Das Treffen der Mechs

Kampfspiele locken den geforderten Spieler unter anderem damit, dass man während eines Duells komplexe Combos unter angespannten Umständen ausführen muss. Das Spielgefühl der eigenen Figur spielt dabei eine wesentliche Rolle und entscheidet darüber, welcher Charakter letztendlich zum eigenen Spielstil passt. Das optische Spektakel nimmt hierbei in den meisten Fällen eine eher zweitrangige Rolle ein und ich spreche nicht von der Grafik. Pompöse Angriffe, weitläufige Arenen und eine übertrieben Zerstörungswut: Override: Mech City Brawl möchte sich nicht nur angenehm spielen lassen, sondern gleichzeitig aufregend aussehen.


Behaltet stets den Überblick über eure Arena im Auge, um nicht in die Ecke gedrängt zu werden. © Modus Games

Über 15 Mechs bilden die Kämpferauswahl des Spiels und lassen sich schon von Beginn an frei auswählen. Bis auf wenige Ausnahmen unterscheiden sich die Charaktere visuell stark voneinander und besitzen so gut wie immer unterschiedliche Staturen. Was sie alle aber gemeinsam haben, ist die Steuerung. Jeder Roboter spielt sich grundsätzlich gleich und kann mit jedem Arm oder Bein jeweils einen Schlag ausführen. Was die Mechs von einander differenziert, sind ihre Spezialfähigkeiten, die durch das Aufladen einer speziellen Leiste eingesetzt werden können. Geht jedoch sparsam und überlegt mit den besonderen Attacken um, denn das Energiemeter füllt sich immer nach einem erfolgreichen Treffer eurerseits und sollte stets im Blick behalten werden. Findet ihr euch letztendlich doch in eine Ecke gedrängt wieder, lassen sich Angriffe auch mit einem frontalen Block abwehren. Die Folge ist ein zu starker Schutzschild, der im schlimmsten Fall zu einem Konterschlag führt, solltet ihr zu lange auf ihn einschlagen. Leider verzichtet das Spiel auf einen Greif-Move, der normalerweise ein essenzieller Bestandteil sämtlicher Kampfspiele ist und eine gute Variante zwischen „Angriff“ und „Block“ darstellt.


Obwohl manche Maschinen eindeutig größer und massiver als ihre Kollegen erscheinen, ist es überraschend, wie sehr sich das Spielgefühl zwischen den ganzen Mechs ähnelt. Kleine, eigentlich flinke Charaktere spielen sich fast identisch zu enormen, schwerfällig aussehenden Robotern, was den Figuren zwar eine gewisse Einheitlichkeit verpasst, sich allerdings nicht ganz richtig anfühlt. Der einzige beträchtliche Unterschied ergibt sich somit in der Hitbox – das ist die Stelle am Körper, an der ein Schlag als Treffer wahrgenommen wird. So unbalanciert das nun auch klingen mag, sollte nicht vergessen werden, wie viel Mühe in die Präsentation der Mechs gesteckt wurde. Sie sind geschmeidig und ansprechend animiert, man sieht und spürt förmlich, wie sich jedes Bauteil während der Action bewegt. Starke Treffer schleudern einen Kämpfer manchmal in weite Ferne, wo er von zusammenbrechenden Gebäuden abgefangen wird oder durch den Aufprall eine Fontäne in einem Fluss entsteht. Zu viel eingesteckter Schaden frustriert normalerweise den Spieler und macht ihn nervös, in Override hingegen sieht es ironischerweise jedes Mal spannend aus, wenn die Roboter angeschlagen durch die Luft fliegen. Auch wenn die Neupositionierung der eigentliche Grund hinter dieser Mechanik ist, geben die übertriebenen Effekte starker Angriffe den Kämpfen eine gewisse inszenatorische Würze.


Die Schauplätze sind an reale Orte der Welt angelehnt.


Optisch kann jede Maschine ein wenig angepasst werden. Im Verlauf des Spiels können weitere Farbgebungen, Muster und kleine Upgrades erworben werden, die sich jedoch allesamt nicht wirklich auf den Spielfluss auswirken, dafür aber einen gewissen kreativen Spielraum zur Individualisierung ermöglichen. Für viele mag es vielleicht nicht wirklich nötig erscheinen, doch es fehlt die Funktion, die Steuerung nach euren eigenen Bedürfnissen anzupassen. Mittlerweile ist es fast schon Standard, die Knopfbelegung individuell festzulegen, weswegen es veraltet erscheint, dass es diese Option hier nicht gibt. Trotz alledem wurde mit den spielbaren Figuren saubere Arbeit geleistet: Die Mechs sehen beeindruckend aus, spielen sich geschmeidig und besitzen das spielerische Gewicht, welches ein riesiger Roboter, der durch die Landschaften marschiert, haben sollte.


In der Werkstatt können die Roboter ein wenig angepasst werden. © Modus Games

In der Einzelspielerkampagne erhaltet ihr die Gelegenheit, euren persönlichen Favoriten für euch zu entdecken. Aliens greifen die Erde an und es liegt an euch, die Eindringlinge zu vertreiben. Zugegeben, die Geschichte gibt nicht viel her und fungiert hauptsächlich als willkommene Einführung der Roboter, verschiedenen Piloten und Hintergründe der Maschinen. Was aber sehr viel langweiliger umgesetzt ist, sind die einzelnen Missionen. Im Grunde genommen läuft jeder Auftrag nach dem gleichen Schema ab: Ihr besiegt eine Horde von Gegnern – hin und wieder unter Zeitdruck – oder kämpft gegen einen der unterschiedlichen Bossgegner, die nicht wirklich viel drauf haben. Genauso ernüchternd ist der Soundtrack, der nicht so ganz zur gewaltigen Thematik des Spiels passen will. Die musikalische Untermalung ist keineswegs schlecht, rückt aber viel zu sehr in den Hintergrund und hätte einen gewichtigeren Ton vertragen können. Das Gameplay bietet zwar nicht allzu viel Spielraum für große Abwechslungen, doch hätte man sehr viel mehr aus dem Einzelspieler herausholen können. So hätte man euch beispielsweise einen festgelegten Bereich verteidigen, vor einer Horde Monster flüchten oder mit einem Handycap gegen Bossgegner antreten lassen können. Die Möglichkeiten sind zwar begrenzt, aber sie sind vorhanden, wodurch die Kampagne einiges an Potenzial verschenkt und gameplaytechnisch repetitiv wird. Alternativ lassen sich die Fundamente der Steuerung auch in einem gesonderten Tutorialbereich langsam erlernen und nachlesen.


Fühlt ihr euch bereit und selbstischer, lässt sich das Herzstück des Spiels ausleben: Der Multiplayer. Ob mit Freunden Zuhause oder gegen Fremde aus der ganzen Welt, Override: Mech City Brawl bietet eine Handvoll Mehrspieler-Optionen. So könnt ihr in entweder in einem Team kämpfen, im Free for All zu viert in einer Arena jeden ins Visier nehmen oder in einem klassischen 1vs.1 herausfinden, wer der beste Spieler ist. Im Zuge des Tests ließen sich nicht viele Online-Partien finden, jedoch spielten sich die wenigen Partien, die ich testen konnte, grundsätzlich angenehm und lagfrei. In einer Rangliste können Punkte gesammelt werden, wem das aber zu ernst ist, kann auch ganz einfach freie Kämpfe ohne Belohnung oder Bestrafung bestreiten. Ein Aspekt, der selbst bei Nintendos hauseigenen Spielen langsam in den Hintergrund rückt, ist das HD-Rumble. Es mag zwar nur den wenigsten Spielen einen nennenswerten Vorteil geben, doch hätte es sich im Falle von Override nahezu angeboten, dieses Feature umzusetzen. Das Gefühl zusammenbrechender Gebäude und massiven Schlägen bieten praktisch eine Steilvorlage für immersives Rumble – schade, dass diese Möglichkeiten nicht genutzt wurde.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Becker

Override: Mech City Brawl ist als Actiontitel nicht sonderlich tiefgreifend oder lässt ausgefeilte Combos zu. Eine essenzielle Greiffunktion fehlt, die Möglichkeiten der Nintendo Switch werden nicht ganz ausgereift und der Einzelspieler ist, bis auf nette Hintergrundinformationen bezüglich der Roboter, im Grunde ein ausgedehntes Tutorial. Was allerdings nicht vergessen werden sollte, ist die zufriedenstellende Umsetzung und Präsentation des Hauptaugenmerks des Spiels: Der Mechs. Ihre Bewegungen erschüttern die Erde, sie sind visuell ansehnlich animiert und jeder Schlag hat das nötige Gewicht, um das glaubhafte Spielgefühl eines gigantischen Roboters erzeugen zu lassen. Der Multplayer sorgt für actiongeladene Kämpfe und die simple Natur des Spiels braucht keine lange Eingewöhnungszeit, damit auch unerfahrene Spieler ihren Spaß haben können. Das bloße Zuschauen ist bereits unterhaltsam und zeigt, dass die Entwickler verstanden haben, worauf es bei einer Schlacht zwischen enormen Maschinen ankommt: Die übertrieben Darstellung überzogener Mechs in zusammenfallenden Städten.
Mein persönliches Highlight: Das Design der unterschiedlichen Roboter

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Zegoh

    Feuer ♥ Eis

    Kleine, eigentlich flinke Charaktere spielen sich fast identisch zu enormen, schwerfällig aussehenden Robotern, was den Figuren zwar eine gewisse Einheitlichkeit verpasst, sich allerdings nicht ganz richtig anfühlt.

    Das ist in der Tat etwas schade, gerade sowas finde ich in "Kampfspielen" immer ziemlich wichtig.


    Ansonsten ist der Eindruck ja sehr positiv und es klingt nach einen gelungenen Titel für Zwischendurch.
    Kann man nur hoffen, das es Online sich nicht wie Mario Tennis entwickelt und man oft sehr lange für eine Partie sucht.
    Hm, hatte ich eigentlich gar nicht auf den Schirm, aber liest sich wirklich interessant.


    Schöner Test, der die Schwächen & Stärken gut aufführt :thumbup: