Willkommen auf dem größten Schiff der Welt!

Close to the Sun versetzt euch in das späte 19. Jahrhundert zurück – ein Zeitalter der großen Forscher wie Nikola Tesla, Marie Curie oder Albert Einstein. Wie einigen von euch bekannt sein dürfte, arbeiteten der Glühlampen-Revolutionär sowie Gleichstrom-Befürworter Thomas Alva Edison und Zweiphasenwechselstrom-Erfinder Tesla einst zusammen, ehe sich die beiden in einem Streit trennten, der später im Stromkrieg (Gleichstrom vs. Wechselstrom) nochmals verschärft wurde. In Close to the Sun sind die beiden Forscher-Genies verfeindet, Tesla hat die Macht in der Welt erlangt und ist durch seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse zum reichsten Menschen der Welt aufgestiegen. Während im First-Person-Spiel ein paar Thematiken und etliche Persönlichkeiten aus dem echten Leben eine Rolle spielen, ist der Großteil des Spiels Fiktion und spiegelt keine historisch korrekte Geschichte, sondern eine alternative Realität wider. Ihr schlüpft in die Rolle der Journalistin Rose Archer, die von ihrer kleinen Schwester Ada Archer auf das Forschungsschiff Helios gebeten wurde. Wenn Rose bloß wüsste, welch Horror und Schrecken sie auf dieser Reise erwarten würde ...


Die Weltelite der Forschung auf Teslas Horrorschiff versammelt


Ada Archer ist eine aufstrebende Wissenschaftlerin und wurde von niemand Geringerem als vom bekanntesten Mann der Welt, Nikola Tesla, angestellt. Tesla hat in Close to the Sun eine eigene Firma namens Wardenclyffe (in Anlehnung an den Wardenclyffe Tower) gegründet, welche drahtlosen Strom von Verteilerstationen auf der ganzen Welt liefert. Mit dem großen Reichtum hat Tesla die Helios, das größte Schiff der Welt, erbaut, welche vor Prunk strotzt und neben zahlreichen Attraktionen, Forschungslabors, einem Theater, einer Bibliothek und einem Fußballplatz sogar eigene Bahnhöfe und Züge inmitten des Schiffs besitzt. Das Ziel dieses Forschungsschiffs, das bereits zum achten Weltwunder deklariert wurde, ist die Erlangung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse (insbesondere hinsichtlich der Ein-Elektronen-Theorie) unter dem strengen Auge von Tesla höchstpersönlich – laut eigenen Aussagen ohne finanzielle oder politische Einschränkungen.


Eine riesige Goldstatue von Nikola Tesla ziert das Forschungsschiff Helios. © Wired Productions

Alles, was Rang und Namen hat, wie beispielsweise der Politiker Nicholas Ford, Schriftsteller Mark Twain, Schachmeister Wilhelm Steinitz oder der deutsche Physiker Albert Einstein, hat sich auf dem Schiff ein Zimmer gebucht. Doch als Rose von ihrer Schwester zum Schiff gerufen wird, ist von lebenden Personen weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen entdeckt Rose immer mehr Hinweise, die darauf schließen lassen, dass sich eine große Tragödie auf dem Schiff abgespielt haben könnte. Eine Durchsage von Nikola Tesla ertönt: „Dieses Schiff steht unter strengster Quarantäne. Niemand darf die Helios betreten oder verlassen.“ Was zum Teufel ist hier passiert? Tesla vermutet, dass Rose eine weitere Spionin von Thomas Alva Edison sein könnte. Rose vermutet wiederum, dass Tesla ihrer Schwester Ada etwas angetan haben könnte und sie gefangen hält. Nun gibt es kein Zurück mehr für die junge Journalistin. Gerüchte verbreiten sich, dass einige Wissenschaftler nicht freiwillig das Schiff betreten haben oder bei Nicht-Kooperation gefoltert werden. Sie stößt bei ihrer Suche nach Ada auf Nachrichten von vermissten Forschern, Tagebüchern von verzweifelten Besuchern in Privaträumen und schon bald auf die ersten Leichen. Wird sie Ada retten können und jemals das Rätsel hinter dem mysteriösen Schiff lösen können? Die Handlung beginnt vielversprechend und hat mich schnell in ihren Bann ziehen können!


Das Spiel scheint stark von BioShock inspiriert und bietet einige subtile Referenzen in Form von Sprüchen und Texten. Den ein oder anderen könnte das Spiel auch an Outlast erinnern. Gameplaytechnisch unterscheidet sich Close to the Sun jedoch deutlich und bietet weder Kämpfe noch Schleichpassagen. Anders als bei Outlast habt ihr zudem nicht das Gefühl, ständig in Gefahr zu sein, sondern habt im größten Teil des Spiels genug Ruhe und Zeit, die Gegend zu erkunden. Close to the Sun setzt vor allem auf die Atmosphäre und Erkundung; echte Horror-Momente oder Jumpscares sind zwar vorhanden, allerdings nicht der Hauptfokus des Spiels. Die Bewegungsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt, ihr könnt euch lediglich bewegen und Dinge untersuchen sowie Schalter betätigen – das Spiel kann daher auch als Walking-Simulator bezeichnet werden. Hin und wieder gibt es simple Puzzles, die beispielsweise gelöst werden können, wenn ihr einen bestimmten Code gefunden oder Schalter in der richtigen Reihenfolge betätigt habt. Gekämpft wird nicht, gameplaytechnisch solltet ihr euch nicht zu viel erhoffen und wer auf große Action steht, ist mit Close to the Sun definitiv nicht an der richtigen Stelle.


Einige Abschnitte im Spiel sind nichts für schwache Nerven. © Wired Productions

Rose ist mit einem Transmitter ausgestattet, dank welchem sie mit Tesla, dem eingesperrten Aubrey oder sogar mit Ada, welche sich allesamt irgendwo im Schiff befinden sollen, Kontakt aufnehmen kann, sofern die Verbindung dies zulässt. Ganz ohne fremde Anweisungen könnte Rose es wohl nicht schaffen, sich im riesigen Schiff zurechtzufinden. Ihr werdet oft Befehle bekommen, was ihr als Nächstes tun müsst und solltet immer ganz aufmerksam zuhören, denn das Spiel nimmt euch nicht bei der Hand. Im Menü könnt ihr zwar das ungefähre Ziel jederzeit nachlesen, doch ansonsten bekommt ihr keine Anhaltspunkte, solltet ihr wo steckenbleiben. Auch ist es leicht, sich in dem Schiff zu verlaufen, weshalb ihr euch darauf konzentrieren solltet, die Umgebungen stets gut einzuprägen. Diese sind im Übrigen sehr schön gestaltet, das Setting weiß zu gefallen und auch wenn der ganz große Horror ausbleibt, schreckt das Spiel nicht davor zurück, viel Blut und grausame Darstellungen zu zeigen.


Close to the Sun ist in nach griechischen Göttern benannte Abschnitte eingeteilt und speichert nach jedem Kapitel automatisch. Ihr solltet das Spiel also am Besten nur dann spielen, wenn ihr genügend Zeit habt, ein ganzes Kapitel (was meist ungefähr 30 Minuten in Anspruch nimmt) zu beenden, denn ein Schließen des Spiels führt automatisch zum Zurücksetzen des jeweiligen Kapitels. Besonders ärgerlich ist dies, solltet ihr an einer der vereinzelten Verfolgungsjagden verzweifeln, denn diese haben es im negativen Sinne wirklich in sich: Ab und zu müsst ihr vor einer Gefahr flüchten und werdet durch das verzweigte Schiff gejagt. Einerseits müsst ihr stupide den genauen Weg durch Trial and Error auswendig lernen, andererseits ist extrem genaues Timing gefragt, ansonsten ist der Neustart der jeweiligen Verfolgungssequenz erforderlich. Ich bin teilweise mehr als eine Stunde an einer einzigen Verfolgungssequenz hängengeblieben, die bei einem perfekten Lauf in einer Minute absolviert werden kann. Hinzu kommt, dass jeder gescheiterte Versuch von einer langen Todessequenz begleitet wird, die ihr bei wiederholtem Scheitern nicht vorspulen oder überspringen könnt. Ihr werdet den Todesbildschirm oft erleben und vor einer Verfolgungsjagd wird im Falle des Beenden des Spiels nicht abgespeichert. Diese Sequenzen, in denen jede Zehntelsekunde zählt, zerstören den Spielfluss stark und stellen kein gutes Gameplaydesign dar. Eine Karte zur Orientierung sowie die Möglichkeiten, jederzeit zu speichern, hätten dem Spiel gut getan.


Die Verfolgungsabschnitte gehören zu den Schwächen des Spiels. © Wired Productions

Technisch präsentiert sich das mit der Unreal Engine 4 entwickelte Spiel durchwachsen. Während die Umgebungen an sich gut gestaltet sind und beeindruckend aussehen, so wirkt die Grafik allgemein doch etwas veraltet und weit schlechter als auf der zuvor erschienenen PC-Version. Viele Objekte sind nicht deutlich zu erkennen und von gestochen scharf ist die Optik leider weit entfernt. Framerate-Einbrüche stehen auf der Nintendo Switch leider auch an der Tagesordnung, sie zerstören den Spielspaß zwar nicht, sind jedoch dennoch eine unangenehme Begleiterscheinung. Und schließlich sind auch die Ladezeiten mit über 30 Sekunden extrem lang, treten allerdings nur jeweils vor jedem neuen Kapitel und in verkürzter Version im Falle des Todes eures Charakters auf.


Close to the Sun ist hinsichtlich der Belichtung vermutlich das dunkelste Spiel, das ich je gespielt habe und das definitiv im negativen Sinne: Selbst auf den höchsten Helligkeitsstufen ist das Spiel stellenweise derart dunkel, dass die Orientierung sehr schwer fällt. Das Spielen im Handheldmodus tagsüber oder unterwegs ist aus diesem Grund absolut nicht zu empfehlen, am besten spielt sich das Horrorspiel in der Nacht bei voller Dunkelheit. Die Vertonung ist zwar löblicherweise auf Deutsch sowie vier weiteren Sprachen verfügbar und rundum sehr gut gelungen (allen voran die deutsche Rose-Stimme von Lara Trautmann hat mir sehr gefallen), doch die Synchronisation von Ton und Text ist besonders in der deutschen Version des Spiels sehr unpräzise und meist erscheinen die jeweiligen Untertitel spürbar zu spät. Auch etliche Rechtschreibfehler sind eine unschöne Begleiterscheinung. Ihr könnt zwar in der Theorie die Lautstärke der Stimmen einstellen, doch selbst auf den niedrigen Einstellungsstufen ist in Deutsch kaum eine Reduktion der Lautstärke merkbar, während die englischen Stimmen genau gegenteilig selbst auf der höchsten Lautstärkenstufe viel zu leise erklingen.


Das Gruselabenteuer wird von einem atmosphärischen Soundtrack sowie schönen Soundeffekten begleitet und kann zwar bis zum Ende fesseln, doch die etlichen technischen Probleme sowie der Abschluss der Geschichte führen zu einem gemischten Spielerlebnis. Bei einem derart interessanten Aufbau der Handlung darf auch ein schöner Abschluss erwartet werden, doch dieser ist nahezu gänzlich vakant. Die Geschichte endet abrupt, Fragen bleiben unbeantwortet und ihr werdet möglicherweise mit den Worten „Was, das war es bereits?“ zurückgelassen. Sammelbare Objekte für relativ dünnes, erweitertes Hintergrundwissen sind vorhanden, doch jeweils an die Kapitel gebunden und nicht jederzeit einsehbar, wodurch die Motivation, alle zu sammeln, nicht sehr groß ist. Habt ihr das Spiel durchgespielt, gibt es schließlich keine zusätzlichen Inhalte mehr. Zwar habe ich inklusive dem Wiederholen einiger Kapitel knapp zehn Stunden mit dem Spiel verbracht, doch wer geschickter als ich die Verfolgungsjagden meistern kann, wird nicht länger als fünf Stunden benötigen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Felix Eder

Close to the Sun ist ein Horrorspiel, das viel Potential hat, dieses aber nur zu einem Teil ausschöpfen kann. Das First-Person-Abenteuer punktet mit der schaurigen Atmosphäre, dem tollen Setting, gutem Voice-Acting in fünf verschiedenen Sprachen (inklusive Deutsch) sowie einer durchaus spannenden Kampagne und Thematik, die ich sehr genossen habe. Der Titel leidet jedoch an einigen Schwächen, die den Spielspaß beträchtlich einschränken können. Die gelegentlichen Verfolgungsjagden können extrem frustrierend sein, da pingelig genaues Timing erforderlich ist, um nicht wieder und wieder von vorne beginnen zu müssen. Die Geschichte fängt stark an, endet jedoch unheimlich schwach und lässt euch am Ende mit vielen offenen Fragen zurück. Grafisch präsentiert sich das Spiel auf der Nintendo Switch deutlich schwächer als am PC oder auch auf der PlayStation 4 und Xbox One. Auch gelegentliche Einbrüche der Framerate sind auf der Hybridkonsole spürbar und besonders während der Verfolgungspassagen sehr störend – in dieser Hinsicht dürfte der PC-Ableger die stabilste Version darstellen. Sammelbare Objekte wirken redundant, das Spiel bietet abgesehen von der kurzen Kampagne keinerlei erweiterten Inhalt und die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten von Rose, viel zu dunkle Umgebungen, ein schwaches Speichersystem sowie Probleme mit der Synchronisation von Ton und Text machen das Spielerlebnis nicht besser. Wer jedoch über diese Schwächen hinwegsehen kann und Genre-Fan ist, wird Gefallen an Close to the Sun finden und bis zum Ende gut unterhalten werden.
Mein persönliches Highlight: Die Atmosphäre und Dramatik im letzten Kapitel hat bei mir Gänsehaut verursacht.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • bubisaurus

    Turmsaurier

    Puh, ernüchterndes Resultat. Ich habe sogar kurzzeitig erwogen, die Limited Collector's Edition zu erstehen. Fast blind quasi. Schätze, ich sehne mich so sehr nach einem neuen BioShock, dass ich mir gewünscht habe, dass dieses Spiel ein absoluter Kracher sein wird. Spielen werde ich es demnächst trotzdem. Der technischen Macken wegen werde ich aber zur Xbox-Version greifen. Mal schauen, ob sie besser läuft (und wenn ja, wie sehr). Danke aber für den Test. Ich fühle mich zumindest einmal vorgewarnt. Am Ende kann ich aber nicht anders, als selbst reinzuschauen. Und wenn es nur für ein kleines bisschen art déco ist.

  • Felix Eder

    #PhoenixWright4Smash

    @bubisaurus Mich würde interessieren, wie dein Fazit zum Spiel ist, falls du es mittlerweile gespielt hast? :)

  • bubisaurus

    Turmsaurier

    @Felix Eder
    Vorweg: nachdem ich das Spiel vor einer Weile schon mal am PC angeschaut habe, habe ich mein Gedächtnis jetzt noch einmal auffrischen wollen. In Kapitel 2 hatte ich den Schreck meines Lebens, als mir plötzlich ein paar Vögel ins Gesicht geflogen sind.


    Jump scares sind offenbar meine Bossgegner.


    Ich will mich noch einmal für dein Interesse bedanken. Ich schrieb ja damals, nachdem du deinen Test veröffentlicht hast, dass ich mich nach einem neuen BioShock sehne. Ich schrieb auch, dass ich dem Spiel hier trotzdem eine Chance geben wolle und die Xbox-Version ausprobieren würde. Letzteres habe ich tatsächlich erst jetzt ausprobiert.


    Wo fange ich an? Ich glaube, mit BioShock. Nicht wirklich mit BioShock, sondern mit den Dingen, die mich an das Kunstwerk von 2007 erinnert haben und die ich in Close to the Sun total genießen konnte. Wir haben ganz viel Wasser. Wir haben noch mehr art déco. Wir haben Schriftzüge und Logos und Plakate, die wir uns genauso in Rapture vorstellen können. Wir haben außerdem Bereiche, deren Namen griechischen Ursprungs sind (zuoberst das Schiff Helios, auf dem wir uns zu Beginn einfinden). Die Soundeffekte passen. Die Musik passt. Beides generell große Stärken des Titels, finde ich. Die Geräuschkulisse ist toll und ich erinnere mich noch daran, wie ich im Museum nah an Fenstern stand und richtige Gänsehaut von dem Regen bekommen habe, der geräuschvoll gegen die Fenster prasselte. Atmosphärisch hat mir das Spiel alleine in der ersten Stunde schon super viel gegeben.


    Viel mehr kam dann aber auch wieder nicht. Ich habe die ganze Zeit schon gedacht, dass ich hier, wenn ich endlich auf deine Frage antworte, viel über Potential sprechen würde. Das Potential ist nämlich erst einmal riesig. Dass das Spiel so kurz ist, stört mich nicht. Dass es hauptsächlich aus Erkundung besteht, stört mich genauso wenig. Gone Home ist kürzer und besteht ausschließlich daraus, ein Haus zu erkunden und ist eines der besten Spiele der letzten Jahre. Ich weiß noch, wie angespannt ich die ganze Zeit war, ohne dass die ganze Zeit ein Gegner auf mich lauerte. Ich muss sagen, Close to the Sun hätte von mir aus genau das bleiben können. Auf die Verfolgungsjagden hätte ich nämlich verzichten können. Einfach nur das Schiff und seine Geschichte, das Schicksal der Passagiere zu ergründen, Sammelgegenstände aufzuheben und Zeitungsartikel zu lesen hätte mir gereicht. Stattdessen sind leider genau die Elemente, die mir gereicht hätten, teilweise zu kurz gekommen. Dass die Sammelgegenstände nur im jeweiligen Kapitel einsehbar sind, hast du ja schon geschrieben. Das ist ein Riesendämpfer, finde ich! Da ist unendlich viel Potential verschenkt worden. Man hätte Sammelgegenstände, Zeitungsartikel und dergleichen zu spannenden, im Hintergrund verlaufenden Nebenstories zusammenfügen können. Ich will eigentlich auch mal zehn Sekunden nicht über BioShock reden, aber die Tonbandaufnahmen dort haben Geschichten erzählt und nach und nach immer mehr Fascetten aufgedeckt. Das passiert in Close to the Sun auch, aber eben nicht so sehr und umfänglich, wie es hätte sein dürfen (wäre es nach mir gegangen). Das klingt jetzt super kritisch, aber ich habe es trotzdem total genossen, in diese Welt einzutauchen. Es ist klar, welches Spiel die große Inspiration war, aber Close to the Sun ist letztlich doch ein vollkommen anderes Spiel. Erkundungsspiele sind schon irgendwie cool. Mich hat auch The Park vor ein paar Jahren ziemlich gefesselt. Das sind kurze Reisen, die mal mehr und mal weniger hängen bleiben. Trotz der Mängel und einer Story, die ebenfalls Potential verschenkt hat, bleibt bei mir etwas hängen, weil die Atmosphäre einfach unglaublich viel rausreißt.


    Übrigens: bis ich gemerkt habe, dass man auf LT (oder ZL auf der Switch) rennen kann, hab ich sicher schon zwei Stunden gespielt. Ich weiß immer noch nicht, ob ich mich dumm fühlen soll oder die Wahl der Taste. Gestört hat mich auch, dass ein Sprung den Bewegungsfluss total stört. Nach jedem Sprung bleibt Rose kurz stehen. Das verstehe ich nicht. (Wenn ich durch die Gegend erkunde und springe, dann nehme ich den Schwung mit und laufe schnell zum nächsten Zeitungsartikel weiter, statt stehen zu bleiben.)


    Ja, also... ein wenig Fazit stand ja im vorletzten Absatz schon drin. Ich mag das Spiel irgendwie immer noch gerne, auch wenn ich jeden Kritikpunkt in deinem Test inzwischen sehr gut greifen kann. Die 6 als Bewertung finde ich sogar auch in Ordnung, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die 6 für die meisten Leser*innen sagt: "das Spiel ist Mist". Die "Wort-Bewertung" sagt eher aus, was ich über Close to the Sun denke: überzeugend! Wenn eben auch leider nicht auf jeder Ebene. Trotzdem schön. Nicht mal, weil es grafisch auf Topniveau wäre, aber das war BioShock auch nie. Hups, nun habe ich es doch wieder erwähnt. Egal.