Irgendwo in Afrika...

Als die Umsetzung von Resident Evil 5 für Nintendo Switch angekündigt wurde, machte mein Herz Freudensprünge. Auf der PlayStation 3 gehörte der Titel zu einem meiner Lieblingsspiele, da mich und meinen Freund vor allem der kooperative Aspekt reizte und wir dadurch viele Stunden vor dem Fernseher verbrachten. Das gemeinsame Haushalten von Waffen und Munition schuf unheimliche Druckbedingungen und sorgte gleichzeitig für ein sehr kommunikatives Spielen. Wie sich der Titel auf der Nintendo Switch spielt und ob damalige Stärken auch heute noch überzeugen können, erfahrt ihr in unserem Test.


Willkommen in Afrika!


In Resident Evil 5 übernehmt ihr die Rolle von Serienheld Chris Redfield, welcher im Auftrag der BSAA (Bio-Terrorism Security Assistent Alliance) nach Afrika geschickt wird. Hier gilt es, den Waffenhändler Ricardo Irving dingfest zu machen, da dieser biologische Waffen zur Kriegsführung nutzt und die einheimischen Bewohner mit einem neuen Virusstamm infiziert. An die Seite gestellt ist euch dieses Mal Sheva Alomar, eine ebenso einheimische und ortskundige Anhängerin der BSAA. Gemeinsam schlagt ihr euch durch ganz unterschiedliche Szenarien, welche von Dörfern, über Minen bis hin zu einem Vulkan reichen. Abwechslung ist in der Story somit geboten. Während die Geschichte ihren Verlauf nimmt, erfährt man in Rückblenden immer wieder mehr über die Vorgeschichte und den Ursprung zu Resident Evil 5. Hier tauchen unter anderem Serienbösewicht Albert Wesker und die ehemalige BSAA-Agentin Jill Valentine auf und fügen sich sehr gut in das gesamte Szenario ein. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, um die überraschenden Momente nicht vorwegzunehmen. Im Gesamten ist die Story sehr schlüssig, weiß zu überraschen und spornt euch als Spieler an, hinter die Geheimnisse der aktuellen Mission zu kommen.


Die Zwischensequenzen können sich sehen lassen. © Capcom

Im Vordergrund des gesamten Spiels steht die Kooperation eurer beiden Agenten Chris und Sheva. Gemeinsam stellt ihr euch einer unzähligen Anzahl an Gegnern, welche von den Dorfbewohnern bis hin zu fliegenden Parasiten durchaus für eine große Abwechslung sorgen. Spielt ihr das Spiel im Einzelspieler, wird Sheva von einer gut funktionierenden KI gesteuert, welche sich in den meisten Fällen sehr intelligent verhält und durchaus als Unterstützung angesehen werden kann. So befördert ihr eure Partnerin per Räuberleiter beispielsweise auf erhöhte Podeste, von wo aus sie euch Rückendeckung gibt oder sie heilt euch in brenzligen Situationen, um den nahenden Bildschirmtod abzuwehren. Nach dem erstmaligen Durchspielen ist es außerdem möglich, die Rollen zu tauschen, sodass ihr die gesamte Geschichte aus Shevas Sicht spielen könnt, was sehr interessant ist. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass die beiden Charaktere kurzzeitig getrennt werden, sodass ihr zuvor unbekannte Bereiche nun erkunden könnt. Einen spielerischen Unterschied machen die beiden trotz ihrer unterschiedlichen Konstitution zwar nicht, trotzdem ist der Perspektivwechsel sehr spannend.


Alternativ habt ihr jedoch von Beginn an die Möglichkeit, einen zweiten Controller an einen Mitspieler abzugeben oder über das Internet einen zweiten Spieler zu suchen. Dies ist für mich persönlich die spannendste Option, da es mit einem echten Partner eben einfach nochmals besser läuft. Schade ist an dieser Stelle die fehlende Möglichkeit, im Onlinespiel mit dem Partner zu kommunizieren. Zwar stehen euch im Spiel unterschiedliche Befehle zur Verfügung, aber gerade in den Arenakämpfen ist es sehr hilfreich, klare Absprachen mit seinem Partner zu treffen, um sich einen guten Plan zurechtzulegen. Doch auch im Haushalten eurer Waffen und Munition ist Kommunikation das A und O, da es Sinn macht, dass jeder Partner sich auf unterschiedliche Waffentypen beschränkt, um sich nicht gegenseitig die Munition wegzuschnappen. Hier empfehle ich definitiv eine alternative Kommunikationsmöglichkeit mit eurem Partner, um das volle Potenzial des Titels zu entfalten.


Die Sicht über die Schulter von Chris funktioniert tadellos. © Capcom

Wo wir schon bei Waffen sind: Steht euch zu Beginn nur eure Pistole zur Verfügung, erhaltet ihr im Spielverlauf immer mehr Zugriff auf weitere Schießeisen. Schrotflinte, Maschinengewehr und Raketenwerfer reihen sich ebenso in euer Inventar ein, wie auch anfangs geheime Waffen, welche freigespielt werden können. Das Repertoire kann sich wirklich sehen lassen und jede Waffe fühlt sich auch anders an. Dies ermöglicht in den Kämpfen ein taktisches Vorgehen, da man in den einzelnen Situationen abwägen kann, wie man am besten voranschreitet. So gibt es unter anderem einen sehr weitläufigen Levelabschnitt in einem Canyon, welcher euch viele Feinde entgegenstellt. Wer es actionlastig mag, schnappt sich sein Maschinengewehr und prescht einfach durch die Horde durch. Alternativ kann man sich jedoch auch zurückziehen und schaltet per Scharfschützengewehr einen Großteil aus, um Munition und Energie zu sparen. Unterschiedliche Spielertypen kommen somit auf ihre Kosten und jeder kann seinen Weg finden, Resident Evil 5 zu spielen.


In den einzelnen Kapiteln findet ihr nicht nur Munition und Heilkräuter, sondern auch Unmengen an Geld und Schätzen. Diese können dann für neue Waffen, Rüstungen oder das Aufwerten eurer vorhandenen Waffen ausgegeben werden. Hier kommen somit weitere taktische Elemente zum Spiel hinzu, da man sich genau überlegen muss, welche Waffe man aufwerten möchte und dann auch welche Eigenschaft dieser. Neben Schusskraft und Magazingröße stehen je nach Waffentyp nämlich noch die Nachladegeschwindigkeit und weitere Extras zur Verfügung. Auf diese Weise verpasst ihr eurem Spielstil einen weiteren Feinschliff und stürzt euch weiter ins Abenteuer. Die Verbesserungen sind durchaus bemerkbar, sodass man niemals vergessen sollte, sein Geld zu investieren. Schade ist, dass das Aufwerten und Kaufen nach jedem Kapitel geschieht, ohne dass man als Spieler erfährt, woher man die Upgrades eigentlich bekommt. Einen Händler oder ähnliches gibt es nämlich nicht, sodass man als Spieler mit der Stirn runzelt, wenn man mitten im Gebirge plötzlich neue Waffen erhält. Naja, an Logikfehlern wollen wir uns aber nicht festhalten…


Die Missionen sind stets spannend inszeniert, wie hier die Fahrt auf einem Jeep. © Capcom

Technisch macht Resident Evil 5 eine gute Figur. Man sieht zwar den Texturen und auch den Charaktermodellen ihr Alter an, sie können jedoch noch immer überzeugen. Dafür sind die filmreifen Zwischensequenzen so gut und spannend inszeniert, dass man beim Spielen vor dem heimischen TV-Bildschirm den Controller auch mal getrost zur Seite legen kann, um sich das Spektakel anzuschauen. Einbrüche der Framerate sind während der Testphase sowohl im Einzel- als auch im Mehrspielermodus nicht aufgetreten. Die Nintendo Switch-Umsetzung kann sich somit wirklich sehen lassen. Lediglich die Steuerung ist mir bis heute noch ein kleiner Dorn im Auge. So ist es Chris und Sheva zum Beispiel nicht möglich, gleichzeitig zu laufen und zu schießen. Sobald ihr zielt, seid ihr somit ein gefundenes Fressen für alle Feinde, die euch auf die Pelle rücken. Auch die Nahkämpfe sind nicht wirklich intuitiv. So habt ihr nur euer Messer zur Verfügung, welches jedoch höchstens zum Kartoffelschneiden reicht. Besonders spannend ist jedoch die Entscheidung gewesen, in Echtzeit Zugriff auf euer Inventar zu haben. Dies sorgt zum einen für ein sehr flüssiges Spielerlebnis, zum anderen wird aber auch enormer Druck erzeugt, da die Feinde nicht stillstehen. Passende Momente zum Durchsuchen eures Inventars müssen somit genau abgestimmt sein, um nicht den nächsten Dorfbewohner am Hals hängen zu haben. Wirklich toll ist, dass per Patch die Gyrosteuerung dem Spiel hinzugefügt wurde. Diese ermöglicht ein deutlich genaueres Zielen, ist aber auch nicht jedermanns Geschmack. Hier gilt die Faustregel: Probieren geht über Studieren.


Für Langzeitmotivation sorgen gleich mehrere Aspekte. Zum einen finden sich in allen Kapiteln Embleme, die es zu zerstören gilt. Je mehr ihr von diesen findet und zerstört, desto mehr Bonusinhalte schaltet ihr frei. Dieses Suchen und Finden hat mir sehr viel Spaß gemacht, da sie nicht immer offensichtlich präsentiert werden, sondern auch mal abseits des Spielbereichs liegen und so nur mit dem Scharfschützengewehr zu erreichen sind. Weiter sind die beiden Story-DLCs „In Albträumen verloren“ und „Eine verzweifelte Flucht“ im Spiel enthalten. Ohne Inhalte vorwegzunehmen sei gesagt, dass sich beide sehr gut in das gesamte Spiel einfügen, da offene Fragen geklärt werden, die vor und während Resident Evil 5 liegen. Neben den DLCs schaltet ihr nach dem erstmaligen Durchspielen auch die beiden Spielmodi „Keine Gnade“ und „Die vereinten Söldner“ frei. In diesen gilt es abermals sich in Arenen Horden von Gegnern gegenüberzustellen und die eigenen Highscores zu überbieten. Mich persönlich konnten sie abseits der Story nicht wirklich überzeugen, da ich kein Fan von reinen Arenakämpfen und Zeitdruck bin. Da man jedoch auch hier weitere Inhalte freispielen kann, habe ich sie dennoch intensiv ausprobiert. Zu den genannten freispielbaren Inhalten gehören neben den eingangs erwähnten neuen Waffen für das Hauptspiel auch Kostüme oder Filter.


Resident Evil 5 ist und bleibt ein Mehrspieler-Hit!


Zuletzt bleibt die spannende Frage offen, für wen Resident Evil 5 geeignet ist, da es sich aufgrund des großen Actionanteils doch von vorherigen Vertretern der Serie stark unterscheidet. Ich persönlich sehe die Stärke des Titels wirklich im Mehrspieler-Modus. Hier kommt das volle Potenzial des Titels zum Tragen und kann über Wochen hinweg überzeugen, wenn man alle Schwierigkeitsgrade, Embleme, Kostüme freispielen möchte. Dass das alles zusammen mit einem Partner möglich ist, motiviert enorm, da das Gefühl des „gemeinsam sind wir stark“ aufkommt. Schockmomente, wie man sie von Resident Evil kennt, kommen jedoch auch hier vor. Unglaublich angespannt war ich zum Beispiel bei meinen Kämpfen gegen die mit Kettensägen bewaffneten Dorfbewohner. Die Inszenierung von einigen dieser Bosskämpfe ist so bedrückend, dass auch Einzelspieler und Fans der Reihe ihren Spaß am Titel haben werden. Wer sich unsicher ist, sollte einen Blick auf die Demo im Nintendo eShop werfen, bevor er gegebenenfalls zuschlägt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Maik Styppa-Braun

Resident Evil 5 gehört für mich zu einem der besten Mehrspieler-Titel, die es gibt. Sich gemeinsam mit einem Freund durch die aufkommenden Gegner zu schießen, macht so unglaublich viel Spaß, dass jeder es einmal ausprobiert haben sollte. Die vielen sammelbaren und freispielbaren Gegenstände, Waffen, Kostüme etc. sorgen außerdem für eine hohe Langzeitmotivation beim Spielen. Doch auch Einzelspieler kommen auf ihre Kosten, da die KI durchaus intelligent handelt und euch in brenzligen Situationen gut zur Seite steht. Dass man sich während des Zielens nicht bewegen kann und die doch sehr einfachen Nahkampfangriffe ärgern mich zwar bis heute, stören das Gesamtbild aber nur minimal. Technisch macht der Titel auch auf der Nintendo Switch eine solide Figur, auch wenn man merkt, dass der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen hat. Lediglich Fans der ersten Resident Evil-Teile, welche mit vielen Schockmomenten in den Gedächtnissen geblieben sind, können enttäuscht werden. Zwar gibt es diese noch immer und gerade in den Bosskämpfen kommt immer wieder ein beklemmendes Gefühl auf, zu den Ursprüngen findet Resident Evil 5 jedoch nicht zurück.
Mein persönliches Highlight: Als ich das erste Mal einem mit Kettensäge bewaffneten Gegner gegenüberstand!

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

19 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • JansonButtonMasher

    Turmknappe

    Man man, diese extrem schlechten Leserwertungen bei jedem Titel nerven brutal. Eine Wertung mit "1" bedeutet für mich, dass ein Spiel quasi nicht spielbar ist -noch verbugger als WWE 2k20. Und das trifft auf Resident Evil 5 nicht zu. Etwas mehr Objektivität bitte, meine Damen und Herren!

  • min-Bekker

    Turmbaron

    @JansonButtonMasher noch schlimmer sind da nur noch die Amazon-Bewertungen. Wenn einem "Witcher 3" 1 von 5 Sternen spendiert wird, weil die Story so langweilig wäre und sich nur Masochisten die 150 Stunden Spielzeit antun würden. ;)

  • mrcb

    Turmritter

    Ich würde eine knappe 7 geben. Finde diesen Teil gar nicht mal so schlecht, aber mich nervt es sehr, dass ich meiner KI Partnerin immer die schlechtesten Waffen und dosierte Munition geben muss, damit sie nicht inflationär in der Gegend rum ballert. Egal wie man sie einstellt.
    Ansonsten ganz okay für mich, kein Ausreißer nach oben oder unten, dieser Teil der RE Reihe