Können wir das schaffen?

Es gibt wohl kaum ein Genre, das die Gemeinschaft der Videospieler mehr spaltet als Simulatoren. Die einen lieben es, wenn sie in ihrer Freizeit dem virtuellen Abbild des Berufes nachgehen können, den sie gelernt haben oder gern gelernt hätten, die anderen würden die Spiele am liebsten in der Wüste von New Mexico vergraben. Nichtsdestotrotz finden sich viele Spiele dieser Kategorie oft in den oberen Rängen der Bestsellerlisten. Mit Bau-Simulator 2 US - Console Edition kommt nun ein Spiel auf die Nintendo Switch, in dem ihr in die Fußstapfen von Bob der Baumeister treten könnt. Der Zusatz „Console Edition“ kommt daher, da das Spiel ursprünglich für mobile Endgeräte entwickelt und nun, aufgrund des großen Erfolgs, auch auf große Konsolen portiert wurde.


Die Baumaschinen sind sehr detailliert. © Astragon

Ihr beginnt das Spiel damit, indem ihr direkt in die Kampagne startet und euch einen Bauleiter erstellt. Ein Hauptmenü gibt es nicht und somit auch keine anderen Spielmodi, wie etwa einen Multiplayer-Modus. Zur Individualisierung eures Charakters steht euch eine kleine Auswahl an vorgefertigten Bildchen zur Verfügung, die euer Aussehen in den Dialogen bestimmt, denn außerhalb dieser werdet ihr euren Charakter nie zu Gesicht bekommen. Im Anschluss könnt ihr ihm und eurer Firma noch einen Namen geben, denn ihr seid der Chef einer neuen Baufirma, der das Ziel hat der Stadt zu neuem Glanz zu verhelfen und seine Firma an die Spitze zu bringen. Seid ihr mit allem zufrieden, geht auch schon das Tutorial los. Hierbei nimmt euch der typische Einwohner einer Stadt der USA, wo das Spiel angesiedelt ist, an die Hand: Hans-Peter. Da er aber ein cooler Typ ist, dürft ihr ihn Hape nennen. Hape ist ein wahres Multitalent, denn gleich zu Beginn schlüpft er in die Rolle des Fahrlehrers und bringt euch bei, wie ihr mit dem Laster umgeht. Ist diese erste Prüfung überstanden, geht auch schon der Ernst des Lebens los. Ganz allein seid ihr jedoch nicht, denn Hape hat aktuell nicht viel zu tun und wird direkt als Vorarbeiter in eurer Firma eingestellt, der auch gleich den ersten Auftrag an Land zieht.


Mit dem Lastwagen geht es also zur ersten Baustelle. Anders als bei vielen anderen Open-World-Spielen müsst ihr euch hier jedoch ordentlich verhalten und die Straßenverkehrsordnung beachten. Jede Vorfahrtsmissachtung, Geschwindigkeitsüberschreitung und jeder Unfall wird mit hohen Strafen geahndet, die euch vom Konto abgezogen werden. Hape erklärt euch unterdessen, dass ihr ein Loch graben müsst, um defekte Rohre auszutauschen. Dass man mit einem Lastwagen nicht baggern kann, weiß euer Bauleiter natürlich auch ohne Hapes Hilfe. Auf der Übersichtskarte der Stadt sucht ihr euch nun den nächsten Händler für Baumaschinen, um euer Firmenkonto zu belasten und euch einen nagelneuen Bagger zuzulegen. Nachdem ihr nun das Fahrzeug gekauft und über das Schnellauswahlrad dahin gewechselt habt, geht es zur Baustelle.


Jo, wir schaffen das!


Hier gilt es nun, den Bagger richtig vor der zukünftigen Grube zu positionieren, was aufgrund der schwammigen Fahrsteuerung gar nicht so einfach ist. Eine Markierung zeigt euch aber zumindest grob an, wie ihr die Grabmaschine hinstellen müsst. Ist alles an seinem Platz, könnt ihr über das Menü vom Fahrmodus auf den Baumodus umschalten. Nun habt ihr den Bagger fixiert und bekommt die volle Kontrolle über die Schaufel. Mit beiden Analog-Sticks könnt ihr den Arm in alle möglichen Richtungen bewegen oder die Schaufel kippen. Das ist sogar ziemlich anspruchsvoll und benötigt einiges an Eingewöhnungszeit. Dadurch fühlt es sich aber auch deutlich direkter an als die Fahrsteuerung und macht auch tatsächlich Spaß. Wem die Simulationssteuerung zu komplex ist, der kann auch in einen Arcade-Modus schalten, was die Steuerung deutlich vereinfacht. Vor allem zu Beginn ist diese Einstellung zu empfehlen. Damit ihr auch seht, wohin ihr mit der Schaufel baggert, könnt ihr über den Bildschirm die Kamera steuern und auch hinein- oder herauszoomen. Im TV-Modus ist die Steuerung der Kamera etwas umständlicher, da der rechte Stick für die Maschinensteuerung zuständig ist. So müsst ihr etwas umständlich über das Menürad auf die Kamerasteuerung wechseln, um sie mit dem Stick bewegen zu können. Ist das kaputte Rohr freigelegt, könnt ihr es mit dem Baggerarm herausheben. Nun müsst ihr nur noch ein neues Rohr beim Werkstoffhändler besorgen und ihr könnt euren ersten Auftrag erfolgreich abschließen und euer Konto wieder auffüllen.


Bodo mit dem Bagger. © Astragon

Nach diesem ersten kleineren Auftrag, der euch für die großen Fische vorbereitet, gibt es noch knapp 60 weitere, die es während der Kampagne zu erledigen gilt. Natürlich werden die Konstruktionen und Herausforderungen dabei immer größer bis ihr im späteren Verlauf ganze Häuser aufbaut. Damit ihr nicht alles mit den bloßen Händen erschaffen müsst, benötigt es jedoch auch einiges an baumaschineller Unterstützung, die ihr in knapp 40 detailgetreuen, tatsächlich existierenden Baumaschinen findet. Diese könnt ihr wahlweise beim Händler eures Vertrauens für den vollen Preis kaufen oder auch nur für einen Bruchteil mieten, wenn ihr gerade knapp bei Kasse seid. Zwar darf man hier keine ausgereifte Wirtschaftssimulation erwarten und auch finanzielle Schwierigkeiten sind eher selten, einen Blick aufs Konto solltet ihr aber dennoch immer haben, um nicht in die Insolvenz hinein zu geraten.


Wie eingangs schon erwähnt, führt euch das Spiel durch eine überschaubare Open-World, die an ländliche und städtische amerikanische Orte angelehnt ist. Damit man sich nicht immer mit seinem Fahrzeug durch die Straßen wagen muss und dabei im schlimmsten Fall auch noch Strafen kassiert, wurde auch eine Schnellreise implementiert. Jedoch lohnt sich auch das Umschauen in der Umgebung, denn es gibt überall Sammelmünzen, die es zu entdecken gilt. Sowohl grafisch als auch soundtechnisch gibt es dabei ein großes Defizit zwischen der Umgebung und den Fahrzeugen. Während die Umgebungen eher trist und detailarm wirken und an manchen Stellen auch die Bildwiederholrate in die Knie geht, können die zahlreichen Baumaschinen optisch und technisch durchaus überzeugen. Auch bei den Arbeiten selbst zeigt sich dieser Zwiespalt. Als Beispiel dient hier wieder das Loch der Baugrube im ersten Auftrag. Während ihr die Erde aus dem Boden grabt, entstehen mehr oder weniger physikalisch korrekte Löcher im Boden. Ab einem gewissen Punkt entsteht allerdings wie von Geisterhand ein perfektes Loch an der Stelle, die gerade noch einem Schlachtfeld glich, weil die Steuerung es euch nicht einfach gemacht hat. Musikalisch bietet das Spiel nichts Besonderes. Zwar ändert sich die Hintergrundmusik dynamisch zu den aktuellen Geschehnissen und Umgebungen, jedoch fehlt es hier deutlich an Abwechslung. Im Gegensatz dazu steht wieder die Geräuschkulisse der Fahrzeuge, die wirklich gut gelungen ist.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Thomas Kurth

Der Zwiespalt, den man in der Spielerschaft von Simulatoren sieht, findet sich auch in den Spielen selbst wieder. Eine richtige Story gibt es, bis auf die Tatsache, dass ihr ein Unternehmen gründet, nicht. Vor allem grafisch merkt man, an welcher Stelle der Fokus lag. Während sich der Gelegenheitsspieler an der Vielzahl von detailreichen Baumaschinen erfreut, die er vielleicht sogar schon einmal selbst gesteuert hat, wird der Core-Gamer sich an den tristen Landschaften stören. Die schwammige Fahrsteuerung durch die offene Spielwelt ist ziemlich anstrengend. Die Steuerung der Maschinen im Baumodus hingegen ist komplex und herausfordernd und macht nach kurzer Eingewöhnungszeit auch durchaus Spaß. Wer bisher allerdings nicht von Simulatoren angetan war, der wird auch um dieses Spiel einen Bogen machen. Vor allem angehende Baumeister und Fans von Simulatoren haben aber sicherlich ihren Spaß am Spiel.
Mein persönliches Highlight: Hans-Peter

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(