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Test zu Pillars of Eternity: Complete Edition - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Pillars of Eternity: Complete Edition
  • USA USA: Pillars of Eternity: Complete Edition
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
08.08.2019
Vertrieb
Versus Evil
Entwickler
Obsidian Entertainment
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Bugs of Eternity

Von Pascal Hartmann () Pillars of Eternity startete als Kickstarter-Kampagne. Das isometrische RPG generierte insgesamt fast 4 Millionen Dollar von Fans weltweit und läutete eine frische Ära dieser Art von Rollenspielen ein. Auch ich verfolgte das Projekt mit Spannung, erinnerte es mich doch an eines meiner Lieblingsspiele, Baldur’s Gate. Ich kam jedoch erst ein paar Monate nach dem Release dazu, Pillars of Eternity auch tatsächlich zu spielen. Viel Zeit steckte ich jedoch nicht hinein. Das änderte sich, nachdem mich die Switch-Version in den Bann zog. Wieso ich von der Switch zu meinem Laptop wechselte? Bugs, Bugs, Bugs.

Spiel im Spiel: Der Charakter-Editor

Doch beginnen wir am Anfang: Zu Beginn von Pillars of Eternity steht die wohl wichtigste Entscheidung der gesamten Reise, nämlich die Zusammenstellung eurer Spielfigur. Ihr wählt Geschlecht, Rasse, Klasse, Fähigkeit(en), verteilt Attributspunkte, entscheidet euch für eine Kultur, euren geschichtlichen Hintergrund und personalisiert euer Aussehen. Schlussendlich sucht ihr euch die passende Stimme aus. Fast jede Wahl hat Auswirkungen, sodass das Endprodukt wohlüberlegt sein sollte. Ein Kämpfer kann beispielsweise im gewissen Rahmen auf Intelligenz verzichten, ein diebischer Charakter kann von einem bisherigen Leben als Landstreicher profitieren (vom Start weg bessere Schlösser-knack-Fertigkeit) und ein Zauberer sollte nicht nur auf Angriffsmagie gehen, sondern auch den einen oder anderen Verteidigungsspruch im Sortiment haben.

Mit dem Charakter-Editor startet das Abenteuer. © Versus Evil

Das Besondere am Pillars-of-Eternity-System ist jedoch, dass kein Attribut unnötig ist. Während man in anderen Vertretern des Genres bei Nahkämpfern gut und gerne fast vollständig auf den Intelligenz-Wert verzichten kann, solltet ihr ihn hier nicht zu tief senken. Denn er hat Auswirkungen auf die Verteidigung gegen mentale Angriffe (beispielsweise Lähmungen), aber auch auf den Wirkungsgrad von Fähigkeiten. Macht wiederum ist zum einen zuständig für die Angriffsstärke, aber beeinflusst auch die Menge an Trefferpunkten, die Heil-Zauber wiederherstellen. Zudem kann jedes Attribut weitere Antworten in Dialogen freischalten, die euch ohne entsprechende Werte vorenthalten werden. Ihr seht also: Wer schon im Voraus plant und weiß, wohin er mit seinem Charakter möchte, hat einen gewissen Vorteil im Spielverlauf.

Das heißt aber nicht, dass ihr nicht einfach ohne viel Federlesens loslegen könntet. Dafür sind die beiden unteren Schwierigkeitsgrade gedacht, in denen ihr auch ohne mehr oder weniger mögliche Optimierungen durch das Abenteuer kommt. Ab der normalen Stufe solltet ihr aber schon gezielter vorgehen. Ohne gestriegelten Helden solltet ihr die beiden harten Stufen (Schwer & Pfad der Verdammten) erst gar nicht versuchen. Des Weiteren könnt ihr den Expertenmodus hinzuschalten. Damit werden einige Hilfefunktionen deaktiviert. Wer noch mehr Herausforderung will, aktiviert das Eisenurteil. Sollte eure Figur nun sterben, wird der einzige Spielstand gelöscht und ihr müsst wieder ganz von vorne anfangen.

Doch euer Held bleibt nicht allein, denn im Laufe des Spiels schließen sich ihm immer mehr Charaktere an. Diese sind allesamt hervorragend geschrieben und bringen sich gerne auch in Unterhaltungen ein oder quatschen untereinander. Jede Figur hat ihre eigene Motivation, und in Form von eigenen Quests könnt ihr ihnen dabei helfen, ihre jeweiligen Aufgaben und Wünsche zu verfolgen. Kana beispielsweise möchte ein Artefakt in seinen Besitz bringen, um sein Volk wieder zu einen. Edér wiederum sucht nach Antworten auf Fragen, die ihn schon seit langem quälen. Jeder von ihnen wird ein wertvolles Mitglied der Gruppe und ich hatte allein schon viel Spaß damit, sie ab und zu anzusprechen und neue Informationen zu ihrem bisherigen Leben zu erfahren. In der ersten Stadt kann es sich allerdings lohnen, zumindest vorübergehend Abenteurer anzuheuern. Sie kosten einmalig Geld und können wie euer Hauptcharakter komplett von Null erstellt werden. Hauptsächlich sollten sie dazu genutzt werden, fehlende Rollen in eurem Team auszufüllen, da sie keine Hintergrundgeschichte mitbringen und stumm bleiben.

Komplex und gut: das Kampfsystem

Pillars of Eternity setzt auf ein Echtzeit-basiertes Kampfsystem, das jederzeit pausiert werden kann, um Befehle zu erteilen. Dies ermöglicht die Koordination von jeder Aktion und von euch wählbare, automatische Pausenregeln helfen euch dabei, alles im Blick zu behalten. Im Hintergrund wird dabei unablässig gewürfelt, wobei die verschiedenen Würfe mit und gegen Werte wie Gewandtheit, Entschlossenheit, die unterschiedlichen Verteidigungsarten und vieles mehr gegengerechnet werden. Ihr seht dann das Ergebnis, nämlich die Höhe des Schadens oder ob ein Buff (Stärkung) bzw. Debuff (Schwächung) gelingt oder daneben geht. Mit Gegenständen und Zaubern stärkt oder senkt ihr Werte, sodass ihr euch Vorteile im Kampf sichert. Am Ende des Tages ist ein grundlegendes Verständnis dieses Systems auf dem normalen Schwierigkeitsgrad durchaus hilfreich, darunter aber nicht dringend nötig. Wollt ihr es härter, solltet ihr schon genau wissen, wie alles zusammenpasst und funktioniert.

Die starken Charaktere stehen vorne, die Zauberer und Bogenschützen hinten. © Versus Evil

Dazu gehören auch die angesprochenen Rollen eurer Gruppenmitglieder. Rollenspiele wie Pillars of Eternity setzen prinzipiell darauf, dass ihr verschiedene Arten von Figuren in den Kampf schickt, die sich gegenseitig ergänzen und wie ein Uhrwerk agieren. Die folgende Rollenverteilung könnte man wohl als Standard ansehen: Ganz vorne stehen die Kämpfer, von denen mindestens einer den Tank gibt. Diese Rolle ist dafür da, die Feinde auf sich zu versammeln und Schaden einzustecken. Er sollte daher möglichst robust sein (viele Trefferpunkte, hohe Verteidigung). Dahinter folgt gerne eine Figur, die je nach Situation nach vorne preschen, sich aber auch zurückziehen und hinten aushelfen kann (beispielsweise ein flinker Dieb). Denn hinten stehen die Zauberer, die hauptsächlich als Damage Dealer fungieren, also mit ihren Sprüchen die Gegner dezimieren. Wer ganz sicher gehen will, nimmt noch einen Heiler in die Gruppe auf.

Das ist aber natürlich nur eine Art und Weise, wie ihr die Kämpfe angehen könnt. Gewiefte Experten kommen auch mit einer Truppe aus reinen Zauberern durchs Spiel (und wer es noch interessanter machen will, spielt lediglich mit seinem Hauptcharakter und ohne Unterstützung). Doch auch andere Überlegungen können dazu führen, dass ihr von der Standard-Aufstellung abweicht. So gibt es die Klasse des Sängers, die während des Kampfes Lieder trällert und so für nützliche Statuseffekte sorgt. Mönche ziehen sich in Kämpfen Wunden zu, Medien generieren Fokus. Beides wird benötigt, um Fähigkeiten einsetzen zu können. Je nach Situation sind bestimmte Zusammenstellungen durchaus im Vorteil, aber im Großen und Ganzen könnt ihr auf dem normalen Schwierigkeitsgrad euren Vorlieben für Charaktere, Klassen und Rollen den Vorzug geben, ohne euch in ein Korsett gezwängt zu fühlen.

Trotzdem müsst ihr fast immer taktisch an die Kämpfe herangehen. Wenn ihr einfach nur alle nach vorne stürmen lasst, werdet ihr kleine Standard-Scharmützel schon überstehen, aber darüber hinaus würdet ihr es sehr schwer haben. Alle Zauber haben einen Wirkungsbereich und befinden sich Gruppenmitglieder darin, werden auch sie getroffen. Daher ist die Positionierung eurer Zauberer enorm wichtig. Statusverbesserungen durch Buff-Zauber beispielsweise machen viel aus und helfen euch dabei, die Oberhand zu gewinnen. Alle Feinde sind gegen bestimmte Waffentypen besonders anfällig, gegen andere aber wiederum überaus resistent. Und es kann nie schaden, ein paar Kuchen dabei zu haben, um von ihren positiven Effekten nach dem Verzehr zu profitieren. Intelligente Figuren sollten auch Zauberspruchrollen in petto haben, eine gut platzierte Falle kann Sieg oder Niederlage bedeuten und wann ihr welche Fähigkeit gegen welchen Gegner einsetzt. Analysiert die Situation und handelt entsprechend. Niemand hat gesagt, es würde leicht werden! Besonders cool: Wenn ihr in Gesprächen die passenden Antworten wählt und die entsprechenden Werte besitzt, könnt ihr manchen Auseinandersetzungen sogar komplett aus dem Weg gehen.

Persönlich halte ich mich übrigens grundlegend an die oben beschriebene Formel mit Tanks und Damage Dealern, doch da ich in RPGs immer einen je nach Spiel variierenden Anteil an tatsächlichem Rollenspiel einbaue, weiche ich auch gerne von „Konventionen“ ab. Meine Hauptfigur ist beispielsweise eine Waldläuferin, die allerdings nur wenig aushält und nicht gerade kräftig ist. Im Prinzip das Gegenteil eines Waldläufers. Doch die von mir erdachte Hintergrundgeschichte und die Art und Weise, wie ich den Charakter spielen möchte und wie er sich in meinem Kopf verhält, haben zu dieser seltsamen Kombination geführt. Und das ist das Schöne an Pillars of Eternity: Ihr könnt Powerplay betreiben und rein auf Werten basiert spielen. Oder ihr schaut mehr auf das Rollenspiel per se. Meistens wird es wohl eine Mischung aus beidem, doch ganz egal, wie ihr vorgeht, ihr werdet vorankommen. Nun ja, wenn ihr den passenden Schwierigkeitsgrad gewählt habt.

So viel zu lesen…

Wie es sich für ein RPG gehört, werdet ihr viel Zeit damit verbringen, Texte zu lesen. Die Gespräche mit euren Gefährten und anderen wichtigen Figuren sind vertont, der Rest muss gelesen werden. An sich sind die Stimmen passend gewählt und auch die Sprachausgabe ist gelungen, aber so richtig zufrieden bin ich damit nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Texte Einschübe wie „Der alte Mann, dessen Robe vereinzelte Brandflecken aufweist, runzelt die Stirn und starrt euch durchdringend in die Augen“ enthält, was aber natürlich beim Sprechen des Dialogs ausgelassen wird. Erwähnenswerte Gefühlsregungen, Aktionen oder interessante Details eures Gegenübers erfahrt ihr nur über die Texte, sodass ich sowieso alles mitlese. Da die Einschübe zwischen den Sätzen auch mal länger sein können, kommt es dann teilweise dazu, dass ihr noch in der Beschreibung eures Gesprächspartners seid, während dieser schon die nächsten Sätze spricht. Das kann schon verwirrend sein.

Diese seltsame Maschine bekommt ihr früh zu Gesicht. © Versus Evil

Zu den normalen Gesprächen und Textboxen kommen die Erinnerungen diverser Spielfiguren. Diese sind vollkommen optional und bringen euch im Abenteuer nicht voran, sind aber fast durch die Bank weg unterhaltsam. Da geht es um Diebe, die während eines Einbruchs erwischt werden, verbotene Liebschaften, zurückliegende Reisen oder auch ganz normale Alltagssituationen in einer Fantasy-Welt. Diese Geschichten stammen von Unterstützern der Kickstarter-Kampagne und sind in Form der dazu erstellten Figuren in der ganzen Spielwelt verteilt. Die Entwickler haben diese Erinnerungen clever integriert, denn sie nutzen dazu die Fähigkeit des Helden, die Seelenessenz von Personen zu erkennen und mit ihrer Hilfe Vergangenes zu sehen.

Und da kommen wir auch endlich zur Geschichte von Pillars of Eternity. Dass sie so weit hinten im Text auftaucht, ist auch gar nicht verwunderlich, steht sie doch hinter dem eigentlichen Spiel zurück. Dabei beginnt es ganz spannend: Als Teil einer Karawane überlebt ihr einen Seelensturm und werdet anschließend Zeuge eines seltsamen Rituals. Von da an könnt ihr in die Seelen anderer blicken. Ihr möchtet natürlich herausfinden, was es damit auf sich hat und was für einen Plan eine mysteriöse, hinter dem Ritual steckende Person verfolgt. Außerdem versucht ihr aufzudecken, warum seelenlose Babys geboren werden. Dazu reist ihr kreuz und quer über eine Landkarte und besucht diverse Orte, Höhlen und sonstige interessante Bereiche. Die erzählte Geschichte ist schon okay, aber sie war es nicht, die mich am Ball hielt. Nein, ich wollte einfach mehr von der Welt sehen und vor allem mehr über sie und meine Begleiter erfahren. Pillars of Eternity steckt voller Leben und Details und vor allem basiert alles auf einem durchdachten Grundgerüst und einer Vergangenheit, die von Göttern und Kriegen erzählt. Es ist offensichtlich, dass all das schon existierte, bevor ihr Fuß aufs Land gesetzt habt. Die Immersion in die Spielwelt ist fantastisch, denn sie hat tatsächlich eine Geschichte.

… und so viel zu tun

Auch wenn die Hauptstory nur bedingt hineinzieht, so kann Pillars of Eternity mit den zahlreichen Nebenschauplätzen und dazugehörigen Erzählungen punkten, in denen ihr euch oftmals entscheiden müsst, wie ihr handelt. Jede Entscheidung hat Konsequenzen, mal kleinere, mal größere. Es beginnt klein beim Streit um das letzte Getreide und gipfelt in der Entscheidung, ob ihr den Lord des Landes oder den Anführer einer Revolte ins Reich der Toten schickt. Der das Land der Tyrannei ausgesetzte Lord hat immerhin gute Gründe für sein Verhalten und möchte doch irgendwie auf eine verquere Art und Weise nur Gutes für seine Untertanen. Wie werdet ihr handeln? Dazu kommen zahlreiche Nebenquests, euer Auftragsbuch ist immer gut gefüllt.

Der Feuerstrahl kann eure eigenen Figuren treffen. Also gut zielen! © Versus Evil

Des Weiteren fällt euch im Laufe des Abenteuers eine Burg in die Hände. Ist sie in euren Besitz übergegangen, könnt ihr sie Stück für Stück wiederaufbauen und von bestimmten Boni profitieren. Außerdem erscheinen regelmäßig Besucher mit verschiedenen Anliegen, denen ihr euch annehmen könnt. Dann erfahrt ihr, was euer Gegenüber quält und gebt ihm Ratschläge, wie er sein Dilemma am besten löste sollte. Je größer eure Burg, desto beliebter wird sie auch für Diebe und andere Gruppen. Ist ein Angriff angekündigt, könnt ihr dessen Verteidigung automatisch auswürfeln lassen, doch das bessere Ergebnis erhaltet ihr immer, wenn ihr den Kampf manuell ausführt. Dazu reist ihr in die Burg zurück und stellt euch den Angreifern.

Diese müssen übrigens nicht zwangsläufig von außerhalb kommen, sondern können auch aus dem Dungeon schwärmen, der sich unter der Burg befindet. Dieser hat 15 Etagen und ist damit nicht nur sehr ausufernd, sondern bietet auch immer wieder neue Herausforderungen. Es lohnt sich, immer wieder mal nach ein paar Stufenaufstiegen eurer Figuren inklusive neuer Fähigkeiten dorthin zurückzukehren und weiter hinabzusteigen. Neben Monstern findet ihr im Burg-Dungeon auch viele Gegenstände, Waffen und Rüstungen, mit denen eure Charaktere noch besser werden. Die Suche nach immer neuem Loot ist sowieso sehr spannend, da schon Handschuhe mit einem Gewandtheitswert +2 einen Unterschied machen. Schaut euch also ausgiebig um. Insgesamt ist die Burg jedoch abgesehen vom Dungeon eher nur eine nette Spielerei, die ihr sogar weiträumig ignorieren könnt.

Doch um der drögen Burg etwas entgegenzusetzen: Die Steuerung von Pillars of Eternity wurde sehr gut auf die Konsole umgesetzt. Mithilfe von Ringmenüs habt ihr eure Charaktere und ihre Fähigkeiten im Griff, außerhalb von Kämpfen bewegt ihr eure Party direkt mit dem Analogstick. In Auseinandersetzungen steuert ihr mit dem Stick dann wiederum einen Cursor, um gezielt Charaktere und Feinde auszuwählen. Gerade bei der Anwendung eines Heilzaubers hätte ich mir aber schon die Möglichkeit gewünscht, per Schultertasten zwischen den Zielen wechseln zu können. Denn stehen mehrere Figuren quasi an einer Stelle, kann es per Cursor schwierig werden, das gewünschte Ziel auszuwählen. Selbst in der von drei Zoomstufen, die am nächsten am Geschehen ist. Auch das Item-Menü kann schon mal in Gefrickel ausarten. Insgesamt bin ich aber zufrieden mit der Bedienung.

Mein Wechsel zum PC

Das liest sich doch bis jetzt super! Doch leider ist die Nintendo Switch-Version von nervigen und spielstörenden Bugs geplagt. Zwar gab es seit Release bisher einen Patch, doch hat das Portierungsstudio Versus Evil noch einiges vor sich. So werden selbst zwei Monate nach Release noch immer Items mit falschen Bildern dargestellt, Text-Glitches machen Textboxen unlesbar, das Spiel stürzt gerne und häufig ab, weitere Grafikbugs und -glitches treten auf und vieles mehr. Angeblich haben die Entwickler ein besonders fieses Problem behoben – die Werteverbesserungen von Gegenständen wurden nicht angerechnet – jedoch soll dieser Punkt ebenfalls im nächsten Patch (nochmal?) ausgebessert werden. Zusätzlich ist ein neuer, noch schwerwiegenderer Bug aufgetaucht: der sogenannte „grey screen“. Versus Evil erklärt ihn folgendermaßen: Je weiter ihr vorankommt, desto mehr Texturen versucht das Spiel konstant zu laden, sodass ihm irgendwann der Platz im Speicher ausgeht. Also je mehr ein Spieler vom Spiel sieht, desto höher die Gefahr, dass der Bildschirm grau bleibt und Pillars of Eternity damit unspielbar wird.

Eine kuschelige Höhle. © Versus Evil

Das könnte auch die Ladezeiten erklären, die immer länger werden und gerade bei einer Konsole, die auf Modultechnik setzt, in dem Ausmaß nun wirklich nicht mehr auftreten sollten. Die erwähnten Bugs sind leider nur die Spitze des Eisbergs und es fallen immer wieder kleinere Ungereimtheiten auf. So bleiben Hervorhebungen von Menüs nach Schließen des Menüs sichtbar, tote Feinde verlieren ihre Markierung nicht, Lebensanzeigen werden nach dem Laden eines Spielstands falsch dargestellt, Fähigkeiten funktionieren häufig, aber nicht immer, und so weiter. All das führte erst einmal dazu, dass ich den Test des Spiels pausierte. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich genug vom Titel gesehen hätte, um eine fundierte Wertung abgeben zu können. Da Pillars of Eternity auf Nintendo Switch jedoch auch nach einer Weile nicht auf einem Stand war, der mich zum Weiterspielen motivierte, wechselte ich schlussendlich doch zu meinem Laptop und spielte darauf. Ich hatte ja noch einen Charakter von damals, sodass ich Kampfsystem, Burg und allen anderen Elementen die gebührende Zeit widmen konnte, die sie meiner Meinung nach verdient haben.

Redaktionswertung

3

Eher nicht überzeugend

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu Pillars of Eternity: Complete Edition

Meinung von Pascal Hartmann
Es ist schon eine Schande: Pillars of Eternity ist ein wirklich tolles Spiel und enthält in der Complete Edition die beiden Add-Ons „The White March“. Die Welt zog mich vom ersten Moment an in den Bann, die Texte sind ein Traum (die englischen sind besser als die deutschen!), die Kämpfe taktisch und herausfordernd, die meisten Charaktere erinnerungswürdig und insgesamt ist es einfach ein Spiel, das mir persönlich liegt und genau das ist, was ich spielen möchte. Es ist sogar im Handheld-Modus problemlos spielbar, da die Texte automatisch vergrößert werden. Da verzeihe ich die nahezu unnötige Burg, die nicht besonders mitreißende Hauptstory sowie die zwar gute, aber nicht optimale Steuerung auf Konsole. Allerdings wird die Immersion am laufenden Band durch nervige visuelle und sonstige Bugs und Glitches zerstört. Schlimmer noch, je mehr ihr vom Spiel seht und je weiter ihr darin eintaucht, desto größer die Gefahr eines „grey screens“, der euer Vorankommen quasi unmöglich macht. All das summiert sich zu einem großen „STOPP!“, und so kann ich Pillars of Eternity auf Nintendo Switch selbst zwei Monate nach Release höchstens darbenden Rollenspiel-Fans empfehlen, die alles andere in der Form bereits durchgespielt haben. Ohne Bugs dürft ihr 5 Punkte zur Wertung hinzuaddieren.
Mein persönliches Highlight: Dass das Spiel isometrische RPGs wiederbelebt hat.

Kommentare 19

  • Tisteg80 SSB #hypebrigade - 06.11.2019 - 09:09

    Wow, das ist mal ein vernichtendes Urteil. Und das zurecht.

    Ich habe es vorbestellt, um einen 20%igen Rabatt mitnehmen zu können - immer noch wahnwitzige 40,- statt 50,- Euro waren es dann für mich. Und dann wurde ich mich solchen Bugs und Problemen geplagt, dass ich das Spiel nach 15 Stunden aufgegeben habe. Eine Rückerstattung verweigerte Nintendo leider. Ich wünschte, ich hätte es nicht gekauft. Divinity: Original Sin 2 ist in allen Belangen wesentlich besser.

    Aber das war mir eine Lehre. Ich werde kein digitales Spiel mehr zu so einem hohen Preis kaufen, Rabatt und Lust auf das Spiel hin oder her.


    Edit: Ich würde mir wünschen, dass auch andere bzw. mehr User ihre gekauften Spiele hier auf ntower bewerten würde. Ich bin momentan scheinbar der Einzige, der für PoE eine Bewertung abgegeben hat. Was schade ist, denn ich orientiere mich bei Kaufentscheidungen auch gerne mal an der durchschnittlichen Bewertung der anderen Spieler.

    An dieser Stelle auch ein kleiner Hinweis auf den folgenden Thread, weil es ganz gut zu dem Thema passt:

    NTower Charts
  • FALcoN Hüter der Spiele-Datenbank - 06.11.2019 - 09:24

    Ich habe lange auf das Spiel gewartet. Zuerst auf einen günstigen Preis auf dem PC und mit der Ankündigung der Switch-Version dann auf diese. Aber nachdem sich Versus Evil nicht wirklich um die Probleme der Switch-Version gekümmert hat und scheinbar auch nicht mehr kümmern wird, habe ich letzte Woche bei einem Sale bei GOG für 15€ zugeschlagen. Freue mich schon auf lange Winterabende mit dem Spiel - wenn auch leider nicht so gemütlich auf dem Sofa oder dem Bett mit der Switch im Handheld-Modus.

    Der zweite Teil dürfte damit wohl für die Switch gestorben sein.
  • Njubisuru Turmfürst - 06.11.2019 - 09:29

    Zitat von Tisteg80:

    Edit: Ich würde mir wünschen, dass auch andere bzw. mehr User ihre gekauften Spiele hier auf ntower bewerten würde. Ich bin momentan scheinbar der Einzige, der für PoE eine Bewertung abgegeben hat. Was schade ist, denn ich orientiere mich bei Kaufentscheidungen auch gerne mal an der durchschnittlichen Bewertung der anderen Spieler.
    Nicht viele werden sich darüber informieren - auch wenn es sicherlich wünschenswert ist.

    Nichtsdestotrotz sollte man eigentlich bei Ports immer vorsichtig sein, da viele Ports immer mit deutlichen Abstrichen bis hin zu gravierenden Mängel umgesetzt werden. Ich kenne nur eine Handvoll von Ports, die tatsächlich auch gut umgesetzt sind. Hellblade, um einen zu nennen. Amazon-Rezensionen, Youtube-Bewertungvideos und Kommentarbereiche von Artikel ist immer erste Anlaufstelle, sich über etwas zu informieren. Sich über Reviews und Testartikel zu informieren ist nie gut, auch wenn ntower hier die Mängel eindeutig anspricht. Es muss nicht immer am ersten Tag sein. Oder am zweiten Tag. Aber das ist ein persönliches Problem. Von der gesamten Community, etwas zu Beginn schon etwas zu kaufen und hinterher sich enttäuscht zu geben. Das durfte aber den Unternehmen egal sein - sie haben das Geld bereits. Und das geht auch beim nächsten mal auf. Schönes Beispiel: EA, Ubisoft.
  • Mantarus Turmknappe - 06.11.2019 - 09:47

    @FALcoN

    Pillars of Eternity 2 ist sogar vor Teil 1 auf der Switch erschienen. :)
  • FALcoN Hüter der Spiele-Datenbank - 06.11.2019 - 09:52

    @Mantarus
    äääähhhhh Nein! Der zweite Teil wurde auf der Switch verschoben auf irgendwann ;)
  • Tisteg80 SSB #hypebrigade - 06.11.2019 - 09:57

    Ich bin nur froh, dass die Larian Studios für Baldurs Gate 3 zuständig sind. Nach ihrer Erfahrung mit Divinity: OS2 könnte es ja möglich sein, dass sie das für die Switch portieren und da habe ich dann auch Vertrauen, dass es gut umgesetzt wird.
  • Pascal Hartmann Ta da da daaaaaaa - 06.11.2019 - 10:39

    Zitat von FALcoN:

    Aber nachdem sich Versus Evil nicht wirklich um die Probleme der Switch-Version gekümmert hat und scheinbar auch nicht mehr kümmern wird
    Das stimmt so aber nicht, es wurde schon ein Update veröffentlicht und das Team arbeitet bereits am nächsten Patch. Fakt ist natürlich, dass hier noch viel Arbeit ansteht und ob wirklich alles oder wenigstens nahezu alles behoben wird, ist fraglich. Von daher kann ich das Spielen auf PC momentan nur befürworten.
  • kbye Turmheld - 06.11.2019 - 10:39

    Ich muss zugeben ich bin zwar ein großer Fan solcher Rollenspiele aber dieser Ableger hat mich nicht wirklich mitreißen können, der Anfang ist spannend aber das Ende ist so unbefriedigend... es hat mir fast das Spiel ruiniert und ich habe Mass Effect 3 gespielt sollte daher abgehärtet sein.

    Außerdem gibts noch Original Sin 2 das in jedem Aspekt besser ist.
  • Tisteg80 SSB #hypebrigade - 06.11.2019 - 11:09

    @Pascal Hartmann
    Das Update brachte an sich zwar einige Verbesserungen, zum Beispiel dass Items richtig benannt und bebildert sind, aber bei mir gab es danach noch deutlich mehr Abstürze. Ich konnte teilweise keine zehn Meter laufen, ehe es wieder einen Absturz gab. Und das gepaart mit den langen Ladezeiten war ein absoluter Spielspaßkiller.

    Falls sie noch dran arbeiten, ist das natürlich gut. Saints Row macht jetzt auch endlich mal Spaß. Aber es ist einfach furchtbar heutzutage. Die veröffentlichen Spiele in so einem Zustand, wo man sich fragt, ob sie es überhaupt mal selbst gespielt haben. Da sind so offensichtliche Probleme darunter, die man einfach nicht übersehen kann.
  • FALcoN Hüter der Spiele-Datenbank - 06.11.2019 - 12:12

    @Pascal Hartmann
    Die Betonung lag auf "nicht wirklich" ;)

    Da ich die Entwicklung beobachtet habe, war mir der Patch und auch seine Folgen bekannt. Und laut den Spielern (auch abseits von ntower) hat er das Spiel nur verschlimmbessert. Und aus meiner langjährigen Erfahrung als Zocker, bin ich davon überzeugt, dass auf Grund der großen Anzahl an Mängeln diese Version nicht mehr zu retten ist - es sei denn sie würden für den Port nochmal komplett von Vorne anfangen :ugly:

    Zumindest ist mir kein Spiel bekannt, dass in einem solchem Zustand veröffentlicht wurde und dann irgendwann einmal doch noch anständig lief :dk:
  • Parodin Turmheld - 06.11.2019 - 12:12

    Was ihr so schreibt hört sich für mich an, als wenn das Spiel unspielbar sei. In diesem Fall müsste Nintendo das Spiel doch zurücknehmen wegen Mängeln.
  • Entwickler Turmheld - 06.11.2019 - 12:22

    Zitat von Pascal Hartmann:

    Das stimmt so aber nicht, es wurde schon ein Update veröffentlicht und das Team arbeitet bereits am nächsten Patch. Fakt ist natürlich, dass hier noch viel Arbeit ansteht und ob wirklich alles oder wenigstens nahezu alles behoben wird, ist fraglich.
    Das stimmt. Der Entwickler hat vor kurzem bekannt gegeben, dass sie jetzt auch die Ursache für den Bug "Grauer Bildschirm" gefunden haben, der in der Art und Weise liegt wie Grafiken geladen werden - offenbar hängt das mit der Anzahl absolvierter Quests zusammen, vor allem im Zusammenhang auch mit dem Ausbau der Festung. Die müssen da also jetzt einen ganzen Teil umbauen, was wohl dauert, auch weil das Team recht klein ist. Sie informieren aber ganz gut über Teilschritte und arbeiten vor allem weiter an einem großen Patch. Auch reagieren sie sehr gut und schnell auf z.B. E-Mails.
    Soviel zum guten.

    Zum schlechten: Ich bin in Kapitel 3 und habe schon massig Nebenquests gemacht, was wohl jetzt auch dazu geführt hat, dass ich nicht mehr weiterspielen kann. Ich müßte durch ein Gebiet das bei mir aber nicht mehr richtig lädt und nur einen grauen Bildschirm zeigt.
    Dazu kommen wirklich massig Textfehler - was dazu führt, dass man in Gesprächen etc. nicht mehr reagieren kann weil man nicht mal den Hauch einer Ahnung hat was man "sagt". Grafikfehler im Inventar, Heldenporträts etc. kommen obendrauf.

    Soweit ich spielen konnte war es großartig und hätte sicher eine 9 verdient. So, wie der Zustand des Spiels aber ist, ist es unspielbar - und da sind für mich sogar 3 Punkte noch zu viel. Ich würde ihm 9 Punkte abziehen (also 0 geben) aufgrund der Gamebreaker-Bugs.

    Trotzdem hab ich Hoffnung, dass der Patch a) noch kommt und b) das Spiel dann spielbar wird. Und dann kann ichs jedem Fan von Oldschool-RPGs nur empfehlen.
  • FALcoN Hüter der Spiele-Datenbank - 06.11.2019 - 12:27

    @Parodin
    Das ist Auslegungssache. Nintendo würde die Abstürze wahrscheinlich als vorgeschlagene Ruhezeiten rechtfertigen: "Man kann das Spiel starten und einige Zeit spielen"; Man soll schließlich immer wieder einmal die Augen vom Bildschirm nehmen" :D

    Die Gesetzgebung ist einfach immer langsamer wie die digitale Welt. Meines Wissens läuft gegen Nintendo und auch einige andere digitale Shopbetreiber ein Verfahren in der EU, weil kein Rückgaberecht bei Vorbestellungen und bei Mängeln eingeräumt wird.
  • Harlegrins Harlegrins - 06.11.2019 - 13:03

    WOW, wie Heftig ist das den?
    Das Spiel war auf meiner BlackFriday-Liste.
    Nach Mario&Sonic Olympia gleich die nächste Schlappe...
    Dann halt BaldursGate, bis dies durch ist, wird die Liste wieder wachsen
  • Tisteg80 SSB #hypebrigade - 06.11.2019 - 13:20

    In den USA hat Nintendo einigen Käufern den Kaufpreis zurückerstattet, weshalb ich es einfach mal probiert hatte. Aber meine Anfrage wurde leider abgelehnt.
  • Loxagon Turmritter - 06.11.2019 - 14:31

    Früher hätte Nintendo so was verbuggtes nicht zugelassen. Aber seit etlichen Jahren leider schon.

    Die Siedler DS ist ja auch unspielbar.
  • kbye Turmheld - 06.11.2019 - 15:18

    @Loxagon ach was jede Nintendo Konsole hat solche Spiele sogar mit dem ach so tollen „Seal of approval“.
  • Kemen Turmheld - 06.11.2019 - 19:09

    Bestätigt mich nur mehr drin Spiele, ob physisch oder download only, nicht vorzubestellen.
  • Rincewind Blue Lions - 07.11.2019 - 19:39

    @Parodin
    @Tisteg80

    Der Adressat ist falsch. Grundsätzlich müsste man sich an Versus Evil als Publisher wenden. Nintendo hat nur den Datenträger zur Verfügung gestellt. Wenn Nintendo darauf reagiert ist das pure Kulanz. Ansprüche hätte man aber nur gegenüber Versus Evil, wenn diese rechtlich durchsetzbar wären.