine dieser Unstimmigkeiten, welche sogar meinem Sohn aufgefallen ist, ist die Kameraführung. Zum einen zieht die Kamera etwas nach und darüber hinaus wirkt sie zugleich auch verwaschen. Dies macht vor allem die vielen Sprungpassagen im Spiel so schwierig, dass sogar ich mich trotz meiner 25 Jahre Videospielerfahrung sehr geärgert habe. Wie soll dann bitte ein sechsjähriges Kind es schaffen, sich in einer dreidimensionalen Umgebung zurechtzufinden und gleichzeitig auch noch unfaire Sprünge auszuführen? Dieses Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt. Während mein Sohn noch eine relativ hohe Frusttoleranz hat und mir bei schwierigen Passagen den Controller übergab, werfen andere Kinder die Flinte vermutlich schnell ins Korn, vor allem wenn niemand zum Helfen dabei ist. Dies ist wirklich schade, da Kinder die Umgebungen, Feinde und auch die einzelnen Level sehr mögen werden. Ein bisschen mehr Feinschliff hätte hier bereits gereicht, um das Spielerlebnis zu verbessern. Dieser Feinschliff hätte auch der gesamten Grafik gut getan, da sie nicht zeitgemäß wirkt und sich häufig zwischen matschig und kantig bewegt, je nachdem, was man gerade betrachtet.


Die Umgebungen können an manchen Stellen durchaus überzeugen. © Outright Games

Weiter hat das Spiel immer wieder mit Bugs zu kämpfen. So erfreuten wir uns beispielsweise an einer Rutschpartie auf dem Eis, wurden jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als uns dieses Rutschen durch die Wände in die Leere katapultierte. Natürlich könnte man meinen, sowas passiert schonmal in einer 3D-Umgebung. Die Glitches sind jedoch so oft aufgetreten, dass es zu großem Frust führte, da häufig der Bildschirmtod damit verbunden war. Leider traten diese Fehler auch im normalen Spielverlauf bei Sprung- und Laufpassagen auf, sodass man nicht von einzelnen Problemen sprechen kann. Hier wäre definitiv ein Nachjustieren sehr sinnvoll gewesen, um den jüngeren Spielern, für die der Titel schließlich sein soll, Spaß statt Frust am Spielen zu vermitteln.


Nichtsdestotrotz bietet der Titel eine Menge Witz und auch die Langzeitmotivation ist durchaus gegeben. Ihr könnt nämlich überall Kristalle sammeln, welche mal mehr und mal weniger gut versteckt sind. Bei ausreichend gesammelter Menge erhöht sich so euer Lebensbalken, welcher aber ohnehin schon groß genug ist. Ansonsten lassen sich in den einzelnen Levelabschnitten weitere Geheimnisse, wie zum Beispiel Statuen entdecken, was zwar Spaß macht, jedoch keinerlei Mehrwert bietet. Der Entdeckerdrang ist somit etwas eingeschränkt. Insgesamt dürft ihr euch auf ein Abenteuer mit ungefähr drei bis vier Stunden freuen, wobei man nochmals das doppelte investieren kann, wenn man wirklich jedes Geheimnis lüften möchte. Ob man dies jedoch wirklich will, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Ice Age: Scrats Nussiges Abenteuer hinterlässt bei mir sehr gemischte Gefühle. Man findet sich schnell in der Spielwelt zurecht und die Umgebungen wissen an vielen Stellen zu überzeugen und versprühen dank bekannter Charaktere auch einen großen Charme. Gleichzeitig häufen sich die Fehler im Spiel immer weiter, sodass vor allem bei der angepeilten Spielerschaft großer Frust auftaucht, wenn man dank Glitches oder der unmöglichen Kamera mal wieder das Zeitliche segnet. Das ist sehr schade, da es viele tolle Ansätze gibt, wie zum Beispiel die neuen Fähigkeiten, die Scrat erlernt. Diese sorgen für Spielspaß und auch eine gewisse Spieltiefe, da sich die anfangs schlauchartigen Level nach und nach öffnen und ein wirkliches Erkunden ermöglichen. Da man jedoch keinerlei Mehrwert davon hat, alle Geheimnisse zu lüften, bleibt der Entdeckerdrang auf der Strecke. Hier wären weitere freischaltbare Fähigkeiten oder Level durchaus angebracht gewesen. Empfehlen kann ich den Titel somit nur denen, die über die Fehler hinwegsehen können und wem ein einmaliges Durchspielen reicht.
Mein persönliches Highlight: Der erste Bosskampf, da er überraschend kam und mit Witz überzeugen konnte.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 9

  • Harlegrins

    Harlegrins

    Schade, dass es wieder die Kamera ist welches das Spiel kaputt macht.
    Hätte es gern als einfaches Anfangsspiel für die Kids geholt...
    Aber so, wird es wohl zu frustig für die kleinen

  • Kemen

    Turmheld

    @Harlegrins
    Hol deinen Kids lieber die Disney Classics, sprich Alladin und König der Löwen. Sind tolle Spiele, auch wenn se teils schwer sind, aber die schauen toll aus und machen ne Menge Spaß. Und man hat großartige Filme dazu zu schauen :D

  • Irves | Julian

    Moderator

    Ice Age war vor dem Release auf meiner Wunschliste. Jetzt, wo ich ein Let's Play dazu gesehen habe, bin ich doch froh, dass ich das Spiel nicht vorbestellt habe. X/

  • Maluigi | Leon

    16 Jahre alt

    @Irves | Julian


    Ich habe das von Domtendo (bzw. das Let’s Show) gesehen und überlege momentan noch.
    Dann aber nicht für die Switch.

  • Irves | Julian

    Moderator

    Ich habe das von Domtendo (bzw. das Let’s Show) gesehen und überlege momentan noch.

    Genau dieses Let's Play oder, wie du es richtig formuliert hast, Let's Show habe ich gesehen. :D
    Die Spielwelt sieht sehr eintönig aus, das Kampfsystem ist eher mau und angeblich soll das Spiel auch nur eine Spielzeit von drei Stunden haben.

  • Maluigi | Leon

    16 Jahre alt

    @Irves | Julian


    So wenig?


    Perfekt. Ich denke, das mag ich.

  • xdominik

    Be 3D!

    Also wenn ich mir die beiden Screenshots anschaue, vor allem den zweiten, dann kommen richtige Nostalgie-Feelings auf. Das man 2019 noch Games im PS1 Look bekommt ist ne schöne Sache.

  • Harlegrins

    Harlegrins

    @Kemen Danke für den Tipp.
    Ich finde König der Löwen (Spiel) ist teilweise heftig. Der "Große" (6 Jahre) hat einen GBC bekommen, da darf er am WE mal zum Mittag spielen. Hier hat er beide Spiele probiert.
    Mir gings um einfache 3D Spiele. Hier hatte ich gehofft, dass es leicht aber spielbar ist. Den Film wollten wir ihn dann auch mal zeigen.

  • Ande

    Meister des Turms

    Irgendwie hatte ich letzte Gen das Gefühl, wir wären die unglaublich miesen Lizenzverwurstungen endlich los, aber in letzter Zeit kommen die wieder öfters. Offenbar gibt es immer noch Leute, die sich von einer Lizenz blenden lassen.